Ein Arzt impft eine Frau, die Mundschutz trägt
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Corona-Impfung bei Allergie?

Wer Allergien hat, sieht einer Corona-Impfung möglicherweise mit gemischten Gefühlen entgegen. In die Freunde darüber, bald vor Covid-19 geschützt zu sein, mischt sich die Sorge vor einer möglichen schweren Impfreaktion. Ob bestimmte Impfstoffe für Menschen mit Allergien besser geeignet sind und worauf Sie als Allergiker*in bei der Corona-Impfung achten müssen, erfahren Sie hier.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Ist die Covid-19-Impfung für Menschen mit Allergien riskant?

Nachdem erste Berichte über lebensbedrohliche anaphylaktische Schocks nach mRNA-Impfungen bekannt wurden, sind besonders Allergiker*innen verunsichert. Ist eine Impfung für sie riskant? Oder sollten sie auf einen Vektor-Impfstoff wie AstraZeneca ausweichen?

Wie häufig sind allergische Reaktionen?

Eine allergische Reaktion kann immer und bei allen Impfstoffen auftreten – vorausgesetzt, die Person hatte bereits einmal Kontakt mit dem Allergen. Denn die überschießende Reaktion des Immunsystems mit den entsprechenden Symptomen tritt erst auf, wenn der Körper mindestens zum zweiten Mal damit in Berührung kommt. Dann erinnert sich der Körper an das Allergen und kann Abwehrmechanismen aktivieren. Aus diesem Grund sollten Geimpfte grundsätzlich nach jeder Impfung eine Zeitlang zur Beobachtung in der Praxis bleiben. So kann die*der Ärztin*Arzt schnell reagieren und die*den Betroffene*n retten. Allergische Reaktionen auf die derzeit zugelassenen Impfstoffe sind jedoch sehr selten. Bei allen Covid-19-Impfstoffen zusammen sind es etwa 99 Fälle bei 8,9 Millionen Impfungen.

Lesetipp: Das sind die Covid-19-Impfstoffe im Überblick

Grundsätzlich ist eine Impfung für die meisten Allergiker*innen nicht problematischer als für andere Menschen und zu empfehlen. Wer zum Beispiel Heuschnupfen hat, muss ich sich keine Sorgen machen, dass die Impfung für ihn eine besondere Gefahr darstellen könnte.

Anders sieht es aus bei Menschen, die

  • eine bekannte Allergie gegen Medikamente oder Röntgen-Kontrastmittel haben,
  • bereits einen anaphylaktischen (allergischen) Schock hatten,
  • schwere Allergien nicht bekannter Ursache haben,
  • schwere Allergien und Mastozytose haben oder
  • bereits eine schwere Reaktion auf eine andere Impfung gezeigt haben.

Diese Menschen sollten vor der Impfung mit einem Allergietest abklären lassen, auf welchen Stoff sie allergisch reagiert haben. Ist diese Substanz in einem Impfstoff enthalten, sollte damit nicht geimpft werden. Spezielle Allergiezentren können die Betroffenen untersuchen und eine Empfehlung für einen Impfstoff abgegeben.

In allen Covid-19-Impfstoffen gibt es potenziell allergene Zusatzstoffe.

Diese sind zum Beispiel

  • Polyethylenglycol (PEG) in BioNTech und Moderna,
  • Polysorbate in AstraZeneca und Johnson&Johnson und
  • Thrometamin/Trometamol in Moderna

PEG geriet nach den ersten Vorfällen beim Impfstoff von BioNTech/Pfizer schon früh in den Verdacht, Auslöser der allergischen Reaktionen zu sein. In einem Fall konnte die Substanz nun auch tatsächlich als Ursache ausgemacht werden. PEG ist zum Beispiel in manchen Kosmetika wie Shampoos, in einigen Reinigungsmitteln und Arzneimitteln enthalten.

Nicht in allen Impfstoffen sind die gleichen Zusatzstoffe enthalten, sodass es in der Regel möglich ist, bei bekannter Allergie gegen eine Substanz einen anderen Impfstoff zu wählen. Substanzen, die häufig allergische Reaktionen hervorrufen können – etwa Hühnereiweiß – wurden für die Impfstoffe gar nicht erst verwendet.

Wer darf sich mit welchem Impfstoff impfen lassen?

Darf ich mich impfen lassen, wenn ich schon einmal eine schwere allergische Reaktion hatte?

Das kommt darauf an. Sie sollten mit Ihrer*Ihrem Ärztin*Arzt darüber sprechen. Diese*r wird Nutzen und Risiko abwägen. Gegebenenfalls sollten Sie trotzdem geimpft werden, wenn Sie vorher die richtigen antiallergischen Medikamente bekommen. Das Robert-Koch-Institut hat für Mediziner*innen einen Allergieanamnesebogen für die Covid-19-Impfung erstellt, der solche Entscheidungen erleichtern soll.

Wenn Sie auf die erste Impfdosis mit einem anaphylaktischen Schock (systemischem Hautausschlag und/oder Herz-Kreislauf-Reaktion) reagiert haben, empfiehlt das Paul-Ehrlich-Institut, die zweite Dosis des Impfstoffs nicht zu impfen.

Neurodermitis, allergisches Asthma und Biologika

Manche Menschen, die unter schweren allergischen Erkrankungen wie Neurodermitis oder allergischem Asthma leiden, erhalten sogenannte Biologika. Das sind Antikörper, die eine Immunreaktion in bestimmten Bereichen blockieren können, ohne das ganze Immunsystem zu schwächen. Eine Expertengruppe der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) hat sich mit der Frage befasst, ob sich die Betroffenen gegen Covid-19 impfen lassen können.

Sie kommen zu dem Schluss, dass weder die Erkrankung an sich noch die eingenommenen Medikamente das Risiko einer allergischen Reaktion auf die Impfung erhöhen. Allerdings empfehlen die Expert*innen, einen Abstand von einer Woche zwischen Impfung und der Behandlung mit den Antikörpern einzuhalten, um eventuelle Wechselwirkungen zu vermeiden.

Lesetipp: Helfen FFP2-Masken gegen Heuschnupfen?

Kann ich mich vor möglichen allergischen Reaktion schützen?

Auf keinen Fall sollten Sie auf eigene Faust antiallergische Mittel vor der Impfung einnehmen. Das kann nämlich das Gegenteil zur Folge haben: Allergische Reaktionen werden verzögert und kommen womöglich erst nach der Nachbeobachtungszeit zum Tragen – wenn kein*e Mediziner*in mehr in der Nähe ist, um einzugreifen.

Welcher Impfstoff eignet sich besser für Menschen mit Allergien?

Mittlerweile sind bei allen Impfstoffen, die derzeit in Deutschland zugelassen sind, in seltenen Fällen schwere allergische Reaktionen aufgetreten. Nach jetzigem Wissensstand sind allergische Reaktionen bei den mRNA-Impfstoffen von Moderna und BioNTech etwa 2 bis 4,5fach häufiger aufgetreten als bei anderen Impfstoffen – wenn auch immer noch äußerst selten, nämlich etwa in einem von 100.000 Fällen.

Es gibt also keinen Impfstoff, der per se besser für Menschen mit Allergien geeignet ist. Die Impfstoffe enthalten jeweils unterschiedliche potenziell allergene Zusatzstoffe. Bei bekannter Überempfindlichkeit oder Allergie auf einen dieser Stoffe sollte daher auf ein anderes Vakzin zurückgegriffen werden.

Was tun bei Verdacht auf allergische Reaktionen und Nebenwirkungen?

Mindestens 15 Minuten sollten Sie nach der Impfung in der Arztpraxis oder im Impfzentrum bleiben, um bei einer eventuellen Sofortreaktion Hilfe zu haben. Menschen, die bereits schwere allergische Reaktionen hatten, lieber etwas länger. Möglich sind allerdings auch Spätreaktionen, die dann aber in der Regel nicht lebensbedrohlich sind. Zum Beispiel kann es nach dem Abklingen der Lokalreaktion an der Einstichstelle zu einer erneuten Hautreaktion kommen. Dies sind in der Regel eher Überempfindlichkeitsreaktionen als Allergien, die nicht behandelt werden müssen. Sollten Sie jedoch starke und/oder anhaltende Beschwerden haben, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Bei Verdacht auf allergische Reaktionen auf die Impfung können Sie dies außerdem dem Paul-Ehrlich-Institut online oder über die App Safevac melden.