Frau in häuslicher Quarantäne
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Coronavirus: Was bedeutet häusliche Quarantäne?

Wer mit Sars-CoV-2 infiziert ist, muss sich in Quarantäne begeben. Auch ungeimpfte Personen, welche Kontakt zu Infizierten hatten, müssen sich isolieren, um andere Menschen nicht anzustecken. Wie lange die Quarantäne andauert, welche Regeln explizit gelten und ab wann die Quarantäne verkürzt werden kann.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Häusliche Quarantäne: Von Mitmenschen isolieren

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzte zu Beginn der Pandemie, dass jede*r Betroffene in China eine bis zwei weitere Personen mit Sars-CoV-2 ansteckt. Aufgrund der infektiösen Virusvarianten hat sich die Infektionsgefahr im Laufe der Pandemie noch einmal erhöht.

Um die Verbreitung von Sars-CoV-2 weiterhin so gut wie möglich einzudämmen und Infektionsketten zu verhindern, sollen sich Infizierte und deren ungeimpfte Kontaktpersonen deshalb in häusliche Quarantäne begeben. 

Die Gesundheitsämter versuchen Kontaktpersonen von Erkrankten zu ermitteln und häusliche Quarantäne anzuordnen. Aufgrund der hohen Inzidenzzahlen ist eine gezielte Kontaktverfolgung der Ämter allerdings nicht mehr ausreichend möglich. Bund und Länder appellieren daher an die Eigenverantwortung Betroffener: Wer Kontakt mit infizierten Personen hatte, sollte sich selbst täglich testen, seine Kontakte reduzieren und sich in häusliche Quarantäne begeben.

Übrigens: Der Begriff Quarantäne stammt ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert und leitet sich aus dem italienischen "quaranta" (40) ab. Während der großen Pest-Welle beschloss die Handelsstadt Venedig die Besatzung 40 Tage lang auf dem Schiff zu isolieren, um eine mögliche Ausbreitung der Pest in der venezianischen Bevölkerung zu verhindern.

Wer muss in Quarantäne?

Seit dem 19. März gilt in Deutschland die allgemeine Absonderungsverordnung. Diese ersetzt die bisherigen Quarantäneregeln des Robert Koch-Instituts. Diese Regeln bleiben auch mit der Änderung des zeitlichen Rahmens vom 04. Mai bestehen. Sich absondern, also in Quarantäne müssen:

  • Personen mit einem positiven PCR-Test
  • Personen mit einem positiven Antigen-Schnelltest und einem noch ausstehenden PCR-Ergebnis 
  • Kontaktpersonen von Infizierten
  • Personen, die aus Risikogebieten einreisen
  • Personen, bei denen ein Krankheitsverdacht vorliegt

Wer mit einer infizierten Person in Kontakt war, gilt laut RKI als Kontaktperson und muss sich für 10 Tage in Quarantäne begeben. Von der Quarantäne befreit sind: 

  1. Geimpfte Personen, deren Zweitimpfung nicht mehr als 90 Tage zurückliegt 
  2. Personen, die eine Boosterimpfung erhalten haben
  3. Genesene, deren positives PCR-Resultat nicht länger als 90 Tage zurückliegt
  4. Einmal geimpfte und genesene Personen, deren Infektion nicht länger als 90 Tage zurückliegt
  5. Vollständig geimpfte Personen, die zudem bereits infiziert waren

Dauer der Absonderung: Kann die Quarantäne verkürzt werden?

Die Dauer der Absonderung beziehungsweise Quarantäne beträgt zehn Tage und gilt ab dem Zeitpunkt des positiven PCR-Tests beziehungsweise Antigen-Schnelltests oder dem Symptombeginn. Es besteht zudem die Möglichkeit, die Quarantäne bereits früher zu beenden, hierbei wird zwischen verschiedenen Personengruppen unterschieden:

Dauer der Quarantäne laut Robert Koch-Institut

Personengruppe

Dauer der Isolation

Dauer der Quarantäne für Kontaktpersonen

Allgemeine Bevölkerung

5 Tage Isolation ohne Freitesten:

Empfehlung zum Freitesten mit Antigen-Schnelltest – bei positivem Befund: Empfehlung zur Selbstisolation bis zum negativen Testergebnis

 

5 Tage Quarantäne:

Dringende Empfehlung der selbständigen Kontaktreduzierung und regelmäßigem Schnelltesten

 

Beschäftigte im Gesundheitswesen

wie Allgemeinbevölkerung

Zur Aufnahme der beruflichen Tätigkeit: Wenn zuvor 48 Stunden Symptomfreiheit frühestens am 5. Tag negativer Antigen- oder PCR-Test einer offiziellen Teststelle notwendig

wie Allgemeinbevölkerung

Vor Arbeitsantritt: Tägliche Testung mit NAAT-Test (Nukleinsäure-Amplifikationstest) oder Antigen-Test

Positiver Antigenschnelltest beim Freitesten

Ist der Antigenschnelltest beim Freitesten positiv, müssen sich Betroffene bis zum zehnten Tag isolieren und am zehnten Tag erneut einen Antigenschnelltest durchführen lassen. Ist dieser negativ, sind die betroffenen Personen offiziell aus der Quarantäne befreit. 

Ist der Schnelltest erneut positiv, muss die Isolation um zwei weitere Tage und einem zusätzlichen Freitesten verlängert werden.

Wer versorgt Menschen in Quarantäne?

Angehörige können Betroffene unterstützen, indem sie Einkäufe erledigen oder Haustiere versorgen. Enger Kontakt mit infizierten Personen sollte hierbei unterbunden werden.

In Großstädten bieten Supermärkte in der Regel Lieferdienste an, auch Gemeinden oder soziale Einrichtungen unterstützen Betroffene beim Einkauf in der Isolation.

Was passiert, wenn man sich nicht an die Vorgaben hält?

Die häusliche Quarantäne ist in der Absonderungsverordnung gesetzlich geregelt und wird in Stichproben vom Gesundheitsamt kontrolliert. Wird der Ort der Absonderung verlassen, besteht eine Ordnungswidrigkeit, was ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro nach sich ziehen kann.

Wie lange bleibt die Quarantäne-Pflicht bestehen?

Gesundheitsminister Karl Lauterbach wollte die Isolationspflicht ab Mai 2022 abschaffen. Doch der Gesundheitsminister ruderte nach kritischen Stimmen aus Fachkreisen zurück: "Die Beendigung der Anordnung der Isolation nach Coronainfektion durch die Gesundheitsämter zugunsten von Freiwilligkeit wäre falsch und wird nicht kommen."

Andere Länder wie Großbritannien und die Niederlande haben die Quarantänepflicht bereits abgeschafft, in Deutschland soll sie aufgrund hoher Infektionszahlen weiterhin bestehen bleiben.

Ob und wann die Quarantäne nach einem positiven PCR-Test abgeschafft werden kann, hängt von dominierenden Virusvarianten, der Impfquote sowie den aktuellen Corona-Zahlen ab.