Eine Frau schläft neben ihrem Handy und trägt eine Smartwatch
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Wie Fitnesstracker Corona-Hotspots erkennen

Einer Studie zufolge könnten Fitnessarmbänder und Smartwatches dabei helfen, Corona-Hotspots frühzeitig zu erkennen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Die Studie

Millionen von Menschen tragen sie bereits rund um die Uhr: Fitnesstracker. Sie zeichnen Daten wie Herzfrequenz, Schlafdauer und körperliche Aktivität auf. Diese Informationen können nicht nur für die Träger selbst interessant sein, sondern auch für die Forschung. In Deutschland etwa können Nutzer von Fitnessarmbändern und Smartwatches ihre Daten pseudonymisiert über die App "Corona-Datenspende" ans Robert-Koch-Institut übermitteln. Dieses wertet sie aus, um Erkenntnisse über den Zusammenhang von Messdaten und Infektionen mit SARS-CoV-2 zu gewinnen.

Video: Fitnesstracker könnten Corona-Hotspots erkennen

Eine entsprechende App aus den USA ist "MyDataHelps". Forscher des Scripps Research Translational Institute in Kalifornien haben für die "Detect"-Studie Daten von Fitnesstrackern mithilfe der App ausgewertet. Die Nutzer hatten ihren Fitnesstracker freiwillig mit der App verbunden, um ihre Daten anonym zu spenden. Bis zum 7. Juni 2020 hatten sich 30.529 Personen die App heruntergeladen. Darin beantworteten sie auch Fragen zu möglichen Symptomen. Außerdem konnten sie eingeben, ob bei ihnen ein Test auf SARS-CoV-2 gemacht wurde. Nun haben die Wissenschaftler ihre Ergebnisse veröffentlicht.

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Tatsächlich scheint sich eine Covid-19-Erkrankung in den Vitaldaten der Tracker niederzuschlagen. Positiv auf Corona Getestete gingen im Durchschnitt täglich 3.533 Schritte weniger und schliefen nachts 57 Minuten länger. Außerdem stieg ihre Herzfrequenz an, schon bevor sie Symptome zeigten. Die Forscher bezogen auch die von den Probanden beschriebenen Symptome mit in die Berechnung ein. Die Teilnehmer, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, gaben häufiger als andere an, müde zu sein, Atemprobleme, Husten, Fieber und Schmerzen sowie einen gestörten Geruchssinn zu haben.

Hotspots erkennen

Die Forscher erhoffen sich, dass sie mithilfe der Messwerte zukünftig Infektionen frühzeitig erkennen können, bevor die betreffenden Personen Symptome entwickeln. In dieser Phase sind Infizierte bereits sehr ansteckend. Zwar ist etwa der Ruhepuls individuell verschieden. Jedoch ist er bei den meisten Personen relativ konstant, sodass Abweichungen von der Norm auf Krankheiten hinweisen können.

Um einzelne Infektionen frühzeitig zu erkennen, sind diese Informationen jedoch vermutlich zu unsicher. Schließlich können auch andere Erkrankungen solche Abweichungen zur Folge haben. Der Algorithmus hinter der App kann noch nicht zwischen Covid-19 und anderen Erkrankungen unterscheiden.

Die Forscher hoffen jedoch, dass auffällige Messwerte in einer Region ein Hinweis für einen neuen Ausbruch sein könnten. Das würde den Behörden ermöglichen, frühzeitig zu reagieren. Die Forscher schätzen, dass dafür nur 1 bis 2 Prozent der 100 Millionen Amerikaner, die bereits ein Fitness-Armband besitzen, die App nutzen müssten.

Die deutsche Version von "MyDataHelps", die "Corona-Datenspende-App", hat sogar bereits mehr als 500.000 freiwillige Datenspender. Auch in diesem Fall sollen die Ergebnisse der App Indikatoren für die Corona-Dynamik sein. Zum Beispiel haben die Forscher anhand von Ruhepuls und Schrittzahl der Nutzer Fieberkurven erstellt, die mit dem aktuellen Anstieg der Covid-19-Neuinfektionen synchron gehen. Geplant ist, irgendwann eine täglich aktualisierte Fieberkarte zu erstellen, die zeigt, ob in einer Region Deutschlands überdurchschnittlich viele Menschen Fieber haben und so mögliche Corona-Hotspots frühzeitig zu erkennen.