Eine kubanische Flagge, eine Impfdose und eine Spritze.
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Abdala: Kubanischer Corona-Impfstoff mit über 90-prozentiger Wirksamkeit?

Weltweit wird an Impfstoffen gegen das Coronavirus geforscht – unter anderem auf Kuba. Die Regierung setzt auf eigene Vakzine statt auf einen Import. Ein besonders vielversprechender Impfstoff des lateinamerikanischen Landes ist der Proteinimpfstoff Abdala mit einer Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent. Lesen Sie hier, wie das Vakzin wirkt und ob es demnächst auch international eingesetzt wird.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Allgemeines

In Kuba wurde ein vielversprechender Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt. Laut Angaben des staatlichen Pharmaunternehmens Biocubafarme hat das Vakzin Abdala eine Wirksamkeit von 92,28 Prozent nach drei Impfdosen. Aufgrund einer Notzulassung ist das Impfmittel bereits im Gebrauch.

Bislang ist Kuba das einzige lateinamerikanische Land, das eigene Impfstoffe gegen Covid-19 herstellt. Das kommunistische Land hatte sich gegen den Import von Corona-Vakzinen entschieden, als die Pandemie ausbrach. 80 Prozent aller auf Kuba verfügbaren Impfstoffe sind im eigenen Land produziert worden. Das lateinamerikanische Land hat also Erfahrung bei der Impfstoffentwicklung. Offizielle Studienergebnisse zu kubanischen Covid-19-Vakzinen sind bislang allerdings noch nicht veröffentlicht worden. Auch gibt es noch keine Informationen zu möglichen Nebenwirkungen.

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Proteinimpfstoffe

Es gibt verschiedene Wege, wie ein Impfstoff vor einem Krankheitserreger schützen kann. Die derzeit in Deutschland verfügbaren Impfstoffe gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 beruhen entweder auf dem mRNA-Verfahren (BioNTech, Moderna) oder es handelt sich um Vektorimpfstoffe (AstraZeneca, Johnson & Johnson).

Bei Abdala kommt eine andere Methode zum Einsatz: Der kubanische Impfstoff ist ein Proteinimpfstoff. Bislang gibt es nur einen anderen Proteinimpfstoff gegen das Coronavirus, nämlich das Vakzin Novavax, dessen Zulassung allerdings noch aussteht. Abseits von Covid-19 sind Proteinimpfstoffe aber keine Seltenheit. Bekannte, bereits zugelassene protein-basierte Vakzine sind zum Beispiel

Wie funktionieren Proteinimpfstoffe?

Bei der Impfung mit einem Proteinimpfstoff werden uns ausgewählte Proteine des Krankheitserregers – in diesem Fall des Coronavirus – verabreicht. Damit die Proteine eine ausreichend starke Immunantwort auslösen, werden ihnen häufig noch Wirkverstärker beigesetzt. Diese Verstärker sind übrigens auch für die Nebenwirkungen verantwortlich, die bei einigen Menschen auftreten.

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Spike-Proteine sind besonders gut geeignet

Aus Erfahrungen mit früheren Impfstoffen und Erkenntnissen der Immunbiologie weiß man heute, dass sich insbesondere Spike-Proteine zur Herstellung eines wirkungsvollen Impfstoffes eignen. Diese befinden sich nämlich auf der Oberfläche der Erreger, sodass sie vom menschlichen Immunsystem besonders gut erkannt werden. Über das Protein dockt dockt SARS-CoV-2 an den menschlichen Zellen an, woraufhin es in die Zellen eintritt und sich dort vermehrt.

Wird das Immunsystem mit den Proteinen des Erregers konfrontiert, mobilisiert es als Reaktion ein breites Arsenal von Abwehrmechanismen und bildet Antikörper, die die Proteine gezielt bekämpfen. Um uns langfristig zu schützen, merkt sich unser Immunsystem, welche Antikörper am besten gegen einen bestimmten Erreger wirken. So können diese später im Falle einer Infektion den Erreger erkennen und damit den Ausbruch der Krankheit verhindern.

Die Sicherheit und Wirksamkeit von vielen Proteinimpfstoffen sind eingehend erforscht und unter Realbedingungen erprobt.

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Abdala für den internationalen Gebrauch?

Zu Beginn der Pandemie waren die Corona-Fallzahlen auf Kuba vergleichsweise gering. Als im Herbst 2020 die Flughäfen wieder öffneten, löste das allerdings eine neue Ansteckungswelle aus. Im Januar 2021 wurden mehr Covid-19-Fälle verzeichnet als im gesamten Vorjahr. Aus diesem Grund hatte man schon vor Abschluss der klinischen Tests in Havanna und einigen kubanischen Provinzen mit den Impfungen gegen das Coronavirus begonnen.

Die kubanische Regierung plant, dass bis Ende August 70 Prozent der Bevölkerung geimpft ist. Noch lässt sich schwer einschätzen, ob dieses Ziel erreicht werden kann. Denn mit der Entwicklung des Impfstoffes treten logistische und finanzielle Schwierigkeiten auf: Für die Herstellung des Vakzins werden Inhaltsstoffe benötigt, die auf der Insel nicht verfügbar sind.

Abdala für den internationalen Gebrauch?

Noch ist Abdala – ebenso wenig wie Soberana 2 – nicht für den internationalen Gebrauch zugelassen. Ein entsprechender Antrag bei der World Health Organization (WHO) ist aber bereits geplant. Dann könnten auch andere Länder von dem Impfstoff profitieren. Die Regierungen der lateinamerikanischen Länder Mexiko, Argentinien, Bolivien, Jamaika und Venezuela haben bereits Interesse bekundet.

Zudem sollen die Impfstoffe demnächst auch über COVAX (Covid-19 Vaccines Global Access Facility) bezogen werden. Dabei handelt es sich um eine globale Impfkampagne, die von der WHO ins Leben gerufen wurde. Ziel der Initiative ist es, auch ärmeren Ländern einen bestmöglichen Zugang zu Impfstoffen gegen das Coronavirus zu ermöglichen. Dazu kauft COVAX Impfstoff-Dosen bei den Herstellern und verteilt sie den teilnehmenden Staaten zu.

In Deutschland ist nach aktuellem Stand nicht mit einem Import des kubanischen Impfstoffes zu rechnen. Allerdings warb das Tourismus-Ministerium bereits damit, dass sich auch Tourist*innen impfen lassen könnten. Konkrete Informationen gibt es hierzu allerdings noch nicht.

Soberana 2: ein zweiter kubanischer Impfstoff vor der Zulassung

Insgesamt arbeitet das Finlay Vaccine Institute (IFV), ein staatliches Wissenschaftszentrum in Havanna, an fünf Vakzinen gegen das Coronavirus. Nachdem es für den Impfstoff Abdala bereits eine Notzulassung gab, steht auch das Impfmittel Soberana 2 kurz vor der Zulassung, bei dem es sich ebenfalls um einen Proteinimpfstoff handelt. Auch dieses Vakzin soll eine besonders hohe Wirksamkeit haben: Laut Angaben des Herstellers schützt das Vakzin nach drei Impfdosen zu 91,2 Prozent, nach zwei Impfdosen sollen immerhin schon 62 Prozent erreicht sein.

Die kubanischen Impfstoffe können den Herstellern zufolge also fast mit den mRNA-Impfstoffen von BioNTech und Moderna mithalten, deren Wirksamkeit laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei etwa 95 Prozent liegt.

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