Eine Frau mit Mundschutz steht an einem blühenden Obstbaum im Frühjahr
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Schützen Corona-Masken vor Heuschnupfen?

Das Tragen einer Maske ist für uns alle zur lästigen Pflicht geworden. Für Allergiker stellt sich jedoch zurzeit die Frage: Schützen Masken vielleicht nicht nur vor dem Coronavirus, sondern auch vor Heuschnupfen, indem sie die Pollen abhalten?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Menschen mit Heuschnupfen: Helfen Corona-Masken?

Für Allergiker bedeutet das Frühjahr nicht nur mehr Sonne, bessere Laune und die ersten Blumen, sondern auch ständiges Niesen, juckende Augen und Atemnot. Schon sind Pollen von Hasel und Erle unterwegs. In diesem Frühjahr könnten die allergischen Reaktionen jedoch milder ausfallen. Denn die FFP2- und OP-Masken, die wir derzeit zum Schutz gegen Covid-19 tragen müssen, können auch Pollen abhalten, wie eine Studie aus Israel zeigt.

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Die Studie untersuchte 1.824 Krankenschwestern und -pfleger, von denen 301 allergischen Schnupfen hatten. 215 der Studienteilnehmer trugen zu einer pollenreichen Zeit eine Woche lang während der Arbeit eine N95-Maske, die der FFP2-Maske entspricht. 47 Probanden trugen eine OP-Maske. Bei den Personen, die nur periodisch allergischen Schnupfen hatten, besserten sich die Symptome, unabhängig davon, welchen Maskentyp sie trugen. Zwar können FFP2-Masken kleinere Partikel abfangen als OP-Masken. Doch Pollen sind weitaus größer als Aerosole. Den Allergikern, die unter anhaltenden Symptomen litten, halfen die Masken allerdings nicht. Auch allergische Symptome an den Augen blieben bestehen, da die Maske diese nicht verdeckt.

Die Forscher nehmen an, dass die feuchte und warme Atemluft, die unter der Maske entsteht, die allergischen Symptome zusätzlich mildern.

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Pollenflug erhöht Zahl der Corona-Infektionen

Wer Allergiker ist, kann seine Maske also auch im Freien tragen, um sich vor Allergenen zu schützen. Möglicherweise ist das sogar ratsam. Denn Forscher der Technischen Universität München und des Helmholtz Zentrums München haben in einer Studie herausgefunden, dass starker Pollenflug die Zahl der Corona-Infektion erhöht. Die täglichen Infektionsraten korrelieren den Forschern zufolge mit der Pollenzahl, sowohl in Ländern mit Lockdown als auch ohne. Allerdings stiegen die Zahlen in Ländern mit Lockdown nicht so stark an.

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Den Zusammenhang zwischen Pollenflug und Infektionszahlen erklären sich die Wissenschaftler damit, dass die hohe Konzentration an Pollen die Körperabwehr schwächt. Die Pollen verändern die Immunabwehr in den Schleimhäuten, sodass diese weniger Abwehrstoffe produzieren. Das war bereits zuvor bekannt. Doch die Studie zeigt nun, dass das auch für SARS-CoV-2 gilt.

Das gilt nicht nur für Allergiker, sondern betrifft den Forschern zufolge die gesamte Bevölkerung. Allerdings könnte das Risiko nach Angaben der Wissenschaftler umso höher sein für Menschen mit Allergien, Asthma oder chronischem Schnupfen. Als vorbeugende Maßnahme raten die Studienleiter Risikopersonen, Masken zu tragen.

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Augen ebenfalls schützen

Eine Maske kann allergische Beschwerden eines Heuschnupfens also lindern, weil sie Atemwege und Nase schützt. Allerdings können die Pollen auch über die Augen wirken und dort für Jucken, Brennen und Tränen sorgen – eine allergische Bindehautentzündung. Das kann eine Maske nicht verhindern. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund weist allerdings darauf hin, dass eine dicht abschließende (Sonnen-)Brille zusätzlichen Schutz bieten kann.

Allergikermasken

Tatsächlich gab es auch vor der Corona-Pandemie bereits Pollenmasken. Allerdings war es vor der Coronapandemie unüblich, Masken zu tragen und wer es doch tat, fiel unweigerlich auf. Heute gehören Masken zum Alltagsbild. Und möglicherweise fällt es Allergikern in Zukunft leichter, im Frühjahr mit Maske den Pollen zu trotzen. Zumal die Pollensaison einer Studie der TU München zufolge mittlerweile länger anhält. Sie beginnt – wahrscheinlich klimawandelbedingt – früher.

Video: Masken zum Schutz vor Corona – so geht’s richtig

Worauf Sie achten müssen, damit die Maske wirklich schützt

Wichtig ist, die Maske korrekt aufzusetzen, damit keine Partikel an den Seiten vorbei gelangen.

Damit die Maske vor Pollen schützt, gelten die gleichen Regeln wie zum Schutz vor SARS-CoV-2 auch: Die Maske verliert ihre Schutzfunktion, wenn sie durchnässt ist. Spätestens, wenn sie nass geworden ist durchs Atmen oder Niesen, sollten Sie die Maske wechseln und die gebrauchte Maske gut durchlüften. FFP2-Masken und OP-Masken dürfen außerdem nicht gewaschen werden. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund rät dazu, dass Pollenallergiker ihre Maske nach einem Aufenthalt im Freien vorsichtig an den Bändern abnehmen, in eine Tüte geben, sich die Hände waschen und die Maske nach jedem Gebrauch waschen sollen. Alltagsmasken könnten dagegen bei mindestens 60 Grad gewaschen werden, um sie zuverlässig von Pollen zu befreien.