Zwei Babys spielen im Kindergarten.
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Krätze im Kindergarten

Krätze (Skabies) scheint in Deutschland wieder auf dem Vormarsch zu sein, wenn man die Meldungen über Fälle in Kindergärten verfolgt. Was genau ist eigentlich Krätze, worauf sollten Eltern achten und breitet sich die Krankheit wirklich wieder aus?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Krätze im Kindergarten

Auf die Schnelle: Krätze ist, wie ein Läusebefall, extrem lästig und unangenehm, gefährdet aber nicht akut die Gesundheit. Ebenfalls ähnlich wie bei Läusen sind Parasiten beteiligt, die Krätzmilben. Diese kaum sichtbaren Spinnentiere graben Gänge in die oberste Hautschicht und legen dort Eier und Kot ab.

Steckbrief: Krätze

  • Inkubationszeit: 4-6 Wochen von der Ansteckung bis zu ersten Hautreaktionen
  • Symptome:
    • Hautjucken und -brennen (besonders nachts)
    • Bläschen, Knötchen, Pusteln und eitrige Entzündungen
  • Wo zeigen sich Symptome?
    • Zwischen Fingern und Zehen
    • An Hand- und Fußgelenken
    • Achseln
    • Genitalbereich
    • Brustwarzen
    • Ellenbogen
    • Bei Babys und Kleinkindern auch Gesicht und Kopf
  • Ansteckend über längeren Hautkontakt und evtl. Bettwäsche
  • Vorbeugen kaum möglich
  • Behandlung über schnell wirkende Salbe, Creme oder Spray (mit Wirkstoffen wie Permethrin, Crotamiton, Benzylbenzoat) sowie Tabletten (Ivermectin)
  • kein Kindergarten über Dauer der Behandlung
  • meldepflichtig

Ab wann ist Krätze ansteckend?

Krätze ist ansteckend, sobald jemand die Krätzmilben am Körper trägt – und damit kaum zu vermeiden. Denn bis die Krankheit sich bemerkbar macht, vergehen Wochen, in denen der Infizierte jede Menge andere Menschen anstecken kann.

Darum sind besonders Kindertagesstätten betroffen: Hier haben die Kinder zueinander häufig und lange Körperkontakt.

Weitere mögliche Ansteckungsgefahr besteht:

  • in Gemeinschaftseinrichtungen wie Seniorenheimen,
  • bei Sexualpartnern sowie
  • bei Familienmitgliedern und engen Freunden.

Worauf achten?

Zunächst einmal: Ruhe bewahren! Krätze sieht unschön aus, juckt schrecklich und hat einen unhygienischen Beigeschmack. An mangelnder Hygiene im Kindergarten oder zu Hause liegt es aber wirklich nicht, es kann einfach niemand etwas dafür.

Dennoch sollten Sie ein paar wichtige Punkte beachten:

  • Gehen Sie bei den ersten Anzeichen für einen Krätzmilben-Befall zum Arzt.
  • Führen Sie die Behandlung bei allen Familienmitgliedern durch, auch wenn diese (noch) keine Symptome zeigen.
  • Waschen Sie während der Behandlung täglich Unterwäsche, Bettwäsche, benutzte Handtücher und Kuscheltiere bei mindestens 60 Grad Celsius.
  • Lassen Sie Ihr Kind, solange die Behandlung dauert, zu Hause.
  • Melden Sie die Erkrankung dem Kindergarten / der Schule.
  • Vermeiden Sie möglichst Körperkontakt zum Erkrankten. Ist das nicht möglich, verwenden Sie Einmalhandschuhe und tragen Sie lange Ärmel (z.B. wenn Sie ein infiziertes Kleinkind wickeln).
  • Saugen Sie Polstermöbel öfter ab.
  • Schneiden Sie die Nägel Ihres Kindes möglichst kurz, damit es sich beim Kratzen keine weiteren Verletzungen zufügen kann.

Krätze wieder auf dem Vormarsch?

Die Zahlen sind nicht eindeutig. Die Meldepflicht für Krätze gilt nur eingeschränkt, etwa für Kindergärten, sodass nicht jeder Fall bekannt wird. Für das Jahr 2016 hat das Robert Koch-Institut Daten gesammelt und konnte 7.000 Fälle ermitteln. Experten vermuten aber, dass diese Zahl die Situation nicht richtig darstellt und es deutlich mehr Erkrankungen an Krätze gibt. Ein starker Anstieg, etwa in Kindergärten, konnte aber nicht beobachtet werden. Tatsächlich ist Krätze dafür bekannt, hin und wieder gehäuft aufzutreten, was die Meldungen von 2017 erklären könnte.