Corona-Impfstoff aus Ampulle gezogen
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Valneva: Der Totimpfstoff im Überblick

Die Europäische Arzneimittelbehörde hat den Totimpfstoff von Valneva in der Europäischen Union zugelassen: Studien bestätigen die Wirksamkeit des Vakzins – auch bei Omikron soll Valneva einen hohen Schutz erzielen. Wie der Corona-Impfstoff von Valneva funktioniert und welche Vorteile der Totimpfstoff bringt.

Valneva – Totimpfstoff gegen Sars-CoV-2

Bei dem Corona-Impfstoff von Valneva handelt es sich um einen Totimpfstoff. Totimpfstoffe, auch inaktivierte Impfstoffe genannt, enthalten abgetötete Viren oder deren Bestandteile. Diese können sich im Körper nicht mehr vermehren.

Inaktivierte Impfstoffe finden schon lange Verwendung. Sie werden unter anderem im Kampf gegen

eingesetzt. Mit Valneva soll bald auch der erste Totimpfstoff gegen Sars-CoV-2 zugelassen werden. Da die Impfstofftechnologie bereits über Jahrzehnte erprobt ist, steigt die Hoffnung, dass auch Skeptiker*innen der neuen mRNA- und Vektorimpfstoffe, das Angebot der inaktivierten Vakzine nutzen.

Wie funktioniert der Totimpfstoff von Valneva?

Für den Corona-Impfstoff VLA2001 von Valneva werden Zellkulturen der Wuhan-Variante im Labor vermehrt und inaktiviert. Die Proteine (Eiweiße) des Virus bleiben erhalten, es kann sich im Körper allerdings weder vermehren noch menschliche Zellen infizieren.

Um die Wirkung des Impfstoffs zu erhöhen, werden Adjuvantien, sogenannte Impfstoffverstärker, eingesetzt:

  • CpG 1018 ist ein Eiweiß, welches unter anderem in einem Hepatitis-B-Impfstoff Verwendung findet. Es aktiviert die Immunantwort der Gedächtniszellen, welche den Fremdkörper erkennen und das Immunsystem alarmieren.
  • Alum basiert auf Aluminium. Das Adjuvans regt die Immunreaktion des Vakzins an.

Erhält eine Person das Vakzin, erkennt der Körper die fremden Krankheitserreger und beginnt mit der Produktion von Antikörpern und Helferzellen. Die Krankheit selbst bricht allerdings nicht aus.

Hat ein*e Geimpfte*r später Kontakt mit dem Coronavirus, erkennt das Immunsystem die Erreger und beginnt sich sofort gezielt zu wehren.

Wie bei anderen Corona-Impfstoffen werden auch bei Valneva zwei Impfdosen für einen vollständigen Impfschutz benötigt.

Corona-Impfstoff von Valneva: Wie wirksam ist das Vakzin?

Für die Zulassung relevante Ergebnisse zeigen eine hohe Wirksamkeit des Totimpfstoffs. Im Rahmen der Studie erhielten insgesamt 4.012 Proband*innen ab dem 18. Lebensjahr das Vakzin.

Forschende verglichen die Wirksamkeit mit dem Vektorimpfstoff von AstraZeneca. Impflinge, welche Valneva erhalten haben, sollen laut dem Pharmahersteller eine hohe Menge an neutralisierenden Antikörpern produzieren. Die Immunantwort der T-Zellen (Gedächtnis- und Fresszellen) gegen das Spike-Protein soll zudem bei 74 Prozent liegen – auch gegen weitere Abschnitte des Virus zeigt das Vakzin Wirkung.

Neue Daten zeigen darüber hinaus eine Wirksamkeit von 97 Prozent gegen schwere Corona-Verläufe mit Omikron. An der Studie nahmen vorerst 30 Testpersonen teil.

Als Booster für bislang zugelassene Vakzine zeigt der Totimpfstoff allerdings nur eine geringe Wirkung.

Totimpfstoff gut verträglich: Mögliche Impfreaktionen von Valneva

Wie bei vielen anderen Impfstoffen treten auch im Zusammenhang mit Valneva mögliche Impfreaktionen auf. Die Zulassungsstudie zeigt, dass die Nebenwirkungen im Verhältnis zum Corona-Impfstoff von AstraZeneca deutlich geringer ausfallen.

Die Impfreaktionen verlaufen meist mild, bei mehr als einer von zehn Personen sind folgende Symptome aufgetreten:

Auch Juckreiz, Rötungen und Schwellungen der Einstichstelle sowie Halsschmerzen und Fieber sind in seltenen Fällen möglich.

Bei weniger als einer von 100 Geimpften kann es zudem zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

  • Migräne
  • Bauchschmerzen und Durchfall
  • Hautausschlag
  • Schwindelgefühle oder Ohnmacht
  • Geschwollene Lymphknoten
  • Muskelspasmen
  • Schwitzattacken
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln
  • Geschmacksstörungen
  • Bei einigen geimpften Personen (>1000) wurden Lichtempfindlichkeit, Nesselsucht, Thrombozytopenie sowie Thrombophlebitis diagnostiziert.

Valneva – EMA erteilt Zulassung

Die Zulassung für den Totimpfstoff von Valneva wurde bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) bereits im vergangenen Jahr beantragt. Seit Donnerstag dem 24. Juni 2022 ist das Vakzin offiziell von der EMA zugelassen. Allerdings nur für Personen von 18 bis 50 Jahren, da für ältere Personengruppen noch nicht ausreichend Daten zur Verfügung stehen. Die Grundimmunisierung erfolgt in zwei Dosen mit einem Mindestabstand von vier Wochen.

Vorteile des Totimpfstoffs gegen Sars-CoV-2

Während die bisher zugelassenen mRNA- und Vektorimpfstoffe und auch der proteinbasierte Impfstoff von Novavax auf das Spike-Protein des Virus abzielen, umfasst der Totimpfstoff den gesamten Erreger.

Der Vorteil ist hierbei, dass sich das Immunsystem gegen das gesamte Virus wappnen und reagieren kann, beispielsweise auch die Virushülle. Es besteht die Möglichkeit, auch bei Virusvarianten einen hohen Schutz zu erzielen.

Im Bereich des Transports und der Lagerung liegt der Totimpfstoff ebenfalls vorne – das Vakzin kann über mehrere Jahre bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden.