Jemand nimmt einen Abstrich aus dem Hals einer Frau
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Positiver PCR-Test nach überstandener Corona-Infektion

Ein positiver PCR-Test weist auf eine aktuell bestehende Corona-Infektion hin. Sobald sie überstanden ist, fällt auch der Test wieder negativ aus. In den meisten Fällen läuft es auch tatsächlich genau so ab. Vereinzelt schlägt der PCR-Test jedoch noch Wochen nach der Genesung an. Warum ist das so?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Hintergrund

Bei korrekter Durchführung gelten PCR-Tests als die sicherste Methode, um eine akute Corona-Infektion nachzuweisen. Unfehlbar sind sie dabei allerdings nicht: Immer wieder tauchen Berichte von Menschen auf, die Covid-19 zwar überstanden zu haben scheinen – beim PCR-Verfahren aber trotzdem positiv getestet werden. Das Phänomen tritt sowohl bei Genesenen als auch bei Erkrankten auf, die unter längerfristigen Corona-Beschwerden leiden (sogenanntem Long-Covid).

Kurz erklärt: Wie funktioniert ein PCR-Test?

Für einen PCR-Test sind die Schleimhäute in den Atemwegen relevant: Medizinisches Fachpersonal entnimmt dort eine Probe, typischerweise einen Abstrich aus der Nase und/oder dem Rachen. Der PCR-Test selbst findet dann im Labor statt. Das in der Probe enthaltene Genmaterial wird so stark vervielfältigt, dass die darauf folgende Analyse auf SARS-CoV-2-Erbgut anschlägt – wenn es im Abstrich vorhanden war.

Besonders wichtig dabei: Der PCR-Test fällt nicht nur bei einer sehr geringen Viruslast positiv aus, sondern auch bei einzelnen Passagen der Virus-Erbinformation. Das macht ihn zu einem sehr genauen und sicheren Testverfahren. Er lässt bislang aber keine Aussage darüber zu, ob es sich beim jeweiligen Fund tatsächlich um voll funktionale, vermehrungsfähige Viren handelt.

Mögliche Ursachen für positive PCR-Tests nach der Genesung

Aktuell können Mediziner*innen im Einzelfall nur mutmaßen, was den PCR-Test nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung anschlagen lässt. Klar ist: Positive PCR-Ergebnisse im Anschluss an eine Infektion sind bislang Ausnahmen. Die meisten Genesenen weisen nach dem Abklingen ihrer Symptome unauffällige Labortests auf. Was also könnte für die ungewöhnlichen, positiven PCR-Tests verantwortlich sein?

Zwei Erklärungsansätze hält die Forschung für unwahrscheinlich:

  • falsch-positive Ergebnisse und
  • eine erneute Ansteckung mit dem Virus.

Ein falsch-positives Ergebnis würde bedeuten, dass der Test eine Infektion feststellt, obwohl keine vorliegt. Mit einer Genauigkeit von fast 100 Prozent scheint dieser Ansatz bei PCR-Tests aber tatsächlich kaum belastbar. Gegen wiederholte Ansteckungen spricht die in der Regel beobachtete Immunität, die meist erst nach mehreren Monaten abzunehmen beginnt. Auf zwei weitere Theorien werfen wir hier einen genaueren Blick.

Positives Ergebnis durch Überbleibsel der Coronaviren

Einige Expert*innen halten es für wahrscheinlich, dass der PCR-Test mitunter auf "Rückstände" der Viren reagiert. Ist das Immunsystem erfolgreich gegen die Erreger vorgegangen und hat der Organismus die Infektion überstanden, werden die verbliebenen Bestandteile der Coronaviren allmählich abgebaut. Insbesondere bei Menschen, die unter einem schweren Krankheitsverlauf litten, kann das einige Zeit in Anspruch nehmen.

Positive PCR-Tests nach der Genesung könnten also auf kleinste Reste des Virus-Erbguts zurückzuführen sein. In manchen Fällen wiesen Labore im Anschluss an die Infektion noch etwa fünf Wochen lang mutmaßliche Überbleibsel der Erreger in den Rachenabstrichen nach. Ähnliches galt für die Analabstriche der Betroffenen.

In menschliches Erbgut integrierte Virus-DNA

Als gleichermaßen wahrscheinlich erweist sich die Theorie, dass sich das Virus-Erbgut zeitweise in der menschlichen DNA verankern könnte. Ähnliche Mechanismen sind bereits von anderen Viren bekannt: Sogenannte endogene Retroviren bleiben nicht nur vorübergehend im Körper des Menschen, sondern können Teile ihrer DNA dauerhaft in das menschliche Genom integrieren. Im Lauf der Evolution hat sich die Zahl unserer Gene so mehr und mehr erweitert. Schätzungen zufolge gehen bis zu acht Prozent der heutigen, menschlichen Erbinformation auf Retroviren zurück.

Wie sieht es also im Fall des Coronavirus SARS-CoV-2 aus? Zwar zählt der Erreger nicht zu den Retroviren, dennoch weisen erste Untersuchungen bei manchen genesenen Patientinnen und Patienten einzelne Abschnitte seines Erbguts nach. Diese Passagen scheinen also übersetzt und zumindest vorübergehend beim Menschen integriert zu werden. Ein PCR-Test könnte auf diese DNA-Bruchstücke reagieren.

Klar ist: Solche Funde müssen noch weiter untersucht werden – sowohl was ihre Häufigkeit als auch ihre Auswirkungen anbelangt. Aktuell gehen Forscher*innen aber davon aus, dass sich für Betroffene daraus kein spürbarer Effekt ergibt. Möglicherweise bereiten die vorhandenen DNA-Teile die Immunabwehr sogar besser auf einen erneuten Kontakt mit dem Coronavirus vor.

Was bedeuten die Resultate für die Zukunft?

Die Wissenschaft gewinnt mehrere Kenntnisse:

  • Positive PCR-Tests sind auch nach einer überstandenen COVID-19-Infektion möglich.
  • Dafür gibt es zum aktuellen Zeitpunkt (Stand 07/2021) zwei Erklärungsansätze, von denen beide zutreffen könnten.
  • In den meisten Fällen ist davon auszugehen, dass sich die Ansteckungsfähigkeit einige Tage nach Verschwinden der letzten Symptome wieder legt – auch wenn der PCR-Test noch anschlägt.

Um die Ansteckungsfähigkeit besser greifbar zu machen, könnte es künftig sinnvoll sein, die Ergebnisse bei PCR-Tests detaillierter anzugeben. Bislang erfolgt die Unterscheidung hauptsächlich in positiv (Virus-Erbgut nachweisbar) oder negativ (Virus-Erbgut nicht nachweisbar). Anbieten würde sich die flächendeckende Angabe des Cycle-threshold-Werts (Ct-Wert). Je höher er liegt, desto mehr Anstrengungen musste das Labor unternehmen, um Teile der Coronavirus-Erbinformation nachzuweisen. Ein niedriger Wert macht wiederum kenntlich, dass in der Probe eine größere Menge Viren oder Erbgut vorhanden war – was entsprechend auch mit einer größeren Ansteckungsfähigkeit einhergehen kann.

Übrigens: Für einen positiven PCR-Test nach der Corona-Impfung liegt der Fall deutlich klarer. Die Impfung selbst ist dafür nicht verantwortlich – stattdessen müssen sich Betroffene hier kurz vor oder kurz nach der Impfung mit dem Virus angesteckt haben.