Zwei Kinder mit Mundschutz begrüßen sich mit den Ellenbogen
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Coronavirus und Kinder

Kinder können sich ebenso wie Erwachsene mit Covid-19 anstecken und das Coronavirus weitergeben. Sie erkranken selbst jedoch nur selten schwer. Lesen Sie hier, warum das so ist und welche Symptome bei Kindern auftreten. Erfahren Sie außerdem alles über Infektionsgefahr, Langzeitfolgen und Impfungen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Coronavirus: Warum erkranken Kinder häufig weniger schwer an Covid-19?

Kinder können sich ebenso wie Erwachsene mit Covid-19 infizieren. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass sie sich weniger schnell anstecken als Erwachsene. Einer noch nicht veröffentlichten israelischen Studie zufolge etwa infizieren sich Kinder zu 25 Prozent, wenn ein Haushaltsmitglied erkrankt ist, während sich von den Erwachsenen rund 44 Prozent anstecken.

Die Forschenden untersuchten 637 Haushalte mit Kindern. Je älter die Kinder waren, desto wahrscheinlicher steckten sie sich an. Eine Ausnahme stellen Babys dar: War ein Haushaltsmitglied infiziert, steckten sich 35 Prozent der Babys an. Bei den Kindern unter fünf Jahren waren es nur zehn bis 15 Prozent. Bei älteren Kindern stieg die Ansteckungsrate wieder kontinuierlich an. Ab einem Alter von 30 liegt sie konstant bei etwa 40 bis 50 Prozent.

Kinder erkranken jedoch im Vergleich zu Erwachsenen nur selten schwer. Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen haben allerdings ein höheres Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf.

Coronavirus: Warum erkranken Kinder häufig weniger schwer an Covid-19?

Lange haben Ärzt*innen gerätselt, warum Kinder meist weniger schlimm an Covid-19 erkranken oder sogar gar keine Symptome haben. Nun haben Forscher*innen des Berlin Institute of Health in der Charité vermutlich eine Antwort auf diese Frage gefunden. Sie fanden heraus, dass Kinder zum einen viel mehr Immunzellen in den Schleimhäuten haben als Erwachsene, deren Immunsystem spezialisierter ist.

Zum anderen produzieren sie schneller Typ-1-Interferone. Diese Botenstoffe des Immunsystems sind extrem wichtig für die Bekämpfung von Viren. Sie erkennen deren Anwesenheit und warnen den Körper vor. Fehlt es an Interferonen, reagiert das Immunsystem heftiger auf das sich schnell ausbreitende Virus – es kann zu überschießenden Immunreaktionen kommen, die für viele Komplikationen verantwortlich sind. Das Immunsystem von Kindern reagiert also schneller und weniger heftig auf SARS-CoV-2.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Kinder nicht auch schwere Covid-19-Verläufe haben können.

Coronavirus: Wann erkranken auch Kinder schwer?

Der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie zufolge erkrankten seit Beginn der Pandemie von den rund 14 Millionen Kindern und Jugendlichen in Deutschland nur etwa 1200 (weniger als 0,01 Prozent) so schwer an einer SARS-CoV-2-Infektion, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Vier Kinder verstarben an ihrer Infektion.

Es sind vor allem Kinder mit Vorerkrankungen, die ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf der Infektion haben. Von den im Krankenhaus behandelten Kindern hatten 15 Prozent eine Lungen- oder Atemwegserkrankung und acht Prozent eine Herzerkrankung. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern werden schwere Verläufe beobachtet.

Einer Studie zufolge waren die häufigsten Risikofaktoren für einen Aufenthalt auf der Intensivstation wegen einer Covid-19-Infektion bei Kindern:

  • Alter unter einem Monat
  • Vorliegen einer Vorerkrankung und
  • Anzeichen einer Infektion der unteren Atemwege.

Der Ständigen Impfkommission (STIKO) zufolge stellen folgende Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf bei Kindern dar:

PIMS und Long-Covid

In sehr seltenen Fällen kann bei Kindern als Komplikation das "Paediatric inflammatory multisystem syndrome (PIMS)" auftreten. Es ähnelt dem Kawasaki-Syndrom und muss intensivmedizinisch behandelt werden.

Außerdem können auch Kinder von Long-Covid betroffen sein. Wie häufig das der Fall ist, ist jedoch nicht klar. Studien kommen bislang zu widersprüchlichen Ergebnissen.

Coronavirus: Symptome bei Kindern

Kinder mit Covid-19 haben meist keine oder nur milde Symptome. Der Corona-KiTa-Studie zufolge zeigen sich bei Kindern zwischen 0 und 4 Jahren bei 35 Prozent gar keine Symptome, während 65 Prozent mindestens ein Symptom hat.

Die bei Kindern am häufigsten beobachteten Symptome sind:

Weitere mögliche Symptome sind:

Bei Kindern treten häufiger Magen-Darm-Symptome auf als bei Erwachsenen.

Lesetipp: Magen-Darm-Beschwerden als Corona-Symptom bei Kindern

Coronavirus: Kinder als Überträger

Studien legen nahe, dass Kinder, die mit Covid-19 infiziert sind und Symptome zeigen, ebenso ansteckend sind wie infizierte Erwachsene. Insgesamt scheinen Kinder jedoch weniger infektiös zu sein. Als Grund dafür wird vermutet, dass Kinder häufiger symptomlos erkranken und eine geringere Viruslast haben.

Eine kanadische Studie gibt nun Anlass zum Umdenken. Zumindest in Familien dürften kleine Kinder häufige Überträger des Coronavirus sein. Die Forschenden untersuchten 6280 Fälle in kanadischen Haushalten, in denen zuerst ein Kind an Covid-19 erkrankt war. In 1717 Haushalten steckte sich anschließend mindestens eine weitere Person an.

Nachfolgend schauten sich die Wissenschaftler*innen an, in welchen Fällen auch andere Personen im Haushalt erkrankten. Es zeigte sich, dass vor allem kleine Kinder bis zum Alter von drei Jahren SARS-CoV-2 an andere Personen weitergaben. Asymptomatische Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren übertrugen das Virus sogar bis zu 49 Prozent häufiger als ältere Teenager.

Ein Grund dafür ist jedoch sicherlich, dass kleine Kinder einen engeren Kontakt zu ihren Eltern haben als größere Kinder. Auch scheinen Kinder empfänglicher für neuere Coronavirus-Varianten wie Alpha und Delta zu sein und diese auch eher weiterzugeben.

Coronavirus: Impfungen für Kinder

Mit BioNTech und Moderna sind bereits zwei mRNA-Impfstoffe für Kinder ab 12 Jahren zugelassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für alle Kinder und Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren. Beide Impfstoffe schützen zu 100 Prozent vor einem schweren Covid-19-Verlauf. Nebenwirkungen sind sehr selten, kommen jedoch vor. Vor allem bei Jungen kann in sehr seltenen Fällen eine Herzmuskelentzündung auftreten.

Für jüngere Kinder ist bislang noch kein Impfstoff zugelassen. Entsprechende Studien laufen jedoch bereits. Aus ethischen Gründen werden Kinder aus den ersten Zulassungsstudien ausgeschlossen.

Mehr zur Corona-Impfung bei Kindern lesen Sie hier.

Coronavirus: Kinder vor einer Infektion schützen

Ebenso wie für Erwachsene sind Infektionsschutzmaßnahmen äußerst wichtig, um Kinder vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu schützen.

Dazu gehören:

  • Husten und Niesen in die Armbeuge
  • Häufiges und gründliches Händewaschen
  • Hände möglichst nicht in den Mund nehmen und nicht in Augen und Nase fassen
  • Abstand halten (mindestens 1,5 Meter außerhalb der Familie)
  • Regelmäßiges Lüften

Gehen Sie mit Ihren Kindern diese Maßnahme immer wieder spielerisch durch, damit sie sie verinnerlichen und auch von allein anwenden.

Eine Übertragung der Viren etwa über kontaminiertes Spielzeug in der Kita ist theoretisch möglich, kommt jedoch offenbar nur sehr selten vor. Ein Grund dafür ist, dass sich Coronaviren nicht lange auf Oberflächen halten.

Coronavirus: Kinder und die Delta-Variante

Die Delta-Variante ist deutlich ansteckender als der Wildtyp des Coronavirus und auch als andere Varianten bisher. Das gilt auch für Kinder. Jedoch trifft sie Kinder nicht häufiger oder schwerer als Erwachsene. Schwere Verläufe scheinen bei Kindern seit ihrer Ausbreitung nicht zuzunehmen.

Corona-Tests bei Kindern

Für Kinder gibt es spezielle Corona-Tests wie Lollitests oder Tests zum Gurgeln. Schulkinder werden regelmäßig in der Schule getestet. Für sie und für kleinere Kinder entfällt die Testpflicht in öffentlichen Innenräumen. Kinder können sich jedoch weiterhin kostenlos an den Teststellen testen lassen.