Animation eines Virus
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Wie gefährlich ist die Omikron-Variante BA.2?

Omikron ist in Deutschland aktuell die dominierende Virusvariante. Der Anteil der BA.1-Sublinie beträgt momentan 83,6 Prozent. Nun nimmt die Subvariante BA.2 weiter zu. Eine vorveröffentlichte Studie aus Japan zeigt, wie sich die beiden Omikron-Varianten BA.1 und BA.2 unterscheiden und was BA.2 so gefährlich macht.

Subtyp BA.2: Deutlich ansteckender als Omikron BA.1

Forschende analysierten die Differenzen zwischen BA.1 und BA.2 in einer Laborstudie. Hierbei wurden neben menschlichen Zellproben unter anderem auch Infektionsversuche an Hamstern erforscht.

Der Omikron-Subtyp BA.2 weist laut den Fachleuten deutliche Unterschiede in der genetischen Struktur auf. Diese können unter anderem eine höhere Ansteckungsrate und eine starke Immunflucht bedeuten sowie schwere Krankheitsverläufe auslösen.

Die Reproduktionszahl (R-Wert), welche angibt, wie viele Menschen eine infizierte Person möglicherweise anstecken kann, ist bei BA.2 1,4 Mal höher als bei der aktuell dominierenden Corona-Variante.

Schwere Krankheitsverläufe mit BA.2 möglich

Während die Omikron-Variante aktuell für eher milde Covid-19-Erkrankungen sorgt, deuten die Laborversuche auf schwerere Krankheitsverläufe mit Omikron BA.2 hin. Die Virusvariante könnte dem Lungengewebe und den Atemwegen einen deutlich höheren Schaden zufügen als BA.1.

Wie der große Bruder BA.1 verfügt auch die Subvariante BA.2 über eine hohe Immunflucht. Dies bedeutet, dass das Virus den neutralisierenden Antikörpern von Geimpften und Genesenen aufgrund seiner Veränderungen im Spike-Protein ausweichen und menschliche Zellen infizieren kann. Die Folge: Auch geimpfte und genesene Personen stecken sich leichter mit Sars-CoV-2 an.

Ein weiteres Problem ist, dass die Subvariante eine fast vollständige Resistenz gegen Arzneien auf Basis monoklonaler Antikörper aufweist.

Studie aus Südafrika schürt Hoffnung

Erste Daten aus Südafrika, wo sich die Omikron-Variante Ende vergangenen Jahres schnell verbreitete, geben leichte Entwarnung. Bereits Anfang des Jahres lag der Anteil der BA-Variante in der südafrikanischen Provinz bei zirka 80 Prozent. Auch in Großbritannien und Dänemark ist die Virusmutation bereits auf dem Vormarsch. 

Erste Zahlen aus Südafrika zeigen: Der Anteil der Patient*innen, welche auf Intensivstationen behandelt werden mussten sowie eine Beatmung benötigten oder starben, war bei der BA.2-Infektion (30,5 Prozent) etwas geringer als der BA.1-Variante (33,5 Prozent). 

Die Zahl der hospitalisierten Betroffenen mit einer Reinfektion war bei BA.2-Infizierten (2,6 Prozent) niedriger als beim BA.1-Typen (3,5 Prozent). Dies könnte darauf hinweisen, dass BA.2 der Antwort des Immunsystems nicht häufiger entgeht als BA.1.

Michael Hallek, Leiter der Medizinischen Klinik I, der Universitätsklinik Köln, weist via Twitter allerdings auch auf Omikron-Verläufe hin, die sich erst nach zwei bei drei Wochen teilweise dramatisch verschlechtern. Grundlage für diesen Hinweis sind eigene Erfahrungswerte aus Köln. 

BA.2: Bei Lockerungen ist Vorsicht geboten

Da die Omikron-Sublinie aufgrund ihrer genetischen Veränderungen die Pandemie noch einmal verlängern könnte, mahnen Forschende zur Vorsicht bei Lockerungen und dem geplant „Freedom Day“ in Deutschland.

Wie schwer die Variante das Infektionsgeschehen beeinflussen kann, ist noch nicht vollständig geklärt. In Dänemark sind bereits viele Maßnahmen aufgehoben und gelockert worden, auch hier grassiert BA.2. Im Vergleich zu Deutschland ist die Impfquote in Dänemark allerdings auch deutlich höher. 

Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach zeigt sich via Twitter mit Hinweis auf die Studie vorsichtig optimistisch.