Gehirnerschütterung (Commotio cerebri): Diese Symptome sollten Sie kennen

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (02. Januar 2018)

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Die Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) ist eine häufige Kopfverletzung. Beim Sport, im Straßenverkehr, aber auch im Haushalt ist es schnell passiert: Durch einen Sturz oder einen Schlag auf den Kopf kann dieses leichte Schädel-Hirn-Trauma entstehen.

Was ist eine Gehirnerschütterung?

Eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) ist ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma. Unter einem Schädel-Hirn-Trauma verstehen Ärzte alle durch Krafteinwirkung entstandenen Schädelverletzungen, bei denen das Hirngewebe verletzt oder in seiner Funktionalität gestört ist. Eine Gehirnerschütterung verursacht keine bleibenden Schäden am Hirngewebe, das heißt, die Verletzung ist reversibel. Mediziner sprechen bei einer Gehirnerschütterung auch von einer Commotio cerebri (lat. commo̲tio = Erschütterung; cẹrebrum = Gehirn).

Normalerweise schützt der Schädelknochen das Gehirn vor äußeren Einflüssen. Durch ruckartiges Anschlagen des Gehirns an den Knochen – zum Beispiel nach durch einen Schlag auf den Kopf – kann jedoch das Hirngewebe in Mitleidenschaft gezogen werden. Eine Gehirnerschütterung ist eine mögliche Folge.

Die gute Nachricht: Eine Gehirnerschütterung verursacht in der Regel keine bleibenden Schäden. Wichtige Voraussetzung für die Genesung ist, dass sich der Betroffene ausreichend schont und nicht frühzeitig wieder körperlich aktiv ist. In den ersten Tagen nach der Gehirnerschütterung ist Bettruhe angesagt.

Gehirnerschütterung: Typische Symptome

Typische Symptome einer Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) sind:

Der Betroffene wird unmittelbar nach der Gehirnerschütterung meist kurzzeitig bewusstlos. In der Regel hält die Bewusstlosigkeit wenige Sekunden bis zu 15 Minuten an, in seltenen Fällen kann sie auch länger bestehen. Für Außenstehende kann es so wirken, als sei die Person gar nicht bewusstlos gewesen, etwa, weil sie nach sehr kurzer Bewusstlosigkeit direkt nach einem Sturz wieder aufsteht. Der Betroffene kann sich noch bis zu 60 Minuten nach dem Ereignis leicht benommen fühlen.

Nach einer Gehirnerschütterung kann sich die Person nicht mehr genau an den Unfallhergang erinnern. Die Erinnerungslücken können aber auch die Zeit unmittelbar vor dem Unfall (sog. rückwirkende bzw. retrograde Amnesie) oder direkt nach dem Unfall (sog. vorwärtswirkende bzw. anterograde Amnesie) umfassen.

Beachten Sie: Auch wenn diese Symptome fehlen, kann trotzdem eine Gehirnerschütterung oder eine sonstige Schädigung des Gehirns vorliegen. Gelegentlich setzen manche der Symptome verzögert ein – bis zu zwölf Stunden nach der Gehirnerschütterung. Je nach Unfallhergang kann eine Wunde oder Beule zu sehen sein.

In manchen Fällen bleiben Symptome einer Gehirnerschütterung noch über einen längeren Zeitraum bestehen. Hierzu zählen etwa Kopfschmerzen, Schwindel, eine rasche Ermüdbarkeit, mangelnde Konzentration und Gedächtnisschwäche. Diese Symptome können einige Monate anhalten. Sie bilden sich in der Regel spätestens nach zwölf Monaten vollständig zurück.

Bei möglichen Symptomen einer Gehirnerschütterung sollten Sie sofort den Arzt aufsuchen beziehungsweise einen Notarzt (112) alarmieren. Er kann feststellen, ob tatsächlich eine Gehirnerschütterung vorliegt und schwerere Verletzungen ausschließen.

Eine Frau hält sich die Hand an den Kopf: Typische Symptome einer Gehirnerschütterung sind etwa Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel. © Jupiterimages/iStockphoto

Mögliche Symptome einer Gehirnerschütterung sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel.

Gehirnerschütterung: Ursachen

Eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) entsteht durch stumpfe Krafteinwirkung auf den Kopf.

Mögliche Ursachen sind etwa

  • ein Sturz,
  • ein Schlag oder
  • heftiges Anstoßen oder Anprallen des Kopfes gegen einen harten Widerstand.

Das Gehirn "schwimmt" normalerweise im Schädel in einer Hirnflüssigkeit (Liquor). Durch äußere, ruckartige Einwirkung kann der Schädel stark beschleunigt werden. Stoppt die Bewegung plötzlich, schlägt das Gehirn gegen den Schädelknochen. Eine Gehirnerschütterung kann die Folge sein. Stürzt beispielsweise eine Person vom Fahrrad, so wird der Fall durch den Aufprall am Boden abrupt gebremst, sodass das Hirn an den Schädel stoßen kann.

Eine Gehirnerschütterung entsteht häufig beim Sport, zum Beispiel beim Boxen, beim Inline-Skating oder beim Fußball. Aber auch im Haushalt oder im Straßenverkehr sind Stürze oder andere äußere Einwirkungen, die zu einer Gehirnerschütterung führen, keine Seltenheit.

Ein Junge mit einer Beule: Eine Gehirnerschütterung kann viele Ursachen haben. © iStock

Eine Gehirnerschütterung kann viele Ursachen haben, so etwa ein Schlag auf den Kopf beim Boxen oder ein Sturz beim Spielen.

Gehirnerschütterung: Diagnose

Der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) muss durch eine sorgfältige Untersuchung bestätigt werden. Zur Sicherung der Diagnose befragt der Arzt den Betroffenen und gegebenenfalls Zeugen zunächst nach den Symptomen, prüft Bewusstsein und Motorik sowie den Allgemeinzustand der Person. Bei der Untersuchung ist es besonders wichtig, ernstere Verletzungen auszuschließen.

Bei einer Gehirnerschütterung handelt es sich um ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma. Anhand der sogenannten Glasgow-Koma-Skala (engl.: Glasgow Coma Scale, GCS) legt der Arzt den Schweregrad des Traumas bei Erwachsenen fest. Mithilfe der Skala erfasst er den Bewusstseinszustand des Betroffenen. Hierzu führt der Arzt verschiedene Reaktionstests durch und vergibt für jede Reaktion Punkte. Bei den Tests prüft er grob drei Aspekte:

  • Öffnet der Patient die Augen?
  • Bewegt er sich (Motorik)?
  • Spricht er?

Je schlechter die Reaktion ausfällt, desto weniger Punkte gibt es. Zeigt der Patient auf einen Test keine Reaktion, erhält er für diese Kategorie nur 1 Punkt. Insgesamt können 3 bis 15 Punkte erreicht werden, wobei 3 Punkte für ein schweres, 15 Punkte für ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma stehen.

Bei einem leichten Schädel-Hirn-Trauma wie der Gehirnerschütterung erreicht der Patient auf der Skala 13 bis 15 Punkte.

Zudem untersucht der Mediziner den Kopfbereich und prüft, ob Knochenverletzungen sicht- oder tastbar sind. Mithilfe einer Computertomographie (CT) kann er feststellen, ob weitere Schäden vorliegen, so zum Beispiel schwerere Verletzungen des Hirns, aber auch zusätzliche Beeinträchtigungen an anderen Körperteilen, etwa an der Halswirbelsäule. Gegebenenfalls wird der Arzt zudem mithilfe einer Elektroenzephalographie (EEG) prüfen, ob die Hirnaktivität verändert ist.

CT vom Schädel: Mithilfe einer Computertomographie kann der Arzt feststellen, ob weitere Schäden vorliegen © Jupiterimages/iStockphoto

Um ernste Verletzungen auszuschließen, kann eine Computertomographie sinnvoll sein.

Insbesondere, wenn die Person sehr lange bewusstlos war oder länger anhaltende Erinnerungslücken (Amnesie) aufweist, muss der Arzt prüfen, ob ernstere Verletzungen wie zum Beispiel eine Gehirnprellung (Contusio cerebri) oder gar eine Gehirnblutung vorliegen. Hat die Computertomographie trotz starker Beschwerden kein eindeutiges Ergebnis erbracht, kann zusätzlich eine Magnetresonanztomographie (MRT) sinnvoll sein.

Gehirnerschütterung: Behandlung

Bei Verdacht auf Gehirnerschütterung (Commotio cerebri), sollte man die Person zunächst am Ort des Geschehens versorgen. Anschließend wird der Arzt die Verletzung untersuchen und eine entsprechende Behandlung einleiten.

Auch wenn sich der Betroffene vermeintlich wieder wohl fühlt: Bei Anzeichen für eine Gehirnerschütterung sollte er sein bisherige Tätigkeit abbrechen, also zum Beispiel einen sportlichen Wettkampf sofort beenden.

Nur durch eine ärztliche Untersuchung können schwerere Verletzungen ausgeschlossen werden. Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung sollten Sie daher  sofort den Arzt aufsuchen beziehungsweise einen Notarzt (112) alarmieren. 

Erstversorgung bei Verdacht auf Gehirnerschütterung

Wenn Sie vermuten, dass eine andere Person eine Gehirnerschütterung hat:

  • Bewahren Sie Ruhe.
  • Reden Sie beruhigend auf die Person ein und lassen Sie sie auf keinen Fall allein!
  • Behandeln Sie vorhandene Wunden und fragen Sie nach dem Unfallhergang, falls der Betroffene ansprechbar ist.
  • Rufen Sie einen Notarzt (112).
  • Wenn der Betroffene bei Bewusstsein ist:
    • Lagern Sie den Verletzten mit leicht erhöhtem Oberkörper und decken Sie ihn möglichst zu.
    • Achten Sie auf Puls, Herzschlag und Atmung des Betroffenen.
    • Ist der Person übel, sollten Sie sie seitlich lagern.
    • Auch wenn es der Person scheinbar besser geht: Geben Sie ihr weder Essen noch Getränke oder Medikamente!
  • Wenn der Betroffene bewusstlos ist:
    • Prüfen Sie Puls, Herzschlag und Atmung der Person (Vitalzeichen).
    • Bringen Sie den Verletzten in die stabile Seitenlage.
    • Bedecken Sie Stirn und Nacken mit kalten Tüchern.

Weitere Behandlung

Nach einer Gehirnerschütterung sollte die Person zur Sicherheit für 24 Stunden ärztlich überwacht werden.

Zudem sollte man für ein paar Tage Bettruhe halten und sich körperlich schonen. Auf Sport sollte man verzichten – ebenso wie auf den Fernseher. Gegen Kopfschmerzen kann der Betroffene nach Rücksprache mit dem Arzt Schmerzmittel (Analgetika) einnehmen. Bei Übelkeit verschreibt der Arzt unter Umständen Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen, sogenannte Antiemetika.

Gehirnerschütterung: Verlauf & Vorbeugen

Eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) klingt im weiteren Verlauf in der Regel innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen ohne Folgeschäden ab. Wichtig ist, dass Sie sich ausreichend Zeit für die Genesung nehmen und nicht verfrüht beginnen, wieder Sport zu treiben oder zu aktiv zu sein.

Postkommotionelles Syndrom

Selten verspürt der Betroffene noch über einen längeren Zeitraum Beschwerden wie Kopfschmerzen, Reizbarkeit oder rasche Ermüdbarkeit. Dieser Zeitraum kann einige Monate umfassen. Die Beschwerden können sich unmittelbar nach der Gehirnerschütterung bemerkbar machen, aber auch erst später auftreten, nachdem der Patient bereits beschwerdefrei war. 

Vorbeugen

Sie können einiges tun, um das Risiko für eine Gehirnerschütterung zu senken. Insbesondere, wenn Sie sportlich aktiv sind, sollten Sie Stürzen oder Schlägen auf den Kopf vorbeugen.

Gerade riskantere Sportarten sollten Sie nie ausüben, wenn Sie in einer schlechten körperlichen Verfassung sind. Das Risiko für eine Verletzung ist ansonsten besonders hoch. Schützen Sie Ihren Kopf bei Sturzgefahr, indem Sie einen Helm tragen, so zum Beispiel bei Sportarten wie

  • Radfahren, Mountain-Biking,
  • Motorradfahren,
  • Inline-Skating,
  • Skifahren,
  • Rodeln oder
  • Eishockey.

Eine junge Mutter setzt ihrem Sohn einen Fahrradhelm auf. © Jupiterimages/iStockphoto

Effektiv vorbeugen: Mit einem Helm können Sie Ihren Kopf in vielen Fällen vor Gehirnerschütterung schützen.

Gehirnerschütterung trotz Helm

Insbesondere Kinder können auch trotz eines Helms eine Gehirnerschütterung bekommen. Eltern sollten daher immer auf mögliche Anzeichen einer Gehirnerschütterung achten, wenn das Kind gestürzt ist.

Wenn Sie doch einmal gestürzt sind oder einen Schlag auf den Kopf bekommen haben: Beim geringsten Verdacht auf eine Gehirnerschütterung oder eine andere Verletzung sollten Sie vorsichtshalber Ihre Tätigkeit sofort unterbrechen und den Arzt aufsuchen!

Treiben Sie nach einer Gehirnerschütterung erst dann wieder Sport, wenn Sie keine Beschwerden mehr haben und der Arzt Ihnen "grünes Licht" gibt.

Gehirnerschütterung: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Commotio cerebri. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 20.6.2017)

Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2016

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Schädel-Hirn-Trauma im Erwachsenenalter. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 008/001 (Stand: 2. Dezember 2015)

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Pressemitteilung des Deutschen Ärzteblatts: Kinder können auch mit Helm eine Gehirnerschütterung erleiden (6. Januar 2014)

Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Pressemitteilung des Berufsverbands Deutscher Neurologen e.V.: Gehirnerschütterung: Schwindel und Übelkeit können auch Stunden später auftreten (30.08.2011)

Rieger, H.: Sportverletzt – was jetzt? Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2010

Aktualisiert am: 2. Januar 2018

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