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Zungenkrebs

Veröffentlicht von Onmeda-Redaktion

Zungenkrebs ist ein relativ seltener, bösartiger Tumor, der vor allem im hinteren Drittel der Zunge zu finden ist. Experten vermuten, dass Alkohol und Tabak zu den möglichen Ursachen dieser Krebserkrankung gehören.

Überblick

Zungentumoren gehören zur Gruppe der Kopf-Hals-Tumoren und breiten sich häufig auch auf benachbarte Strukturen, zum Beispiel den Kehlkopf, aus. Insbesondere Tumoren im hinteren Bereich der Zunge können dadurch schwerwiegende Gewebeschäden verursachen.

Ein typisches Anzeichen für Zungenkrebs ist ein Fremdkörpergefühl in Mund und Rachen sowie ein Brennen der Zunge und des Mundes. Später können Schluckbeschwerden hinzukommen. Der Arzt stellt die Diagnose, indem er den Mund untersucht und eine Gewebeprobe (Biopsie) aus dem entsprechenden Bereich entnimmt. Die Biopsie gibt Aufschluss, ob es sich dabei um Zungenkrebs handelt oder es einen anderen Grund für die Symptome gibt. Außerdem kann der Arzt mithilfe der Gewebeprobe feststellen, welche Art von Tumor vorliegt. Durch eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) klärt der Arzt ab, ob sich bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet haben.

Wenn möglich, entfernt der Arzt den Zungenkrebs operativ. Gelingt es, den Tumor komplett herauszuschneiden, ist die Heilungschance gut. Im Anschluss an die Operation oder bei nicht zu operierenden Zungenkarzinomen kann eine Strahlentherapie zum Einsatz kommen. Eine Chemotherapie ist in der Regel nur dann nötig, wenn der Tumor bereits Metastasen gebildet hat.

Genaue Zahlen zur Häufigkeit von Zungenkrebs liegen nicht vor. Generell erkranken an bösartigen Tumoren des Rachens und der Mundhöhle, zu denen auch das Zungenkarzinom zählt, pro Jahr etwa 9.340 Männer und 3.490 Frauen. Das Haupterkrankungsalter liegt bei Männern bei 61, bei Frauen bei 65 Jahren. Der häufigste Tumor in diesem Bereich ist allerdings nicht das Zungenkarzinom, sondern der Kehlkopfkrebs (Kehlkopfkarzinom).

Nach der abgeschlossenen Behandlung von Zungenkrebs sollte eine regelmäßige Nachkontrolle stattfinden, um Krebsneubildungen (sog. Rezidive) frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Dies verbessert die Prognose von Zungenkrebs deutlich.

Auch auf Rauchen und übermäßigen Alkoholgenuss zu verzichten, verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Zungenkrebs erneut oder überhaupt entsteht.

Definition

Als Zungenkrebs oder Zungenkarzinom bezeichnet man einen von der Zunge ausgehenden bösartigen Tumor. Er wird der Gruppe der Kopf-Hals-Tumoren zugeordnet – und zählt hier zu den Tumoren der Mundhöhle und des Rachens.

Die vorderen zwei Drittel der Zunge sind beweglich. Das hintere Drittel, der sogenannte Zungengrund, ragt in den Rachenraum hinein. In rund der Hälfte der Fälle treten die Tumoren in diesem hinteren Zungendrittel auf.

Etwa ein Viertel der Zungenkarzinome entsteht im vorderen Zungendrittel beziehungsweise an der Zungenunterfläche. An der Zungenspitze tritt Zungenkrebs nur sehr selten auf.

Zungentumoren breiten sich häufig auch auf benachbarte Strukturen, zum Beispiel den Kehlkopf, aus. Insbesondere Tumoren im hinteren Bereich der Zunge können dadurch schwerwiegende Gewebeschäden verursachen.

Zungenkarzinome können unterschiedliche Formen ausbilden. Es gibt flache, in der Schleimhaut liegende Geschwulste sowie blumenkohlartig wachsende und über die Schleimhaut herausragende Tumoren. Zungenkarzinome breiten sich meist früh über die Lymphwege in die Halslymphknoten sowie in die Lymphknoten des Unterkiefers aus und bilden dort Metastasen. In anderen Organen (z.B. in der Lunge, Leber oder im Skelett) bilden sich jedoch nur selten Tochtergeschwulste.

Zungenkarzinome sind Krebsgeschwulste der Mundhöhle und des Rachens. An diesen Tumoren erkranken pro Jahr in Deutschland circa 9.340 Männer und 3.490 Frauen; am häufigsten handelt es sich dann jedoch nicht um Zungenkrebs, sondern um Kehlkopfkrebs.

Ursachen

Für Zungenkrebs sind die Ursachen im Einzelnen noch nicht geklärt. Tabakrauch und hochprozentiger Alkohol schädigen den Mund-Rachen-Raum und stehen in Verdacht, das Risiko für Zungenkrebs zu erhöhen. Chronische Entzündungen der Mund- und Zungenschleimhäute – zum Beispiel infolge schlecht sitzender Zahnprothesen – sowie mangelhafte Mundhygiene können die Krebsentstehung ebenfalls begünstigen.

Symptome

Beim Zungenkrebs treten zu Beginn der Erkrankung selten Symptome oder direkte Beschwerden auf. Schreitet die Erkrankung weiter fort, spüren einige Betroffene ein Fremdkörpergefühl im Mund beziehungsweise Rachen oder ein Brennen der Zunge oder des Mundes. Später können Halsschmerzen auftreten, die bis zu den Ohren ausstrahlen (sog. Otalgie), sowie Schluckbeschwerden oder Probleme beim Sprechen. An der Zungenunterseite können sich blutende Stellen zeigen. Auch vergrößerte Lymphknoten am Hals und Unterkiefer sind häufige Zungenkrebs-Symptome.

Diagnose

Um bei Zungenkrebs die Diagnose zu sichern oder auch auszuschließen, führt der Arzt eine gründliche Untersuchung des Mund-Rachen-Raums durch. Die vorderen zwei Drittel der Zunge sind schon mit dem bloßen Auge gut zu beurteilen. Mithilfe eines Spiegels kann er anschließend auch den hinteren Teil der Zunge, den Zungengrund, einsehen. Bei Verdacht auf Zungenkrebs entnimmt der Arzt aus den veränderten Hautbereichen eine Gewebeprobe (Biopsie) – auf diese Weise lässt sich die Diagnose sichern.

Um festzustellen, wie weit sich der Zungenkrebs bereits ausgebreitet hat, setzt der Arzt gegebenenfalls bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT) ein. So kann er auch die Halslymphknoten beurteilen und feststellen, ob sich dort Tochtergeschwulste (Metastasen) befinden. Manchmal reicht aber auch eine Ultraschalluntersuchung der Lymphknoten aus.

Die Ausbreitung (Staging) von Zungenkrebs wird im Rahmen der Diagnose nach dem sogenannten TNM-Schema beurteilt:

Diese Einteilung ist für den Arzt sehr wichtig, da er anhand der Informationen die Therapie plant und die Prognose der Erkrankung einschätzen kann.

Therapie

Um bei Zungenkrebs die optimale Therapie zu wählen, ist eine genaue Bestimmung der Größe und Ausdehnung des Zungenkarzinoms notwendig. Entscheidend ist auch, ob bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) vorliegen. Zungentumoren breiten sich bevorzugt über die Lymphwege in die Halslymphknoten und in die Lymphknoten des Unterkiefers aus.

Im Vordergrund steht bei der Zungenkrebs-Therapie die Operation. Kleine Tumoren im vorderen (beweglichen) Teil der Zunge kann der Arzt meist gut herausschneiden. Bei weiter hinten liegenden Tumoren (am sog. Zungengrund) gestaltet sich der chirurgische Eingriff oft schwieriger – dies trifft insbesondere dann zu, wenn sich der Tumor bereits ausgedehnt und zum Beispiel auf den Kehlkopf übergegriffen hat.

Wenn der Krebs schon zahlreiche Metastasen in den Lymphknoten gebildet hat, führt der Arzt in der Regel eine sogenannte Neck Dissection durch. Dabei entfernt er unter anderem alle Halslymphknoten sowie – abhängig von der Ausbreitung des Tumors – verschiedene weitere Strukturen, zum Beispiel Blutgefäße oder Nerven. Im Anschluss an die Operation ist je nach Tumorgröße und -ort eine Strahlentherapie nötig.

Eine Chemotherapie beziehungsweise eine Radiochemotherapie (kombiniert: Bestrahlung und Zytostatika) kommt in der Regel nur bei sehr weit fortgeschrittenem Zungenkrebs in Betracht oder wenn sich der Tumor nicht operativ entfernen lässt. Das Ziel einer optimalen Zungenkrebs-Therapie ist es, die Funktionalität der Zunge sowie der eventuell in Mitleidenschaft geratenen Strukturen im Kopf-Hals-Bereich zu erhalten.

Neben den klassischen Zytostatika können mittlerweile auch sogenannte zielgerichtete Medikamente bei Krebs – auch bei Kopf-Hals-Tumoren wie dem Zungenkrebs – eingesetzt werden. Ein typischer Wirkstoff ist dabei Cetuximab.

Verlauf

Komplikationen

Bei Zungenkrebs können im weiteren Verlauf schwerwiegende Komplikationen wie Schluckstörungen und Sprachschwierigkeiten auftreten. Somit kann Zungenkrebs die Lebensqualität sehr einschränken. Heute gibt es jedoch gute Möglichkeiten der sogenannten plastischen Rekonstruktion, bei welcher der Arzt geschädigte oder entfernte Körperstrukturen ersetzt und dadurch Funktionen wie Sprechen, Kauen oder Schlucken weitestgehend wiederherstellen kann.

Prognose

Bei Zungenkrebs hängen Prognose und Heilungsrate ganz erheblich von der Tumorgröße und der Ausdehnung sowie von eventuell vorhandenen Tochtergeschwulsten (Metastasen) ab. Sind noch keine Tochtergeschwulste vorhanden und gelingt es dem Arzt, den Krebs vollständig zu entfernen, ist die Prognose gut. Die Heilungsaussichten sinken, wenn der Zungenkrebs bereits fortgeschritten ist.

Nachsorge

Nach der abgeschlossenen Behandlung von Zungenkrebs ist die regelmäßige Nachsorge wichtig. So lassen sich Krebsneubildungen (sog. Rezidive) frühzeitig erkennen und therapieren. Dies verbessert die Prognose von Zungenkrebs deutlich.

Vorbeugen

Zungenkrebs können Sie nicht generell vorbeugen. Wenn sie aber auf Rauchen und übermäßigen Alkoholgenuss verzichten, verringern Sie das Risiko für Zungenkrebs. Außerdem sollten Sie schlecht sitzende Zahnprothesen immer rechtzeitig von einem Zahnarzt korrigieren lassen und auf eine ausreichende Mundhygiene achten.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Zungenkrebs”:

Quellen:

Kopf-Hals-Tumoren. Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): www.krebsgesellschaft.de (Stand: 4.12.2014)

Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. De Gruyter, Berlin 2014

Robert Koch-Institut: Krebs in Deutschland 2009/2010. Berlin, 2013

Deutsche Krebshilfe: Die blauen Ratgeber: Krebs im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich (Stand: August 2012)

Arnold, W., Ganzer, U.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011

Bork, K., et al.: Mundschleimhaut- und Lippenkrankheiten. Schattauer, Stuttgart 2008

Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008

Mödder U., et al.: Kopf/Hals. Thieme, Stuttgart 2006

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Deutsche Krebsgesellschaft und ihre Arbeitsgemeinschaften, Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie und Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie: Karzinome des oberen Aerodigestivtrakts. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 032/031 (Stand: Oktober 2003)

Stand: 11. Dezember 2014