Zwei Männer mit Mundschutz begrüßen sich mit den Ellbogen
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Wie gefährlich ist die Delta-Variante für Geimpfte?

Wer vollständig gegen Covid-19 geimpft ist, hat mehr Freiheiten und fühlt sich sicherer. Doch seit die Delta-Variante in Deutschland vorherrscht, sind viele Menschen unsicher: Ist der Schutz noch ausreichend? Schließlich gilt diese Variante als ansteckender und bestehende Impfstoffe sollen weniger gut gegen sie wirken. Lesen Sie hier, ob Sie sich als vollständig geimpfte Person Sorgen machen müssen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Wie hoch ist das Risiko für Geimpfte, sich zu infizieren?

Mittlerweile macht die Delta-Variante 97 Prozent aller Neuinfektionen in Deutschland aus. Keine Impfung schützt zu 100 Prozent vor SARS-CoV-2, und gegen die Delta-Variante schützen die bestehenden Impfstoffe etwas weniger gut – aber immer noch ausreichend. Das bedeutet einer aktuellen Auswertung aus Großbritannien zufolge: Ungeimpfte Menschen haben ein dreimal höheres Risiko, sich mit der Delta-Variante zu infizieren, als vollständig Geimpfte.

Vom 24. Juni bis zum 12. Juli 2021 wurden in England von 100.00 Proband*innen 1,2 Prozent positiv auf das Coronavirus getestet, während es unter den vollständig Geimpften nur 0,4 Prozent waren. Alle festgestellten Infektionen gingen auf die Delta-Variante zurück. Die Forschenden bezogen schließlich auch Faktoren wie Alter und Geschlecht mit in ihre Berechnungen ein und kamen zu dem Ergebnis, dass die Nicht-Geimpften im Vergleich mit den Geimpften ein um 50 bis 60 Prozent erhöhtes Risiko hatten, sich zu infizieren. Wie Studien zeigen konnten, reagiert das Immunsystem älterer Menschen nicht so gut auf Impfungen wie das jüngerer Menschen.

Lesetipp: Mit welcher Immunantwort kann ich nach einer Impfung rechnen?

Auch die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC kommt zu dem Ergebnis, dass vollständig Geimpfte ein dreimal geringeres Risiko haben, sich mit der Delta-Variante zu infizieren. Sie haben jedoch ein um zehnmal geringeres Risiko, einen schweren Verlauf der Erkrankung zu erleben und zu sterben.

Warum erkranken dann trotzdem so viele Geimpfte schwer und sterben?

In Großbritannien sind rund 35 Prozent der Menschen, die wegen einer Covid-19-Infektion in ein Krankenhaus müssen, vollständig geimpft. Eine auf den ersten Blick hohe Zahl. Wissenschaftler*innen erklären sie jedoch damit, dass einfach viel mehr Menschen vollständig geimpft sind. In England sind es bereits 75 Prozent. Da die Impfstoffe nicht zu 100 Prozent wirksam sind, erkranken zwangsläufig auch vollständig Geimpfte. Insgesamt erkranken jedoch weniger Menschen an Covid-19, weil mehr Menschen geimpft sind. Wären alle Menschen vollständig geimpft, würden demnach nur noch vollständig Geimpfte an Covid-19 erkranken.

Wie gut wirkt welcher Impfstoff gegen die Delta-Variante?

Wie gut die Impfstoffe vor der Delta-Variante schützen, dazu gibt es unterschiedliche Angaben.

Der Gesundheitsbehörde Public Health England zufolge schützt der Impfstoff von BioNTech/Pfizer zu 88 Prozent vor einer Infektion mit der Delta-Variante, während seine Wirksamkeit vor dem ursprünglichen Virus bei 95 Prozent lag. AstraZeneca schützt mit 67 Prozent etwas weniger gut gegen Delta (gegen den Urtyp waren es 80 Prozent). Beide Angaben gelten für vollständig geimpfte Menschen. Nach nur einer Dosis war der Impfschutz wesentlich geringer. Ein wirklicher Schutz besteht also erst nach der zweiten Impfdosis.

Dem israelischen Gesundheitsministerium zufolge wirkt BioNTech sogar nur zu 64 Prozent gegen die Delta-Variante, wobei es immer noch zu 93 Prozent vor einem schweren Verlauf schützt. Diese Ergebnisse sind jedoch vorläufig und die Datenlage noch begrenzt.

Bei Johnson & Johnson mussten wir uns bislang auf die Angabe des Herstellers verlassen, dass die einmalige Gabe des Vakzins auch gegen die Delta-Variante zu 85 Prozent vor schweren Verläufen schützt. Expert*innen zweifelten jedoch daran. Eine vorveröffentlichte Studie scheint dies zu bestätigen: Den Untersuchungen der Grossman School of Medicine in New York zufolge fallen die Antikörpertiter von einfach mit dem Vakzin geimpften Personen gegen die Delta-Variante äußerst gering aus. Die Schutzwirkung könnte also vermindert sein. Die relativ hohe Zahl der Impfdurchbrüche nach der Impfung mit Johnson & Johnson spricht ebenfalls dafür. Expert*innen und Gesundheitsminister*innen empfehlen bereits eine dritte Impfung für die Betreffenden.

Schützt Moderna besser?

Etwas andere Zahlen zeigen sich in einer US-Studie: Ihr zufolge wirkt der Impfstoff von Moderna besser gegen die Delta-Variante als der von BioNTech. Moderna schützt der Studie zufolge zu 86 Prozent vor einer Infektion, BioNTech zu 76 Prozent. Schwere Verläufe verhindert Moderna zu 92 Prozent, BioNTech zu 85 Prozent. Allerdings hatten die Forschenden nicht berücksichtigt, wie lange eine Impfung zurücklag.

Als Fazit lässt sich jedoch festhalten: Geimpfte sind weniger gut vor der Delta-Variante geschützt als vor dem Wildtyp. Sie erkranken allerdings weitaus seltener als Ungeimpfte und wenn, dann in den meisten Fällen weniger schwer. Dennoch ist es vor diesem Hintergrund wichtig, weiterhin die Infektionsschutzmaßnahmen einzuhalten. Studien haben bereits gezeigt, dass eine dritte Booster-Impfung den Schutz vor der Delta-Variante erhöhen kann. Für Immunschwache und alte Menschen steht diese bereits ab September an. Auffrischimpfungen sollen ebenfalls für mit Vektor-Vakzinen Geimpfte möglich sein. Auch arbeiten die Hersteller bereits an Updates ihrer Impfstoffe, die besser an die Variante angepasst sind.

Lesetipp: Dritte Impfung

Geimpfte können das Virus weiterhin übertragen

Was wir außerdem mittlerweile über die Delta-Variante wissen: Seit sie das Infektionsgeschehen anführt, tragen auch vollständig Geimpfte weiterhin zur Verbreitung des Coronavirus bei. Verschiedene Studien zeigen, dass sie in den ersten Tagen einer Infektion eine ähnlich hohe Viruslast haben wie Ungeimpfte. Sie geht allerdings offenbar rascher zurück als bei Ungeimpften.