Eine Tasse Tee und ein Schälchen Honig stehen in herbstlicher Umgebung
© Getty Images

Ist Honig das bessere Erkältungsmittel?

Gegen die rund 300 bekannten Erkältungsviren gibt es keine Medizin. Dennoch sind die Apotheken voll von Mittelchen, die versprechen, zumindest die Symptome zu lindern: Nasentropfen, Hustensaft, Halsschmerztabletten, Kombipräparate und vieles mehr. Und sie finden reißenden Absatz. Dabei hat womöglich jeder von uns ein günstigeres und wirksameres Mittel zu Hause: Honig. Schon der griechische Arzt Hippokrates und die alten Römer setzten ihn als Medizin ein. Damit lagen sie möglicherweise goldrichtig, wie eine Studie nun zeigt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Die Studie

Das Coronavirus SARS-CoV-2 hat die Welt im Griff. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass Sie es in der Herbst- und Winterzeit mit einem harmloseren Coronavirus, einem Adenovirus oder einem Rhinovirus zu tun bekommen, kurz gesagt: mit einer Erkältung. Kaum jemand kommt ohne einen grippalen Infekt über den Winter. Infektionen der oberen Atemwege sind der häufigste Grund dafür, dass Ärzte Antibiotika verschreiben. Dabei helfen diese gar nicht gegen Viren. Selbst, wenn sich auf das Virus ein bakterieller Infekt legt, ist die Behandlung mit Antibiotika nicht immer nötig – und führt auf Dauer zu Resistenzen.

Warum nicht lieber erst einmal auf ein altes Hausmittel zurückgreifen? Das dachten sich auch Forscher der Universität Oxford und trugen auf der Suche nach einer wirksamen Alternative zu Antibiotika die aktuelle Studienlage zum Thema Honig zusammen. Sie werteten Ergebnisse von 14 klinischen Studien mit insgesamt 1.761 Teilnehmern aus, die sich mit der Wirksamkeit des Naturprodukts beschäftigt haben. Die Studien verglichen entweder die Wirkung von Honig mit Arzneimitteln wie Schleimlösern, Hustensaft und Schmerzmitteln. Oder die Vergleichsgruppe erhielt ein Placebo.

Bei den Studien kamen verschiedene Honigsorten zum Einsatz. Die Probanden bekamen diese entweder pur oder in Milch, Kaffee oder Tee eingerührt verabreicht. Die Forscher bemängeln zwar, dass größere, Placebo-kontrollierte Studien fehlen. Dennoch kamen sie zu dem Schluss, dass Honig – egal in welcher Darreichungsform – Erkältungssymptome effektiver lindern kann als die üblichen Medikamente. Nur das Hustenmittel Dextromethorphan war in punkto Wirksamkeit gleichauf mit dem Natursaft.

In den Gruppen, die Honig bekamen, waren vor allem die Häufigkeit und die Schwere von Husten geringer. In zwei Studien zeigte sich sogar, dass die Symptome zwei Tage eher verschwanden, als unter anderen Medikamenten.

Zu bedenken geben die Forscher allerdings, dass Honig kein standardisiertes Produkt ist. Als komplexes Naturprodukt unterliegt er Schwankungen.

Lesetipp: Gelée Royale: Allheilmittel oder Abzocke?

Wie aussagekräftig ist die Studie?

Um eine eindeutige Aussage darüber treffen zu können, ob Honig sich als Erkältungsmittel besser eignet als Medikamente, reicht die Metastudie nicht aus. Denn die zugrunde liegenden Studien sind nur schwer miteinander vergleichbar. Zum Beispiel haben die Forscher verschiedene Honigsorten verwendet, darunter sehr spezielle wie Buchweizenhonig. Außerdem bekamen die Probanden den Honig teilweise nicht pur, sondern zum Beispiel in Kaffee verabreicht. Es ist in diesem Fall also nicht klar, ob es tatsächlich der Honig ist, der einen Effekt hatte, oder vielleicht doch das Koffein im Kaffee.

Allerdings gibt es Studien, die die positive Wirkung von Honig auf Erkältungshusten bei Kindern belegen. Auch die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt den süßen Saft als geeignetes Mittel für Kinder gegen erkältungsbedingten Husten. Was fehlt, sind Beweise dafür, dass er auch gegen andere Atemwegsbeschwerden und auch bei Erwachsenen hilft. Nun spricht dank der aktuellen Studie zumindest einiges mehr dafür. Und erst recht nichts dagegen, es einfach mal mit Honig zu probieren: Er ist günstig und hat überschaubare Nebenwirkungen. Darüber hinaus ist heiße Milch oder Tee mit Honig ein probater Seelentröster bei Erkältung. Zu heiß sollte das Getränk allerdings nicht sein, damit die Inhaltsstoffe im Honig erhalten bleiben.

Falls Sie hohes Fieber oder starke Schmerzen haben, sollten Sie jedoch einen Arzt aufsuchen. Denn manchmal wird aus der Erkältung zum Beispiel eine bakterielle Halsentzündung, die eben doch mit Antibiotika behandelt werden muss.

Achtung: Kinder unter 1 Jahr dürfen keinen Honig bekommen, da nicht ausgeschlossen ist, dass er Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthält. Das kann bei kleinen Kindern, deren Darmflora noch nicht ausgereift ist, den sogenannten Säuglings-Botulismus auslösen.

Ist Honig entzündungshemmend?

Honig besteht aus bis zu 80 Prozent Zucker, hauptsächlich Glukose und Fruktose, und bis zu 20 Prozent aus Wasser. Nur in sehr geringen Mengen vorhanden sind Mineralstoffe, Enzyme, Aminosäuren und Vitamine. Dennoch soll Honig eine entzündungshemmende, antibiotische und antiallergische Wirkung haben. Er enthält nämlich das Enzym Glukoseoxidase, die aus dem im Honig enthaltenen Zucker kontinuierlich kleine Mengen an antiseptisch wirkendem Wasserstoffperoxid erzeugt. Außerdem enthält Honig eine hohe Dichte an Zuckermolekülen, die Wasser an sich binden. Bakterien benötigen jedoch Feuchtigkeit, um zu wachsen. Ihnen fehlt somit die Lebensgrundlage.

Eine Studie konnte diesen antibiotischen Effekt nachweisen. Die Forscher testeten die Wirkung von Honig an 25 verschiedenen Bakterienstämmen, die sich häufig in offenen Wunden vermehren. 18 der getesteten Stämme waren gegen die meisten der heute verfügbaren Antibiotika resistent. Der Honig konnte das Wachstum der Bakterien bremsen oder sogar stoppen. Honig kann deshalb sogar äußerlich auf Wunden aufgetragen werden, um diese zu desinfizieren. Allerdings sollte man dafür keimfreien medizinischen Honig verwenden, der in Apotheken erhältlich ist.

Lesetipp: Heilen Wunden schneller durch Honig?

Welcher Honig bei Erkältung?

Es gibt keine Studie, die die Wirkung der verschiedenen Honigsorten aufzeigt. In einer israelischen Studie, die eine positive Wirkung auf Erkältungshusten bei Kindern zeigte, wirkten alle drei verwendeten Honigsorten gleich gut. Diese waren: Eukalyptushonig, Zitronenblütenhonig und Honig von Lippenblütlern (Thymian, Melisse oder Salbei). Medizinischer Honig enthält häufig australischen oder neuseeländischen Manuka- oder Teebaumhonig, der besonders gut gegen Bakterien und Pilze wirken soll. Auch Akazienhonig wird eine besonders antibakterielle Wirkung nachgesagt. Beweise dafür gibt es aber nicht.

Die Forscher der aktuellen Metastudie schlagen vor, den Honig einfach so einzunehmen, wie es am angenehmsten ist: In Milch, Tee oder pur. Auch zur Dosis können sie keine Angaben machen. Übertreiben sollte man es mit der Dosierung sicherlich nicht. Schließlich hat Honig wegen des hohen Zuckergehalts reichlich Kalorien.