Eine Frau nimmt eine Kapsel
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Kommt die Corona-Schluckimpfung?

In Israel und Deutschland sind Covid-19-Impfstoffe zum Schlucken in der Entwicklung. Lesen Sie hier, welche Vorteile die orale Impfung hätte und wann sie kommen könnte.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorteile einer Schluckimpfung

Eine Schluckimpfung hat Anfang der 1960er Jahre der Kinderlähmung in Deutschland Einhalt geboten. Nun soll ein oraler Impfstoff auch dabei helfen, Covid-19 in den Griff zu bekommen. Vermutlich reicht eine einzige Kapsel für einen ausreichenden Schutz vor SARS-CoV-2. Vielversprechende Lösungsansätze kommen aus Deutschland und Israel.

Folgende Vorteile hätte eine Schluckimpfung

Sie ist:

  • günstig,
  • temperaturunempfindlich,
  • leicht zu transportieren und lagern,
  • einfach zu verabreichen: Dazu braucht es kein medizinisches Fachpersonal.

Außerdem sollen die Schluckimpfungen besser vor anderen Virusvarianten schützen, weil sie auf gleich mehrere Strukturproteine von SARS-CoV-2 abzielen. Die Impfstoffe von BioNTech und Moderna etwa sind dagegen nur auf das Spikeprotein des Virus ausgerichtet.

Theoretisch könnte die Kapsel, die den Impfstoff enthält, jeder einfach zu Hause nehmen. So könnten mehr Menschen innerhalb kürzerer Zeit geimpft werden. Außerdem wäre womöglich die Hemmschwelle niedriger, sich für eine Impfung zu entscheiden, weil keine Spritze nötig ist. Die Hersteller versprechen zudem, dass die oralen Impfungen arm an Nebenwirkungen sein soll. Ein weiterer Vorteil: Auch bei normalen Temperaturen wären die Impfstoffe stabil – sie könnten deshalb auch in wärmeren Ländern gut eingesetzt werden, in denen es schwierig ist, eine Kühlkette zu gewährleisten, wie beispielsweise das Vakzin von BioNTech sie benötigt.

Der Impfstoff von Oravex

Die US-amerikanisch-israelische Firma Oramed hat bereits ein orales Insulin entwickelt, das mittlerweile in der Phase-3-Studie steckt. Nun hat sie gemeinsam mit dem indischen Unternehmen Premas Biotech die neue Firma Oravax gegründet, um eine Schluckimpfung gegen Covid-19 auf den Weg zu bringen. Oramed soll dabei die Technologie liefern, Premas die Impfstoffkomponente. Der Proteinbasierte Impfstoff soll virusähnliche Partikel enthalten und auf drei Strukturproteine von Sars-CoV-2 zielen und so vor mehreren Corona-Varianten schützen.

Forschung in Würzburg

Auch Forscher der Uni Würzburg arbeiten derzeit an einer Schluckimpfung. Sie verwenden dafür den gleichen Bakterienstamm, der auch bei Typhusimpfungen zum Einsatz kommt: Salmonella Typhi Ty21a. Allerdings mit einem bedeutsamen Unterschied: Die Bakterien sind so modifiziert, dass sie Antigene von SARS-CoV-2 produzieren. Antigene sind Eiweißmoleküle auf der Oberfläche des Virus, anhand derer unser Immunsystem den Erreger erkennt und Antikörper bildet. Im Dünndarm sollen die Bakterien die Antigene dann dem menschlichen Immunsystem präsentieren. Sie sollen daraufhin von Immunzellen aufgenommen und in lymphoides Gewebe weitertransportiert werden und eine Immunantwort in Gang setzen. Auch das Vakzin aus Würzburg bedient gleich zwei Strukturproteine. Das zweite sei eine Art Sicherheitsanker. Es handelt sich dabei nach Angaben der Forscher um ein Protein, von dem sich gezeigt habe, dass es nur selten mutiert.

Wann kommt die Schluckimpfung?

Die Schluckimpfung von Oravax befindet sich bereits in der ersten klinischen Studienphase. Sie wurde bereits an Tieren getestet. Im zweiten Quartal 2021 stehen Tests am Menschen an.

Das Würzburger Vakzin ist noch in der präklinischen Entwicklung. Erst dann können klinische Studien folgen.

Wann genau ein oraler Impfstoff verfügbar sein wird, lässt sich also noch nicht sagen. Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass Corona-Impfstoffe schnell zugelassen werden können. Aber das hängt natürlich maßgeblich vom Ausgang der Studien ab.

Auch drei weitere orale Impfstoffkandidaten sind bereits in der klinischen Prüfung. An deren Status hat sich jedoch seit längerer Zeit nichts geändert. Darunter ein oraler DNA-Impfstoff des kanadischen Gentherapie-Unternehmens Symvivo. Probiotische Bakterien sollen den DNA-Impfstoff direkt an den Darm abgeben. Außerdem befinden sich zwei Vektorimpfstoffe von Vaxart und Immunity-Bio in der Phase-1-Studie.

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