Man sieht den BioNTech-Schriftzug, davor eine Spritze
© Getty Images

Comirnaty von BioNTech/Pfizer

Comirnaty von BioNTech/Pfizer war der erste Impfstoff, der in Deutschland gegen Covid-19 zum Einsatz gekommen ist und der erste zugelassene mRNA-Impfstoff weltweit. Lesen Sie hier alles über Wirksamkeit, Sicherheit und Nebenwirkungen des Corona-Vakzins.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Für wen Comirnaty geeignet ist und wie er funktioniert

Seit dem 26. Dezember 2021 ist Comirnaty von Pfizer/BioNTech in Deutschland im Einsatz. Zugelassen war er zunächst für Personen ab 16 Jahren. Seit dem 28. Mai 2021 darf "BNT162b2" auch bei Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren verwendet werden.

Seit August 2021 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) den Impfstoff neben dem mRNA-Vakzin von Moderna für alle Kinder und Jugendlichen in diesem Alter. Zuvor riet sie nur Kindern mit bestimmten Vorerkrankungen zu einer Covid-19-Impfung.

In Deutschland ist das Vakzin derzeit noch mit einer Notfallzulassung im Einsatz. In den USA erhielt der Impfstoff im August 2021 von der US-Arzneimittelbhörde FDA die vollständige Zulassung für Menschen ab 16 Jahren.

Lesetipp: Kinder gegen Covid-19 impfen – Pro und Contra

Auch für Schwangere kommt Comirnaty neben dem mRNA-Impfstoff von Moderna zum Einsatz. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat aufgrund fehlender Daten zwar noch keine generelle Empfehlung für die Impfung schwangerer Frauen gegen Covid-19 ausgesprochen. Nach ärztlicher Absprache können sich jedoch Schwangere mit einem mRNA-Impfstoff gegen Covid-19 impfen lassen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben oder besonders gefährdet sind, sich mit SARS-CoV2-zu infizieren.

Lesetipp: Corona-Impfung in der Schwangerschaft

Wie funktioniert der mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer?

Bei Comirnaty handelt es sich um einen mRNA-Impfstoff. Die mRNA ist der genetische Bauplan für ein Eiweiß auf der Oberfläche des Virus. Dieses Spike-Protein ist das sogenannte Antigen, anhand dessen unser Körper das Coronavirus als Erreger erkennt. Über winzige Fettpartikel gelangt diese mRNA mit der Impfung in unsere Körperzellen. Unser Körper stellt das Virus-Antigen anhand des Bauplans daraufhin selbst her und bildet anschließend Antikörper dagegen. Infizieren wir uns später mit SARS-CoV-2, erkennt und bekämpft unser Körper den Erreger schneller. Nötig sind zwei Impfdosen im Abstand von drei bis sechs Wochen, die in die Muskulatur des Oberarms gespritzt werden.

BioNTech möchte die dritte Impfung

Daten des israelischen Gesundheitsamtes zeigen, dass die Schutzwirkung des Impfstoffs bereits rund sechs Monate nach der zweiten Impfung nachlässt. Der Hersteller BioNTech/Pfizer hat deshalb angekündigt, bei der US-Arzneimittelbehörde FDA sowie der Europäischen Arzneimittelagentur EMA die Zulassung für eine dritte Impfung zu beantragen, die sechs bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung erfolgen soll.

"Während der Schutz vor einem schweren Verlauf innerhalb der ersten sechs Monate weiterhin hoch bleibt, wird ein Rückgang der Wirksamkeit gegenüber symptomatischen Verläufen im Laufe der Zeit und das weitere Auftreten neuer Virusvarianten erwartet", heißt es in einer Mitteilung von BioNtech.

Vorläufige Ergebnisse einer laufenden Studie zeigen, dass eine dritte Impfung die Wirksamkeit der Antikörper sowohl gegen den Urtyp des Virus als auch die Virusvarianten erhöht. FDA und die US-Gesundheitsbehörde CDC haben jedoch zunächst verhalten reagiert: Eine Auffrischungsimpfung halten sie derzeit nicht für nötig.

Sicher trotz schneller Zulassung?

Solche mRNA-Impfstoffe befanden sich zwar schon lange in der Erforschung, jedoch wurde ein entsprechender Impfstoff nie zuvor zugelassen. Comirnaty wurde aufgrund der dringenden Lage in der Corona-Pandemie in einem beschleunigten Zulassungsverfahren geprüft und kam so in Rekordzeit zum Einsatz. Das war möglich, weil Prozesse effizienter gestaltet wurden. Keine Abstriche wurden dabei in der Qualitäts- und Sicherheitsprüfung gemacht.

Diese neue Art von Impfstoff hat den Vorteil, dass sie sich in großer Menge in kurzer Zeit herstellen lässt. So können die Hersteller auch auf neue Virusvarianten rasch reagieren, gegen die bestehende Impfstoffe möglicherweise nicht mehr wirken. Außerdem gelten mRNA-Impfstoffe als sehr sicher und gut verträglich.

Viele Menschen fürchten, dass die im Impfstoff enthaltene mRNA sich in ihrem Erbgut einbauen könnte. Das ist jedoch nicht möglich. Tatsächlich baut der Körper die mRNA recht schnell ab.

Lesetipp: Corona-Impfstoffe im Vergleich

Kreuzimpfung mit Comirnaty

Mittlerweile wird der Impfstoff von BioNTech/Pfizer auch Menschen für die zweite Impfung empfohlen, die zuerst mit einem Vektorimpfstoff geimpft wurden. Grund hierfür ist zum einen, dass so der Abstand zwischen den Impfungen verringert und früher ein vollständiger Impfschutz erzielt werden kann. Zum anderen soll dieses heterologe Impfschema sicherer vor der Delta-Variante schützen. Auch junge Menschen, die zunächst mit AstraZeneca geimpft wurden, sollen die zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff bekommen, da nach Impfung mit Vektorimpfstoffen vor allem bei jungen Menschen in sehr seltenen Fällen Hirnvenenthrombosen aufgetreten sind.

Lesetipp: Wie gut ist die Kreuzimpfung?

Comirnaty von BioNTech/Pfizer: Wirksamkeit

Comirnaty schützt zu etwa 95 Prozent vor Covid-19. Eine gute Schutzwirkung besteht bereits 14 Tage nach der ersten Impfung. Der volle Impfschutz ist jedoch erst etwa zwei Wochen nach der zweiten Dosis erreicht.

Für die Zulassungsstudie bekam von rund 44.000 Teilnehmer*innen die Hälfte ein Placebo, die andere Hälfte den Impfstoff verabreicht. Von 10.000 Personen erkrankten in der Placebo-Gruppe 93 an Covid-19, in der Gruppe der zweifach mit Comirnaty Geimpften 5.

Bei der Zulassungsstudie für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zeigte der Impfstoff sogar eine Wirksamkeit von 100 Prozent.

Lesetipp: Wer kann mit einer guten Immunantwort nach der Corona-Impfung rechnen?

Wie gut schützt Comirnaty vor den Coronavirus-Varianten?

Einer Studie von Public Health Scotland zufolge wirkt der Impfstoff gegen die derzeit vorherrschende Delta-Variante nach der ersten Dosis zu 33,5 Prozent und nach der zweiten Impfung zu 88 Prozent vor einer Covid-19-Erkrankung. Vor schweren Verläufen schützt er nach der zweiten Dosis zu mehr als 90 Prozent. Aufgrund der dort vorliegenden Daten schätzen israelische Wissenschaftler dagegen, dass die Wirksamkeit der zweifachen Impfung mit BioNTech gegen die Delta-Variante bei nur noch 64 Prozent liegt, gegenüber einem schweren Verlauf bei 93 Prozent. BioNTech/Pfizer arbeiten derzeit an einem für die Delta-Variante optimierten Impfstoff.

Gegen die Alpha-Variante, die nach der Delta-Variante in Deutschland am verbreitetsten ist, wirkt Comirnaty nach der ersten Impfung zu 51,1 Prozent und nach der zweiten Impfung zu 93,4 Prozent.

Lesetipp: Die Coronavirus-Varianten im Überblick

BioNTech/Pfizer: Welche Nebenwirkungen treten auf?

Wie bei jeder Impfung können Impfreaktionen auftreten. Sie zeigen an, dass der Körper auf den Impfstoff reagiert und Antikörper bildet. Diese Reaktionen sind meist milde, harmlos und verschwinden in der Regel nach wenigen Tagen wieder.

Sehr häufige Impfreaktionen sind:

Seltener (1-10%) kommt es auch zu

In sehr seltenen Fällen (0,1 -1 %) zeigten sich außerdem Lymphknotenschwellung, Schlaflosigkeit, Juckreiz an der Einstichstelle und Hautreaktionen wie Ausschlag und allgemeiner Juckreiz.

Manchmal kommt es erst rund eine Woche nach der Impfung zum sogenannten Covid-Arm.

Nach der zweiten Impfdosis treten statistisch gesehen häufiger Nebenwirkungen auf. Treten keine Impfaktionen auf, bedeutet das jedoch nicht, dass der Impfstoff nicht wirkt.

Lesetipp: Darf ich nach der Impfung Schmerzmittel nehmen?

Impfkomplikationen

Anders als Impfreaktionen treten Impfkomplikationen nur sehr selten auf. Sie sind keine normalen Reaktionen auf die Impfung, die anzeigen, dass das Immunsystem arbeitet.

Eine mögliche Komplikation nach den mRNA-Impfungen mit Comirnaty oder Moderna sind Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) oder Herzbeutelentzündungen (Perikarditis), die vor allem bei jungen Männern aufzutreten scheinen.

Lesetipp: Myokarditis nach BioNTech-Impfung

Darauf hinweisen können:

Auch vorübergehende Gesichtslähmungen treten in rund 0,02 Prozent der Fälle auf.

Weniger als 1 von 100.000 Geimpften reagiert mit einem anaphylaktischen Schock. Aus diesem Grund sollten Geimpfte einige Minuten nachbeobachtet werden. Ist ein*e Ärztin*Arzt anwesend, lässt sich die allergische Reaktion gut behandeln.

Eine neuere israelische Studie hat Daten von 1,7 Millionen Menschen analysiert und neben den bekannten auch weitere Nebenwirkungen ausgemacht.

Allerdings ist das Risiko für solche Komplikationen nach einer Covid-19-Erkrankung ungleich höher. Eine Herzmuskelentzündung beispielsweise entwickeln elf von 100.000 an Covid-19 erkrankten.