Mann misst Blutzuckerspiegel
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Coronavirus: Steigt das Diabetesrisiko nach einer Infektion?

Eine Corona-Infektion schadet dem Körper nicht nur akut – eine Covid-19-Erkrankung kann auch langfristige Folgen haben. Neben Long-Covid-Symptomen wie beispielsweise Müdigkeit, Atemnot oder Herzproblemen steigt laut Studien auch das Risiko, an Diabetes (Zuckerkrankheit) zu erkranken. Sars-CoV-2 könnte neben weiteren Organen auch die Bauchspeicheldrüse infizieren.

Sars-CoV-2 infiziert die Bauchspeicheldrüse

Eine Corona-Infektion kann die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in Mitleidenschaft ziehen. Erste Laboruntersuchungen sowie Auswertungen von Betroffenen zeigen, dass das Coronavirus die insulinbildenden Zellen befallen kann. Insulin ist ein wichtiges Stoffwechselhormon, das die Körperzellen anregt, Traubenzucker (Glucose) aufzunehmen.

Das Hormon regelt somit den Blutzuckerspiegel. Bei Diabetes mellitus Typ 1 ist der Körper nicht mehr selbst in der Lage, Insulin zu produzieren, bei Diabetes Typ 2 ist der Körper aufgrund gewisser Faktoren resistent gegen das Insulin.

Neben der Corona-Infektion selbst sind auch weitere Risikofaktoren wie Bewegungsmangel und Übergewicht in der Pandemie gestiegen. Dies kann ebenfalls eine Zunahme der Diabetes-Erkrankungen nach sich ziehen. Erste Studien und Beobachtungen zeigen, dass das Risiko nach einer Covid-19-Erkrankung an Diabetes zu erkranken, zunehmen kann. 

Veteranen-Studie: Diabetes-Risiko um 40 Prozent erhöht

In den USA wurden Gesundheitsdaten von 180.000 Veteran*innen ausgewertet, welche an Covid-19 erkrankt waren. Die vorliegenden Daten wurden mit zwei weiteren Kontrollgruppen von circa vier Millionen Menschen verglichen.

Alle Testpersonen hatten vor oder während der Corona-Pandemie das Gesundheitsangebot für Kriegsveteran*innen beansprucht.

In der Gruppe der Corona-Infizierten stieg das Risiko, an Diabetes zu erkranken, um 40 Prozent zur Vergleichsgruppe an. Im Schnitt erkrankten 13 von 1.000 Menschen mehr als üblich nach einer Corona-Infektion an Diabetes.

Mehrere Faktoren für erhöhtes Diabetes-Risiko verantwortlich

Das Risiko nach einer Corona-Infektion an Diabetes zu erkranken, steigt mit dem Schweregrad der Covid-19-Erkrankung an. Personen, die im Krankenhaus oder auf einer Intensivstation behandelt werden mussten, hatten im Vergleich zu den Kontrollpersonen ein dreimal so hohes Risiko an Diabetes zu erkranken.

Personen mit Übergewicht, welche mit Sars-CoV-2 infiziert waren, erkranken mit einer mehr als doppelt so hohen Wahrscheinlichkeit an Diabetes. Zudem schützt auch ein milder Verlauf vor einer Zuckerkrankheit nicht.

Zahl der Diabetes-Erkrankungen steigt auch bei genesenen Kindern an

Eine weitere Auswertung der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC zeigt einen Anstieg der Diabetes-Erkrankungen auch bei Kindern und Jugendlichen an. Das Risiko für Kinder, an Diabetes zu erkranken, sei bei Genesenen zwei- bis dreimal so hoch.

Auch die deutsche Diabetes-Patienten-Verlaufs-Dokumentation (DPV) registrierte bereits im ersten Pandemiejahr eine erhöhte Anzahl an Diabetes-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Besonders erstaunlich war zudem, dass ein hoher Anteil (40 Prozent) bei genesenen Kindern erst im späten Stadium der Diabetes erkannt wurde.

Die Auswertung aus den USA ist allerdings mit kritischem Auge zu betrachten. Da die Forschenden aufgrund der ICD-Codes nicht zwischen den beiden Diabetes-Typen unterscheiden könne. Da besonders Übergewicht und Bewegungsmangel ein hohes Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 bergen, ist unklar, ob die Zuckerkrankheit aus der Corona-Infektion oder den schlechten Lebensumständen resultiert.

Beurteilung der Studien kritisch zu betrachten

Forschende warnen zwar vor den Folgen einer erhöhten Zahl an Diabetes-Erkrankungen, schränken die Aussagekraft der Studie allerdings ein. Da die Testpersonen meist ältere Männer mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Übergewicht waren, bestehe allgemein bereits ein höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken. Zudem könnten auch Personen der Kontrollgruppe asymptomatisch und somit unerkannt bereits infiziert gewesen sein.

Auch die Zahl der Untersuchungen aufgrund der Corona-Pandemie könnte einen Anstieg der Diabetes-Erkrankungen erklären. Die Krankheiten könnten aufgrund ärztlicher Behandlung von Covid-19 somit auch häufiger entdeckt werden.

Aufgrund starken Übergewichts sind auch Kinder und Jugendliche in den USA stärker gefährdet. Der Lebensstil während der Pandemie könnte die Diabetes-Rate bei Kindern und Jugendlichen noch einmal erhöht haben. Inwiefern ein kausaler Zusammenhang vorliegt, muss weiterhin beobachtet werden.