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Vulvaveränderungen

Veröffentlicht von Onmeda-Redaktion

Als Vulvaveränderungen bezeichnen Mediziner alle krankhaften Veränderungen der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane.

Überblick

Zu den Vulvaveränderungen gehören unter anderem:

Bei vielen dieser Vulvaveränderungen sind die Ursachen bislang nicht bekannt.

Je nach Krankheitsform unterscheiden sich Vulvaveränderungen in ihren Ursachen, den auftretenden Beschwerden und in der jeweiligen Therapie. Häufig tritt bei Vulvaveränderungen Juckreiz auf. Je nach Ursache können weitere Symptome wie Brennen beim Wasserlassen, Bauchschmerzen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr hinzukommen.

Bei der Diagnose erfragt der Arzt zunächst die Beschwerden und wie lange diese bereits bestehen. Außerdem erkundigt er sich nach Faktoren, die bestimmte Vulvaveränderungen begünstigen können. Dazu gehört zum Beispiel Diabetes mellitus. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung, bei welcher der Frauenarzt die Vulvaveränderungen zunächst begutachtet. Daran schließt sich eine Tastuntersuchung an. Je nachdem, welche Vulvaveränderungen vorliegen, können weitere Untersuchungen wie ein Abstrich oder die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) nötig sein.

Zur Therapie stehen – je nach Ursache – verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Häufig helfen Sitzbäder, schmerz- und juckreizstillende Salben sowie Vaginalzäpfchen. Bei manchen Vulvaveränderungen ist auch eine Behandlung mit Antibiotika oder Hormonen notwendig.

Die meisten Vulvaveränderungen nehmen einen guten Verlauf, wenn sie rechtzeitig und angemessen behandelt werden. Entzündungen der Vulva (Vulvitis), Vulvaverletzungen sowie das Ulcus vulvae acutum Lipschütz (ein seltenes Geschwür der Vulva) heilen nach einiger Zeit ab. Zysten und gutartige Vulvatumoren entfernt der Arzt dagegen in einem chirurgischen Eingriff. Bei Vulvadystrophie beziehungsweise Crauroris vulvae kann eine konsequente Behandlung die Beschwerden lindern, eine Heilung ist jedoch nicht möglich – die Erkrankung verläuft chronisch.

Regelmäßige Untersuchungen beim Frauenarzt sind die beste Vorsorgemöglichkeit gegen Vulvaveränderungen. Vor Vulvaveränderungen, die durch sexuell übertragbare Erkrankungen wie Syphilis entstehen, schützt die konsequente Anwendung von Kondomen.

Definition

Unter dem Begriff Vulvaveränderungen fassen Mediziner alle krankhaften Veränderungen der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane zusammen. Die Vulva, auch weibliche Scham genannt, umfasst die äußeren Geschlechtsorgane der Frau. Sie besteht aus dem Schamhügel, den großen und kleinen Schamlippen, der Klitoris und dem Scheidenvorhof.

Unter Vulvaveränderungen versteht man verschiedene Veränderungen oder Erkrankungen, die die äußere Scham der Frau betreffen.

Die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane

Krankheitsformen

Vulvaveränderungen zeigen sich in verschiedenen Krankheitsbildern, zum Beispiel:

Vulvitis

Vulvitis bezeichnet eine Entzündung im Bereich der Vulva. Häufig tritt gleichzeitig eine Scheidenentzündung auf – Mediziner sprechen dann von einer Vulvovaginitis. Eine isolierte Scheidenentzündung bezeichnen Ärzte hingegen als Kolpitis. Die Vulvitis wird meist durch Infektionen mit Bakterien, Pilzen oder Parasiten verursacht. Weitere Auslöser können allergische Reaktionen auf Textilstoffe, Waschmittel oder auch Medikamente sein.

Geschwürbildung (Ulcus vulvae acutum Lipschütz)

Zu den entzündlichen Vulvaveränderungen zählt auch eine seltene Form der Geschwürbildung: Beim sogenannten Ulcus vulvae acutum Lipschütz bilden sich akut auftretende, schmerzhafte Geschwüre (Ulcera) im Bereich der Vulva, begleitet von Fieber und Lymphknotenschwellungen. Die Ursachen der Geschwüre sind bislang nicht geklärt. In den meisten Fällen sind Frauen vor dem 25. Lebensjahr von diesen Vulvaveränderungen betroffen.

Craurosis vulvae

Craurosis vulvae oder Vulvadystrophie ist eine seltene chronische (dauerhaft bestehende) Vulvaveränderung der Haut und Schleimhäute des weiblichen Genitalbereichs. Ihre Ursache ist nicht bekannt. Es gibt verschiedene Arten der Vulvadystrophie beziehungsweise Craurosis vulvae. Das häufigste Krankheitsbild ist das des Lichen sclerosus et atrophicus – auch Weißfleckenkrankheit genannt.

Von dieser Krankheit sind bevorzugt Frauen nach den Wechseljahren betroffen, gelegentlich zeigt sich die Erkrankung auch bei jungen Frauen oder im Kindesalter. Lichen sclerosus et atrophicus tritt vor allem im Nacken, am Rücken sowie in der Genitalregion auf. Sind die Genitalien betroffen, bezeichnen Mediziner die Erkrankung bei der Frau als Craurosis vulvae, beim Mann nennt sich die Erkrankung Craurosis penis.


Vulvaverletzungen

Zu den Vulvaveränderungen gehören auch Vulvaverletzungen. Solche Verletzungen können infolge von Unfällen, beim Geschlechtsverkehr oder beim Einführen von Fremdkörpern in die Scheide entstehen. Auch bei der Geburt eines Kindes kann es zu Verletzungen der Vulva im Dammbereich (Dammriss) kommen.

Zysten

Angeborene Zysten der Vulva sind sehr seltene Vulvaveränderungen. Bei einer Zyste handelt es sich um einen flüssigkeitsgefüllten Hohlraum, ähnlich eines Bläschens, das sich innerhalb eines bestimmten Gewebes befindet. Die häufigste vulväre Zyste ist die sogenannte Bartholin-Zyste. Diese entsteht, wenn es in den Drüsengängen im Scheidenvorhof (Bartholindrüsen) zu einem Sekretstau und in der Folge zu einem Verschluss der Bartholindrüsen kommt. Solche Zysten sind prinzipiell harmlos, sollten jedoch chirurgisch entfernt werden, um die verstopften Drüsengänge wieder freizulegen.

Vulvatumoren

Gutartige Vulvatumoren sind gutartige Tumoren der Haut, die im Bereich der Vulva auftreten. Bedeutsame, relativ häufige gutartige Vulvaveränderungen sind die sogenannten Papillome.

Neben den gutartigen Vulvatumoren gibt es weitere Formen von Vulvaveränderungen, zum Beispiel bösartige Vulvatumoren. Der Vulvakrebs ist eine seltene Erkrankung, die insbesondere im höheren Lebensalter jenseits des 60. Lebensjahrs auftritt. Diese Krebserkrankung macht etwa 4 von 100 Fällen aller bösartigen Tumoren im Bereich der inneren und äußeren weiblichen Genitalien aus. Bei einem Teil der Vulvatumoren lassen sich auch Papillomaviren (HPV) nachweisen. Die meisten Vulvakarzinome sind sogenannte Plattenepithelkarzinome (etwa 90 Prozent), die von der obersten Schicht der Haut ausgehen. Betroffen sind meist die großen Schamlippen, weniger häufig die kleinen Schamlippen oder die Klitorisregion.

Ursachen

Je nach Krankheitsbild gibt es für Vulvaveränderungen verschiedene Ursachen.

Vulvitis

Bei Vulvaveränderungen durch Entzündungen im Bereich der Vulva (Vulvitis) sind die Ursachen häufig Infektionen mit:

Außerdem können allergische Reaktionen zu einer Vulvitis führen. Dabei sind die häufigsten Auslöser:

Frauen mit Diabetes mellitus, Schwangere und Frauen, die Antibiotika einnehmen, sind besonders gefährdet, an einer durch Pilze ausgelösten Vulvitis zu erkranken. Aber auch ein bakterielles Ungleichgewicht (Dysbiose) in der Scheide, wie bei der bakteriellen Vaginose, kann in seltenen Fällen bei entzündlichen Vulvaveränderungen zu den Ursachen gehören.

Geschwürbildung (Ulcus vulvae acutum Lipschütz)

Bei entzündlichen Vulvaveränderungen können auch Geschwüre die Ursachen sein. Ein mögliches Krankheitsbild ist hier das Ulcus vulvae acutum Lipschütz. Bei dieser Form der Vulvaveränderungen sind die Ursachen nicht bekannt. Meist tritt der Ulcus vulvae acutum Lipschütz als Begleiterscheinung bei schweren Allgemeinerkrankungen und Virusinfekten auf.


Craurosis vulvae

Bei Vulvaveränderungen durch Craurosis vulvae sind die Ursachen weitestgehend unbekannt. Mediziner vermuten, dass bei dieser Form der Vulvaveränderungen Autoimmunreaktionen als Ursache eine Rolle spielen. Auch genetische und hormonelle Einflüsse kommen bei Vulvaveränderungen infolge einer Vulvadystrophie als Ursachen infrage.

Vulvaverletzungen

Bei Vulvaveränderungen durch Verletzungen sind die Ursachen meist stumpfe oder scharfe Gewalteinwirkungen, etwa ein Sturz auf die Lenkstange eines Fahrrads oder ein Autounfall. Auch Geschlechtsverkehr oder das Einführen von Fremdkörpern in die Scheide kommen bei Vulvaveränderungen als Ursachen infrage. Außerdem kann es bei der Geburt eines Kindes zu Vulvaverletzungen im Dammbereich (Dammriss) kommen.

Zysten

Vulvazysten können bei Vulvaveränderungen ebenfalls die Ursache sein. Sie können entstehen, wenn die Scheidenvorhofdrüsen (sog. Bartholindrüsen) verkleben und das darin gebildete Sekret nicht abfließen kann. Es sammelt sich an und bildet eine Zyste. Gelangen Bakterien ( z.B. Staphylokokken, Streptokokken oder Escherichia coli) in die Zyste, kann die Drüse sich zusätzlich entzünden (Bartholinitis). Umgekehrt kann die Bartholinitis auch die Entstehung einer Bartholin-Zyste begünstigen, wenn durch die Entzündung die Drüsenausgänge verstopft werden.

Vulvatumoren

Humane Papillomaviren (HPV) können gutartige Vulvatumoren hervorrufen und gehören bei Vulvaveränderungen daher ebenfalls zu den möglichen Ursachen. Sie werden beim Geschlechtsverkehr übertragen. Die Erkrankung macht sich erst nach etwa vier Wochen bis zu mehrere Monate nach dem Kontakt mit den Viren bemerkbar. Humane Papillomviren der Hochrisiko-Gruppen können auf diese Weise die Entstehung eines bösartigen Vulvatumors begünstigen.

Symptome

Bei Vulvaveränderungen unterscheiden sich die auftretenden Symptome je nach vorliegendem Krankheitsbild.

Vulvitis

Entzündliche Vulvaveränderungen (Vulvitis) können verschiedene Symptome hervorrufen – unter anderem abhängig von der Ursache der Entzündung. Zu den häufigsten Beschwerden bei einer Vulvitis gehören


Geschwürbildung (Ulcus vulvae acutum Lipschütz)

Bei den Ulcus vulvae acutum Lipschütz genannten Vulvaveränderungen zeigen sich die Symptome in akut auftretenden, schmerzhaften Geschwüren (Ulcera) im Bereich der Vulva. Neben den Schmerzen in den äußeren Genitalien treten meist auch Fieber und eine Schwellung der Lymphknoten im Leistenbereich auf.

Craurosis vulvae

Eine weitere Vulvaveränderung ist die Craurosis vulvae, die typische Symptome wie weiße, zum Teil gerötete, mitunter stark verhornte Papeln an Haut und Schleimhäuten hervorruft. Diese etwa erbsengroßen Knötchen verbinden sich später zu größeren weißlichen, porzellanartigen Herden. Nach längerer Krankheit wandelt sich die Haut an den geschädigten Stellen um, sie erscheint dann glänzend und pergamentpapierartig. Schmerzhafte Hauteinrisse (Rhagaden) und kleinere Einblutungen (Hämorrhagien) treten auf. Im Bereich der Vulva leiden betroffene Frauen häufig unter erheblichem Juckreiz und starkem Brennen beim Wasserlassen. Die Umwandlungsprozesse an Haut und Schleimhäuten können zu einer Verkleinerung der kleinen Schamlippen und zur Einengung des Scheideneingangs führen, sodass bei diesen Vulvaveränderungen als weitere Symptome Beschwerden beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) auftreten.

Vulvaverletzungen

Bei Vulvaveränderungen durch Verletzungen treten Symptome oft in Form von Blutergüssen (Hämatome) oder Blutungen aus der Vagina auf. Gelegentlich kommt es zu Einrissen und Verletzungen der Vagina, einschließlich des Damms. Bei schweren Verletzungen können infolge der Vulvaveränderungen auch akute Bauchschmerzen als Symptome auftreten. Mitunter sind bei offenen Verletzungen die Nachbarorgane (Harnröhre, Enddarm, Afterschließmuskel) in Mitleidenschaft gezogen.

Zysten

Vulvaveränderungen in Form von Zysten entstehen meist als sogenannte Bartholin-Zysten im unteren Drittel der kleinen und großen Schamlippen. Typische Symptome sind prall-kugelige Gewebeschwellungen.

Vulvatumoren

Durch gutartige Vulvatumoren hervorgerufene Vulvaveränderungen verursachen meist keine Symptome. Treten sie infolge einer Infektion mit Humanen Papillomaviren (HPV) auf, machen sie sich frühestens nach vier Wochen, oft aber erst mehrere Monate nach dem Kontakt mit den Viren als warzenähnliche Wucherungen von weißer oder blass-rosa Farbe bemerkbar. Bösartige Vulvatumoren fallen nicht durch typische Symptome auf, am häufigsten ist auch hier ein dauerhafter Juckreiz. Erst in fortgeschrittenen Stadien kann ein nach außen wachsender Tumor sichtbar werden. 

Diagnose

Bei Vulvaveränderungen nutzt der Frauenarzt verschiedene Untersuchungsmethoden zur Diagnose. Eine wichtige Rolle spielt dabei die sogenannte Anamnese. Im Rahmen dieses Arzt-Patientinnen-Gesprächs fragt der Frauenarzt unter anderem nach der Dauer der Erkrankung, nach den Beschwerden (z.B. Juckreiz) und nach möglichen Begleiterkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Schuppenflechte etc.).

Körperliche Untersuchung

Bei vielen Vulvaveränderungen kann der Arzt die Diagnose anhand des typischen Erscheinungsbilds stellen (z.B. Vulvitis, Zysten, Geschwüre). Deshalb erfolgt im Anschluss an die Anamnese eine körperliche, gynäkologische Untersuchung, bei welcher der Frauenarzt die Veränderungen zunächst anschaut. Bei anderen Vulvaveränderungen ist die Diagnose schwieriger, da die Symptome schwerer zu deuten sind und zudem unterschiedlich aussehen können (z.B. chronische Entzündungen, Tumoren). Wichtige Hinweise können die Färbung der Haut, fleckige Veränderungen, sichtbare Knötchen oder Geschwüre, Verdickungen, Risse oder Krusten geben.

Mit einer Tastuntersuchung (Palpation) kann der Frauenarzt bei Vulvaveränderungen wie Knötchen oder Verdickungen ebenfalls die Diagnose eingrenzen.

Kolposkopie

Bei Vulvaveränderungen bietet die Kolposkopie eine weitere Diagnose-Möglichkeit. Mithilfe der Lupenvergrößerung kann der Frauenarzt Farbe, Ausdehnung und Ausmaß von Vulvaveränderungen besser beurteilen als mit bloßem Auge. Viele Veränderungen treten deutlicher hervor, nachdem der Arzt sie mit verdünnter Essigsäure bepinselt hat. Das Auftragen von Essigsäure gehört bei Vulvaveränderungen daher zu den gängigen Diagnose-Methoden.

Infektionsdiagnostik

Bei durch Viren verursachten Vulvaveränderungen ist eine sogenannte Infektionsdiagnostik (Abstrichuntersuchung) sinnvoll, um die Diagnose zu stellen. Liegt zum Beispiel eine Entzündung der Vulva durch humane Papillomaviren (HPV) vor, kann der Arzt die Erreger in den meisten Fällen mit einer Abstrichuntersuchung nachweisen. Bei Vulvaveränderungen entnimmt er die Abstriche zur Diagnose sowohl vom Scheideneingang, als auch aus der Vagina, der Harnröhre und dem Bereich von Muttermund und Gebärmutterhals.

Biopsie

Bei unklaren Vulvaveränderungen – insbesondere bei Verdacht auf Vulvakrebs – entnimmt der Frauenarzt zur Diagnose mithilfe einer Stanznadel eine Gewebeprobe (Biopsie) aus dem entsprechenden Bereich und lässt diese anschließend mikroskopisch nach bösartig veränderten Zellen untersuchen (histologische Untersuchung).

Therapie

Bei Vulvaveränderungen hängt die Therapie vom ursächlichen Krankheitsbild ab.

Vulvitis

Bei entzündlichen Vulvaveränderungen (Vulvitis) richtet sich die Therapie nach dem Auslöser der Erkrankung. Liegt eine allergische Reaktion zu Grunde, verschwinden die Beschwerden rasch, sobald die Ursache beseitigt wird. Bei einer infektiös bedingten Vulvitis sind vor allem örtlich wirksame Maßnahmen wie Sitzbäder, Salben und Vaginalzäpfchen geeignet, die sich speziell gegen den jeweiligen Erreger richten und gleichzeitig die Entzündung abklingen lassen. Gegen ausgeprägten Juckreiz helfen juckreiz- und schmerzlindernde Salben. Seifen und Deodorantien sollte man – auch vorbeugend – bei der Intimhygiene vermeiden, um eine Vulvitis nicht zu verstärken.



Geschwürbildung (Ulcus vulvae acutum Lipschütz)

Gehen die Vulvaveränderungen auf einen Ulcus vulvae acutum Lipschütz zurück, umfasst die Therapie neben Bettruhe vor allem die Einnahme von Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamenten. Um die Beschwerden zu lindern, können bei dieser Form der Vulvaveränderungen ergänzend zur Therapie auch Sitzbäder und schmerzlindernde Salben sinnvoll sein.

Crauroris vulvae

Bei der Crauroris vulvae (Vulvadystrophie) als Ursache der Vulvaveränderungen besteht die Therapie in der lokalen Anwendung von kortisonhaltigen und testosteron-, östrogen- oder progesteronhaltigen Cremes oder Salben.



Vulvaverletzungen

Bei Vulvaveränderungen durch Verletzungen besteht die Therapie vor allem aus örtlichen Maßnahmen. Je nach Größe und Ausdehnung des Blutergusses (Hämatom) eignen sich zum Beispiel ein Druckverband oder Kälteanwendungen – unter Umständen ist aber auch ein kleiner chirurgischer Eingriff nötig. Bei Vulvaveränderungen, wie durch einen Dammriss infolge einer Geburt, besteht die Therapie zum Beispiel darin, den Riss zu nähen. Kommt es nach einer offenen Verletzung zur Bildung von Narben, können diese Beschwerden beim Sitzen oder beim Geschlechtsverkehr hervorrufen. Eine operative Behandlung dieser Narben kann die Symptome der Vulvaveränderungen lindern und kommt damit ebenfalls als Therapie infrage.

Zysten

Obwohl Vulvaveränderungen durch vulväre Zysten zwar meist harmlos sind, empfehlen Frauenärzte eine chirurgische Therapie, um die verstopften Drüsengänge wieder freizulegen. Dadurch ist es möglich, die Ursache der Vulvaveränderungen mit der Therapie zu beheben.

Vulvatumoren

Gutartige Vulvatumoren als Vulvaveränderungen bedürfen einer operativen Therapie, da sie sich zu bösartigen Tumoren (Vulvakrebs) entwickeln können. Bei bösartigen Vulvatumoren (Vulvakarzinom) hängt die Behandlung von der Ausdehnung des Tumors ab. Prinzipiell bieten sich eine chirurgische Entfernung sowie der Einsatz der Strahlen- und der Chemotherapie an.

Verlauf

Bei Vulvaveränderungen hängen Verlauf und Prognose wesentlich von der Ursache und der Behandlung ab. Etwa Vulvaveränderungen durch Verletzungen heilen in der Regel von selbst ab und nehmen daher meist einen guten Verlauf. Auch ein Ulcus vulvae acutum Lipschütz heilt bei entsprechender Behandlung nach bis zu vier Wochen aus. Vulvaveränderungen aufgrund gutartiger Vulvatumoren sollten dagegen operativ behoben werden, da sie sich im Verlauf zu bösartigem Vulvakrebs (Vulvakarzinom) entwickeln können.

Vulvitis

Wird eine Vulvitis, also entzündliche Vulvaveränderungen, rasch und erfolgreich behandelt, ist der Verlauf gut. Allergische Reaktionen lassen sich schnell in den Griff bekommen, wenn die betroffene Frau den Auslöser meidet. Auch eine durch Bakterien verursachte Infektion lässt sich mit einer gezielten Antibiotika-Therapie meist einfach und komplikationslos behandeln. Liegt eine bakterielle Vaginose vor, kann eine Behandlung mit Lactobazillus-haltigen Präparaten rasch helfen. Lactobazillen sind Milchsäurebakterien, die zur natürlichen Scheidenflora gehören. Bleiben Infektionen und die damit verbundenen Vulvaveränderungen unbehandelt, können sie jedoch einen chronischen Verlauf nehmen und zu komplexeren Erkrankungen führen.

Vulvaveränderungen durch Pilzinfektionen sind dagegen manchmal hartnäckig und können einen langwierigen Verlauf haben. Endet die Behandlung zu früh, kann sich der Pilz stärker als zuvor ausbreiten. Nicht selten stecken sich Geschlechtspartner immer wieder gegenseitig an. Daher ist es ratsam, bei Vulvaveränderungen, die auf eine Pilzinfektion zurückgehen, den Partner gegebenenfalls mitzubehandeln.

Crauroris vulvae

Die bisher bekannten therapeutischen Maßnahmen bei Vulvaveränderungen durch Craurosis vulvae (Vulvadystrophie) können den Verlauf in der Regel nur lindern: Bei diesen Vulvaveränderungen ist der Verlauf chronisch. Um eine Verschlechterung der Vulvaerkrankung frühzeitig zu erkennen, kontrolliert der Arzt die Hautveränderungen regelmäßig.

Vorbeugen

Mit regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt lassen sich Vulvaveränderungen rechtzeitig erkennen und schweren Verläufen vorbeugen. Dabei sollten Frauen keine Hemmungen haben, auch scheinbar harmlose Beschwerden wie Juckreiz oder Brennen anzusprechen.

Eine sorgfältige, aber keinesfalls übertriebene Intimhygiene kann Infektionen im äußeren Genitalbereich vorbeugen. Zu häufiges Baden in Schaumbädern, der Gebrauch von Seifen und Deodorantien im Intimbereich schadet hingegen dem Scheidenmilieu. Beim Toilettengang ist es für Frauen wichtig, sich stets von vorne nach hinten abzuwischen und niemals umgekehrt.

Durch Bakterien, Pilze oder Viren hervorgerufene Vulvaveränderungen können Frauen meist gut durch eine konsequente Anwendung von Kondomen vorbeugen. Zudem schützen Kondome vor vielen sexuell übertragbaren Krankheiten , zum Beispiel HIV und HPV (Humane Papillomviren).

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Vulvaveränderungen”:

Quellen:

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Stand: 27. Mai 2015