Mann und Frau getrennt aufgrund von Corona an Fensterscheibe
©Getty Images/Justin Paget

Corona-Infektion: Welche Rolle spielen die Gene und Vorerkrankungen?

Das Coronavirus und seine verschiedenen Varianten sind besonders ansteckend. Seit Beginn der Pandemie hat sich ein großer Teil der Bevölkerung mit Sars-CoV-2 infiziert. Auch Reinfektionen mit der Omikron-Variante sind möglich. Einige Menschen stecken sich trotz engem Kontakt zu Infizierten jedoch nicht mit Sars-CoV-2 an. Woran die mögliche Immunität liegen könnte und welche Rolle genetische Faktoren und Vorerkrankungen spielen.

Human-Challenge-Studie – absichtliche Infektion in Großbritannien

Seit März vergangenen Jahres läuft die Human-Challenge-Studie in Großbritannien. Hierbei wurden 36 junge, gesunde Menschen freiwillig und kontrolliert mit Sars-CoV-2 infiziert. Zwei Personen waren bereits zu Studienbeginn erkrankt. 34 weiteren Menschen, die weder genesen noch geimpft waren, wurde über die Nase eine geringe Menge des Virus eingeführt. Somit sollte eine Infektion verursacht werden.

In der ethisch umstrittenen Studie sollte unter anderem die Behandlung und Entwicklung von Corona-Impfstoffen verbessert werden.

Die Testpersonen wurden anschließend für einen Zeitraum von zwei Wochen in einem Londoner Krankenhaus überwacht und auf das Coronavirus getestet. Die ersten vorveröffentlichten Ergebnisse liegen jetzt vor.

Nach Kontakt mit Sars-CoV-2: Nicht jede Person infiziert

Insgesamt infizierten sich 18 der 36 Proband*innen mit dem Coronavirus:

  • 17 Betroffene litten an milden bis mittelschweren Symptomen
  • bei 12 Personen war der Geruchssinn beeinträchtigt

Das Virus verbreitet sich zunächst im Rachen der Betroffenen, erst später in der Nase. Die Viruslast erreichte nach circa fünf Tagen ihren Höhepunkt.

Aufgrund einer geringeren Virusmenge wurden 16 der 36 Proband*innen negativ getestet. Sie entwickelten weder größere Mengen an Antikörpern noch T-Zellen oder weitere Entzündungsfaktoren im Blut.

Die Forschenden gehen davon aus, dass das Virus bereits im frühen Stadium abgewehrt werden konnte. Die Gründe dafür sind noch nicht ausreichend erforscht – es gibt allerdings verschiedene Möglichkeiten.

1. Kreuzimmunität: Antikörper gegen verwandte Virenstämme

Zum Stamm der Coronaviren gehören auch harmlose Erreger, die für Erkältungen oder Durchfallerkrankungen verantwortlich sind. Manche Menschen waren bereits mit der Virusfamilie in Kontakt und haben Antikörper gegen diese produziert. Dies kann zu einer schnelleren Immunantwort gegen das Coronavirus führen. Bereits nach einer leichten Erkältung kann sich der Körper also an die Erregerfamilie erinnern und sich nach Kontakt mit Sars-CoV-2 gegen das Virus wehren. Dies wird als Kreuzimmunität bezeichnet.

2. Genetische Faktoren beeinflussen Infektionsrisiko mit Sars-CoV-2

Neben den bereits bekannten Risikofaktoren könnte auch die Genetik eine Rolle spielen. In diesem Zusammenhang fanden Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie heraus, dass es sich bei dem genetischen Risikofaktor um einen Genabschnitt handelt, der ein Neandertalererbe ist: Schon die menschlichen Vorfahren trugen dieses Erbgut in sich. Mehrere genetischen Strukturen werden mit einem schweren Corona-Verlauf in Verbindung gebracht. Verfügen Menschen über einen geringen Anteil der genetischen Struktur, könnte auch das Infektionsrisiko sinken. Inwiefern das Erbgut vor unterschiedlichen Infektionskrankheiten schützen soll, rückt immer mehr in den Fokus der Forschung.

3. Blutgruppe spielt mögliche Rolle

Beobachtungen zufolge ist auch die Blutgruppe ein möglicher Faktor bei Corona-Infektionen. Hierfür könnten Proteine verantwortlich sein, die im Zusammenhang mit einer schweren Erkrankung stehen. Es wurden sechs Proteine erkannt, die für ein höheres Risiko stehen, acht hingegen könnten vor einem schweren Verlauf schützen.

Eines dieser Proteine entscheidet zudem über die Blutgruppe der Personen. Aufgrund dessen könnte auch die Blutgruppe eine wichtige Rolle im Fall einer Infektion spielen. 

Impfung weiterhin ein wichtiges Mittel

Die verschiedenen Theorien können zwar erklären, warum sich manche Menschen vielleicht weniger mit Sars-CoV-2 infizieren. Um gegen einen schweren Verlauf gewappnet zu sein, hilft in erster Linie allerdings die Corona-Impfung und ein zusätzlicher Booster.