Arbeitnehmer arbeiten mit Maske im Büro.
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Aerosole

Man kann sie nicht sehen, aber sie sind überall: Aerosole. Die winzigen Partikel spielen für die Verbreitung von Corona-Viren eine entscheidende Rolle. Man spricht von "Aerosolübertragung". Was genau bedeutet das? Wie lange bleiben Aerosole in der Luft? Und lassen sich Aerosole durch Luftreiniger beseitigen? Fünf Fragen, fünf Antworten

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Aerosole

Aerosole kann man sich als Wölkchen aus winzigen flüssigen und/oder festen Schwebeteilchen in der Luft vorstellen. Die Größe der Partikel reicht von einem Nanometer bis 100 Mikrometern. Zur Orientierung: Ein Nanometer entspricht einem Millionstel eines Millimeters. Ein Mikrometer ist ein Tausendstel eines Millimeters. Mit bloßem Auge kann man Teilchen zu einer Größe von höchstens 0,2 Millimetern erkennen.

Menschen stoßen ständig Aerosole aus. Sie bestehen unter anderem aus Speichel. Die größeren und schwereren Speicheltröpfchen sinken schnell zu Boden. Tückisch sind die kleinsten Aerosol-Partikel: Sie können über Stunden oder sogar Tage in der Luft schweben. Und das ist derzeit ein Riesenproblem. Denn die kleinsten Aerosol-Partikel können Viren mit sich tragen. Coronaviren zum Beispiel.

Wo sind Aerosole besonders gefährlich?

In Innenräumen – vor allem in kleinen und schlecht belüfteten Räumen wie Toiletten oder Umkleidekabinen – sind Aerosole ein Risiko. Zumindest, wenn eine infektiöse Person mit im Raum ist, die virushaltige Aerosole ausstößt. Diese werden anders als im Freien nicht sofort durch frische Luft "verdünnt", sondern die Partikel bleiben dicht beieinander. Atmet ein anderer Mensch solch ein hochdosiertes Virus-Wölkchen ein, kann es zur Ansteckung kommen.

In größeren Räumen und im Freien kann das zwar auch passieren, die Gefahr ist aber deutlich geringer: Je weniger Viren man einatmet, umso besser stehen die Chancen, dass das Immunsystem die Erreger rechtzeitig abwehrt.

Wegen der Aerosole reicht es in Innenräumen nicht aus, den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Das zeigte sich unter anderem bei Chorproben und Gottesdiensten: Obwohl sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die Abstandsregeln gehalten hatten, kam es dort zu Ausbrüchen. Höchstwahrscheinlich lag das an den Aerosolen.

Singen, Atmen, Husten: Wobei entstehen am meisten Aerosole?

Kleine Aerosol-Partikel entstehen vor allem beim Atmen, Singen und Sprechen. Besonders viele dieser kleinen Teilchen strömen beim Singen und Sprechen sowie bei körperlicher Anstrengung in die Luft. Bei Chorproben, Partys oder im Fitnessstudio ist die Ansteckungsgefahr also aller Wahrscheinlichkeit nach größer als in einem Großraumbüro – zumindest, sofern die Angestellten ruhig atmend arbeiten, Abstand halten und wenig miteinander sprechen.

Beim Niesen und Husten dagegen stößt man vermehrt größere Speicheltröpfchen aus. Was nun gefährlicher ist – große oder kleine Partikel – lässt sich nicht eindeutig beantworten:

Große Teilchen können jeweils mehr Viren transportieren als die kleineren Teilchen. Sie sind also infektiöser. Allerdings sinken sie auch schneller zu Boden. Vor ihnen kann man sich daher gut schützen, indem man ausreichend Abstand voneinander hält.

Kleine Teilchen enthalten weniger Viren, schweben aber länger in der Luft. Das heißt: Die einzelnen Teilchen sind zwar nicht so infektiös, die Virus-Wolken, die sie bilden, aber durchaus. Darum kann man sich vor kleinen Teilchen nicht so leicht schützen wie vor großen Tröpfchen.

Übrigens: Studien legen nahe, dass es beim Singen und Sprechen vor allem auf die Lautstärke ankommt: Je lauter man singt oder spricht, umso mehr Partikel stößt man aus.

Aerosole beseitigen: Hilft Lüften wirklich?

Ja, regelmäßiges Stoßlüften oder Durchzug-Lüften kann das Ansteckungsrisiko deutlich senken. Das Fenster nur auf Kipp zu stellen, bringt hingegen wenig. Entscheidend ist nämlich, dass die Aerosole durch das Lüften so schnell wie möglich verdünnt werden. Dazu muss

  • viel Frischluft auf einmal in den Raum strömen und
  • die Luft im Raum in Bewegung geraten.

Wie häufig und für wie viele Minuten man in einem Raum lüften sollte, hängt vor allem davon ab, wie viele Menschen sich dort wie lange aufhalten – und wie groß der Raum ist. Für das Lüften von Wohnräumen hat die Kommission Innenraumhygiene am Umweltbundesamt folgende Faustregel aufgestellt:

  • Im Winter täglich bei weit geöffnetem Fenster für mindestens 10 bis 15 Minuten stoßlüften,
  • im Sommer für 20 bis 30 Minuten.
  • Wenn Besuch da ist, sollte man das Fenster die ganze Zeit geöffnet lassen, empfiehlt die Kommission.

Klar ist aber auch: Einen sicheren Schutz vor einer Infektion bietet Lüften nicht. Darum sind momentan die strengen Kontaktbeschränkungen nötig.

Video: Coronavirus: Das richtige Verhalten im Alltag

Können Luftreiniger Aerosole entfernen?

Bestimmte Luftreiniger können einen Teil der Aerosole – und damit der Viren – aus der Luft herausfiltern. Um Coronaviren aus der Luft zu filtern, müssen die Geräte mit sogenannten HEPA-Filtern der Klasse H13 oder H14 ausgestattet sein. (HEPA steht für High Efficiency Particulate Air, also hocheffiziente Teilchenfilterung.)

Diese Geräte können aber nur eine begrenzte Menge Luft aufnehmen. Sie sind also nicht dazu in der Lage, einen Raum augenblicklich von Aerosolen zu befreien, sondern benötigen dafür Zeit. Wie viel, hängt unter anderem vom Gerät und von der Größe des Raumes ab. Welches Gerät welche Räume wie wirksam reinigen kann, wird noch erforscht.

Fest steht: Einen sicheren Corona-Schutz bieten Luftreinigungs-Geräte nicht. Sie eignen sich nur als Ergänzung zu den anderen Schutzmaßnahmen – nicht als Ersatz. Lüften sollte man also trotzdem. Und die AHA+Regel – Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen – gilt es in jedem Fall einzuhalten.