Das Bild zeigt eine Frau, die sich an den Zahn greift.
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Frontzahntrauma

Das Frontzahntrauma ist weit verbreitet: Jeder zweite Mensch zieht sich irgendwann in den ersten 50 Lebensjahren (z.B. durch einen Stoß, Schlag oder Fall) eine Verletzung an einem Frontzahn (d.h. Schneidezahn oder Eckzahn) zu. Am häufigsten kommen solche unfallbedingten Zahnschäden bei Kindern und Jugendlichen vor.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Schneidezähne und Eckzähne können durch ein Frontzahntrauma auf verschiedene Weise geschädigt sein: So kann ein Frontzahn zum Beispiel abgebrochen und dazu sein Knochenfach und das umliegende Zahnfleisch beschädigt sein. Der extremste Zahnschaden ist der vollständige Verlust eines oder mehrerer Frontzähne. Dabei sind die Frontzähne im Oberkiefer wegen ihrer Größe und Lage häufiger betroffen.

Ob und welche Beschwerden bei einem Frontzahntrauma auftreten, hängt unter anderen vom Ausmaß der Zahnschädigung ab: Wenn ein Zahn vollständig herausbricht, entsteht eine schmerzende und blutende Wunde im Ober- oder Unterkiefer. Unter Umständen kann auch der Kieferknochen geschädigt sein. Wenn hingegen ein Schneidezahn oder Eckzahn teilweise abgebrochen ist, bedeutet dies meist nur eine optische Beeinträchtigung.

Wie die zahnärztliche Behandlung bei einem Frontzahntrauma aussieht, richtet sich zunächst danach, ob Milchzähne oder bleibende Zähne betroffen sind. Bei einem Zahnschaden im Milchgebiss kann man den verletzten Zahn einfach ziehen. Bei einem Zahntrauma im bleibenden Gebiss zielt die Therapie darauf ab, geschädigte Frontzähne nach Möglichkeit zu erhalten.

Meist gelingt es auch, bleibende Zähne nach einem Frontzahntrauma zu erhalten:

  • Sind die Zähne nur locker, kann man sie schienen, um ihre Regeneration zu unterstützen.
  • Auch ein abgebrochener Frontzahn im bleibenden Gebiss führt nicht unbedingt zum Zahnverlust: Ist ein Frontzahn abgebrochen, ist es (abhängig von der Lage der Bruchstelle) in der Regel möglich, ihn (z.B. durch eine Füllung) zu erhalten.
  • Vollständig ausgeschlagene Zähne lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen wieder einsetzen (bzw. reimplantieren).

Eine Voraussetzung für die erfolgreiche Reimplantation ist, dass der ausgeschlagene Zahn unversehrt sein muss. Dazu ist es wichtig, ausgeschlagene Zähne oder Zahnstücke feucht zu lagern, damit sie nicht austrocknen und absterben: Am besten ist hierzu eine sogenannte Zahnrettungsbox geeignet, die in Apotheken erhältlich ist. Notfalls kann man sich kurzfristig auch mit Kochsalzlösung, Milch, Plastikfolie oder Speichel behelfen. Je schneller die Reimplantation nach dem Frontzahntrauma geschieht, desto besser stehen die Chancen, dass der wieder eingesetzte Zahn auch einwächst. Gelingt dies nicht, bietet sich ein Zahnersatz für die fehlenden Frontzähne an.

Definition

Ein Frontzahntrauma ist ein durch mechanische Krafteinwirkung (z.B. beim Stoß, Schlag, Fall) hervorgerufener Schaden an einem Frontzahn. Als Frontzähne fasst man die Schneidezähne und Eckzähne zusammen. Diese Zähne können verschiedene Arten von Verletzungen aufweisen: Beispielsweise kann der Frontzahn abgebrochen und dazu sein Knochenfach und das umliegende Zahnfleisch beschädigt sein.

Das extremste Frontzahntrauma ist der vollständige Verlust eines oder mehrerer Frontzähne.

Häufigkeit

Das Frontzahntrauma entsteht mit recht großer Häufigkeit: Jeder zweite Deutsche zieht sich bis zum 50. Lebensjahr eine solche Zahnverletzung zu. Die meisten Zahnschäden an einem Frontzahn treten bei Kindern und Jugendlichen infolge von Unfällen auf. Dabei sind die Frontzähne im Oberkiefer aufgrund ihrer Größe und Lage häufiger von Verletzungen betroffen als die Schneide- und Eckzähne im Unterkiefer.

Ursachen

Einem Frontzahntrauma liegen als Ursachen immer mechanische Verletzungen zugrunde: Ein Stoß, Schlag, Fall oder auch ein sportlicher Körpereinsatz kann zu einer Verletzung der Frontzähne führen. Kinder und Jugendliche ziehen sich einen Schaden an einem Frontzahn meist durch einen Unfall zu.

Verletzungen im Gesicht bedeuten deshalb ein hohes Risiko für ein Frontzahntrauma, weil die Frontzähne vorne im Zahnbogen sitzen: Wenn jemand beispielsweise stürzt und aufs Gesicht fällt, erwischt es die in ihrer Position völlig ungeschützten Schneide- und Eckzähne in der Regel als Erstes – besonders die im Oberkiefer.

Symptome

Bei einem Frontzahntrauma können verschiedene Symptome auftreten. Welche das sind, hängt zum einen von der Ursache der Zahnschädigung ab (d.h. davon, ob das Zahntrauma an dem Frontzahn z.B. infolge einer Verletzung oder eines Unfalls entstand). Zum anderen ist das Ausmaß der Zahnschädigung für die auftretenden Symptome entscheidend.

Besteht das Frontzahntrauma in einem vollständigen Zahnverlust, sind die Symptome in der Regel am heftigsten: Wenn ein Zahn vollständig herausgebrochen ist, schmerzt und blutet die Wunde im Ober- oder Unterkiefer. Unter Umständen ist bei einem solchen Frontzahntrauma auch der Kieferknochen in Mitleidenschaft gezogen. Wenn ein Frontzahn (Schneidezahn oder Eckzahn) nur teilweise abgebrochen ist, entstehen hingegen meist nur optische Beeinträchtigungen.

Diagnose

Nach einem Frontzahntrauma beurteilt der Zahnarzt im Rahmen der Diagnose die entstandenen Schäden an den Frontzähnen (d.h. Schneidezähne oder Eckzähne). Je nach Art der Schädigung kann man dabei periphere und zentrale Kippungen der Frontzähne sowie Zahnbrüche unterscheiden:

  • Periphere Kippungen umfassen alle Grade der Lockerung eines Frontzahns, von teilweiser und unvollständiger Kippung bis zum vollständigen Zahnverlust.
  • Zentrale Kippungen sind Kippungen eines Zahns nach innen, also ein Hineinschlagen in den Kieferknochen.
  • Zahnbrüche (Frakturen) unterteilt man nach ihrem Ausmaß in Sprünge, Schmelz-, Kronen-, Wurzel-, Quer-, Schräg- oder Längsfrakturen.

Je stärker Frontzähne durch das Frontzahntrauma gekippt beziehungsweise gelockert sind, desto weniger wahrscheinlich ist ihr Bruch – und umgekehrt. Ob ein Zahn gebrochen oder locker ist, stellt der Zahnarzt fest, indem er den Zahn vorsichtig betastet. Außerdem trägt ein Röntgenbild dazu bei, das Ausmaß des Frontzahntraumas zu erkennen.

Therapie

Bei einem Frontzahntrauma hängt die geeignete Therapie davon ab, ob der verletzte Zahn ein Milchzahn oder ein bleibender Zahn ist und auf welche Art er verletzt ist.

Wenn das Frontzahntrauma in einem Zahnverlust besteht oder gleichzeitig äußere Schürfwunden oder Schleimhautverletzungen entstanden sind, ist es neben der zahnärztlichen Therapie in jedem Fall wichtig, den Impfschutz gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) zu überprüfen und die Impfung bei Bedarf aufzufrischen.

Milchzähne

Wenn das Frontzahntrauma keine bleibenden Zähne, sondern Milchzähne betrifft, besteht die Therapie meist darin, den betroffenen Zahn (bzw. die betroffenen Zähne) zu ziehen: Durch das Ziehen der verletzten Milchzähne kann man Schmerzen und weitere Störungen des bleibenden Zahns ausschließen und der Erwachsenenzahn kann schneller durchbrechen.

Zahnsprünge

Bei einem Frontzahntrauma an einem bleibenden Zahn kann der Zahnarzt zur Therapie einen einfachen Schutzfilm auf den Zahn aufbringen, um Zahnsprünge zu behandeln. Bleibt ein Sprung im Zahn unbehandelt, kann das den betroffenen Frontzahn empfindlich machen. Durch den Schutzfilm kann man diese möglicherweise auftretende Empfindlichkeit vermeiden.

Zahnbrüche

Wenn bei einem Frontzahntrauma Zähne brechen, hängt die Therapie vom Ausmaß der Zahnbrüche (Zahnfrakturen) ab.

Zahnbrüche im Kronenbereich kann der Zahnarzt durch eine Füllung beheben, wenn die Zahnnerven der betroffenen Frontzähne unverletzt oder nur minimal geschädigt sind. Liegen nach dem Frontzahntrauma jedoch Zahnnerven großflächig frei, ist eine Wurzelkanalbehandlung notwendig. Unter Umständen bringt der Zahnarzt einen Stift in den Zahn ein und fertigt eine Krone an, um ihn zu überkronen.

Bei einem Zahnbruch im oberen oder mittleren Wurzelbereich besteht keine Hoffnung mehr für den gebrochenen Frontzahn – ein solches Frontzahntrauma macht es erforderlich, den Zahn zu ziehen. Dagegen haben Zahnbrüche im unteren Wurzelbereich eine bessere Prognose. Dann kann der betroffene Frontzahn erhalten bleiben durch:

  • Entfernung der Wurzelspitze (sog. Wurzelspitzenresektion) und
  • Füllung des Wurzelkanals.

Zahnverlust

Wenn ein Frontzahntrauma zu einem Zahnverlust führt, kann die Therapie unter Umständen darin bestehen, ausgeschlagene Zähne wieder einzusetzen. Ob diese sogenannte Reimplantation nach einem Zahnverlust klappt, hängt vom Knochenfach und vom Zustand der Zähne ab: Dabei kommt es vor allem darauf an, wie Sie den ausgeschlagenen Zahn bis zum Eintreffen beim Zahnarzt lagern, denn er darf auf keinen Fall austrocknen. Sammeln Sie also ausgeschlagene Frontzähne oder Zahnfragmente sofort ein und transportieren Sie sie möglichst keimfrei und feucht.

Am besten sind hierzu sogenannte Zahnrettungsboxen geeignet: In einer Zahnrettungsbox können Sie einen verlorenen Zahn bis zu 24 Stunden lagern, ohne dass er Schaden nimmt. Zahlreiche Einrichtungen – wie zum Beispiel Schulen, Jugendclubs oder Sportvereine – haben diese Boxen meist vorrätig. Sie können sich eine solche Box auch selber in der Apotheke besorgen, um für ein Frontzahntrauma mit Zahnverlust gewappnet zu sein.

Ist bei einem Frontzahntrauma mit Zahnverlust gerade keine Zahnrettungsbox griffbereit, können Sie den Zahn kurzfristig auch in kalter H-Milch, in Kochsalzlösung, in einer Plastikfolie oder notfalls in Speichel feucht halten. Die Chancen für die Therapie (d.h. für ein erfolgreiches Wiedereinsetzen) sind umso größer, je optimaler und schneller Sie den Zahn zum Zahnarzt transportieren.

Ist nach dem Frontzahntrauma keine Reimplantation mehr möglich, dann kann der Zahnarzt die durch den Zahnverlust entstandene Lücke mit einer Brückenkonstruktion oder einem Implantat als Zahnersatz für den verlorenen Zahn füllen.

Gelockerte Zähne

Wenn nach einem Frontzahntrauma ein Frontzahn wackelt, legt der Zahnarzt zur Therapie eine Schienung an den gelockerten Zahn an. Die Schienung fixiert gelockerte Zähne in einer bestimmten Position und sorgt so dafür, dass die Zähne geschont sind. Dadurch haben lockere Zähne die beste Chance, wieder fest anzuwachsen.

 

 

 

Zahnfleischverletzungen

Nach einem Frontzahntrauma bleibt die Therapie nicht immer auf die Zähne beschränkt – auch Zahnfleischverletzungen machen je nach Ausmaß eine Behandlung erforderlich: Risse im Zahnfleisch vernäht der Zahnarzt und versorgt sie mit einer Salbe. Um den Heilungsverlauf zu unterstützen, sind Kamillenspülungen geeignet.

Verlauf

Bei einem Frontzahntrauma hängt der Verlauf von verschiedenen Faktoren ab. Es ist schwer einzuschätzen, wie sich ein verletzter Schneidezahn oder Eckzahn (sog. Frontzahn) regeneriert: In jedem Einzelfall ist die Prognose davon abhängig, ...

  • welche Art Vorfall zum jeweiligen Zahnschaden geführt hat und
  • welche Behandlung nachfolgend zum Einsatz kommt.

In den meisten Fällen aber gelingt es nach einem Frontzahntrauma, die Kaufunktion der gelockerten, gebrochenen oder ausgeschlagenen Zähne wiederherzustellen und eine kosmetisch befriedigende Lösung zu finden.

Vorbeugen

Einem Frontzahntrauma können Sie nur bedingt vorbeugen: Verletzungen an den Frontzähnen entstehen durch mechanische Krafteinwirkung – und es ist schwierig, wirksame Vorsichtsmaßnahmen hierfür zu treffen.

Wenn es zu einem Frontzahntrauma mit Zahnverlust kommt, können Sie jedoch dazu beitragen, den Zahn zu retten: Dazu müssen Sie den Zahn einsammeln, richtig lagern und schnellstmöglich zum Zahnarzt befördern. Je optimaler und schneller Sie dies erledigen, desto besser sind die Chancen, dass das Wiedereinsetzen des Zahns klappt!

Um für ein Frontzahntrauma mit Zahnverlust gewappnet zu sein, ist es daher ratsam, dass Sie sich in einer Apotheke eine sogenannte Zahnrettungsbox besorgen und zu Hause griffbereit aufbewahren: Darin bleibt der herausgeschlagene Zahn keimfrei und feucht, sodass der Zahnarzt ihn noch bis zu 24 Stunden nach dem Zahnverlust wieder einsetzen kann. Haben Sie keine Zahnrettungsbox, können Sie den Zahn als Notbehelf etwa 1 Stunde lang in kalter H-Milch lagern. Sind weder Zahnrettungsbox noch H-Milch direkt nach dem Unfall griffbereit, wickeln Sie den Zahn sofort in Plastikfolie und sorgen Sie dann schnellstmöglich für eine bessere Lösung.