Jemand hält einen leeren Urinbecher hoch
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Urin-Test sagt Verlauf von Covid-19 voraus

Ein Urintest soll bereits am Anfang einer Covid-19-Infektion vorhersagen, wie die Erkrankung verlaufen wird. Lesen Sie hier, wie der Test funktioniert und wo es ihn gibt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Wie funktioniert der Test?

Bei rund 80 Prozent der Menschen nimmt Covid-19 einen leichten Verlauf. Etwa 14 Prozent der Betroffenen entwickeln jedoch schwere Symptome und es kommen Komplikationen hinzu. Typischerweise verschlechtert sich ihr Zustand erst in der zweiten Woche rapide. Wer bereits zu Beginn der Infektion weiß, dass dieser Verlauf bei ihm wahrscheinlich ist, könnte sich gezielt medizinisch betreuen lassen, um Komplikationen vorzubeugen.

Wie funktioniert der Test?

Der Urintest "DiaPat-CoV-50" vom Biotech-Unternehmen Mosaiques und der DiaPat GmbH soll das möglich machen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat dem Test eine Sonderzulassung bis Ende Februar erteilt.

Der Test funktioniert auf Basis der Proteom-Analyse. Dabei werden aus einer Urinprobe bis zu 1.500 verschiedene Proteine analysiert und Veränderungen registriert. Insbesondere in den Endothelzellen, die mit als Erste von dem Virus angegriffen werden. Dabei handelt es sich um Zellen, die Blutgefäße von innen auskleiden. Werden sie geschädigt, zeigt sich das in Veränderungen an Proteinen, die sich auch im Urin wiederfinden. Je nach Schweregrad der Erkrankung sind sie in geringerer oder höherer Konzentration vorhanden. Darunter beispielsweise Entzündungsregulatoren und Gerinnungsfaktoren.

Dieses Prinzip wird bereits zur Früherkennung von chronischen Nierenerkrankungen, Herzinsuffizienz und Diabetes mellitus angewandt und ist nun um Covid-19 erweitert worden.

„Ein großes Problem ist, dass Patienten viruspositiv getestet werden, es aber völlig unklar ist, ob die einen leichten, mittleren oder schweren Verlauf haben werden“, sagt Prof. Dr. Dr. Harald Mischak von Mosaiques, der den Test entwickelt hat. „Das ist das Nadelöhr in der Versorgung.“

Was bedeutet das Testergebnis?

In einer vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium beauftragte Studie mit 330 Probanden konnte der Test zu Beginn von Covid-19-Erkrankungen leichte von schweren Verläufen mit einer rund 90-prozentigen Sicherheit unterscheiden.

Der Test hat drei mögliche Ergebnisse:

  • Leichter Verlauf (kein stationärer Aufenthalt, keine Beatmungspflicht)
  • Schwerer Verlauf (stationäre Überwachung, noch keine intensivmedizinischen Maßnahmen)
  • Sehr schwerer Verlauf (intensivmedizinische Maßnahmen, ggf. mechanische Beatmung)

Wer weiß, dass ihm ein schwerer Verlauf droht, könnte rechtzeitig mit Medikamenten entgegenwirken. Infrage kämen etwa Mittel, die die Viruslast reduzieren oder der überschießenden Immunreaktion Einhalt gebieten.

Wo gibt es den Test?

Leider gibt es den Test nicht einfach beim Hausarzt, sondern derzeit nur bei einem der sieben STAKOB-Zentren in Deutschland (STAKOB= Ständige Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger):

  • Hamburg: Bernhard-Nocht-Klinik für Tropenmedizin
  • Berlin: Klinik für Infektiologie und Pneumologie (Charité)
  • Leipzig: Klinikum St. Georg gGmbH
  • Frankfurt am Main: Klinik der Goethe Universität
  • Düsseldorf: Klinik für Gastroenterologie
  • Stuttgart: Robert-Bosch-Krankenhaus
  • München: Klinik Schwabing

Auch die Urinprobe kann nur in einem der sieben Zentren abgegeben werden. Ausgewertet wird der Test dann in einem Speziallabor in Hannover. Mosaiques zufolge wäre eine unkomplizierte Anwendung des Tests durchaus möglich: "Jeder Arzt und jedes Krankenhaus kann den DiaPat-CoV-50 durchführen und über Kurierdienste ein eindeutiges Test-Ergebnis aus dem Speziallabor in Hannover abfordern", sagt Harald Mischak. "Die beschwerlichen Reisen der infektiösen Patienten zu den wenigen infektiologischen Zentren in Deutschland sind unzumutbar und müssen unbedingt vermieden werden.“ Leider übernehmen auch die Krankenkassen die Kosten für den Test nicht. Diese belaufen sich auf 850 Euro.