Menschen mit Masken
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Machen uns Masken immun gegen das Coronavirus?

Lange stritten Forscher über den Nutzen von Masken zum Schutz vor dem Coronavirus. Mittlerweile sind sie sich weitgehend einig: Masken können die Erreger abhalten – zumindest zum Teil. Sie können nicht gänzlich verhindern, dass Viren von einem Menschen zum anderen gelangen. Doch genau diese Tatsache könnte nun für Immunität in der Bevölkerung sorgen. So lautet jedenfalls die Theorie zweier Wissenschaftler der University of California in San Francisco.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Die Theorie

Diese Theorie basiert auf folgender Überlegung: Angenommen, eine mit SARS-CoV-2 infizierte Person spricht mit einem gesunden Menschen. Beide tragen eine Maske. Die infizierte Person scheidet beim Sprechen Tröpfchen mit Erregern aus. Die Maske hält jedoch einen Großteil davon ab. Laut Robert-Koch-Institut kann auch eine einfache Alltagsmaske das Risiko verringern, eine andere Person durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken. Masken haben also eine Schutzwirkung.

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Sie können jedoch nicht gänzlich verhindern, dass Viren sich von einem Menschen zum anderen übertragen. Ein geringer Teil der Viren gelangt also möglicherweise trotz Maske in den Körper des Gesunden. Weil die Viruslast aber so gering ist, erkrankt dieser gar nicht oder nur leicht an Covid-19. Sein Körper bildet Antikörper und bekommt die Infektion schnell in den Griff.

Der Theorie zufolge könnten Masken also die Zahl der Menschen erhöhen, die sich infizieren, aber nicht schwer erkranken. Trotzdem wären diese Menschen dann für eine gewisse Zeit immun gegen das Coronavirus. Ähnlich wie bei einer Lebendimpfung, bei der sehr geringe Mengen abgeschwächter Erreger gespritzt werden, damit der Geimpfte Antikörper bildet.

Das Tragen der Maske könnte den Forscher zufolge zu einer Herdenimmunität führen. Diese wiederum könnte helfen, die Pandemie einzudämmen, bis ein Impfstoff gefunden ist.

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Die Praxis: Was ist dran an der Theorie?

In dieser Rechnung gibt es zwei Unbekannte. Zum einen steht nicht fest, wie Viruslast und Schwere der Erkrankung zusammenhängen. Zum anderen ist unklar, wie lange jemand nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 immun ist – und ob infizierte Menschen ohne Symptome ebenso lange immun sind.

Tierstudien deuten tatsächlich darauf hin, dass die Schwere einer Infektion mit der Viruslast zusammenhängt, der jemand ausgesetzt ist. Wissenschaftler der Universität Hongkong haben in einer Studie mit Goldhamstern nachgewiesen, dass OP-Masken die Tiere vor einer Infektion schützen können. Für die Studie setzten die Forscher Käfige mit infizierten Tieren neben Käfige mit gesunden Tieren. Waren zwischen den Käfigen Masken angebracht waren, war die Ansteckungsrate um 60 Prozent reduziert. Von den Tieren, die sich dennoch infizierten, zeigten weniger schwere Symptome.

Auch die Tatsache, dass Masken offenbar dazu beitragen, die Zahl schwerer Fälle beim Menschen zu verringern, spricht dafür, dass Viruslast und Schwere der Erkrankung zusammenhängen. Beim Menschen ist das jedoch schwer durch Studien zu belegen, denn dafür müsste man ja absichtlich Personen infizieren.

Noch immer ist wissenschaftlich nicht sicher geklärt, wie lange jemand nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 immun ist. Zunächst ging man davon aus, dass Genesene möglicherweise über Jahre hinweg immun sind. Doch mittlerweile sind bereits Zweitinfektionen bekannt.

Unklar ist auch, ob das Immunsystem anders reagiert, wenn jemand gar keine Symptome hat oder einen milden Verlauf. Es wäre denkbar, dass derjenige dann weniger lange immun ist als jemand, der schwerer erkrankt ist und die Infektion überstanden hat.

Als Fazit bleibt jedoch: Masken können helfen, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Abstand halten und regelmäßiges Händewaschen bleiben unverzichtbar.