Eine Frau mit Mund-Nasen-Maske dehnt sich nach dem Laufen.
© Getty Images

Studie: Schützt Sport vor schweren Covid-19-Verläufen?

Dass Sport gesund hält, ist nichts Neues. Eine US-amerikanische Studie zeigt nun: Aktuell ist körperliche Aktivität besonders wichtig. Denn Untersuchungen haben ergeben, dass Covid-Erkrankte im Schnitt eine bessere Prognose haben, wenn sie sich zuvor im Alltag regelmäßig bewegten.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Die Studie

Inzwischen ist bekannt, dass bestimmte Risikofaktoren einen schweren Verlauf von Covid-19 begünstigen. Dazu zählen etwa chronische Erkrankungen, starkes Übergewicht und Rauchen. In einer US-amerikanischen Studie wurde nun ein weiterer Risikofaktor ermittelt: Mangelnde körperliche Aktivität.

Die Studie, die im März 2021 im British Journal of Sports Medicine veröffentlicht wurde, untersucht den Einfluss von regelmäßiger körperlicher Aktivität auf den Schweregrad einer Covid-19-Erkrankung. Geforscht wurde über einen Zeitraum von 10 Monaten. Knapp 50.000 Proband*innen, die positiv auf Corona getestet wurden, unterzogen sich in regelmäßigem Abstand einer körperlichen Untersuchung. Im Vorfeld sollten die Teilnehmenden angeben, wie oft, wie regelmäßig und wie intensiv sie zuletzt körperlich aktiv waren.

Je nach Bewegungsverhalten wurden die Proband*innen einer der folgenden Gruppen zugeordnet:

  • überwiegend inaktiv (0-10 Minuten/Woche)
  • teilweise aktiv (11-149 Minuten/Woche)
  • überwiegend aktiv (+150 Minuten/Woche)

Dann wurde ein Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Krankheitsverlauf hergestellt. Dazu analysierten die Forschenden

  1. die Zahl der coronabedingten Krankenhausaufenthalte,
  2. die Fälle, die intensivmedizinisch behandelt wurden,
  3. sowie die Sterberate.

Die Studie ergab Folgendes: Corona-Patient*innen, die überwiegend inaktiv waren,

  • wurden im Schnitt 2,26-mal häufiger ins Krankenhaus eingewiesen,
  • 1,73-mal häufiger auf der Intensivstation behandelt und
  • hatten ein fast 2,5-mal höheres Sterberisiko

als jene, die zuvor regelmäßig oder oft Sport getrieben hatten.

Lesetipp: Die besten Sportalternativen im Lockdown

Auch zwischen den teilweise aktiven und überwiegend aktiven Proband*innen zeigte sich ein – wenn auch nicht ganz so großer – Unterschied. Die teilweise aktiven Teilnehmenden hatten gegenüber den überwiegend Aktiven

  • ein 1,2-mal höheres Risiko für einen Krankenhausaufenthalt,
  • ein 1,1-mal höheres Risiko, intensivmedizinisch behandelt werden zu müssen,
  • und ein 1,32-mal höheres Risiko, an Covid-19 zu sterben.

Aufgrund der Ergebnisse empfehlen die an der Studie beteiligten Wissenschaftler*innen regelmäßige körperliche Bewegung und sprechen sich außerdem dafür aus, dass der Bedeutung von physischer Aktivität ein größerer Stellenwert im Gesundheitssystem und der medizinischen Versorgung zukommt.

Warum schützt Sport vor schweren Verläufen?

Wie schwer jemand an Covid-19 erkrankt, hängt unter anderem vom Immunsystem ab. Eine wichtige Rolle zur Virenabwehr spielen Antikörper. Daneben gibt es aber noch einen weiteren Zelltyp, der für die Virusbekämpfung zuständig ist: die T-Zellen (auch T-Lymphozyten). Eine Studie der Sporthochschule Köln ergab, dass regelmäßige körperliche Aktivität zu einem Anstieg eben dieser Zellen führt. Denn mit steigendem Sportpensum der Probandengruppe erhöhten sich auch die T-Zellen.

Was sind T-Zellen?

Das "T" steht für Thymus. Dabei handelt es sich um eine Drüse, die hinter dem Brustbein sitzt und Teil des Immunsystems ist. Hier reifen die Zellen. T-Zellen besitzen die Fähigkeit, vom Virus befallene Zellen aufzuspüren und zu zerstören. So kann eine weitere Ausbreitung im Körper verhindert werden. Inzwischen weiß man, dass die T-Zell-Immunität auch eine wichtige Rolle für den Schutz gegen SARS-CoV-2 spielt.

Das hat ein Blutprobenvergleich von akut Erkrankten, Genesenen und Gesunden, nicht Infizierten ergeben. Das Ergebnis: Bei 100 Prozent der genesenen Proband*innen sind T-Zell-Immunantworten gegen SARS-CoV-2 erfolgt. Es haben sich also auf das Coronavirus spezialisierte Gedächtniszellen entwickelt. Diese Gedächtniszellen

  • erkennen zum einen das Spike-Protein, das den Coronaviren Zugang zur Zelle verschafft,
  • und tragen außerdem bei erneuter Infektion mit demselben Erreger zum Schutz bei.

Eine ähnliche Funktion ist bereits von Antikörpern bekannt: Nach überstandener Krankheit kann man mithilfe von Antikörpertests nachweisen, ob das Immunsystem bereits Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet hat. Über die T-Zellantwort gegen SARS-CoV-2 war bislang wenig bekannt. Studien legen nun nahe, dass ein Nachweis von T-Zellen nach überstandener Krankheit womöglich aussagekräftiger ist als die bereits routinemäßig durchgeführten Antikörpertests. Denn die Zahl der Antikörper nimmt mit der Zeit ab, sodass bei einigen zuvor Erkrankten gar keine Antikörperantwort mehr nachweisbar ist. T-Zell-Immunantworten bleiben dagegen unverändert erhalten.

Eine hohe T-Zell-Konzentration kann sich nicht nur günstig auf den akuten Erkrankungsverlauf auswirken, sondern womöglich auch auf die Abwehr ähnlicher SARS-CoV-2-Varianten (Virusmutationen). Auch soll nun erforscht werden, ob T-Zellen therapeutisch eingesetzt werden können. Genesene könnten die Zellen – ähnlich wie Blutplasma – spenden, sodass Betroffene mit einem T-Zell-Mangel einen weniger schweren Krankheitsverlauf hätten.

Bessere Impfwirkung bei sportlich Aktiven?

Es gibt Hinweise darauf, dass sportliche Aktivität nicht nur für einen milderen Verlauf von Covid-19 sorgen kann, sondern womöglich auch für einen besseren Impfschutz sorgt. Forschende der Universität des Saarlands haben hierzu eine Studie durchgeführt.

Lesetipp: Corona-Impfstoffe – das sind die Unterschiede

Sie kamen zu folgendem Ergebnis: Je höher das Sportpensum, desto besser fällt die Reaktion auf den Impfstoff aus. Die Studie ist allerdings nicht besonders aussagekräftig, da sie nur etwa 70 Teilnehmende einschloss. Außerdem waren die sportlich Aktiven ausschließlich Leistungssportler*innen. Inwieweit die Ergebnisse auf normal sportlich aktive Menschen übertragbar sind, ist also fragwürdig.

Lesetipp: Sport nach Erkältung – ab wann darf man wieder trainieren?

Fazit: Sport ist wichtig, aber…

Körperliche Aktivität kann das Immunsystem schützen und zur Abwehr von Viren beitragen – so auch bei SARS-CoV-2. Regelmäßige Bewegung kann im Falle einer Ansteckung also einen milden Krankheitsverlauf begünstigen. Hierbei handelt es sich allerdings um eine rein vorbeugende Maßnahme! Wer akut erkrankt ist, sollte sich unbedingt auskurieren und bis zur vollständigen Genesung eine Sportpause einlegen.