Frau mit Maske erhält Corona-Impfung
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Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson:

Der Vektor-Impfstoff ist das bislang einzige Corona-Vakzin in Deutschland, bei dem nur eine Impfung nötig ist. Aber ist er auch so sicher wie die Mittel von BioNTech und Co? Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnt derzeit vor einem erhöhten Risiko für das Guillain-Barré-Syndrom, das möglicherweise in Zusammenhang mit dem Impfstoff stehen könnte.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

So funktioniert der Impfstoff

Bei dem Vakzin Ad26.COV2-S von Janssen Pharmaceuticals, einem Tochterunternehmen des amerikanischen Pharmakonzerns Johnson & Johnson, handelt es sich um einen Vektorimpfstoff wie bei AstraZeneca: Ein harmloses Virus überbringt den genetischen Bauplan für ein Spike-Protein von SARS-CoV-2. Der Körper baut dieses Antigen nach und das Immunsystem bildet Antikörper dagegen. Antigene sind Eiweißmoleküle auf der Oberfläche des Virus, anhand derer unser Immunsystem den Erreger erkennt und Antikörper bildet.

Während AstraZeneca auf ein Adenovirus als Transportvirus setzt, das bei Schimpansen Schnupfen auslöst, verwendet Johnson & Johnson ein menschliches Schnupfenvirus. Die Viren sind so verändert worden, dass sie keine Krankheiten mehr verursachen können.

In rund 100 Fällen trat in den USA nach der Impfung mit Johnson & Johnson offenbar das sogenannte Guillain-Barré-Syndrom auf. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnt deshalb vor einem möglichen Zusammenhang. 95 der Betroffenen mussten im Krankenhaus behandelt werden, ein Mensch starb.

Das Guillan-Barré-Syndrom ist eine entzündliche, neurologische Erkrankung, die Muskelschwäche und Lähmungen zur Folge haben kann. Bei der Autoimmun-Reaktion werden Nerven geschädigt, sodass sie keine Reize mehr übertragen können. In den USA gibt es normalerweise etwa 3000 bis 6000 Fälle pro Jahr. Bislang wurden in den USA etwa 12,5 Millionen Menschen mit Johnson & Johnson geimpft.

Folgende Symptome können auf die Komplikation hinweisen:

  • Schwäche- oder Kribbelgefühl in den Armen und Beinen
  • Probleme beim Gehen
  • Probleme beim Sprechen, Kauen und Schlucken
  • Doppeltsehen
  • Schwierigkeiten, Blasen- und/oder Darmentleerung zu kontrollieren

Die Symptome traten bei den Betroffenen etwa 42 Tage nach der Impfung auf. Betroffen waren vor allem ältere Männer. In Deutschland untersucht das Paul-Ehrlich-Institut derzeit ebenfalls 24 Fälle des Guillan-Barré-Syndroms, die allerdings nach Astra-Zeneca-Impfungen aufgetreten sind.

Noch ist ein Zusammenhang nicht eindeutig. Dass das Guillan-Barré-Syndrom nach Impfungen auftreten kann, ist allerdings bekannt. Bei Grippe-, Hepatitis- und Gürtelrose-Impfstoffen etwa ist in seltenen Fällen ein Zusammenhang möglich.

Das System des Vektorimpfstoffs kann den Nachteil haben, dass der Körper auch Antikörper gegen das harmlose Transportvirus bildet und es bei einer zweiten Impfung angreift, bevor es seine Fracht überbringen kann. So ist es im Fall von AstraZeneca. Da bei Johnson & Johnson eine Impfdosis ausreicht, kommt dieses Problem hier nicht zum Tragen. In einer klinischen Studie konnte der Hersteller belegen, dass eine Dosis bereits eine ausreichende Immunantwort zur Folge hat.

Der russische Hersteller des Sputnik-V-Impfstoffes löst das Problem, indem er für die zwei Dosen verschiedene Transportviren nutzt.

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Welche Vorteile hat der Impfstoff von Johnson & Johnson?

Der größte Vorteil des Impfstoffs: Nur ein einziger Pieks reicht aus, um den Impfschutz zu erhalten. Das ist praktisch für die Menschen, die sich impfen lassen möchten. Außerdem lässt sich das gesamte Impfgeschehen dadurch beschleunigen und die Organisation ist einfacher. Für die Impfstoffe von AstraZeneca, Moderna und BioNTech sind jeweils zwei Impfungen im Abstand von drei bis vier Wochen nötig.

Der Impfstoff lässt sich außerdem drei Monate lang in einem normalen Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad Celsius aufbewahrt. Bei minus 20 Grad Celsius ist das Mittel zwei Jahre lang haltbar. Das ist ein großer Vorteil gegenüber der mRNA-Vakzine, die stets tiefgefühlt gelagert werden müssen und so schwieriger zu transportieren und aufzubewahren sind.

Thrombosen bei Johnson & Johnson

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat im März ihr Okay für den Einsatz in der EU gegeben. Deutschland hat 36,7 Millionen Dosen des Impfstoffes bestellt. Am 16. April sollte der Impfstoff in Deutschland zum Einsatz kommen. Doch bei dem Vektorimpfstand traten – ebenso wie beim Vakzin von AstraZeneca – in äußerst seltenen Fällen Hirnvenenthrombosen auf. Forscher*innen vermuten die gleiche Ursache wie bei AstraZeneca auch: Die Betroffenen entwickeln sehr wahrscheinlich bestimmte Antikörper, die sich gegen die roten Blutplättchen (Thrombozyten) richten. Bei dieser seltenen Autoimmunreaktion verklumpen die Blutplättchen. Deren Aufgabe ist es eigentlich, bei Wunden dafür zu sorgen, dass das Blut gerinnt und sich die Wunde verschließt. Verklumpt das Blut, obwohl es gar keine Wunde zu schließen gibt, kann das zu Blutgerinnseln und damit zum Gefäßverschluss führen. Als Auslöser vermuten die Forscher*innen einen Bestandteil des Vektors.

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Einsatz in Deutschland: nur für Menschen über 60

Die EMA prüfte daraufhin Nutzen und Risiken des Impfstoffs und kam zu dem Entschluss: Der Nutzen des Impstoffs ist weitaus höher als das Risiko. Die EMA empfiehlt den Impstoff nach wie vor uneingeschränkt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland hat jedoch entschieden, den Impfstoff aufgrund der vor allem bei jüngeren Menschen auftretenden Thrombosen nur für Menschen über 60 Jahre zu empfehlen.Auch jüngere Menschen können sich jedoch auf eigenen Wunsch hin damit impfen lassen.

Weil er nur ein einziges Mal geimpft werden muss, soll er zunächst vor allem bei Menschen zum Einsatz kommen, die nur schwer zu erreichen sind und bei denen daher unsicher ist, ob sie ein zweites Mal zu einer Impfung kommen werden (können). Das sind zum Beispiel Obdachlose, bettlägerige Personen oder Menschen in Problembezirken.

Lesetipp: Hirnthrombosen nach AstraZeneca auch bei älteren Frauen?

Wie wirksam ist der Impfstoff?

Die amerikanische Behörde für Arzneimittelzulassungen (FDA) gibt an, dass der Impfstoff von Johnson & Johnson mittlere und schwere Verläufe von Covid-19 zu 67 Prozent verhindern kann. Die Schutzwirkung setzt nach rund 14 Tagen ein. 28 Tage nach der Impfung verhindert das Mittel zu 66 Prozent moderate und zu 85 Prozent schwere Verläufe. Damit hat das Vakzin von Johnson & Johnson gegen den Wildtyp des Coronavirus eine ähnliche Schutzwirkung wie der Impfstoff von AstraZeneca und eine etwas schlechtere als die mRNA-Impfstoffe von BioNTech und Moderna. Auch gegen die neuen Varianten von SARS-CoV2 aus Brasilien und Südafrika ist der Impfstoff Studien zufolge wirksam.

Gegen die aktuell in Deutschland vorherrschende Delta-Variante scheint das Vakzin jedoch weniger gut zu wirken. Studien zeigten deutlich verringerte Antikörper-Titer der geimpften Personen. Auch die Zahl der Impfdurchbrüche ist bei Johnson & Johnson relativ hoch. Aus diesem Grund befürworten einige Wissenschaftler*innen und auch die Gesundheitsminister*innen eine zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff.

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Welche Nebenwirkungen treten auf?

Der Impfstoff hat ähnliche Nebenwirkungen wie die anderen Vakzine.

Darunter zum Beispiel

In der Studie hat es keinen Fall eines anaphylaktischen Schocks gegeben. In Südafrika soll es aber bei den Impfungen zu schweren allergischen Reaktionen und einem anaphylaktischen Schock gekommen sein. Aus diesem Grund müssen geimpfte Personen beobachtet werden und Notfallsets bereitliegen. Auch bei den mRNA-Impfstoffen hat es Meldungen zu anaphylaktischen Schocks gegeben.

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) ist außerdem zu dem Schluss gekommen: Das Vakzin von Johnson & Johnson kann – ebenso wie das von AstraZeneca – in seltenen Fällen Sinusvenenthrombosen im Gehirn auslösen. Wie bei AstraZeneca sind in den meisten Fällen Frauen unter 60 Jahre von der Nebenwirkung betroffen. Da der Impfstoff Covid-19 sicher verhindert, ist der Nutzen der EMA zufolge jedoch höher als das Risiko. Sie empfiehlt das Vakzin nach wie vor uneingeschränkt. Experten vermuten einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Thrombosen bei Johnson & Johnson und AstraZeneca. Die Ursache könnte bei beiden Impfstoffen im Vektor liegen.

Lesetipp: Thrombosen nach AstraZeneca – wie sicher ist das Vakzin?

Nun gibt es auch Hinweise darauf, dass der Impfstoff in Zusammenhang mit dem Guillan-Barré-Syndrom stehen könnte, einer entzündlichen, neurologischen Erkrankungen, die Lähmungen und Muskelschwäche zur Folge haben kann.