Das Bild zeigt eine Frau, die eine Kontaktlinse einsetzt.
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Acanthamoeba

Die Acanthamoeba ist eine freilebende Amöbenart, die zur Gattung der Protozoen gehört. Das heißt, es handelt sich bei der Acanthamoeba um ein einzelliges Lebewesen, dass seine Körperform laufend ändert.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Die Amöbenart Acanthamoeba ist weltweit verbreitet – man findet sie zum Beispiel

  • in verschiedenen Gewässern (Seen und Flüssen),
  • im Erdboden,
  • im Sand und
  • im Staub.

Die Acanthamöben kommen aber auch in Leitungs- und Schwimmbadwasser vor, da die Erreger resistent gegen die üblichen Chlorkonzentrationen sind. Daher werden die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens mit der Protozoen-Art Acanthamoeba in Kontakt kommen – doch nur in sehr seltenen Fällen entsteht als Folge eine Erkrankung.

Vor allem Kontaktlinsenträger kommen häufig in Kontakt mit der Amöbenart Acanthamoeba. Der Grund: Acanthamöben befinden sich unter Umständen auch in den Lösungen, die zur Aufbewahrung und Spülung von Kontaktlinsen dienen.

Typischerweise gelangen die Amöben mit dem Leitungswasser oder über die Luft in die Kontaktlinsenbehälter. Setzt man die kontaminierten Kontaktlinsen ein, so können sich die Amöben auf der Hornhaut des Auges ansiedeln.

Kontaktlinsenträger sollten daher darauf achten,

  • ihre Kontaktlinsen regelmäßig zu desinfizieren,
  • die Lösungen häufig zu wechseln und
  • beim Schwimmen oder im Whirlpool auf Kontaktlinsen zu verzichten.

Wissenswertes

Die Deutsche Gesellschaft für Protozoologie hat die Gattung Acanthamoeba zum Einzeller des Jahres 2012 gekürt. Dies verdeutlicht den hohen Stellenwert dieser Amöbenart.

Erkrankungen mit Acanthamoeba sind eher selten und betreffen besonders Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Bei ihnen kann es zu einer

kommen.

Sowohl die Acanthamoeba-Keratitis als auch die granulomatösen Amöbenenzephalitis (GAE) treten weltweit auf – im Jahre 2009 wurden etwa 3.000 Fälle von Acanthamoeba-Keratitis und etwa 300 Fälle von GAE beschrieben.

Acanthamoeba-Keratitis

Bei der Acanthamoeba-Keratitis handelt es sich um eine sehr seltene Erkrankung der Augen. Experten schätzen, dass von einer Million Kontaktlinsenträgern weniger als 30 an einer Acanthamoeba-Keratitis erkranken.

Eine Acanthamoeba-Keratitis weist die gleichen Symptome auf wie eine von Viren, Pilzen oder Bakterien verursachte Hornhautentzündung. Erste Anzeichen einer Acanthamoeba-Keratitis sind meist hohe Lichtempfindlichkeit und starke Augenschmerzen. Im weiteren Verlauf können weitere Beschwerden auftreten, wie zum Beispiel

  • eine getrübte Hornhaut,
  • ein vermindertes Sehvermögen,
  • tränende oder trockene Augen und
  • ein Fremdkörpergefühl im Auge.

Grundsätzlich kann die Acanthamoeba-Keratitis jeden betreffen – besonders häufig tritt sie allerdings bei Kontaktlinsenträgern auf. Der Grund: Eine schlechte Kontaktlinsen-Hygiene zieht Amöben an. Sobald man die Kontaktlinsen einsetzt, kommen die Erreger mit der Hornhaut des Auges in Kontakt und können dort eine Hornhautentzündung auslösen. Unter Umständen verbreiten sich die Amöben über den Blutkreislauf im Körper und können dadurch auch Gewebe des zentralen Nervensystems oder von Körperorganen besiedeln.

Häufig wird die Acanthamoeba-Keratitis zu Beginn nicht erkannt oder mit einer Hornhautentzündung aufgrund von Herpes-Viren verwechselt. Um festzustellen, welche Erreger genau für die Augenbeschwerden verantwortlich sind, kann der Arzt die Kontaktlinsenflüssigkeit und die Hornhaut des Auges untersuchen.

Eine Acanthamoeba-Keratitis kann der Arzt medikamentös mit Chlorhexidin- oder Propamidin-Augentropfen behandelt. In einigen Fällen wird die Keratitis operativ behandelt und die Hornhaut durch eine Spenderhornhaut ersetzt (Keratoplastik).

Tipp

Um eine Hornhautentzündung des Auges durch Acanthamoeba (Acanthamoeba-Keratitis) bei Kontaktlinsenträgern zu vermeiden, sollte man zum Reinigen und Aufbewahren von Kontaktlinsen ausschließlich sterile Kontaktlinsenflüssigkeiten verwenden.