Mann erhält Corona-Impfung
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Vierte Impfung – wem wird der Doppel-Booster empfohlen?

Die vierte Corona-Impfung wird in Deutschland bereits bei bestimmten Personengruppen durchgeführt – eine allgemeine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) liegt allerdings nicht vor. Erste Daten aus Israel zeigen, dass eine weitere Impfung besonders Risikogruppen vor Omikron schützen kann. Für wen die vierte Dosis sinnvoll ist und wie gut diese schützt.

Vierte Impfung – für diese Personengruppen ist sie sinnvoll

Die ansteckende Omikron-Welle verursacht laut Forschenden zwar meist milde Verläufe. Für Risikopatient*innen stellt das Virus aber weiterhin eine große Gefahr dar. Daher rät die STIKO ausgewählten Personengruppen zum Doppel-Booster mit BioNTech/Pfizer oder Moderna. Ziel ist es, den Antikörperspiegel aufrechtzuerhalten und eine mögliche Ausbreitung sowie schwere Verläufe zu unterbinden.

1. Doppel-Booster für ältere Menschen über 70 Jahren

Besonders ältere Menschen über 70 Jahren wird zu einer vierten Impfung geraten. Da das Immunsystem im Alter weniger Antikörper produziert und diese schneller abgebaut werden, ist eine vierte Impfung daher besonders sinnvoll. Eine aktuelle Studie der Universität Marburg zeigt die Relevanz einer Auffrischung bei älteren Personen.

Geimpfte Proband*innen über 80 Jahren bilden nach einer Corona-Impfung weniger Antikörper und T-Zellen als jüngere. Bei zirka 10 Prozent wurden zudem keine oder nur wenige Immunzellen nachgewiesen. Nach einer dritten Corona-Impfung erreichten die Betroffenen einen ebenso hohen Antikörpertiter wie jüngere Geimpfte nach der zweiten Dosis. Um den Impfschutz weiterhin aufrechtzuerhalten, wird älteren Menschen daher die vierte Impfung empfohlen. Wer bereits drei Impfungen erhalten hat und zudem mit Sars-CoV-2 infiziert war, benötigt den Doppel-Booster laut aktuellem Stand nicht.

2. Medizinischem Personal wird zur vierten Impfung geraten

In Krankenhäusern und weiteren systemrelevanten Berufen wird ebenfalls bereits die vierte Dosis verimpft. Medizinisches Personal soll vor möglichen Infektionen geschützt werden. So erhofft man sich, das Gesundheitssystem weiterhin aufrechtehalten zu können. Menschen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, wird der weitere Booster ein halbes Jahr nach der dritten Impfung empfohlen. Bei drei Impfungen und einer Corona-Infektion ist keine vierte Impfung erforderlich.

3. Doppel-Booster für weitere Personengruppen sinnvoll

Neben medizinischem Fachpersonal und Pflegekräften wird die vierte Corona-Impfung auch Bewohner*innen in Alten- und Pflegeheimen empfohlen, um weitere Infektionsketten zu unterbinden und mögliche Ansteckungen und Verläufe zu verhindern.

Auch Erwachsene und Kinder ab dem fünften Lebensjahr mit Immunschwäche sollten eine vierte Dosis des Corona-Impfstoffs erhalten. Diese sollte, sofern keine Corona-Infektion überstanden wurde, laut STIKO ebenfalls drei Monate nach der dritten Dosis erfolgen.

Studie aus Israel: Vierte Impfung bremst Omikron-Trend

Die Impfkampagne wurde besonders in Israel auch mit der vierten Impfung weitergeführt. Eine vierte Dosis konnte laut ersten Auswertungen die durch Omikron verschuldeten Erkrankungen bei geimpften Senior*innen und weiteren Risikogruppen bereits nach zwölf Tagen deutlich reduzieren. Eine Studie mit 154 Proband*innen zeigt: Bei Personengruppen, deren Antikörper nach der dritten Impfung bereits deutlich reduziert war, konnte der Antikörperspiegel erhöht und das Risiko einer schweren Erkrankung reduziert werden. Auch die Reaktion weiterer Immunzellen war nach dem doppelten Booster deutlich besser. Beides sank allerdings bereits nach einem kurzen Zeitraum auf das Niveau der dritten Impfung.

Bei den Proband*innen handelt es sich allerdings um jüngere Personen aus dem Pflegebereich. Inwiefern sich die Ergebnisse auf ältere Personengruppen und Menschen mit Immunschwäche übertragen lassen, wird nicht untersucht.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach sprach sich via Twitter aufgrund der aktuellen Studiendaten „eher gegen eine vierte Impfung für alle“ aus.

Eine jährliche Impfung, wie sie beispielsweise bei der Grippe-Impfung notwendig ist, werde bisher nicht empfohlen, könnte laut Forschenden aber noch nicht vollständig ausgeschlossen werden.

mRNA-Impfstoffe bisher bei vierter Impfung verwendet

Wie bereits bei der dritten Corona-Impfung werden auch als doppelter Booster die mRNA-Impfstoffe von Moderna und BioNTech/Pfizer eingesetzt. Verschiedene Pharmaunternehmen arbeiten bereits an Booster-Impfstoffen gegen die aktuell vorherrschende Omikron-Variante.

Amerikanische Arzneimittelbehörde für zweiten Booster

Die US-Arzneimittelbehörde FDA empfiehlt eine vierte Corona-Impfung aufgrund der israelischen Datenlage. Den zweiten Booster sollen Personen ab einem Alter von 50 Jahren und Menschen mit Immunschwäche ab zwölf Jahren (beispielsweise nach Organtransplantationen) erhalten. Der erste Booster sollte bereits vier Monate zurückliegen.

Auch Personen, welche eine Einmalimpfung mit Johnson & Johnson und eine weitere Dosis eines mRNA-Impfstoffs erhalten haben, wird zu einer weiteren Impfung geraten. 

Die Boosterimpfung soll in den USA ebenfalls mit den Vakzinen von Moderna und BioNTech/Pfizer erfolgen. 

Vierte Impfung bei gesunden Menschen: ein möglicher Nachteil

Eine vierte Corona-Impfung ist für gesunde Menschen nach jetzigem Stand möglicherweise erst dann sinnvoll, wenn es eine angepasste Impfung gegen Omikron geben sollte.

Ansonsten sollte dem eigenen Immunsystem eventuell Zeit gegeben werden, ohne Eingreifen von außen einen spezifischen Reifeprozess auf Basis bisheriger Impfungen oder Infektionen durchführen zu können – eine sogenannte Affinitätsprüfung. Hierbei sinkt die Gesamtzahl der Antikörper gegen Sars-CoV-2 zwar, die Qualität der übrigen oder neu gebildeten Antikörper nimmt allerdings zu. Somit reagieren diese stärker auf das Sars-CoV-2-Virus. Diese hochwertigen Abwehrstoffe sind möglicherweise auch in der Lage, sich an neue Virusvarianten anzupassen.

Eine Vielzahl an Impfungen könnte diesen Reifeprozess allerdings ins Stocken bringen. Jeder neue Kontakt mit Impfungen konfrontiert den Körper mit mehr neuen unspezifischen Antikörpern, als bisher produziert.

Gesunde Menschen: T-Zellen bieten Schutz vor schweren Verläufen

Neben neutralisierenden Antikörpern, welche das Andocken der Viren an menschliche Körperzellen verhindern, verfügt das Immunsystem zudem über weitere Abwehrmechanismen. Ein wichtiges Instrument sind T-Zellen, welche bereits infizierte Zellen erkennen und vernichten können. Diese sind in Rufbereitschaft und reagieren, sobald eine Zelle infiziert ist. Somit wird die Ausbreitung des Virus im Körper weitgehend unterbunden, was schwere Corona-Verläufe verhindern kann.

Immunität bleibt lange Zeit bestehen

Erste Tests mit Personen, die bereits mit dem Corona-Vorgänger Sars-CoV-1 infiziert waren, haben auch heute 19 Jahre später noch Antikörper, welche vor diesen Viren schützen können. Weitere Studien zeigen, dass auch Infektionen mit verwandten Virusstämmen des Coronavirus eine Kreuzimmunität und somit einen gewissen Schutzmechanismus zur Folge haben können. Ein kompletter Ausfall der Immunität ist laut Forschenden bisher nicht zu erwarten.