Eine Frau liegt mit Unterleibsschmerzen im Bett
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Corona-Impfung bei Frauen

Im Internet häufen sich Berichte von Frauen, die nach der Covid-19-Impfung über Zyklus- und Menstruationsprobleme klagen. Eine bekannte Nebenwirkung der Impfstoffe sind diese nicht und auch Studien dazu fehlen bislang. Mediziner*innen stehen vor einem Rätsel. Wir haben Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Gynäkologen in Deutschland, um seine Einschätzung gebeten.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Menstruationsprobleme nach der Impfung

Kathryn (Kate) Clancy, Professorin für Anthropologie an der Universität von Illinois, twitterte im Februar: „Eine Kollegin erzählte mir, sie habe von anderen gehört, dass ihre Periode nach der Impfung stark war. Ich bin gespannt, ob auch andere Menstruierende Veränderungen bemerkt haben?“ Die Wissenschaftlerin selbst hat diese Erfahrung gemacht: „Ich habe vor anderthalb Wochen die erste Dosis Moderna bekommen, habe meine Periode einen Tag früher bekommen und sprudele so, als wäre ich wieder in meinen 20ern.“ Und offenbar ist sie damit nicht allein. Zahlreiche Frauen antworteten und berichteten von verfrühten, verspäteten oder verstärkten Blutungen sowie starken Periodenschmerzen in Zusammenhang mit der Impfung.

Kate Clancy entschloss sich daraufhin, eine Studie zum Einfluss von Covid-19-Impfungen auf die Menstruation zu starten. Derzeit rekrutiert sie hierfür Frauen.

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Erklärungsversuche für Menstruationsprobleme nach Impfung

Eine plausible Erklärung für die Zyklusprobleme gibt es derzeit noch nicht. Auch, wie viele Frauen tatsächlich betroffen sind und ob es überhaupt einen ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung gibt, ist nicht klar.

In den klinischen Studien zu den Impfstoffen sind solche Menstruationsunregelmäßigkeiten nicht beschrieben. "Ungewöhnliche Blutungen aus der Gebärmutter sind bisher nur als Berichte einzelner Frauen bekannt und nicht verwunderlich, da für manche Frauen das Impfen mit hohen Emotionen verbunden ist", sagt Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. "Ob dieses Phänomen, das vorübergehend ist und vom medizinischen Standpunkt her wahrscheinlich eher unbedenklich, im Zusammenhang mit der Impfung häufiger auftritt, wird noch erforscht."

Einer Hypothese zufolge könnte eine unter Umständen durch die Impfung vorübergehend verringerte Zahl an Blutplättchen (Thrombozyten) zu einer stärken Menstruationsblutung führen. Denn Blutplättchen sind entscheidend für die Blutgerinnung.

Stress als wahrscheinliche Ursache

Gynäkologe Christian Albring hält jedoch Stress für die wahrscheinlichste Ursache: "Jede Art von Stress kann zu Zyklusstörungen und Blutungen führen", erklärt er. "Dieser beeinflusst das Steuerungszentrum für die Hormone im Kopf und stört somit das sensible Rückkopplungssystem zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Ovar." Bei bisher üblichen Impfungen sei eine Verstärkung der Monatsblutung allerdings nicht bekannt.

Da sehr viele Menschen in kurzer Zeit gegen Covid-19 geimpft wurden, ist es auch möglich, dass die Zyklusschwankungen zwar andere Ursachen haben, aber in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung gesehen werden – und so auch ein ursächlicher Zusammenhang hergestellt wird. Neben Stress können auch viele andere Faktoren wie Gewichtsschwankungen sowie Myome oder Schilddrüsenerkrankungen den Zyklus beeinflussen.

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Veränderte Periode auch nach Covid-19-Erkrankung

Das Phänomen veränderter Menstruationsblutungen scheint auch im Zusammenhang mit Covid-19-Infektionen aufzutreten. Einige Frauen berichten über veränderte Blutungen nach der Erkrankung. Eine kleine Studie hat sich mit diesem Phänomen bereits befasst: 177 Frauen im gebärfähigen Alter mit einer Covid-19-Infektion wurden zu ihrer Menstruation befragt. Sie alle verfügten über detaillierte Aufzeichnungen ihrer Zyklen vor ihrer Erkrankung.

Von ihnen hatten nach der Infektion

  • 75 Prozent keine Veränderung des Menstruationsvolumens,
  • 20 Prozent eine signifikant schwächere Blutung und
  • 5 Prozent eine signifikant stärkere Blutung.

Diese Frauen hatten nach der Infektion also eher mit einer zu schwachen als mit einer zu starken Blutung zu tun. Eine Blutuntersuchung ergab, dass sich die Konzentration ihrer Sexualhormone und die Reserven an Eizellen jedoch nicht deutlich von denen anderer Frauen in ihrem Alter unterschied. Bei einigen Patientinnen waren jedoch die Konzentrationen von Follikelstimulierendem Hormon (FSH) und Luteinisierendem Hormon (LH) erhöht, was darauf hinweisen kann, dass die Funktion der Eierstöcke in diesem Stadium unterdrückt war.

Covid-19 ist Stress für den Körper

Die Forscher*innen mutmaßen, dass die Zyklusunregelmäßigkeiten die Folge vorübergehender Schwankungen von Sexualhormonen sein könnten. Akuter Stress, zu dem unter Umständen auch eine Infektion zählt, kann die Funktion der Eierstöcke vorübergehend unterdrücken, um das Funktionieren lebenswichtiger Organe zu gewährleisten.

Die Konzentration der Sexualhormone pendelt sich den Forscher*innen zufolge nach der Genesung jedoch schnell wieder ein. In der Tat kehrten mehr als 80 Prozent der Probandinnen nach ihrer Genesung rasch wieder in ihren regelmäßigen Zyklus zurück. Eine direkte Beteiligung des Virus konnten die Forschenden jedoch nicht völlig ausschließen. Auch die eingesetzten Medikamente könnten eine Rolle spielen. Sie schließen aus ihren Ergebnissen jedoch, dass eine Covid-19-Infektion die Fruchtbarkeit nicht nachhaltig negativ beeinflusst.

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Impfung beeinflusst nicht die Fruchtbarkeit

Nach Ansicht des Gynäkologen Christian Albring müssen sich auch Frauen, die eine veränderte Periode nach der Covid-19-Impfung haben, keine Sorgen machen: "Es handelt sich um eine Reaktion, die bei allen Mädchen und Frauen von Zeit zu Zeit auftritt."

Frauen, die Menstruationsprobleme nach der Impfung hatten, berichten, dass sich ihr Zyklus nach ein bis zwei Monaten wieder normalisiert habe. Auch die Anthropologin Kate Clancy twitterte später, dass ihre Periode nach der zweiten Impfung nicht mehr so stark war nach der ersten und dass sie erwarte, dass ihr Zyklus sich mit der nächsten Periode wieder normalisieren werde.

Frauen mit Kinderwunsch müssen also keine Sorge haben, dass die Impfung ihre Fruchtbarkeit negativ beeinflussen könnte. „Die Stärke einer Menstruationsblutung hat keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Und auch die Impfung hat keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit“, stellt Albring klar. Auch greifen nach einer Impfung oder Erkrankung aktivierte Antikörper nicht die Plazenta an, wie manchmal behauptet wird.

Wer bei sich selbst Veränderungen nach der Covid-19-Impfung feststellt, kann diese dem Paul-Ehrlich-Institut über ein Meldeformular mitteilen.

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