Eine Frau inhaliert ein Asthmaspray
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Kann Asthmaspray schwere Corona-Verläufe verhindern?

In einer Studie konnten Asthmasprays mit dem Wirkstoff Budesonid schwere Verläufe von Covid-19 zu 90 Prozent verhindern und milde Verläufe verkürzen. Es wäre eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, um Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Helfen Asthmasprays gegen Covid-19?

Die Studie wurde bereits im Februar vorveröffentlicht, wir haben darüber berichtet. Nun hat die Studie das Peer-Review-Verfahren durchlaufen und die Ergebnisse erschienen im "Lancet". SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nennt das Asthmaspray Budesonid einen "Game Changer".

Chronische Atemwegsentzündungen sind ein Risikofaktor bei Infektionen mit SARS-CoV-2. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet Menschen mit Asthma seltener schwer an Covid-19 erkranken. Das hatten bereits Ärzte aus China zu Beginn der Pandemie festgestellt. Forscher erklären sich das damit, dass Asthmasprays Steroide enthalten, die die Vermehrung von Viren wie SARS-CoV-2 in der Schleimhaut der Atemwege hemmen. Nicht die Erkrankung, sondern das Medikament sorgt demnach für einen milden Verlauf.

Die Studie aus Oxford bestätigt diese Annahme nun. Asthmasprays mit dem Wirkstoff Budesonid konnten bei den Teilnehmern schwere Verläufe von Covid-19 verhindern und milde Verläufe verkürzen. Budesonid ist ein bewährtes Mittel zur Behandlung von Asthma, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) und allergischem Schnupfen. Das Mittel ist verschreibungspflichtig.

Die Ergebnisse müssen jedoch durch weitere Studien untermauert werden. Zum Beispiel ist nicht klar, ob Sprays mit anderen Steroiden die gleiche Wirkung erzielen. Die Studie ist außerdem nur bedingt aussagekräftig. Denn die Versuchsgruppe war klein. Außerdem wussten die Teilnehmer, ob sie zu denen gehörten, die Budesonid nahmen oder nicht. Es gab also keine Placebogruppe. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nennt die Studie jedoch "gut gemacht". Sie zeige die Relevanz der frühen Hausarzt-Behandlung. Auch der Direktor der Klinik für Infektiologie und Pneumologie der Berliner Charité, Professor Dr. Norbert Suttorp, sagte der Deutschen Presseagentur (dpa) in Bezug auf die Studie: "Der beschriebene Effekt ist beachtlich und bedeutsam."

Um das Mittel generell gegen Covid-19 zu empfehlen, ist es noch zu früh. In jedem Fall sind die Ergebnisse jedoch vielversprechend und sollten zu weiteren Forschungen mit mehr Probanden führen. Denn bislang liegen die Hoffnungen vor allem auf Impfstoffen. Zu Medikamenten gegen Covid-19 wurde dagegen weniger geforscht.

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Die Studie

146 Personen nahmen an der Studie teil. Sie waren grundsätzlich gesund, aber im Frühstadium an Covid-19 erkrankt. Sie zeigten seit höchstens sieben Tagen Corona-Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Husten oder Geschmacks- und Geruchsverlust. Keiner von ihnen musste zu diesem Zeitpunkt im Krankenhaus behandelt werden. Die Hälfte der Probanden inhalierte zweimal täglich 800 Mikrogramm des in den meisten Asthmasprays enthaltenen Glucocorticoids Budesonid, die andere Hälfte bekam die herkömmliche Behandlung.

Von den Teilnehmern, die kein Budesonid bekamen, mussten sich zehn in ein Krankenhaus begeben, weil sich ihr Zustand verschlimmerte. Von den Studienteilnehmern, die Budesonid inhalierten, kam nur eine Person aufgrund der Schwere der Symptome in ein Krankenhaus. Bei ihnen verkürzte sich die Behandlung, sie hatten weniger Tage Fieber als die Kontrollgruppe und seltener langanhaltende Symptome. Wichtig ist den Studienleitern zufolge, dass das Mittel bereits zu Beginn der Erkrankung eingenommen wird. Nur sieben Prozent der Patienten, die Budesonid bekamen, klagten über unerwünschte Nebenwirkungen. Zudem gibt es nur wenige Menschen, denen das Mittel nicht verschrieben werden könnte. Auf keinen Fall sollte man Asthmasprays jedoch auf eigene Faust einnehmen.

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