Eine Frau sitzt erschöpft und verzweifelt über Büchern
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Leidet die geistige Leistungsfähigkeit durch Corona?

Laut einer aktuellen Studie aus London kann nach einer Infektion mit Covid-19 beim Long-Covid-Syndrom die Leistungsfähigkeit des Gehirns in Bezug auf logisches Denken, Konzentration und Merkfähigkeit längerfristig beeinträchtigt werden.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Long-Covid: häufig kognitive Probleme

Eine Corona-Infektion kann auch nach überstandener Krankheit Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten haben. Kognitive Fähigkeiten betreffen die geistige Leistungsfähigkeit eines Menschen. Dazu gehören logisches Denken, Merkfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit. Menschen mit Long-Covid-Syndrom berichten über erhebliche Probleme in Bezug auf diese geistigen Fähigkeiten, die oft über Monate anhalten.

Bisher ist noch unklar, wie genau eine Covid-19 Erkrankung das Nervensystem schädigt. Besonders belastend und langanhaltend scheinen neurologische Symptome jedoch bei Menschen zu sein, die einen schweren Verlauf der Corona-Infektion hatten. Sie beschreiben deutliche Einbußen der Lebensqualität.

Eine französische Studie untersuchte die Lebensqualität von COVID-19-Patient*innen mit schweren Krankheitsverläufen, bei denen ein Aufenthalt auf der Intensivstation notwendig war. Sie gaben drei Monate nach überstandener Krankheit alle einen deutlichen Verlust der Lebensqualität an: 89 Prozent litten unter Schmerzen, 47 Prozent waren durch Muskelschwäche in ihrer Mobilität eingeschränkt und 42 Prozent gaben Angstzustände und Depression an.

Studie belegt Einschränkungen der geistigen Leistung

In der aktuellen britischen Studie führten 81.337 Menschen zwischen Januar und Dezember 2020 schriftlich einen Intelligenztests durch. Zusätzlich wurden in einem Fragebogen Atemwegssymptome und eine vermutete oder bestätigte Covid-19-Infektion abgefragt. Auch bei dieser Untersuchung zeigten sich verminderte kognitive Fähigkeiten bei Menschen, die eine Corona-Infektion durchgemacht hatten.

Es war außerdem ebenfalls so, dass Menschen, die wegen der Corona-Infektion ins Krankenhaus mussten, am stärksten unter den Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten litten. Am ausgeprägtesten zeigten sich die kognitiven Defizite bei Menschen, die wegen Covid-19 intensivmedizinisch behandelt und beatmet wurden. Es kam zu einer Minderung des IQ, die einer Alterung des Gehirns um etwa zehn Jahre entsprach.

Interessant ist hierbei, dass auch Menschen, bei denen die Infektion nur nachgewiesen worden war, die aber keine Symptome zeigten, Probleme mit den kognitiven Fähigkeiten aufwiesen.

Long Covid: Mit der Zeit kommen immer mehr Erkenntnisse

Einigen Experten zufolge sei die Studie nicht aussagekräftig genug, da der verwendete Intelligenztest lediglich neun Fragen beinhaltete. Auch musste der Zeitpunkt der Infektion nicht angegeben werden. Nach der Studie ist die geistige Fähigkeit vornehmlich in der prächronischen Phase vermindert, aber es ist unklar, ob und wann sich dies wieder normalisiert.

Covid-19 ist eine neuartig auftretende Infektion, von der sich immer neue Erkenntnisse ergeben. Bisher ist vieles unklar und muss erst beobachtet und wissenschaftlich untersucht werden. Das gilt auch für das Long-Covid-Syndrom, zu dem es neuerdings eine Leitlinie gibt. Aktuell ist bekannt, dass etwa jeder zehnte Mensch nach einer akuten Covid-19-Infektion von Long Covid betroffen ist.

Beim Long-Covid-Syndrom werden häufig folgende Symptome genannt:

  • Konzentrationsprobleme
  • Vergesslichkeit
  • Angstzustände und Depressionen
  • Kurzatmigkeit
  • Fatigue-Syndrom (dauerhafte schnelle Ermüdbarkeit)

Kinder und Jugendliche könnten an den Langzeitfolgen besonders leiden, wenn Auswirkungen auf die Lernfähigkeit auftreten und die schulischen Leistungen und die Weiterentwicklung beeinträchtigen. Zukünftige Forschungen und die Entwicklung des Coronavirus werden hier erst für Klarheit sorgen.

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