Jemand pumpt Desinfektionsmittel aus einem Spender auf die Hände
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Coronavirus: Desinfektionsmittel lieber nicht selbst herstellen

Desinfektionsmittel sind vielerorts nicht mehr erhältlich, weil einige Menschen aus Sorge vor dem Coronavirus SARS-CoV-2 große Mengen davon eingekauft haben. Im Internet kursieren deshalb mittlerweile Rezepte, wie man Desinfektionsmittel selbst herstellen kann. Lesen Sie hier, warum es weder sinnvoll noch nötig ist, Händedesinfektion selbst herzustellen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Ja, es gibt Desinfektionsmittel, die Coronaviren abtöten. Aber: Gründliches Händewaschen tut das auch. Wer Desinfektionsmittel oder die Rohstoffe dafür hamstert, trägt dazu bei, dass sie denen fehlen, die sie wirklich benötigen – medizinischem Personal und Schwerkranken zum Beispiel.

Und auch sich selbst tut nicht unbedingt ein Gefallen, wer Desinfektionsmittel selbst anrührt. Mittel gegen Coronaviren enthalten 70-prozentiges Isopropanol (auch 2-Propanol genannt) oder ein Gemisch aus Isopropanol mit Wasserstoffperoxid und Glycerin. Aufgrund der Desinfektionsmittelknappheit dürfen Apotheker momentan dank einer befristeten Genehmigung auch Ethanol-Wasser-Gemische selbst herstellen.

Hochprozentiger Alkohol, Bleichmittel und Glycerin sind die Zutaten, mit denen sich auch jeder Laie nach einem Rezept der Weltgesundheitsorganisation ein Desinfektionsmittel selbst herstellen kann. Genau davor warnen Experten jedoch.

Feuergefahr durch Chemikalien

Zum Beispiel die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. (ABDA): "Niemand sollte sich selbst zuhause ein Desinfektionsmittel aus frei verfügbaren Zutaten zusammenrühren, denn das kann gefährlich werden", sagt Friedemann Schmidt, Präsident des ABDA.

Hochprozentiges Ethanol (Alkohol) ist leicht entzündbar und kann schwere Augenreizungen hervorrufen. Wasserstoffperoxid (Bleichmittel) wirkt hautreizend. Das Rezept der WHO ist zudem auf 10 Liter Desinfektionsmittel ausgelegt – es geht also um große Mengen. Alkohol in niedrigerer Konzentration zu verwenden, wie er auch in manchen Handdesinfektionsmitteln aus der Drogerie enthalten ist, ist auch keine Lösung – er wirkt nicht gegen Coronaviren.

Auch Kerstin Kemmritz, Präsidentin der Berliner Apothekenkammer, hält nichts davon, Händedesinfektionsmittel selbst herzustellen: "Für die Herstellung werden feuergefähr­liche Chemikalien benötigt, deren Verwendung aus guten Gründen reguliert ist", sagt sie. Laien sollten deshalb nicht nach Anleitungen aus dem Internet experimentieren. Außerdem würden Haushalte mit gesunden Menschen gar keine größeren Mengen Händedesinfektionsmittel benötigen. Gegen das Coronavirus sei auch gründ­liches und häufiges Händewaschen mit Seife ausreichend wirksam. Wichtig um eine Ansteckung zu vermeiden ist auch, die empfohlenen Hygienemaßnahmen einzuhalten.

Außerdem kursieren im Internet zahlreiche andere Rezepturen, die angeblich desinfizierend wirken sollen. Diese Anleitungen sind jedoch nicht geprüft, weshalb man sich auf keinen Fall darauf verlassen sollte.

Besser keine UV-Lampen verwenden

Die WHO weist außerdem darauf hin, dass man keine UV-Lampen verwenden sollte, um sich die Hände oder andere Hautpartien zu sterilisieren, weil sie Haut und Augen reizen können.

Sinnvoll kann es sein, eine kleine Menge an Handdesinfektionsmitteln zu besitzen. Zum Beispiel für unterwegs, wenn man nicht die Möglichkeit hat, sich die Hände zu waschen. Dann sollte man jedoch in der Apotheke fertige Produkte kaufen oder sich welche von den Fachleuten anmischen lassen.

Wirksam sind Desinfektionsmittel mit dem Wirkungsbereich "begrenzt viruzid" (wirksam gegen behüllte Viren), "begrenzt viruzid Plus" (wirkt gegen Viren mit Hülle sowie einige Viren ohne Hülle) oder "viruzid" (wirkt gegen Viren mit und ohne Hülle). SARS-CoV-2 ist ein Virus mit Hülle.

Desinfektionsmittel wirken nur, wenn Sie sie auch richtig anwenden. Dafür sollten Sie das Mittel auf trockenen Händen verteilen und gründlich verreiben, sodass die Hände komplett befeuchtet sind. Das Mittel sollte dann mindestens 30 Sekunden einwirken.