Eine chinesische Forscherin hält eine Ampulle Sinovac Impfstoff hoch
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Corona-Impfstoff von Sinovac

Mit dem chinesischen Vakzin von Sinovac kommt demnächst vermutlich der erste Totimpfstoff gegen Covid-19 in Europa zum Einsatz. Wie er funktioniert und wie wirksam er im Vergleich mit den bestehenden Impfstoffen ist, lesen Sie hier.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Unterschied zu den anderen Impfstoffen

Am 4. Mai hat das „Rolling-Review-Verfahren“ der Europäischen Behörde für Arzneimittelsicherheit (EMA) für den Impfstoff „CoronaVac“ des chinesischen Herstellers „Sinovac Life Sciences“ begonnen. Dabei bewerten Gutachter der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) schon während der laufenden Studien vorläufige Ergebnisse und Daten. Die Zulassung kann so im Vergleich zum herkömmlichen Verfahren beschleunigt werden, bei dem erst nach den klinischen Studien die vollständigen Daten eingereicht und begutachtet werden. Am Ende des Rolling Review-Verfahrens steht die bedingte Zulassung.

In China ist das Vakzin seit Februar zugelassen. Mittlerweile kommt es bereits in mehr als 20 Ländern zum Einsatz.

Unterschied zu den anderen Impfstoffen

Die bisher in Deutschland zugelassenen Impfstoffe sind Vektor- und mRNA-Impfstoffe. Diese liefern dem Körper mit den genetischen Informationen den Bauplan für das Spike-Protein auf der Oberfläche von SARS-CoV-2. Der stellt es daraufhin selbst her, lernt es auf diese Weise kennen und bildet Antikörper dagegen. Anhand dieses Antigens erkennt der Körper das Coronavirus im Falle einer Infektion wieder und aktiviert die bereits vorhanden Antikörper, um es zu bekämpfen.

Im Gegensatz dazu handelt es sich bei Sinovac um einen inaktivierten Ganzvirus-Impfstoff (Totimpfstoff). Das bedeutet, dass in diesem Fall komplette SARS-CoV-2 Viren gespritzt werden. Diese werden allerdings zuvor chemisch inaktiviert, sodass sie sich im Körper nicht vermehren können. Das Immunsystem bildet jedoch Antikörper gegen sie.

Solche Totimpfstoffe gehören zu den ältesten und bewährtesten Verfahren in der Impfstoffherstellung. Sie enthalten entweder ganze, abgetötete Viren wie im Fall von Sinovac, oder Bruchstücke davon, die als solche unschädlich sind. Beispiele für solche Totimpstoffe sind beispielsweise die Vakzine gegen Tollwut, Polio und Hepatits-A.

Auch der Corona-Impfstoff des chinesischen Herstellers Sinopharm basiert auf inaktivierten Viren.

Vor- und Nachteile des Sinovac Impfstoffs

Ein Vorteil des Impfstoffs ist seine vermutlich schnell einsetzende Wirksamkeit: Anders als bei den Vektor- und mRNA-Impfstoffen muss der Körper das Protein des Virus nicht erst selbst herstellen. Er kann also sofort damit beginnen, Antikörper zu bilden. Nötig sind zwei Dosen im Abstand von zwei bis vier Wochen.

Auch die bisher aufgetretenen Nebenwirkungen sind den ersten Studienergebnissen zufolge sehr mild. Am häufigsten berichteten Proband*innen über Schmerzen an der Enstichstelle.

Geringe Wirksamkeit

Ein Nachteil des Impfstoffs ist offenbar die Wirksamkeit an sich: Einer klinischen Studie zufolge erreicht CoronaVac 14 Tage nach der zweiten Dosis eine Schutzwirkung von gerade einmal rund 50 Prozent. Das bedeutet: Von 100 mit dem Vakzin geimpften Menschen erkranken durchschnittlich 50 an Covid-19. Zum Vergleich: AstraZeneca hat nach zwei Dosen eine Schutzwirkung von rund 70, BioNTech und Moderna von rund 95 Prozent. Schwere Fälle konnte das Vakzin von Sinovac in der Studie allerdings zu 100 Prozent verhindern. Noch ist die Studie jedoch nicht veröffentlicht. Einer weiteren, vorveröffentlichten, Studie zufolge schützt der Impfstoff auch vor der brasilianischen Variante des Coronavirus.

Dass der Impfstoff weniger wirksam ist, könnte am Herstellungsverfahren liegen. Bei der chemischen Inaktivierung können sich die Antigene des Virus leicht verändern. Bei einer Infektion mit dem natürlichen Erreger erkennen dann möglicherweise nicht alle gebildeten Antikörper den Erreger.

Umstrittene Adjuvantien

Das Herstellungsverfahren ist zudem recht aufwendig, da die Viren zunächst in Zellkulturen herangezüchtet, anschließend chemisch inaktiviert und schließlich mit Aluminiumhydroxid als Adjuvans versetzt werden müssen. Als Adjuvans bezeichnet man Hilfsstoffe, die selbst keine medizinische Wirkung haben, jedoch die Wirkung eines anderen Stoffes unterstützen. Adjuvantien sorgen dafür, dass auch eine geringe Anzahl an Erregern eine große Immunwirkung erzielen. Allerdings sind sie umstritten, weil sie das Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen begünstigen können.