Ärztin behandelt Patientin
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Long-Covid und jetzt? – Diagnose und Behandlung der Langzeitfolgen

Die Omikron-Variante hält Deutschland weiterhin auf Trab. Mit über 300.000 Neuinfektionen erreicht die Zahl der Infizierten fast täglich ein neues Rekordhoch – in der Regel verlaufen die Covid-19-Erkrankungen milde bis moderat. Doch mit der Zahl der Infizierten nimmt auch die Zahl der Long-Covid-Erkrankten zu. Wie Long-Covid erkannt wird und welche Therapie bei Long-Covid sinnvoll ist.

Was ist Long-Covid?

Die Beschwerden einer Covid-19-Erkrankung können auch längere Zeit nach einer überstandenen Infektion anhalten. In der Regel tritt innerhalb weniger Wochen eine Besserung ein – bei jedem zehnten Betroffenen dauern die gesundheitlichen Probleme allerdings länger als einen Monat an. Forschende bezeichnen diese Langzeitfolgen als Long-Covid beziehungsweise Post-Covid-Syndrom (PCS):

  • Long-Covid umfasst Beschwerden, welche länger als einen Monat nach der Infektion auftreten oder anhalten.
  • Post-Covid sind gesundheitliche Probleme, die länger als 12 Wochen nach der Erkrankung bestehen.

Die gesundheitlichen Beschwerden der Covid-19-Erkrankung können nach der Infektion fortbestehen und/oder sich zudem neue Symptome entwickeln. Long-Covid kann sich auf unterschiedliche Art und Weise zeigen. Die Liste der Anzeichen umfasst laut Forschenden bis zu 200 Symptomen. Die häufigsten Merkmale von Long-Covid sind:

Bestehen diese oder weitere Symptome auch nach einer überstanden Corona-Infektion, empfiehlt es sich dringend medizinischen Rat einzuholen, um mögliche Therapie- und Behandlungsmethoden in Erwägung zu ziehen.

Long-Covid: Diagnose der Langzeitfolgen

Die Beschwerden und Anzeichen von Long-Covid oder PCS können sehr unterschiedlich sein. Daher gibt es keine konkreten Parameter, die bestimmt werden kann, um das Post-Covid-Syndrom zu diagnostizieren. 

Die Leitlinie empfiehlt Betroffenen vorerst wichtige Laborwerte (BB, CRP, Kreatinin, Harnstoff, Transaminasen, TSH) zu ermitteln. Weitere Faktoren sollten je nach spezifischen Beschwerden und Komplikationen (Atemnot, Herzbeschwerden) von zuständigen Expert*innen untersucht und ermittelt werden.

Die Diagnoseverfahren umfassen häufig: 

  • Elektrokardiogramm (EKG)
  • Lungenfunktionstest
  • bildgebende Verfahren der betroffenen Organe (Röntgen, MRT, CT)
  • Belastungstests (Ergospirometrie)
  • Elektromyografie

Um die Erschöpfung und ständige Müdigkeit besser beurteilen zu können, sollen zudem spezielle Fragebögen und Gespräche helfen.

Behandlung und Therapie von Long-Covid

Die Behandlung und Therapie von Long-Covid ist abhängig vom Schweregrad und den betroffenen Organen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bietet Corona-Infizierten einen Ratgeber zur Rehabilitation nach einer Covid-19-Erkrankung an. Reichen diese Empfehlungen nicht aus, stehen weitere Verfahren unter ärztlicher Betreuung zur Verfügung.

  • unterstützende Therapien: Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie
  • organspezifische Therapie: Medikamente
  • psychiatrische und neurologische Behandlung: Psychotherapie, Ergotherapie und Antidepressiva
  • komplementäre Behandlung: Vitamine, Mineralien

Betroffenen wird empfohlen, den Genesungsverlauf in einem Tagebuch festzuhalten. So können kleine Erfolge gezielt erkannt und neue Ziele definiert werden.

Führen die bereits angeführten Therapiemethoden nicht zum gewünschten Erfolg, besteht bei Long-Covid ebenfalls die Möglichkeit einer ambulanten oder stationären Reha. Sind spezielle Organe betroffen, kann eine bestimmte Therapie in den zuständigen Reha-Kliniken durchgeführt werden.

Der Antrag wird in der Regel von dem*der behandelnden Arzt*Ärztin gestellt und mit den*der Betroffenen für den zuständigen Kostenträger (Krankenversicherung oder Rentenversicherung) vorbereitet.

H.E.L.P Apherese: Blutwäsche gegen Long-Covid

Ersten Erfahrungsberichten zufolge soll die H.E.L.P Apherese den Heilungsverlauf von Betroffenen unterstützen. Das Wort Apherese stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "wegnehmen".  Die therapeutische Apharese, auch Blutwäsche genannt, erfolgt mithilfe einer Maschine, welches das Blut der erkrankten Person in einem externen Kreislauf filtert. Das saubere Blut erhält der*die Patient*in im Anschluss wieder zurück. 

Ziel der Blutwäsche ist es, die Gerinnungsfunktion des Bluts zu verbessern und Verklumpungen aufzulösen, welche bei Long-Covid-Patient*innen häufig vorkommen. Darüber hinaus sollen Entzündungsstoffe entfernt werden. Dieser Vorgang soll den Heilungsprozess der Gefäße verbessern. 

Ob Blutwäsche im Zusammenhang mit Long-Covid eine zuverlässige Therapiemethode ist, ist noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt.