Eine Frau wird geimpft
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Booster-Impfung gegen Omikron

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für alle Booster-Impfungen die neuen Omikron-Impfstoffe. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Warum neue Impfstoffe?

Die Wirksamkeit der ursprünglichen Impfstoffe hat mit den neuen Corona-Varianten abgenommen. Impfdurchbrüche sind daher häufig, auch wenn eine Boosterimpfung nach der Grundimmunisierung zumindest schwere Krankheitsverläufe von Covid-19 meist verhindert.

Bei den nun zugelassenen Impfstoffen handelt es sich um angepasste Versionen der bereits genutzten mRNA-Impfstoffe von BioNTech und Moderna, die besser vor einer Corona-Infektion schützen sollen. Die zwei Anfang September zugelassenen Vakzine stammen von BioNTech/Pfizer und Moderna und sind um die Corona-Variante BA.1 erweitert, der später zugelassene Impfstoff von BioNTech/Pfizer um die Varianten BA.4 und BA.5, deren Spike-Proteine fast identisch sind. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erwartet eine breite Wirksamkeit gegen verschiedene Corona-Varianten. 

So funktionieren die neuen Omikron-Impfstoffe

Die neuen Vakzine sind vom Aufbau her die gleichen wie die alten mRNA-Impfstoffe Comirnaty (BioNTech) und Spikevax (Moderna). Für die neuen Impfstoffe haben die Forschenden den RNA-Abschnitt, der die Bauanleitung für das Spike-Protein enthält, gegen einen für das Spike-Protein der neuen Omikron-Variante BA.1 beziehungsweise BA.4/5 ausgetauscht.

Zusätzlich enthalten die Impfstoffe die Erbinformationen der ursprünglichen Variante. Sie sind somit bivalent. Das Vorgehen ist ähnlich wie bei den Grippeimpfstoffen, die jedes Jahr angepasst werden. Auch weitere Impfstoffhersteller arbeiten an angepassten Vakzinen.

Wie funktionieren mRNA-Impfstoffe?

Der mRNA-Impfstoff enthält die genetischen Informationen des Virus-Antigens. Anhand von Antigenen erkennt der Körper Eindringlinge und bildet Antikörper. Mit der Impfung erhält unser Körper den Bauplan für das Antigen von SARS-CoV-2 und stellt es selbst her.

Für wen wird eine Booster-Impfung mit den Omikron-Impfstoffen empfohlen?

Eine vierte Impfung empfiehlt die STIKO Menschen ab 60 Jahren, medizinischem Personal sowie Personen ab zwölf Jahren, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben (Stand: 10/2022). Für die Auffrischungsimpfung sollen laut STIKO bevorzugt die neuen Omikron-Vakzine zum Einsatz kommen. 

Welcher Omikron-Impfstoff ist der richtige?

Die für die BA.1- beziehungsweise BA.4/5-Variante angepassten Impfstoffe von BioNTech sind für Menschen ab zwölf Jahren zugelassen, der BA.1-Impfstoff von Moderna für Personen ab 30 Jahren.

Die neuen Omikron-Impfstoffe sind ausschließlich für Auffrischungsimpfungen vorgesehen. Für die Grundimmunisierung verwenden Mediziner*innen weiterhin die bestehenden Impfstoffe. Wer also bisher noch gar nicht geimpft wurde, wird keinen der neuen Impfstoffe bekommen. Das liegt daran, dass dieser in den Studien ausschließlich an bereits grundimmunisierten Personen getestet wurde.

Welcher Omikron-Impfstoff schützt am besten?

Der auf BA.4 und BA.5 angepasste Impfstoff wird zwar sicherlich den besten Schutz gegen die derzeit vorherrschende Variante bieten. Studien zufolge wirkt der BA-1-Impfstoff jedoch ebenfalls sehr gut gegen BA.5. Zudem ist noch nicht klar, welcher der Impfstoffe besser für die kommende Zeit rüstet. Denn es ist noch ungewiss, welche Variante in naher Zukunft dominieren wird. So ist es denkbar, dass sich weitere Varianten durchsetzen, die möglicherweise vorherigen Varianten eher ähneln als der aktuellen Omikron-Variante.

Welcher der beiden Impfstoffe dann besser wirkt, lässt sich nicht vorhersagen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach zufolge sind die Unterschiede zwischen beiden Impfstoffen nicht gravierend.

Wie gut sind die Omikron-Impfstoffe erforscht?

Der Impfstoff gegen BA.4/5 ist in Tierversuchen erforscht, jedoch noch nicht an Freiwilligen getestet. Abgeschlossene klinische Studien existieren derzeit also noch nicht.

Die Zulassung von Comirnaty Original/Omicron BA.4-5 stützt sich vor allem auf die klinischen Daten zu Comirnaty Original/Omicron BA.1, der ihm vom Aufbau her gleicht. Dieser ist in Studien mit insgesamt 3.200 Menschen getestet. Dabei zeigte sich, dass eine Booster-Impfung mit dem neuen Vakzin eine signifikant stärkere Immunreaktion auslöst als eine Auffrischimpfung mit den alten Impfstoffen und daher wahrscheinlich besser vor den aktuellen Varianten schützt. Bisher unbekannte Nebenwirkungen traten dabei nicht auf.

Gegen welche Varianten wirken die Omikron- Impfstoffe? 

Zwei Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna wirken gegen die ursprüngliche Variante und die Omikron-Variante BA.1. Der erst danach von der EMA zugelassene Impfstoff von BioNTech/Pfizer wirkt gegen die sich ähnelnden Subtypen BA.4 und BA.5. Sie verursachen zurzeit fast alle Corona-Infektionen sowohl in Deutschland als auch weltweit. Während eine Infektion mit der Omikron-Variante BA.1 Studien zufolge nicht ausreichend vor einer Infektion mit BA.5 schützt, bewirkt die Auffrischungsimpfung mit dem BA.1.-Impfstoff offenbar dennoch eine gute Antikörperbildung gegen BA.5.

Wie lange nach einer Infektion mit der Booster-Impfung warten?

Wer sich kürzlich mit dem Coronavirus angesteckt oder eine Corona-Impfung erhalten hat, dem wird empfohlen, sich drei Monate Zeit bis zur nächsten Impfung zu lassen.

Wie lange wirkt die Impfung?

Das lässt sich nicht vorhersagen und kommt auch darauf an, wie sich das Coronavirus weiterentwickelt. Die Auffrischimpfung mit den bisherigen Corona-Impfstoffen behielt etwa sechs Monate ihre hohe Schutzwirkung gegen schwere Infektionen. Danach traten häufiger Impfdurchbrüche auf. Es ist wahrscheinlich, dass auch die neuen Impfstoffe nicht lebenslang schützen und weiterhin angepasst werden müssen, wie das auch bei der Grippeimpfung der Fall ist.