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Zungenkrebs (Zungenkarzinom)

Veröffentlicht von Onmeda-Redaktion

Zungenkrebs (Zungenkarzinom) macht sich anfangs selten durch Beschwerden bemerkbar. Erst wenn er weiter fortschreitet, können Symptome im Mund- und Rachenraum auftreten. Woran man Zungenkrebs erkennt und was man tun kann.

Überblick

Was ist Zungenkrebs?
Zungenkrebs ist ein relativ seltener, bösartiger Tumor.  Er wird der Gruppe der Kopf-Hals-Tumoren zugeordnet – und zählt hier zu den Tumoren der Mundhöhle und des Rachens.

Genaue Zahlen zur Häufigkeit von Zungenkrebs liegen nicht vor. Im Jahr 2014 erkrankten in Deutschland etwa 9.130 Männer und 3.700 Frauen an bösartigen Tumoren im Mund- und Rachenraum, zu denen auch das Zungenkarzinom zählt. Das Haupterkrankungsalter liegt bei Männern bei 63 Jahren, bei Frauen bei 66 Jahren.

Der häufigste Tumor im Mund- und Rachenraum ist allerdings nicht das Zungenkarzinom, sondern Kehlkopfkrebs (Kehlkopfkarzinom). Zungenkrebs hingegen macht etwa ein Viertel aller Krebserkrankungen im Mund- und Rachenraum aus.

Ursachen

Welche Ursachen Zungenkrebs (Zungenkarzinom) genau hat, ist bislang nicht geklärt. Als wichtigste Risikofaktoren für Zungenkrebs gelten regelmäßiger Genuss von Tabak (egal, in welcher Form) und Alkohol – insbesondere in Kombination, denn offenbar verstärkt sich dann der schädigende Effekt. Das Risiko erhöht sich zudem, wenn es sich um hochprozentigen Alkohol handelt oder der Tabak filterlos genossen wird beziehungsweise sehr stark ist.

Als weiterer wichtiger Risikofaktor gilt eine chronische Infektion mit Hochrisikotypen des humanen Papillomavirus (HPV).

Auch chronische Entzündungen der Mund- und Zungenschleimhäute – zum Beispiel infolge schlecht sitzender Zahnprothesen – sowie mangelhafte Mundhygiene scheinen das Risiko für Zungenkrebs zu steigern.

Symptome

Wer Zungenkrebs (Zungenkarzinom) hat, bemerkt zu Beginn der Erkrankung nur selten Symptome. Erst wenn die Erkrankung weiter fortschreitet, spüren manche Betroffene ein Fremdkörpergefühl im Mund oder Rachen oder auch ein Zungenbrennen beziehungsweise ein Brennen im Mund.

Später können bei Zungenkrebs Symptome wie Halsschmerzen auftreten, die bis zu den Ohren ausstrahlen, sowie Schluckbeschwerden oder Probleme beim Sprechen. Unter Umständen zeigen sich unterhalb oder seitlich der Zunge wunde Stellen, die auch nach zwei Wochen noch nicht abheilen und leicht zu bluten beginnen. Auch vergrößerte Lymphknoten am Hals und Unterkiefer sind dann häufiger festzustellen.

All diese Symptome können auch harmlose Ursachen haben. Um sicherzugehen, sollten Sie Beschwerden jedoch immer abklären lassen. Der richtige Ansprechpartner für einen Verdacht auf Zungenkrebs ist neben dem Hausarzt zum Beispiel der Hautarzt, Zahnarzt oder ein Arzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.

Wie sieht Zungenkrebs aus?

Zungenkarzinome können unterschiedliche Formen ausbilden. Es gibt flache, in der Schleimhaut liegende Geschwulste sowie blumenkohlartig wachsende und über die Schleimhaut herausragende Tumoren. Manchmal macht sich Zungenkrebs durch feste Knubbel in der Zunge bemerkbar oder auch durch verhärtete Stränge in der Zunge. In anderen Fällen können geschwürartige Veränderung oder nicht abwischbare weiße Flecken (Leukoplakie) beziehungsweise rötliche, samtartige Flecken (Erythroplakie) ein Hinweis auf Zungenkrebs sein.

Zungenkarzinome breiten sich meist früh über die Lymphwege in die Halslymphknoten sowie in die Lymphknoten des Unterkiefers aus und bilden dort Tochtergeschwulste (Metastasen). In anderen Organen (z.B. in der Lunge, Leber oder im Skelett) bilden sich jedoch nur selten Tochtergeschwulste.

Wo genau tritt Zungenkrebs auf?

Die vorderen zwei Drittel der Zunge sind beweglich. Das hintere Drittel, der sogenannte Zungengrund, ragt in den Rachenraum hinein. Zungenkrebs tritt häufiger am Zungenrand auf als am Zungenrücken oder Zungengrund.

Zungentumoren breiten sich häufig auch auf benachbarte Strukturen, zum Beispiel den Kehlkopf, aus. Insbesondere Tumoren im hinteren Bereich der Zunge können dadurch schwerwiegende Gewebeschäden verursachen.

Diagnose

Um bei Zungenkrebs (Zungenkarzinom) die Diagnose zu sichern, führt der Arzt eine gründliche Untersuchung des Mund-Rachen-Raums durch. Die vorderen zwei Drittel der Zunge sind in der Regel schon mit bloßem Auge gut zu beurteilen. Mithilfe eines Spiegels betrachtet der Arzt anschließend auch den hinteren Teil der Zunge, den Zungengrund. Bei Verdacht auf Zungenkrebs entnimmt der Arzt aus den veränderten Hautbereichen eine Gewebeprobe (Biopsie) – auf diese Weise lässt sich die Diagnose sichern.

Um festzustellen, ob und wie weit sich der Zungenkrebs bereits ausgebreitet hat, setzt der Arzt gegebenenfalls bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT) ein. So kann er auch die Halslymphknoten beurteilen und feststellen, ob sich dort Tochtergeschwulste (Metastasen) befinden. Manchmal reicht aber auch eine Ultraschalluntersuchung der Lymphknoten aus.

Die Ausbreitung beziehungsweise das Ausmaß von Zungenkrebs (das sog. Staging) wird im Rahmen der Diagnose nach der sogenannten TNM-Klassifikation beurteilt:

Diese Einteilung ist für den Arzt sehr wichtig, da er anhand der Informationen die Therapie plant und die Prognose einschätzen kann.

Therapie

Welche Therapie bei Zungenkrebs (Zungenkarzinom) die richtige ist, hängt vor allem von dessen Größe und Ausdehnung ab. Entscheidend für die Behandlung ist auch, ob bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) vorliegen: Zungentumoren breiten sich bevorzugt über die Lymphwege in die Halslymphknoten und in die Lymphknoten des Unterkiefers aus.

Im Vordergrund steht bei der Zungenkrebs-Behandlung die Operation. Kleine Tumoren im vorderen (beweglichen) Teil der Zunge kann der Arzt meist gut herausschneiden. Bei weiter hinten liegenden Tumoren (am sog. Zungengrund) gestaltet sich der chirurgische Eingriff oft schwieriger. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn sich der Tumor bereits ausgedehnt und zum Beispiel auf den Kehlkopf übergegriffen hat.

Wenn der Zungenkrebs schon zahlreiche Metastasen in den Lymphknoten gebildet hat, führt der Arzt in der Regel eine sogenannte Neck Dissection durch. Dabei entfernt er unter anderem alle Halslymphknoten sowie – abhängig von der Ausbreitung des Tumors – verschiedene weitere Strukturen, zum Beispiel Blutgefäße oder Nerven. Im Anschluss an die Operation ist je nach Tumorgröße und -ort eine Strahlentherapie nötig.

Eine Chemotherapie beziehungsweise eine Radiochemotherapie ((Kombination aus Bestrahlung und Krebsmitteln) kommt in der Regel nur bei sehr weit fortgeschrittenem Zungenkrebs in Betracht oder wenn sich der Tumor nicht operativ entfernen lässt. Das Ziel einer optimalen Zungenkrebs-Therapie ist es dabei immer, die Funktionalität der Zunge sowie der eventuell in Mitleidenschaft geratenen Strukturen im Kopf-Hals-Bereich zu erhalten.

Neben den klassischen Krebsmitteln (Zytostatika) können mittlerweile auch sogenannte zielgerichtete Medikamente bei Krebs – auch bei Kopf-Hals-Tumoren wie dem Zungenkrebs – eingesetzt werden. Ein typischer Wirkstoff ist beispielsweise Cetuximab.

Verlauf

Mögliche Komplikationen

Bei Zungenkrebs (Zungenkarzinom) können im weiteren Verlauf schwerwiegende Komplikationen wie Schluckstörungen und Sprachschwierigkeiten auftreten. Heute gibt es jedoch Möglichkeiten, mit denen der Arzt geschädigte oder entfernte Körperstrukturen ersetzen (sog. plastische Rekonstruktion) und dadurch Funktionen wie Sprechen, Kauen oder Schlucken weitestgehend wiederherstellen kann.

Prognose

Bei Zungenkrebs hängen Prognose und Heilungsrate vor allem von Tumorgröße und -ausdehnung sowie von eventuell vorhandenen Tochtergeschwulsten (Metastasen) ab. Sind noch keine Tochtergeschwulste vorhanden und gelingt es dem Arzt, den Krebs vollständig zu entfernen, ist die Prognose gut. Die Heilungsaussichten sinken, wenn der Zungenkrebs bereits fortgeschritten ist.

Nachsorge

Nach abgeschlossener Zungenkrebs-Behandlung ist vor allem die regelmäßige Nachsorge wichtig. So lässt sich frühzeitig erkennen, wenn es zu einem Rezidiv kommt, also der Krebs erneut auftritt, und ermöglicht eine frühzeitige Behandlung.

Vorbeugen

Zungenkrebs (Zungenkarzinom) können Sie indirekt vorbeugen, indem Sie Einfluss auf verschiedene Risikofaktoren nehmen. Wer zum Beispiel auf das Rauchen verzichtet und nur selten oder gar keinen Alkohol trinkt, verringert sein Risiko für Zungenkrebs.

Lassen Sie außerdem schlecht sitzende Zahnprothesen immer rechtzeitig von einem Zahnarzt korrigieren und achten Sie auf eine angemessene Mundhygiene.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Zungenkrebs":

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Kopf-Hals-Tumoren. Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): www.krebsgesellschaft.de (Stand: 15.10.2018)

Zungenkarzinom: Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: April 2016)

Robert Koch-Institut: Krebs in Deutschland 2013/2014. Berlin, 2017

Deutsche Krebshilfe: Die blauen Ratgeber: Krebs im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich (Stand: November 2017)

Moll, I.: Duale Reihe Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2016

Leitlinien der Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie: Mundhöhlenkarzinom, Diagnostik und Therapie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 007/100OL (Stand: November 2012)

Arnold, W., Ganzer, U.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011

Bork, K., et al.: Mundschleimhaut- und Lippenkrankheiten. Schattauer, Stuttgart 2008

Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008

Mödder U., et al.: Kopf/Hals. Thieme, Stuttgart 2006

Braun-Falco, O., et al.: Dermatologie und Venerologie. Springer, Berlin Heidelberg 2005

Aktualisiert am: 17. Oktober 2018