Man sieht Fisch und Meeresfrüchte auf Eis.
© Jupiterimages/iStockphoto

Fischbandwurm

Der Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum) ist ein Parasit, der – wie alle Bandwürmer – vor allem auf der nördlichen Erdhalbkugel vorkommt. Einen Befall mit dem Fischbandwurm riskiert, wer ungenügend gekochte, zu wenig geräucherte oder unzureichend eingefrorene Süßwasserfische oder Brackwasserfische zu sich nimmt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Jeder Bandwurm hat einen Endwirt, in dessen Darm er lebt, und ein oder zwei Zwischenwirte. Beim Fischbandwurm kann – ebenso wie beim Rinderbandwurm und beim Schweinebandwurm – der Mensch der Endwirt sein. Die unterschiedlichen Namen der Bandwürmer weisen auf deren Zwischenwirte hin.

Zwischenwirte des Fischbandwurms sind Wasserkrebse und kleine Süßwasser- und Brackwasserfische. Endwirte sind neben Fischen und Menschen auch Hunde oder Katzen. Der Fischbandwurm ist in Süßwasser-Regionen verbreitet. Er kann aus 3.000 bis 4.000 Gliedern bestehen, die breiter als lang sind, und eine Länge von bis zu etwa 20 Metern erreichen. Grundsätzlich passt der Fischbandwurm seine Länge seinem Endwirt an. Sein Kopf ist mit Saugnäpfen ausgestattet. Die Lebensdauer dieses Parasiten beträgt bis zu zehn Jahre.

Meist macht sich ein Befall mit dem Fischbandwurm nicht bemerkbar. Wenn der Bandwurm Symptome hervorruft, passiert dies frühestens 3 bis 4 Wochen nach dem Verzehr von Fisch, der lebensfähige Bandwurm-Larven enthält: Dann kommt es gelegentlich zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall und Appetitlosigkeit. In dem Fall kann der mit dem Fischbandwurm infizierte Mensch Gewicht verlieren. Bei unbehandeltem Wurmbefall können die Würmer im Darm außerdem zu einem Vitamin-B12-Mangel führen, da sie das Vitamin aufnehmen. Dieser kann (wenn er lange bestehen bleibt) eine Anämie (Blutarmut) hervorrufen.

Um die Infektion mit einem Fischbandwurm diagnostizieren aus: Im Stuhl lassen sich Eier oder Bandwurmglieder mikroskopisch nachweisen.

Die Behandlung oder Niclosamid. In den meisten Fällen wirken diese Mittel ausreichend, sodass die Würmer wieder vollständig verschwinden.

Um einen Befall durch den Fischbandwurm von vornherein zu verhindern, ist es ratsam, auf rohen, ungenügend gekochten und zu wenig geräucherten Süßwasserfisch zu verzichten oder den Fisch vor dem Verzehr mindestens 24 Stunden bei mindestens minus 18 Grad Celsius einzufrieren.

Definition

Der Fischbandwurm (bzw. Grubenkopfbandwurm oder Diphyllobothrium latum) ist ein Parasit, der wie alle Bandwürmer zur Gruppe der Plattwürmer (= Plathelminthes) gehört.

Bandwürmer leben im Darm ihrer Endwirte und können dort eine Länge von wenigen Millimetern bis mehreren Metern erreichen. Der Fischbandwurm kann täglich um bis zu 15 Zentimeter wachsen und ausgewachsen (v.a. wenn der Endwirt nur von einem einzelnen Tier befallen ist) eine Gesamtlänge von 20 Metern erreichen.

Der Entwicklungszyklus ist bei jedem Bandwurm durch Wirtswechsel geprägt. Dabei orientiert sich die Namensgebung bei diesen Parasiten an den Zwischenwirten: So ist beim Fischbandwurm ein Fisch der Zwischenwirt, beim Schweinebandwurm ein Schwein. Der Mensch kann durch die Aufnahme von Eiern oder Larven sowohl Zwischen- als auch Endwirt im Entwicklungszyklus der Bandwürmer sein.

Fischbandwürmer heften sich mit ihrem Kopf an der Darmwand des Endwirts fest. Dazu tragen sie am Kopf Sauggruben. An den Kopf schließen sich die Bandwurmglieder an, die man als Proglottiden bezeichnet. Diese Bandwurmglieder enthalten sowohl männliche als auch weibliche Keimdrüsen – Bandwürmer sind also Zwitter. Die Eier reifen nach der Befruchtung im Fischbandwurm heran. Bandwurmglieder, die reife Eier enthalten, lösen sich vom Wurm ab. Anschließend scheidet der Endwirt sie mit dem Kot aus.

Ein Zwischenwirt nimmt dann die ausgeschiedenen Eier der Würmer auf. Im Darm des Zwischenwirts schlüpfen Larven, die sogenannten Onkosphären, aus den Eiern. Diese Larven durchbohren die Darmwand und verteilen sich über den Blutkreislauf im Körper. Im Zielorgan, vor allem in der gut durchbluteten Muskulatur, setzten sie sich fest. Dort bilden sie Zweitlarven – die sogenannten Finnen – aus. Durch den Verzehr von finnenhaltigem Fisch infiziert sich der Mensch mit dem Fischbandwurm. Im menschlichen Darm entwickelt sich aus der Finne der geschlechtsreife Bandwurm – und der Entwicklungszyklus beginnt von vorne.

Häufigkeit

Weltweit kommt es jährlich zu etwa 9 Millionen Fischbandwurm-Infektionen, wobei die tatsächliche Häufigkeit vermutlich höher ist. Von Eskimostämmen in Alaska und Kanada sind regelrechte Fischbandwurm-Endemien bekannt.

Dabei kommt der Fischbandwurm relativ selten vor. Verbreitet ist er vor allem in den kühl-gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel (in Europa, in Amerika und auch in Asien), wo er sich in Binnenseen findet.

Ursachen

Eine Infektion mit dem Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum) hat als Ursachen falsch zubereitete Fischspeisen: Rohe, vor dem Verzehr unzureichend eingefrorene, ungenügend gekochte oder zu wenig geräucherte Süßwasserfische und Brackwasserfische können lebensfähige Larven dieses Parasiten enthalten. In diesem unzureichend behandelten Zustand verzehrt, können die Fische zur Bandwurm-Infektion beim Menschen führen.

Übertragungsweg

Eine Fischbandwurm-Infektion des Menschen hat ihre Ursachen immer im selben Übertragungsweg: Bestimmte kleine Wasserkrebse, die Zyklopas, nehmen die Eier der Würmer auf. Aus den Eiern entwickeln sich Larven. Die Wasserkrebse ihrerseits fallen dem Verzehr durch Süß- oder Brackwasserfische zum Opfer, in denen sich die Larven der Bandwürmer im nächsten Stadium zu Zweitlarven weiterentwickeln. Über die Nahrung gelangen diese Zweitlarven in den Endwirt: In der Regel sind dies Fische, seltener Hunde, Katzen oder Menschen. Mit Sauggruben an der Darmwand des Endwirts befestigt, reift dann im Darm der erwachsene Fischbandwurm heran. Dieser Bandwurm kann eine Länge von etwa 20 Metern und ein Alter von bis zu zehn Jahren erreichen.

Inkubationszeit

Beim Fischbandwurm ist – wie bei jedem Befall durch Würmer bei Menschen – die Inkubationszeit (= Zeit von der Infektion bis zum Auftreten erster Infektionszeichen) von der sogenannten Präpatenzzeit (= Dauer der Entwicklung des geschlechtsreifen Parasiten aus der Zweitlarve) zu unterscheiden:

  • Die Präpatenzzeit dauert etwa 3 bis 6 Wochen.
  • Die Inkubationszeit ist hingegen sehr unterschiedlich: Es vergehen mindestens 3 bis 4 Wochen, bevor Anzeichen für den Fischbandwurm-Befall auftreten. Bis der Bandwurm erste Symptome auslöst, können aber auch Monate bis Jahre vergehen.

Symptome

Eine Infektion mit dem Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum) verursacht normalerweise keine Symptome. In seltenen Fällen löst der Befall durch diese Würmer bei Menschen Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall und Appetitlosigkeit aus: Dann kann der mit dem Bandwurm befallene Mensch Gewicht verlieren.

Vereinzelt kann außerdem ein Vitamin-B12-Mangel im Blut auf einen Befall mit dem Fischbandwurm hindeuten. Bis erste Symptome hierfür auftreten, vergehen aber meist Wochen bis Jahre: Dann kann der durch den Bandwurm bedingte Vitaminmangel Symptome einer Blutarmut (Anämie) hervorrufen – wie Blässe, Herzrasen und Atembeschwerden.

Diagnose

Bei Verdacht auf einen Befall durch den Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum) ist zur Diagnose eine Stuhlprobe notwendig: Ein mit dem geschlechtsreifen Bandwurm befallener Mensch scheidet mit dem Stuhl Bandwurmglieder aus, die die Wurmeier enthalten. Untersucht der Arzt die Stuhlprobe unter dem Mikroskop, sind vorhandene Bandwurmeier im Stuhl deutlich zu erkennen.

Da die Ausscheidung der Eier nicht gleichmäßig geschieht, sind unter Umständen mehrere Stuhluntersuchungen nötig, um die Fischbandwurm-Infektion nachzuweisen. Gelegentlich sind auch die Glieder des Parasiten im Stuhl (vereinzelt auch in Erbrochenem) enthalten.

Therapie

Bei einer Infektion mit dem Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum ) zielt die Therapie darauf ab, den Bandwurm zu entfernen: Zur Bekämpfung des Parasiten sind die Wirkstoffe Praziquantel oder alternativ Niclosamid als Tabletten geeignet. Es empfiehlt sich, die Medikamente gründlich zu zerkauen oder in Wasser aufgelöst und auf einmal nach dem Frühstück zu schlucken.

Damit Sie die Würmer im Darm durch diese Wurmkur loswerden, ist es entscheidend, dass Sie eine gute Darmentleerung und keine Verstopfung haben.

Gelegentlich können die gegen den Fischbandwurm eingesetzten Medikamente zu Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Überempfindlichkeitsreaktionen führen. Wenn Sie gerade schwanger sind oder stillen und von einem Fischbandwurm befallen sind, ist gründlich abzuwägen, ob zur Therapie eine Wurmkur erfolgt.

Verlauf & vorbeugen

Wenn der Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum) im Verlauf seines Entwicklungszyklus den Menschen befällt, ist die Prognose überwiegend gut: In den meisten Fällen verläuft die Infektion mit dem Parasiten ohne Beschwerden. In der Regel ist der Bandwurm nach konsequenter Wurmkur wieder vollständig verschwunden:

Die Heilungsrate beim Fischbandwurm-Befall beträgt 90 bis 100 Prozent.

Vorbeugen

Einer Infektion mit dem Fischbandwurm können Sie ganz einfach vorbeugen: Die wirksamste Maßnahme zum Schutz vor dem Bandwurm besteht darin, keinen rohen, ungenügend gekochten oder unzureichend geräucherten Fisch zu verzehren. Bevor Süßwasserfische und Brackwasserfische auf den Teller kommen, gilt es, den Parasiten unschädlich zu machen. Dazu können Sie:

  • den Fisch bei mindestens 56 Grad Celsius 5 Minuten lang erhitzen oder
  • den Fisch vor dem Verzehr mehrere Tage bei mindestens minus 10 Grad Celsius beziehungsweise 24 Stunden bei minus 18 Grad Celsius einfrieren.