Man sieht einen Schwarm Honigbienen.
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Covid-19: Können Bienen das Coronavirus erkennen?

Bienen könnten demnächst als lebendiger Corona-Test eingesetzt werden. Forschende aus den Niederlanden fanden in einer Studie heraus, dass die Insekten positive SARS-CoV-2-Proben erkennen, wenn man sie entsprechend trainiert. Ein Start-up möchte die Technologie nun vermarkten. Wie der Bienen-Test funktionieren soll, lesen Sie hier.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Einführung

Tiere einzusetzen, um bestimmte Erkrankungen zu erkennen, ist kein neuer Ansatz. Auch für Covid-19 wurde bereits in diese Richtung geforscht. Schon im Sommer 2020 veröffentlichten Wissenschaftler*innen der Hochschule Hannover eine Studie, die zeigt: Spürhunde können darauf trainiert werden, das Coronavirus zu erkennen.

Im Rahmen der Studie wurden den Hunden Speichelproben positiv getesteter Personen sowie gesunder Personen vorgelegt. Mit einer Erfolgsquote von 91 Prozent konnten die Tiere die Proben voneinander unterscheiden. In den USA werden Hunde daher bereits bei großen Events wie Sportveranstaltungen eingesetzt, um infizierte Personen zu identifizieren.

Corona-Test mit Bienen

Nun sollen auch Bienen dazu eingesetzt werden, das Coronavirus zu erkennen. Denn SARS-CoV-2 kann auch in der Atemluft infizierter Menschen nachgewiesen werden. Das haben sich niederländische Forscher*innen der Universität Wageningen zunutze gemacht. Ihnen ist es gelungen, Bienen darauf zu trainieren, das Virus innerhalb weniger Sekunden zu erkennen und daraufhin ein Zeichen zu geben.

Die Insekten eignen sich für das Vorhaben besonders gut, da sie einen stark ausgeprägten Geruchssinn haben. Diesen verdanken sie den rund 60.000 Duftrezeptoren, die auf ihren Antennen sitzen. Bienen nutzen ihren Geruchssinn nicht nur zur Nahrungssuche, sondern auch zur Kommunikation. Die Insekten produzieren nämlich Duftstoffe, um Informationen, etwa über die Brutpflege, weiterzugeben.

Pawlowsche Konditionierung mit Zuckerwasser

Insgesamt wurden rund 150 Bienen darauf konditioniert, mit SARS-CoV-2 infizierte Proben zu erkennen. Hierzu verwendete man zunächst Proben von gesunden und erkrankten Nerzen. Die Forschenden konfrontierten die Insekten abwechselnd mit beiden Proben. Nur auf die infizierten Proben folgte eine Belohnung in Form von Zuckerwasser.

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Nach einer Weile streckten die Bienen in Erwartung auf die Belohnung automatisch ihre Rüssel aus, wenn man ihnen die mit dem Coronavirus infizierten Proben zeigte. Nach einigen Trainingseinheiten geschieht dies innerhalb weniger Sekunden. Das ist ein Vorteil gegenüber den herkömmlichen Corona-Tests. Wer beispielsweise einen PCR-Test durchführt, erhält sein Ergebnis erst nach mehreren Stunden oder sogar Tagen.

Inzwischen verwenden die Wissenschaftler*innen auch menschliche Proben. Die Ergebnisse waren ähnlich gut, allerdings gilt es hier, noch weiter zu forschen. Nach bisherigem Stand scheint das Konzept aber auf den Menschen übertragbar zu sein.

Start-up will Technologie vermarkten

Die Studie zeigt: Bienen können theoretisch dazu beitragen, das Coronavirus zu erkennen. Man könnte die Tiere demnach als Alternative zu den herkömmlichen Corona-Tests einsetzen. Nun gilt es, ein Verfahren zu entwickeln und eine Maschine zu entwerfen, die viele Bienen gleichzeitig trainiert.

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Genau das hat sich ein Start-up namens InsectSense aus den Niederlanden zur Aufgabe gemacht. Einer Pressemeldung zufolge wurde bereits ein Prototyp entwickelt: Die Innovation namens "BeeSense" besteht aus einer Trainingsmaschine und einem Diagnosesystem, das mit einem Biosensor funktioniert. Ob und wann der Corona-Test mit Bienen auf den Markt kommt, ist allerdings noch unklar.

Tierschutz: Langfristig Alternative geplant

Die Technologie sieht zwar vor, dass der Mensch beim Testverfahren keinen direkten Kontakt zu der Biene hat. Dennoch stellen sich Tierschützer*innen die Frage, wie die Bienen in den Trainingsmaschinen gehalten werden, ob die Tiere ausreichend Platz haben und sie sich frei bewegen können.

Diesem Diskurs scheint sich auch das Start-up InsectSense bewusst zu sein. Denn die Forschenden arbeiten bereits an einer Alternative, die ohne Bienen auskommen soll. Auf Grundlage der aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse soll ein Biochip entwickelt werden, der die Geruchsrezeptoren der Insekten nachahmt. Bis dieses Verfahren ausgereift ist, dürfte es allerdings noch etwas dauern.