Man sieht das Firmenlogo von Curevac, davor eine Person, die eine Spritze aufzieht
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CureVac: Wie sicher ist der Corona-Impfstoff?

Mit dem Impfstoff des deutschen Unternehmens CureVac befindet sich ein neues mRNA-Vakzin in der Zulassungsstudie für Europa. Deutschland setzte große Hoffnung in das neue mRNA-Vakzin. Erste Zwischenanalysen zur Wirksamkeit fallen jedoch ernüchternd aus.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

So funkioniert der Impfstoff

Seit Mitte Februar befindet sich der Impfstoff "CVnCoV" des Tübinger Unternehmens CureVac im sogenannten "Rolling-Review-Verfahren" der EU. Dabei bewerten Gutachter der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) schon während der laufenden Studien vorläufige Ergebnisse und Daten. Die Zulassung kann so im Vergleich zum herkömmlichen Verfahren beschleunigt werden, bei dem erst nach den klinischen Studien die vollständigen Daten eingereicht und begutachtet werden. Am Ende des Rolling Review-Verfahrens steht die bedingte Zulassung. Bayer und Novartis sollen den Impfstoff produzieren.

Wie funktioniert der CureVac-Impfstoff?

Der Impfstoff funktioniert ähnlich wie die Vakzine von BioNTech und Moderna. Der Botenstoff mRNA ist der Bauplan für Eiweiße im menschlichen Körper. Für die Impfstoffe wurde mRNA so programmiert, dass sie den Bauplan für ein bestimmtes Oberflächenprotein des Coronavirus enthält: das Antigen von SARS-CoV-2. Anhand solcher Antigene erkennt unser Immunsystem Fremdkörper.

Diese mRNA wird mit der Impfung in den Körper injiziert. Die Zellen beginnen anschließend damit, das Antigen nach dem Bauplan der mRNA selbst herzustellen.

Dieses Spike-Protein von SARS-CoV-2 an sich ist harmlos, jedoch erkennt unser Immunsystem es als Fremdkörper und beginnt, Antikörper dagegen zu bilden. Im Fall einer echten Infektion erkennt unser Körper den Feind sofort anhand seiner Spike-Proteine wieder und die bereits bestehenden Antikörper nehmen ihre Arbeit auf.

Unterschiede zwischen den mRNA-Impfstoffen

Zwar gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen den mRNA-Impfstoffen. Es gibt aber auch einen wesentlichen Unterschied in der Technologie der bereits zugelassenen mRNA-Impfstoffe und dem CureVac-Vakzin.

RNA (Ribonukleinsäure) besteht in ihrem Grundgerüst aus den Bausteinen Guanosin, Cytidin, Adenosin und Uridin - zumindest theoretisch. Genau aus diesen Elementen besteht der CureVac-Impfstoff. In der Realität existieren rund 130 Varianten jeder RNA-Bausteine. Die häufigste dieser Varianten ist der Austausch von Uridin gegen Pseudouridin. Pseudouridin und Uridin stimmen in ihrer Summenformel überein; unterscheiden sich aber in ihrer Struktur. Wo CureVac Uridin verwendet, setzen BioNTech und Moderna auf Pseudouridin.

Abweichungen auch in der Dosis

Dadurch, dass Pseudouridin besser verträglich ist, kann der Impfstoff in einer höheren Dosis verabreicht werden. Das Vakzin von Moderna enthält 100 µg, BioNTech immerhin 30 µg. Die Dosierung von CureVac liegt hingegen nur bei 12 µg. Bei Testdurchläufen mit höherer Dosierung traten bei 100 Prozent der Proband*innen unerwünschte Nebenwirkungen auf. Bei den Impfstoffen, die Pseudouridin verwenden, wird ein Teil der Immunantwort, der zu Nebenwirkungen führt, gedämpft.

Ob die Technologie des Impfstoffes oder die niedrige Dosierung für die geringe Schutzwirkung verantwortlich ist, lässt sich allerdings noch nicht mit Gewissheit sagen.

Wie sicher ist der Impfstoff?

Seit Dezember befindet sich der Impfstoff in der für die Zulassung entscheidenden Phase 2b/3. Die rund 35.000 Proband*innen bekommen im Abstand von 28 Tagen zwei Dosen entweder des Vakzins CVnCoV oder eines Placebos. Beteiligt an der Studie sind mehrere Standorte in Europa und in Lateinamerika.

Die Phase-1-Studie hatte zunächst gezeigt, dass CVnCoV starke Antikörperreaktionen hervorruft. Nach Angaben des Herstellers hat der Impfstoff außerdem eine gute Verträglichkeit gezeigt und es kam zu keinen außergewöhnlichen Vorfällen. Die Immunantwort des Körpers fiel offenbar ähnlich aus wie bei Menschen, die eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht haben.

Interessant ist, dass sich unter den Proband*innen auch solche befanden, die bereits eine Infektion mit SARS-CoV-2 hinter sich haben. Bei ihnen wirkte die Impfung wie ein Immun-Booster: Nach der ersten Impfung zeigten sie einen deutlichen Anstieg der Antikörper im Blut.

Wirksamkeit von nur 48 Prozent?

Der für die Zulassung entscheidenden Studie zufolge erreicht Curevac jedoch nur eine Schutzwirkung von 48 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung. Bei Menschen zwischen 18 und 60 Jahren liegt sie bei 53 Prozent gegen Covid-19 jeglichen Schweregrads. Zu 77 Prozent schützt sie diese Altersgruppe vor mittleren und schweren Verläufen. Wie hoch die Schutzwirkung bei den über 60-Jährigen ist, lässt sich laut Hersteller jedoch nicht beurteilen, da die Zahl der Teilnehmer*innen gering war.

Die Frage ist nun, ob das Vakzin mit diesen Ergebnissen eine Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bekommt. Der Impfstoff erfüllt mit diesen Daten nicht die vorgegebenen Kriterien für eine Zulassung. Der Impfstoff-Hersteller hofft darauf, dass sich die endgültige Wirksamkeit noch verändern wird. Auf die Impfkampagne in Deutschland hat das nach Aussagen der Bundesregierung jedoch keine Auswirkung, da das Vakzin derzeit nicht mehr eingeplant ist.

In die Analyse einbezogen hatte Curevac 13 Coronavirus-Varianten. Das ergibt Sinn, weil der ursprüngliche Virusstamm kaum noch verbreitet ist. Das ist vermutlich jedoch auch ein Grund für die unzureichende Wirksamkeit des Impfstoffs. "Aufgrund der variantenreichen Umgebung zeigt sich darüber hinaus, dass die Entwicklung von Impfstoffen der zweiten Generation sehr wichtig ist, da immer neue Varianten auftreten", sagt Dr. Franz-Werner Haas, Vorstandsvorsitzender von CureVac. Im Tierversuch hatte sich zuvor gezeigt, dass der Impfstoff auch gegen die südafrikanische Variante wirksam ist.

Nebenwirkungen

Proband*innen berichteten von üblichen Impfreaktionen wie:

Schwere Nebenwirkungen haben sich in den Studien bislang nicht gezeigt.

Vorteil von CureVac: Die Lagerung

Der Impfstoff lässt sich bei Kühlschranktemperatur von rund 5° Celsius drei Monate lang lagern – ein großer Vorteil gegenüber anderen mRNA-Vakzinen. BioNTech etwa muss bei Minustemperaturen gekühlt werden.

Impfstoffe aus dem Drucker?

CureVac erprobt derzeit einen "Impfstoff-3D-Drucker". Mithilfe von etwa vier bis fünf Meter großen Mini-Fabriken sollen sich mRNA-Impfstoffe jenseits der großen Produktionszentren herstellen lassen. So sollen bei Krankheitsausbrüchen schnell und flexibel Impfstoffe dort hergestellt werden, wo sie gebraucht werden, zum Beispiel in Krankenhäusern.