Ein Covid-19-Patient liegt auf dem Bauch
© Getty Images

Warum liegen Covid-19-Patienten auf dem Bauch?

Sicher kennen Sie die Bilder aus dem Fernsehen: Schwer an Covid-19 erkrankte Menschen liegen in den Betten der Intensivstation, angeschlossen an zahlreiche Maschinen. Und bestimmt haben auch Sie sich schon einmal gefragt, warum viele der Betroffenen eigentlich auf dem Bauch liegen, und nicht wie üblich auf dem Rücken. Den Grund dafür erfahren Sie hier.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Was bringt die Bauchlage?

Die Bauchlagerung soll die Beatmungstherapie von Menschen mit akutem Atemnotsyndrom (ARDS) optimieren. ARDS ist eine häufige Komplikation schwerer Covid-19-Erkrankungen. Es kann jedoch auch andere Patienten*innen betreffen. Zum Beispiel solche, die aus anderen Gründen eine Lungenentzündung oder eine schwere Lungenverletzung erlitten haben.

Studien haben gezeigt, dass die künstliche Beatmung effektiver ist, wenn die Erkrankten auf den Bauch gedreht werden – und zwar für mindestens 16 Stunden täglich. Ihr Körper wird besser mit Sauerstoff versorgt und ihre Überlebenswahrscheinlichkeit steigt. Erste Studien zu Covid-19-Patienten*innen mit ARDS zeigen, dass diese Methode auch bei ihnen Wirkung zeigt.

Was bringt die Bauchlage?

Zunächst einmal ist es nicht logisch, dass die Beatmung während einer Bauchlage effektiver ist. Denn die vordere Brustwand ist viel dehnungsfähiger als die hintere Brustwand. Sie kann sich beim tiefen Einatmen besser ausdehnen. Liegt man auf dem Bauch, hat der Brustkorb also ein geringeres Volumen. Aber: Während der Bauchlage verteilt sich die Gewebsflüssigkeit in der Lunge um, nämlich vom hinteren in den vorderen Bereich. Nun ist der hintere Teil der Lunge entlastet und kann besser belüftet werden.

Und das ist wichtig. Denn eben dieser Lungenbereich hat mehr Lungenbläschen als der vordere Bereich. An diesen Lungenbläschen findet der Gastaustausch im Körper statt: Das bedeutet, dass Kohlendioxid vom Blut in die Gasbläschen gelangt und von dort aus abgeatmet wird, während das vom rechten Herzen kommende Blut über die Lungenbläschen mit Sauerstoff angereichert wird und den Körper mit dem lebensnotwendigen Stoff versorgt. Die Gase diffundieren dabei über die Oberflächen der Lungenbläschen ins Blut und umgekehrt.

Liegt jemand auf dem Rücken, wird eben dieser Bereich der Lungen, der über viele Lungenbläschen verfügt, durch das Eigengewicht des Oberkörpers zusammengedrückt und die Flüssigkeit dorthin verlagert.

Liegt ein*e ARDS-Patient*in dagegen auf dem Bauch, hat das folgende Vorteile:

  • Das Zwerchfell ist dynamischer
  • Sekrete in der Lunge können sich besser lösen
  • Das Lungenvolumen wird besser genutzt
  • Die Lunge wird besser durchblutet und belüftet

Der positive Effekt kann nach etwa einer Stunde oder erst nach etwa 24 Stunden eintreten. Das tut er zwar bei den meisten, aber nicht bei allen Patienten*innen.

Bauchlage: Risiken und Gegenanzeigen

Klassischerweise kommt die Bauchlage nur bei invasiv beatmeten Erkrankten zum Einsatz. Im Zuge der Corona-Pandemie kam jedoch die Frage auf, ob sie auch Menschen helfen kann, die noch spontan atmen, bei Bewusstsein sind und zum Beispiel mit einer Standard-Sauerstofftherapie behandelt werden. Auch vor dem Hintergrund, dass intensivmedizinische Plätze knapp sind.

Bauchlage nur bei beatmeten Patient*innen?

Nun hat sich eine – wenn auch kleine – Studie mit dieser Frage beschäftigt. Und kommt zu guten Ergebnissen. Offenbar konnte die Bauchlage in einigen Fällen vermeiden, dass Patienten*innen intubiert und invasiv beatmet werden mussten – was wiederum mit einem niedrigeren Risiko für die Betroffenen einhergeht. Denn eine Intubation der Luftröhre kann auch Komplikationen wie Infektionen mit sich bringen. Andererseits kann auch eine zu spät begonnene invasive Beatmung schaden.

Die Probanden*innen lagen mindestens drei Stunden lang in Bauchlage. Bei der Hälfte von ihnen verbesserte sich die Sauerstoffversorgung auch nachhaltig, das heißt, nach Zurückdrehen auf den Rücken.

Bauchlage: Risiken und Nebenwirkungen?

Die Bauchlage hat nicht nur Vorteile, sondern kann auch Risiken mit sich bringen. Auftreten können zum Beispiel:

Während des Drehvorgangs besteht außerdem das Risiko, dass der Beatmungsschlauch verrutscht oder herausrutscht. Außerdem verlagern sich beim Drehen von Rücken auf den Bauch Sekrete in den Atemwegen. Das kann dazu führen, dass die Atemwege verschließen.

Bei möglicherweise notwendig werdenden Wiederbelebungsmaßnahmen muss der Betroffene zunächst auf den Rücken gedreht werden, was Zeit kostet.

Wann darf keine Bauchlage erfolgen?

Nicht bei allen Personen kommt die Bauchlagerung in Betracht. Nicht auf den Bauch gedreht werden darf ein*e Patient*in bei:

Starkes Übergewicht dagegen stellt keinen zusätzlichen Risikofaktor dar. Besonders solche Patienten*innen können von der Bauchlage profitieren.