Eine Frau putzt sich die Nase.
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Muss man bei grünlichem Nasenschleim ein Antibiotikum nehmen?

Es ist schon etwas eklig: Das Taschentuch zeigt nach dem Naseputzen gelblich-grünliche Spuren – ob des Anblicks fühlt sich der Schnupfenpatient gleich noch ein Stück kränker. Denn diese Farbe alarmiert viele. Nach dem Motto "gelb oder gar grün – das muss Eiter sein" greifen sie zum Hörer, machen einen Termin beim Arzt und gehen vielleicht schon kurz darauf mit einem Rezept für ein Antibiotikum wieder aus der Praxis. Doch ist das nun richtig oder falsch?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

"Muss man bei grünlichem Nasenschleim ein Antibiotikum nehmen?"

In über 90 Prozent der Fälle verursachen Viren die Erkältung, am häufigsten Rhinoviren. Gegen Viren helfen Antibiotika nicht. Der Einsatz von Antibiotika hilft nur, wenn schon ursprünglich Bakterien die Erkrankung ausgelöst haben oder aber, wenn sie sich in einem zweiten Schritt auf die bestehende Infektion aufgepfropft haben und die Krankheit verschlimmern. Ein großes Missverständnis begünstigt, dass etliche Patienten letztlich doch ein Antibiotikum bekommen, obwohl mit ziemlich großer Sicherheit keine Bakterien hinter dem Schnupfen stecken: der Glaube an einen Zusammenhang zwischen der Farbe des Nasenschleims und einer bakteriellen Infektion. Dies führt in vielen Fällen beinahe zwangsläufig dazu, dass der Patient ein Antibiotikum verlangt – und der Arzt es auch verordnet.

Doch eben diese Annahme ist in den meisten Fällen falsch und mitunter gefährlich. Denn die unnötige Einnahme eines Antibiotikums begünstigt, dass sich unter den Bakterien resistente Formen bilden. Das heißt, dass diese Formen bei einem erneuten Einsatz eines bestimmten Wirkstoffs nicht mehr empfindlich auf ihn reagieren, ihn also "überleben" können.

Eigentlich geschieht all dies ohne Not, denn im Laufe einer normalen Erkältung wechselt das Nasensekret innerhalb weniger Tage natürlicherweise seine Farbe und Konsistenz: von klar und eher dünnflüssig hin zu gelblich-grünlich und dickflüssig. Zwar enthält der Schleim auch Bakterien, die die Farbe mitbestimmen – sie besiedeln aber regulär die Nase und sind nicht bestimmend für die Krankheit. Hauptverantwortlich für die Färbung sind körpereigene Abwehrzellen – weiße Blutkörperchen –, die gegen die Viren angerückt sind und sie bekämpft haben. Hinzu kommen Zellbestandteile der Nasenschleimhaut, Enzyme und abgetötete Erreger. Diese Mischung macht letztlich den Farbton aus.

Die Schlussfolgerung für die Erkältungssaison könnte lauten: Bei gewöhnlichem Schnupfen sollten Sie die Farbe des Schleims nicht als bakterielle Infektion fehldeuten. Meist ist das Antibiotikum nicht nötig. Dies sollten auch die Ärzte häufiger beherzigen.