Eine schwangere Frau trägt einen Mundschutz
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Sollten sich Schwangere gegen Covid-19 impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Corona-Impfung nun für alle Schwangeren ab dem zweiten Trimester, unabhängig von Vorerkrankungen. Lesen Sie, wie sicher die Impfung für Schwangere und für das ungeborene Baby ist.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Warum sollten sich Schwangere gegen Covid-19 impfen lassen?

Schwangere haben ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 und müssen häufiger intensivmedizinisch betreut werden. Das größere Risiko geht für die Expert*innen daher eindeutig von einer möglichen Corona-Infektion aus, nicht von einer Covid-19-Impfung. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe plädierte aus diesem Grund bereits früh in einer Stellungnahme dafür, schwangere Frauen ab dem zweiten Trimester und Stillende gegen Covid-19 zu impfen.

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Da Schwangere aus ethischen Gründen nicht an ersten Studien für Medikamente teilnehmen dürfen, fehlten zunächst Langzeitdaten zu eventuellen Nebenwirkungen auf das ungeborene Kind und die STIKO war dieser Empfehlung zunächst nicht gefolgt, sondern die Impfung nur Schwangeren mit Vorerkrankungen angeraten.

Am 10. September 2021 schließlich entschied die STIKO, allen Schwangeren ab dem zweiten Trimester die Impfung mit zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs zu empfehlen. Im besten Fall lässt sich eine Frau impfen, bevor sie schwanger wird, damit der Schutz möglichst bereits vor der Schwangerschaft besteht. Wurde die Schwangerschaft erst nach der ersten Impfung festgestellt, so soll die Zweitimpfung ebenfalls erst im zweiten Trimester nachgeholt werden.

Im ersten Schwangerschaftsdrittel ist das Risiko für Fehlgeburten und die Entstehung von Fehlbildungen noch vergleichsweise hoch und unnötige Störfaktoren sollten vermieden werden. Aus diesem Grund sollten sich Schwangere generell erst ab dem zweiten Trimester impfen lassen, auch wenn die Impfung nicht nachweislich schadet. Einige Lebendimpfstoffe sollten in der Schwangerschaft gänzlich vermieden werden. Dazu gehört jedoch nicht die Impfung gegen Covid-19.

Die STIKO gibt für ihre Empfehlung für die Impfung von Schwangeren folgende Gründe an:

Verhindert werden sollen

1. schwere COVID-19-Verläufe und Todesfälle bei Schwangeren und Stillenden,

2. Schwangerschaftskomplikationen durch eine SARS-CoV-2- Infektion,

3. fetale und neonatale Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft.

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Nachbeobachtungen aus anderen Ländern, in denen Schwangere schon seit einiger Zeit gegen Covid-19 geimpft werden, haben gezeigt, dass die Impfung

  • nicht mit einem erhöhten Krankheits- oder Sterberisiko für Frau und/oder Fötus verbunden ist,
  • die Nebenwirkungen sich nicht von denen von Nicht-Schwangeren unterscheiden,
  • das Neugeborene über die Mutter ebenfalls von der Immunisierung profitiert,
  • es bisher keinen Hinweis für Komplikationen wie Frühgeburt, Fehlbildungen oder Wachstumseinschränkungen beim Säugling gibt,
  • bei Schwangeren eine ebenso gute Antikörperbildung wie bei Nicht-Schwangeren hervorruft.

Insbesondere Risikopatientinnen sollten sich impfen lassen. Risikopatientinnen sind zum Beispiel Frauen, die

Auch Schwangere, die zum Beispiel beruflich viel mit Menschen und somit potenziell Infizierten zu tun haben, sollten sich impfen lassen.

In jedem Fall sollten sich enge Kontaktpersonen von Schwangeren impfen lassen.

Ausdrücklich empfohlen wird die Impfung auch allen Frauen mit Kinderwunsch. Eine Impfung beeinflusst nicht die Fruchtbarkeit und kann vor einer Infektion während der Schwangerschaft schützen und somit das Risiko einer Frühgeburt verringern.

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Risiko und Nutzen

Da Infektionen generell zu Frühgeburten führen können, müssen Neugeborene von mit Covid-19 infizierten Müttern häufiger nach der Geburt auf der Intensivstation betreut werden als Kinder von gesunden Müttern.

Mittlerweile ist nachgewiesen, dass nach einer Impfung indirekt auch das ungeborene Kind mit Antikörpern versorgt und somit vor einer Infektion mit Covid-19 vorerst geschützt wird.

Schwangere Frauen zeigen zwar im Vergleich zu gleichaltrigen, nicht schwangeren Frauen seltener Symptome wie Fieber und Gliederschmerzen. Jedoch gibt es unter ihnen mehr schwere Verläufe und die Sterblichkeit ist erhöht. Sie müssen häufiger intensivmedizinisch betreut und beatmet werden. Frühgeburten sind häufiger.

Nutzen der Impfung

Eine Studie aus Israel hat je 10.861 geimpfte und ungeimpfte schwangere Frauen miteinander verglichen. Sie kam zu dem Ergebnis, dass eine Impfung mit BioNTech/Pfizer Schwangere ebenso gut vor einer Covid-19-Infektion schützt wie die Allgemeinbevölkerung. Der Impfstoff erreichte eine Schutzwirkung von 96 Prozent nach 28 Tagen. Symptomatische Infektionen konnte der Impfstoff zu 97 Prozent verhindern, Krankenhausaufenthalte waren nach einer Impfung um 89 Prozent seltener.

Mögliche Nebenwirkungen der Impfung

In den USA werden Schwangere bereits seit einigen Monaten geimpft. In einem freiwilligen Meldesystem können die Frauen Auskunft über Nebenwirkungen und den Ausgang der Schwangerschaft geben. Bis Ende Februar haben 35.601 Frauen teilgenommen. Sie haben alle die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna erhalten. 3.958 Frauen wurden von der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC befragt.

Die angegebenen Nebenwirkungen unterschieden sich kaum von denen anderer geimpfter Frauen. Die Schwangeren gaben Schmerzen an der Einstichstelle etwas häufiger an, während Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Fieber bei ihnen seltener auftraten.

827 der Frauen waren zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr schwanger. 712 hatten 724 Kinder lebend zur Welt gebracht. 115 Frauen hatten ihr Kind verloren. Darunter waren zehn Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch gewählt hatten oder bei denen sich das Ei außerhalb der Gebärmutter eingenistet hatte. Von den 105 weiteren Schwangerschaftsverlusten traten 104 in den ersten 20 Wochen der Schwangerschaft auf. Fehlgeburten kommen besonders in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten recht häufig vor. Insofern ist diese Zahl (12,6 Prozent) im Vergleich zur normalen Rate an Aborten (10 bis 26 Prozent) nicht auffällig hoch.

Auch Frühgeburten und Fehlbildungen kamen nicht häufiger vor.

Für eine kleine Kohortenstudie beobachteten amerikanische Wissenschaftler*innen 30 schwangere und 16 stillende Frauen sowie 57 Frauen, die weder schwanger waren, noch stillten. Sie erhielten alle zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs. Auch 22 schwangere und 6 nicht schwangere ungeimpfte Frauen mit einer betätigten SARS-CoV-2-Infektion nahmen an der Studie teil.

Nach der zweiten Impfung reagierten

  • vier schwangere Frauen (14 %) und
  • 27 nicht schwangere Frauen (52 %)

mit Fieber.

Komplikationen bei der Schwangerschaft oder bei den Neugeborenen zeigten sich nicht. Alle Teilnehmerinnen entwickelten Antikörper. Diese ließen sich auch in der Nabelschnur und in der Muttermilch nachweisen. Das bedeutet, dass auch das Baby indirekt vor einer Infektion geschützt ist.

Impfung kann das Kind nicht infizieren

Fest steht, dass eine Infektion der Mutter oder des ungeborenen Kindes mit SARS-CoV-2 durch eine Impfung nicht möglich ist, da die Impfstoffe keine vermehrungsfähigen Viren enthalten.

Eine tierexperimentelle Studie des Impfstoffherstellers Moderna zeigte keine nachteiligen Auswirkungen auf die weibliche Fruchtbarkeit oder auf die Entwicklung des ungeborenen und neugeborenen Kindes. Eine Studie des Impfstoffherstellers BioNTech ist bereits angelaufen.

Die beim mRNA-Impfstoff verabreichte mRNA ist etwa 72 Stunden lang in der Einstichstelle und den Lymphknoten nachweisbar. Nicht bekannt ist, ob sie auch in die Plazenta vordringt. Jedoch ist es nicht möglich, dass mRNA in das Genom der Geimpften oder des ungeborenen Kindes übergeht.

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