Eine junge Frau mit Mundschutz wird geimpft
© Getty Images

Corona-Impfstoffe: Das sind die Unterschiede

Um möglichst schnell viele Menschen impfen lassen zu können, möchte Deutschland neben dem Impfstoff von BioNTech bald weitere Mittel einsetzen. Lesen Sie hier, um welche Impfstoffe es derzeit geht und wie sie sich voneinander unterscheiden.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Der Impfstoff von BioNTech

Bereits seit dem 26. Dezember 2020 ist der Impfstoff Comirnaty von BioNTech und Pfizer gegen Covid-19 in Deutschland im Einsatz.

So funktioniert der Impfstoff: Der mRNA-Impfstoff enthält die genetischen Informationen des Virus-Antigens. Anhand von Antigenen erkennt unser Körper Eindringlinge und bildet Antikörper. Mit der Impfung erhält unser Körper den Bauplan für das Antigen von SARS-CoV-2 und stellt es selbst her.

So wirkungsvoll ist der Impfstoff: Das Mittel hat eine sehr hohe Schutzwirkung von rund 95 Prozent. Nötig sind zwei Dosen im Abstand von drei bis sechs Wochen.

Lagerung: Ein Nachteil des Impfstoffs: Er muss bei minus 70 Grad Celsius aufwendig gelagert und transportiert werden. Das können meist nur speziell dafür ausgerüstete Impfzentren leisten.

So viel ist für Deutschland vorgesehen: 85 Millionen Dosen des Impfstoffs soll Deutschland im Jahr 2021 erhalten.

Nebenwirkungen: Typische Impfreaktionen wie Schmerzen und Schwellungen an der Einstichstelle sowie leichte grippale Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskel- oder Gelenkschmerzen sind häufig. Vereinzelt treten Gesichtslähmungen auf. Schwere Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen sind selten. Diese gehen vermutlich auf den Inhaltsstoff Polyethylenglycol (PEG) zurück, der zum Beispiel in manchen Kosmetika enthalten ist.

Der Impfstoff von Moderna

Am 6. Januar 2021 hat die EU-Kommission den Impfstoff für Personen ab 18 Jahren zugelassen.

So funktioniert der Impfstoff: Das Mittel funktioniert ähnlich wie der BioNTech-Impfstoff.

So wirkungsvoll ist der Impfstoff: Auch dieser Impfstoff soll eine fast 95-prozentige Sicherheit vor einer Covid-19-Erkrankung bieten und sogar zu 100 Prozent vor schweren Verläufen schützen. Nötig sind zwei Impfungen im Abstand von drei bis sechs Wochen.

Lagerung: Im Unterschied zum BioNTech-Impfstoff kann das Moderna-Vakzin bei rund minus 20 Grad gelagert und transportiert werden. Das erleichtert das Verteilen des Impfstoffs.

So viel ist für Deutschland vorgesehen: Deutschland soll bis Ende des Jahres 50,5 Millionen Impfdosen des Moderna-Vakzins erhalten.

Nebenwirkungen: Es können die gleichen Nebenwirkungen wie beim BioNTech-Impfstoff auftreten. Die Impfstoffmenge ist etwas höher als bei dem BioNTech-Mittel. Die Injektion scheint vielleicht auch deshalb etwas schmerzhafter zu sein.

Der Impfstoff von AstraZeneca

Seit Februar ist der Vektor-Impfstoff in Deutschland im Einsatz. Mittlerweile darf er jedoch nur noch bei Personen über 60 Jahren zum Einsatz kommen. Grund dafür sind Thrombosen, die vor allem bei jüngeren Menschen in zeitlichem Zusammenhang mit der Impung aufgetreten sind.

So funktioniert der Impfstoff: Der Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens funktioniert anders als die BioNTech- und Moderna-Impfstoffe. Er basiert auf dem Vektorviren-Verfahren. Dabei dient ein harmloses Virus als "Transportmittel", um mRNA des Coronvirus in den Körper zu schleusen. Dieser produziert daraufhin Antikörper.

So wirkungsvoll ist der Impfstoff: Mit einer Schutzwirkung von rund 70 Prozent ist dieser Impfstoff zwar nicht so wirksam wie die mRNA-Vakzine. Dafür ist er jedoch preiswerter und lässt sich mit wenig Aufwand lagern. Die Wirksamkeit hängt offenbar von der Dosis ab. Dem Hersteller zufolge schützte der Impfstoff in Studien zu 90 Prozent vor Covid-19, wenn zunächst eine halbe Dosis und dann im Abstand von mindestens einem Monat eine volle Dosis verabreicht wurde. Bekamen die Probanden zwei Mal eine volle Dosis in zeitlichem Abstand lag die Schutzwirkung bei nur 62 Prozent. Das könnte daran liegen, dass das abgeschwächte Erkältungsvirus beim Körper ebenfalls eine Immunantwort hervorruft. Die könnte bei der zweiten Impfung verhindern, dass die Viren die mRNA in die Muskelzelle abgeben. Der Hersteller kündigte eine zweite Studie dazu an.

Aus beiden Ergebnissen ergibt sich der Durchschnittswert von 70 Prozent. Nötig sind zwei Impfdosen im Abstand von vier bis zwölf Wochen. Studien haben jedoch gezeigt, dass die Impfung wirkungsvoller ist, wenn der Abstand zwischen den Impfungen größer ist. Die Ständige Impkommissione empfiehlt daher, einen Abstand von zwölf Wochen einzuhalten.

Lagerung: Der Impfstoff lässt sich bei normalen Kühlschranktemperaturen lagern und transportieren. Er eignet sich deshalb besser für normale Arztpraxen.

So viel ist für Deutschland vorgesehen: Die EU hat sich 300 Millionen Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs gesichert und eine Option auf weitere 100 Millionen Impfdosen. Deutschland soll hiervon rund 56,2 Millionen Dosen erhalten.

Nebenwirkungen: Auch bei diesem Mittel gehören Schmerzen an der Einstichstelle, Erschöpfung, Kopfschmerzen und Fieber zu den möglichen Nebenwirkungen. Auch schwere allergischen Reaktionen können in seltenen Fällen auftreten. Der Einsatz des Impfstoffs ist in mehreren Ländern vorübergehen gestoppt worden, nachdem Fälle von Thrombosen aufgetreten waren. Die Europäischen Arzneitmittelbehörde EMA räumt mittlerweile einen wahrscheinlichen Zusammenhang zwischen Impfstoff und Hirnthrombosen vor allem bei jüngeren Menschen ein. Ihrer Meinung nach überwiegt der Nutzen jedoch bei Weiten das Risiko. Sie empfiehlt das Vakzin nach wie vor uneingeschränkt. Die Ständige Impfkommission empfiehlt den Einsatz jedoch nur noch für Menschen, die älter sind als 60 Jahre.

Lesetipp: Thrombosen nach Impfung – wie sicher ist der Impfstoff von AstraZeneca?

Gut zu wissen: Der Konzern AstraZeneca hat neben der Impfung auch ein Mittel entwickelt, das sich in der dritten Studienphase befindet und möglicherweise kurz vor der Zulassung steht. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus zwei verschiedenen Antikörpern. Die Antikörper stammen aus dem Blutserum von geheilten Covid-19-Patienten. Sie sind gentechnisch im Labor verändert worden, sodass sie ein Jahr lang Schutz bieten sollen – und das sofort nach der Injektion. Bei einer aktiven Impfung muss der Körper dagegen zunächst selbst Antikörper herstellen. Das Mittel könnte zum Beispiel zum Einsatz kommen in Fällen, in denen es für eine Impfung zu spät ist. Etwa bei Menschen, die nicht geimpft sind, aber engen Kontakt mit einer SARS-CoV-2-positiv getesteten Personen hatten. Oder bei immunschwachen Personen, bei denen eine Impfung keine Wirkung zeigt. Es wäre somit eine ideale Ergänzung zur Impfung.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson

Der wesentlicher Vorteil dieses Impfstoffs: Eine einzige Impfdosis ist aureichend. Aus diesem Grund soll er vorrangig bei Menschen zum Einsatz kommen, die für eine zweite Impfung nur schwer zu erreichen sind. Dazu zählen beispielsweise Obdachlose und bettlägerige Menschen.

So funktioniert der Impfstoff: Bei dem Vakzin Ad26.COV2-S von Janssen Pharmaceuticals, einem Tochterunternehmen des amerikanischen Pharmakonzerns Johnson & Johnson, handelt es sich um einen Vektorimpfstoff wie bei AstraZeneca: Ein harmloses Virus überbringt den genetischen Bauplan für ein Spike-Protein von SARS-CoV-2. Der Körper baut dieses Antigen nach und das Immunsystem bildet Antikörper dagegen. Antigene sind Eiweißmoleküle auf der Oberfläche des Virus, anhand derer unser Immunsystem den Erreger erkennt und Antikörper bildet.

Während AstraZeneca auf ein Adenovirus als Transportvirus setzt, das bei Schimpansen Schnupfen auslöst, verwendet Johnson & Johnson ein menschliches Schnupfenvirus. Die Viren sind so verändert worden, dass sie keine Krankheiten mehr verursachen können.

Mehr zum Impfstoff von Johnson & Johnson lesen Sie hier.

So wirkungsvoll ist der Impfstoff:Die amerikanische Behörde für Arzneimittelzulassungen (FDA) gibt an, dass der Impfstoff von Johnson & Johnson mittlere und schwere Verläufe von Covid-19 zu 67 Prozent verhindern kann. Die Schutzwirkung setzt nach rund 14 Tagen ein. 28 Tage nach der Impfung verhindert das Mittel zu 66 Prozent moderate und zu 85 Prozent schwere Verläufe.

Lagerung: Der Impfstoff lässt sich drei Monate lang in einem normalen Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad Celsius aufbewahrt. Bei minus 20 Grad Celsius ist das Mittel zwei Jahre lang haltbar. Das ist ein großer Vorteil gegenüber der mRNA-Vakzine, die stets tiefgefühlt gelagert werden müssen und so schwieriger zu transportieren und aufzubewahren sind.

So viel ist für Deutschland vorgesehen: 200 Millionen Impfdosen hat sich die EU bereits gesichert, mit der Option auf 200 weitere Dosen. Deuschland soll davon 36,7 Millionen Dosen erhalten.

Nebenwirkungen: Der Impfstoff hat ähnliche Nebenwirkungen wie die anderen Vakzine. Darunter zum Beispiel Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schmerzen an der Einstichstelle. In der Studie hat es keinen Fall eines anaphylaktischen Schocks gegeben. In Südafrika soll es aber bei den Impfungen zu schweren allergischen Reaktionen und einem anaphylaktischen Schock gekommen sein. Wie auch beim Impfstoff von AstraZeneca sind in sehr seltenen Fällen Hirnvenenthrombosen nach der Impfung aufgetreten. Aus diesem Grund empfiehlt die Ständige Impfkommission ebenfalls nur für Menschen über 60 Jahre.

Lesetipp: Thrombosen nach AstraZeneca

Der Impfstoff von Curevac

Der Impfstoff der Tübinger Firma Curevac befindet sich in Studienphase 3. Bis Ende März sollen die Ergebnisse vorliegen. Zugelassen ist das Mittel also bisher noch nirgendwo.

So funktioniert der Impfstoff: Es handelt sich um einen mRNA-Impfstoff wie von BioNTech und Moderna.

So wirkungsvoll ist der Impfstoff: Das lässt sich erst nach Abschluss der Studie sagen.

Lagerung: Ein großer Vorteil dieses Impfstoffs ist, dass er sich bei Kühlschranktemperaturen bis zu drei Monate lang halten soll, was ihn unkompliziert macht und Logistik und Ablauf erleichtert.

So viel ist für Deutschland vorgesehen: Über die EU wurden den Angaben zufolge 42 Millionen Impfdosen des deutschen Herstellers Curevac bestellt, zuzüglich 20 Millionen Dosen von Curevac auf nationaler Ebene.

Nebenwirkungen: Auch hierzu ist eine Aussage erst nach Abschluss der Studie möglich.

Mehr zum Impfstoff von CureVac erfahren Sie hier.

Wichtiges zum Impfen

Die Impfstoffe dürfen nicht miteinander kombiniert werden. Nach der ersten Impfung muss also die zweite mit dem gleichen Mittel erfolgen. Immun sind die geimpften Personen erst rund eine Woche nach Gabe der zweiten Dosis.

Wer wann geimpft wird, können Sie in der STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung nachlesen.

Wenn Sie sich impfen lassen möchten, brauchen Sie dafür derzeit einen Termin in einem der Impfzentren. Die Terminvergabe regeln die Bundesländer individuell. Je nach Bundesland gibt es Telefon-Hotlines, Online-Portale sowie Einladungen zur Impfung per Post. Weitere Informationen zum Ablauf der Impfung erhalten Sie auf dieser Seite des Bundesministeriums für Gesundheit.

Für Kinder sind die Impfstoffe aktuell noch nicht zugelassen, weshalb es auch noch keine Empfehlung für das Impfen von Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren gibt. Es laufen jedoch derzeit Phase-3-Studien mit Impfstoffen, die auch Kinder einschließen.

Auch für Schwangere sind die Impfstoffe derzeit noch nicht zugelassen.