Corona Impfung für Kinder
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Corona-Impfung für Kinder: Pro und Contra

Viele Eltern stehen vor einer schwierigen Entscheidung: Sollen sie ihre Kinder gegen Covid-19 impfen lassen oder nicht? Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung bis zu einem Alter von elf Jahren nach Risiko-Nutzen-Abwägung. Aber was bedeutet das? Wir haben für Sie den Stand der Dinge zusammengefasst und Pro und Contra aufgeführt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Pro: Das spricht dafür, das eigene Kind impfen zu lassen

Folgende Aspekte können dafür sprechen, das Kind impfen zu lassen, auch wenn es nicht unter die STIKO-Empfehlung fällt:

Hohes Infektionsrisiko: Kindergärten und Schulen sind Orte mit hohem Ansteckungsrisiko, dass Abstände immer eingehalten werden können, ist unrealistisch.

Wirksamer Impfschutz: Bei jungen Menschen ist die Immunreaktion auf eine Impfung besonders gut. Das zeigt sich auch in einer aktuellen Studie: Demnach müssen Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren mit einer Covid-19-Erkrankung nach einer ersten Impfung um rund 42 Prozent seltener ins Krankenhaus, nach einer zweiten Impfdosis um rund 83 Prozent. Es ist also möglich, Kinder und Jugendliche mit einer Impfung sehr sicher vor Covid-19 mit schwerem Verlauf und entsprechenden gesundheitlichen Folgen zu bewahren.

Schwere Verläufe sind selten, aber möglich: Mehr als 3.000 Kinder und Jugendliche mussten in Deutschland bis Februar 2022 mit einer Covid-19-Erkrankung stationär im Krankenhaus behandelt werden.

PIMS: Bei einigen Kindern hat eine Corona-Infektion das multisystemische Entzündungssyndrom PIMS zur Folge. Seit Januar 2020 sind der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 914 Fälle aus Deutschland und Österreich gemeldet worden. Dabei handelt es sich um eine Überreaktion des Immunsystems, die dazu führt, dass im ganzen Körper Entzündungsreaktionen auftreten. Erkrankte Kinder haben hohes Fieber, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall und Ausschlag. In schweren Fällen kann ein Schockzustand eine intensivmedizinische Betreuung notwendig machen. Auch das ähnlich verlaufende Kawasaki-Syndrom wird als Folge von Covid-19 diskutiert. Bei geimpften Kindern treten solchen Komplikationen seltener auf.

Long Covid: Von Long-Covid sind Kinder ebenfalls betroffen, auch wenn sie nur sehr milde Covid-19-Symptome hatten. Wie häufig die Langzeitfolgen bei Kindern auftreten, können bislang noch keine belastbaren Zahlen belegen. Einer Statistik aus England zufolge haben rund zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen noch fünf Wochen nach der Erkrankung noch mindestens ein Symptom wie Konzentrationsprobleme oder Müdigkeit. Eine Impfung schützt ersten Erkenntnissen zufolge nicht nur vor schweren Verläufen, sondern auch vor Langzeitfolgen. 

Die Nebenwirkungen der Impfungen sind moderat: Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit und Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen und Fieber – Impfreaktionen nach einer Covid-19-Impfung sind meist harmlos. Ernste Nebenwirkungen, etwa eine Herzmuskelentzündung, sind sehr selten.

Contra: Das spricht dagegen, das eigene Kind impfen zu lassen

Risiko der Nebenwirkungen: Schwere Nebenwirkungen gibt es, auch wenn sie selten sind. Und sie können unterschiedliche Altersgruppen unterschiedlich betreffen. Es ist also möglich, dass sich bei kleineren Kindern immer noch neue, dann aber eher sehr seltene Nebenwirkungen zeigen. Für Jungs im Alter zwischen 16 und 19 Jahren ist das Risiko einer Herzmuskelentzündung nach einer Corona-Impfung etwa erhöht.

Es gibt auch andere Mittel, die schützen: Eine Impfung ist nicht die einzige Möglichkeit, Kinder vor einer Corona-Infektion zu schützen. Abstand halten, regelmäßiges Händewaschen, Lüften und das Tragen einer Maske können das Ansteckungsrisiko ebenfalls senken.

Nur selten schwere Verläufe: Wenn Kinder sich mit SARS-CoV-2 anstecken, dann zeigen sie häufig gar keine Symptome oder erkranken nur sehr leicht. Todesfälle sind äußerst selten. Schwere Verläufe treffen vor allem Kinder mit Vorerkrankungen, für die es bereits eine Impfempfehlung gibt.

Kein ausreichender Fremdschutz: Viele Eltern lassen ihre Kinder impfen, um nahe Kontaktpersonen wie die Oma zu schützen. Es hat sich aber gezeigt, dass Impfungen zwar schwere Verläufe verhindern können, nicht jedoch die Ansteckung mit Covid-19.

Impfreaktionen sind häufiger: Bei jüngeren Menschen treten Impfreaktionen wie Fieber etwa fünfmal häufiger auf als bei Erwachsenen.

Empfehlungen der STIKO: Wann impfen?

Für einige Kinder empfiehlt die STIKO die Corona-Impfung je nach Alter und Vorerkrankung. Kinder, die diese Empfehlungen nicht betreffen, dürfen jedoch trotzdem geimpft werden. In diesem Fall entscheiden die Eltern in Absprache mit der*dem Kinderarzt*Kinderärztin.

Babys und Kleinkinder im Alter von sechs Monaten bis vier Jahren

Für diese Altersgruppe zugelassen sind die mRNA-Kinderimpfstoffe 

  • Comirnaty von BioNTech/Pfizer (3 Mikrogramm) und 
  • Spikevax (25 Mikrogramm) von Moderna.

Da Spikevax in Deutschland derzeit nicht in der für Babys und Kleinkinder vorgesehenen Dosierung erhältlich ist, soll mit Comirnaty von BioNTech/Pfizer geimpft werden. (Stand: 11/2022)

Für die Grundimmunisierung sind

  • bei Comirnaty drei Dosen (je drei Mikrogramm) im Abstand von drei Wochen nach der ersten Impfung und acht Wochen nach der zweiten Impfung oder
  • bei Spikevax (je 25 Mikrogramm) zwei Dosen im Abstand von vier Wochen nötig.

Haben die Kinder bereits nachweislich eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht, reduzieren sich die Impfserien um jeweils eine Impfung. Diese sollte frühestens sechs Monate nach der Infektion verabreicht werden.

Für welche Kinder von sechs Monaten bis vier Jahren empfiehlt die STIKO die Impfung?

Weil Covid-19 bei Babys und Kleinkindern in der Regel recht mild verläuft und die Datenlage zu Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe in dieser Altersgruppe noch dünn ist, empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Covid-19 nicht generell. (Stand: 17.11.2022).

Ihr zufolge sollten Eltern ihre kleinen Kinder impfen lassen, wenn

  • diese vorerkrankt sind,
  • frühgeboren sind und das zweite Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder
  • ein geschwächtes Immunsystem haben,

und aus diesem Grund ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung haben.

Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren

Für diese Altersgruppe zugelassen sind die mRNA-Kinderimpfstoffe 

  • Comirnaty von BioNTech/Pfizer (10 Mikrogramm) und 
  • Spikevax von Moderna (50 Mikrogramm, für Kinder ab 6 Jahren).

Für welche Kinder von fünf bis elf Jahren empfiehlt die STIKO die Impfung?

Gesunden Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren empfiehlt die STIKO nur eine Basisimmunisierung mit einer Impfstoffdosis Comirnaty (10 Mikrogramm), alternativ eine Dosis Spikevax (50 Mikrogramm) für Kinder ab sechs Jahren. Dies gilt unabhängig davon, ob die Kinder bereits mit Covid-19 infiziert waren oder nicht. Die Impfung soll frühestens drei Monate nach einer durchgemachten Infektion erfolgen.

Gesunde Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren,

  • die enge Kontaktpersonen mit einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 haben,
  • die selbst nicht geimpft werden dürfen oder
  • bei denen Verdacht besteht, dass die Impfung keinen ausreichenden Schutz bietet,

können nach ärztlicher Absprache zwei Impfdosen im Rahmen der Grundimmunisierung erhalten. (Stand: 11/2022).

Zuvor hatte die STIKO Kindern in dieser Altersgruppe grundsätzlich zwei Impfungen empfohlen, wenn sie Kontakt zu Risikopersonen haben. Da sich gezeigt hat, dass die Impfung keinen sicheren Schutz vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 bietet, hat die Impfkommission dies relativiert. 

Kindern, die selbst vorerkrankt sind und deshalb ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 haben, empfiehlt die STIKO eine Grundimmunisierung mit zwei Impfdosen und bis zu zwei Auffrischungsimpfungen, je nachdem, ob bereits eine Covid-19-Erkrankung bestand.

Die Auffrischungsimpfung soll mit einem Abstand von mindestens sechs Monaten zur letzten Impfung oder Infektion erfolgen, und zwar mit einem monovalenten mRNA-Impfstoff, der für die Altersklasse geeignet ist.
 

Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren


Eine Zulassung für diese Altersgruppe haben die mRNA-Impfstoffe 

  • Comirnaty von BioNTech/Pfizer (30 Mikrogramm) und 
  • Spikevax von Moderna (100 Mikrogramm).

Für welche Kinder von zwölf bis 17 Jahren empfiehlt die STIKO die Impfung?

Die STIKO empfiehlt allen Kindern und Jugendlichen in dieser Altersklasse eine Covid-19-Impfung mit zwei Impfstoffdosen und einer Auffrischungsimpfung mit einem Omikron-Vakzin. 

Kinder und Jugendlichen mit einem erhöhten Risiko aufgrund von Grunderkrankungen wird zudem eine zweite Auffrischungsimpfung (vierte Impfung) empfohlen. 

Eine Covid-19-Infektion reduziert die Impfserie um jeweils eine Auffrischimpfung. Die Auffrischimpfungen sollen frühestens sechs Monate nach der letzten Impfung oder Covid-19-Infektion erfolgen. 

Welche Vorerkrankungen sind relevant?

Zu den Vorerkrankungen, die einen schweren Verlauf wahrscheinlicher machen, gehören:

  • Adipositas
  • angeborene Immunschwäche oder Immunsuppression
  • schwere Herzinsuffizienz
  • angeborene zyanotischer Herzschwäche
  • schwere pulmonaler Hypertonie
  • chronische Lungenerkrankungen mit anhaltender eingeschränkter Lungenfunktion
  • chronische Niereninsuffizienz
  • chronische neurologischen oder neuromuskulären Erkrankungen
  • bösartige Tumorerkrankungen
  • Trisomie 21 (Down-Syndrom)
  • syndromale Erkrankungen mit schweren Beeinträchtigungen (z. B. Treacher Collins Syndrom, Nager Syndrom, Miller Syndrom)
  • nicht gut eingestellter Diabetes mellitus

Fazit: Kinder impfen – ja oder nein?

Kinder erkranken nur selten schwer an Covid-19. Der Nutzen einer Impfung sollte also hoch sein und sie sollte gut verträglich sein, damit ihr Einsatz gerechtfertigt ist. Da der Fremdschutz einer Corona-Impfung nicht so hoch ist wie zunächst angenommen, sollte der Nutzen für das Kind selbst im Vordergrund stehen.

Jüngere Menschen bauen durch eine Impfung einen besseren Immunschutz auf, gerade sehr kleine Kinder erleben jedoch auch eher Impfreaktionen.

Eltern müssen also abwägen, wie hoch das Risiko für ihr Kind ist, sich mit SARS-CoV-2 anzustecken und im Fall einer Infektion einen schweren Verlauf zu erleben. Bei dieser Entscheidung kann ein Gespräch mit einer*einem Ärztin*Arzt helfen. In jedem Fall sollte eine ärztliche Beratung vor einer Impfung stattfinden. Ältere Kinder und Jugendliche können die Entscheidung zu einem gewissen Maß bereits selbst treffen beziehungsweise Wünsche äußern. Auch ihre Sicht sollte berücksichtigt und respektiert werden.

Die STIKO entscheidet nur anhand von Daten, und das tut sie sehr gewissenhaft. Die Entscheidung, ob in ihrem*seinem persönlichen Fall Nutzen oder Risiko schwerer wiegen, muss – und darf – jede*r jedoch ganz persönlich für sich und sein Kind treffen. Und die ist auch vom eigenen Sicherheitsgefühl abhängig.