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Lungenentzündung (Pneumonie)

Letzte Änderung:
Autor*in: Onmeda-Redaktion | Dr. rer. nat. Geraldine Nagel, Medizinredakteurin
Geprüft: Dr. med. Frauke Gehring, Allgemeinärztin

Eine Lungenentzündung sollte man nicht unterschätzen. Vor allem bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr kann die Erkrankung problematisch verlaufen. Welche Symptome typisch sind und warum eine frühe Behandlung wichtig ist.

Symptome

Eine Lungenentzündung (Fachausdruck: Pneumonie) ist eine Entzündung des Lungengewebes. Ursache ist meist eine Infektion mit Bakterien.

Lungenentzündung: Symptome

Je nach Auslöser der Erkrankung kann eine Lungenentzündung unterschiedliche Symptome hervorrufen.

Möglich sind unter anderem folgende Symptome:

Lungenentzündung durch Bakterien: Symptome

Meist sind Bakterien wie Pneumokokken für eine Lungenentzündung verantwortlich. Deshalb bezeichnet man eine Pneumokokken-Pneumonie auch als typische oder klassische Lungenentzündung. In der Regel tritt diese in Herbst und Winter auf.

Erstes Anzeichen für eine klassische Lungenentzündung ist häufig Schüttelfrost, der bis zu einer Stunde andauern kann. Darauf folgen Fieber und Husten. Der Husten geht nach ein paar Tagen mit Auswurf einher, der anfangs rostbraun, später meist gelb-grünlich gefärbt ist. Betroffene mit klassischer Lungenentzündung fühlen sich oft sehr krank.

In vielen Fällen gehen einer bakteriellen Lungenentzündung ein Infekt des oberen Hals- oder Rachenbereichs mit entsprechenden Beschwerden (wie Halsschmerzen) voraus.

Lösen Pneumokokken die bakterielle Lungenentzündung aus, kommt es typischerweise zu einem steilen Fieberanstieg – oft auf bis zu 40 Grad Celsius.

Weitere häufige Symptome sind eine schwere, oberflächliche und schnelle Atmung sowie Schmerzen beim Einatmen. Das Einatmen schmerzt, weil bei einer Pneumokokken-Pneumonie oft gleichzeitig das Lungenfell entzündet ist (sog. Pleuritis).

Die für eine bakterielle Lungenentzündung typische Atemnot führt manchmal zu einem Beben der Nasenflügel während der Atmung (sog. atemsynchrones Nasenflügeln). Das ist vor allem bei kleinen Kindern ein wichtiges Anzeichen für Lungenentzündung.

Gelegentlich kann eine bakterielle Pneumonie dazu führen, dass die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) weniger Sauerstoff transportieren als normalerweise. Das macht sich vor allem an Lippen, Zunge, Fingern, Zehen oder Nase bemerkbar: Die Haut verfärbt sich an den betroffenen Stellen bläulich-violett (sog. Zyanose).

Lungenentzündung durch Viren: Symptome

Eine virusbedingte Pneumonie kommt seltener vor. Sind Viren und/oder seltenere Bakterien wie zum Beispiel Mykoplasmen oder Chlamydia pneumoniae die Auslöser einer Lungenentzündung, spricht man auch von atypischer Lungenentzündung.

Die virale Lungenentzündung beginnt meist schleichend – erst nach mehreren Tagen ist sie voll ausgeprägt. Kopfschmerzen und Gliederschmerzen sind dabei die wichtigsten Symptome, Schüttelfrost kommt selten vor.

Der oft quälende trockene Husten (Reizhusten) hält lange an. Auswurf bildet sich nur selten – falls doch, ist er eher klar und geruchlos.

Im Vergleich zu einer bakteriellen Lungenentzündung fühlen sich die meisten Betroffenen bei einer viralen Pneumonie weniger krank. Akute Atemnot kommt wesentlich seltener vor und auch Schmerzen beim Einatmen zeigen sich nur in wenigen Fällen.

Meist beginnt die Erkrankung ohne Fieber. Die Körpertemperatur steigt eher langsam und selten über 38,5 Grad Celsius. Da eine virale Lungenentzündung häufig ohne nennenswertes Fieber verläuft, nennt man sie umgangssprachlich auch kalte Lungenentzündung.

Lesetipp: Verkannte Gefahr: Atypische Pneumonie

Lungenentzündung beim Kind

Eine Lungenentzündung äußert sich bei Babys, Kleinkindern und Kindern etwas anders als bei Erwachsenen.

Mögliche Symptome beim Kind sind zum Beispiel:

Bei einer atypischen Lungenentzündung ist es allerdings (wie bei Erwachsenen) auch möglich, dass die Erkrankung ohne jegliche Symptome oder nur mit leichten Beschwerden verläuft (wie etwa einer leicht erhöhten Temperatur).

Häufigkeit

In Deutschland kommt es Schätzungen zufolge jedes Jahr zu etwa 350.000 bis 500.000 ambulant erworbenen Fällen von Lungenentzündung – also Erkrankungen, die außerhalb von Krankenhäusern entstehen.

Etwa 55.000 Menschen pro Jahr erwerben ihre Lungenentzündung jedoch erst im Zusammenhang mit einem Aufenthalt im Krankenhaus (sog. nosokomiale Pneumonie).

Lungenentzündungen treten vor allem in Herbst und Winter auf. Zu den häufigsten Auslösern zählen dabei bestimmte Bakterien: die Pneumokokken.

Das Risiko für eine Lungenentzündung ist besonders bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, bei alten Menschen sowie bei Säuglingen und Kleinkindern erhöht. Bei jungen und gesunden Menschen ist das Immunsystem in der Regel stark genug, um sich gegen die Erreger zu wehren.

Weltweit ist die Lungenentzündung die häufigste Infektionskrankheit mit Todesfolge für Kinder. Sie soll für gut 15 Prozent aller Todesfälle bei Kindern unter 5 Jahren verantwortlich sein.

Insgesamt sterben weltweit jedes Jahr 3 bis 4 Millionen Menschen an den Folgen einer Lungenentzündung. Auch in Westeuropa gilt die Pneumonie als häufigste Todesursache unter den Infektionskrankheiten.

Ursachen

Eine Lungenentzündung (Pneumonie) ist meist auf eine Infektion mit Bakterien zurückzuführen – vor allem mit sogenannten Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae). Diese sind etwa für die Hälfte aller Erkrankungsfälle verantwortlich.

Viren und Pilze sind deutlich seltener für eine Lungenentzündung verantwortlich. Solche Erreger kommen vor allem bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr als Ursache infrage – etwa nach einer Organtransplantation oder bei Erkrankungen des Immunsystems (z. B. HIV-Infektion).

Tabelle: Übersicht über Formen der Lungenentzündung und der ursächlichen Erreger
Form der Lungenentzündung Erreger
typische Pneumonie meist Bakterien wie Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae), Haemophilus influenzae
atypische Pneumonie Bakterien wie Mykoplasmen (Mycoplasma pneumoniae), Chlamydien (Chlamydia psittaci, Chlamydia pneumoniae), Legionellen (Legionella pneumophila) oder Rickettsien (Coxiella burnetii) und Viren
im Krankenhaus erworbene (nosokomiale) Pneumonie Bakterien wie Staphylokokken (Staphylococcus aureus), Enterobakterien (Escherichia coli, Klebsiellen), Pseudomonas aeruginosa
Pneumonie bei
Abwehrgeschwächten
Bakterien wie Staphylokokken (Staphylococcus aureus), Mykobakterien, Viren wie das Zytomegalie-Virus (CMV), Pilze wie Pneumocystis carinii, Candida, Aspergillus

Daneben können auch chemische und physikalische Einflüsse, zum Beispiel giftige Gase, Medikamente oder verschluckte Gegenstände, Lungengewebe angreifen und zu einer Lungenentzündung führen. Der Fachausdruck für solch eine Lungenentzündung, die nicht durch Keime ausgelöst wird, lautet Pneumonitis.

Ansteckung

Ist eine Lungenentzündung ansteckend?

Ob eine Lungenentzündung ansteckend ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Prinzipiell sind die Erreger einer Lungenentzündung zwar durchaus ansteckend und können durch die Luft von Mensch zu Mensch übertragen werden. Wer sich mit solchen Erregern infiziert, erkrankt danach jedoch nicht zwangsläufig an einer Pneumonie.

Tatsächlich sind manche Erreger wie zum Beispiel Pneumokokken bei vielen Menschen normaler Bestandteil der Schleimhaut der oberen Atemwege. Trotzdem bleiben sie kerngesund. Denn in der Regel kann das Immunsystem die Erreger erfolgreich in Schach halten. Bei jungen und gesunden Menschen kommt es deshalb nur selten zum Ausbruch einer Lungenentzündung, auch wenn sie sich mit den Erregern angesteckt haben.

Eine Lungenentzündung ist vor allem dann ansteckend, wenn das Immunsystem geschwächt ist – etwa durch andere Erkrankungen. Ältere Menschen haben ebenfalls ein erhöhtes Ansteckungsrisiko, da der Körper im Alter weniger Abwehrzellen und Antikörper herstellt. Auch kleine Kinder erkranken leichter an einer Lungenentzündung, weil sich bei ihnen das Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet hat.

Wie lange ist eine Lungenentzündung ansteckend?

Wie lange eine Lungenentzündung ansteckend ist, wird von vielen individuellen Faktoren beeinflusst und lässt sich daher nicht sicher sagen. Zu diesen Faktoren zählen unter anderem, wie schwer Betroffene erkrankt sind und ob sie bereits Medikamente erhalten.

Eine wichtige Rolle für das Ansteckungsrisiko spielt auch das Immunsystem des Erkrankten: Je nachdem, wie fit die Immunabwehr ist, kann das Risiko höher oder niedriger sein.

Übertragungsweg: Wie steckt man sich an?

In den meisten Fällen steckt man sich bei einer Lungenentzündung über die Atemwege an. Das heißt, die Erreger gelangen aus dem Nasen-Rachen-Raum anderer Menschen über Tröpfcheninfektion durch Sprechen, Husten oder Niesen in die Atemwege des Betroffenen.

Aber nicht jede Übertragung von Erregern in die Atemwege löst unbedingt eine Pneumonie aus. Das verdanken wir den Abwehrmechanismen der Lunge, die das Eindringen von Fremdstoffen oder Erregern weitestgehend verhindern.

In der Luftröhre und den großen Bronchien etwa befinden sich auf der Zelloberfläche kleine Flimmerhärchen (sog. Zilien). Diese bewegen sich fortwährend und befördern Schleim aus der Lunge in Richtung Rachen, sodass er einfach verschluckt wird. Auf diese Weise verhindern sie, dass größere Staubteilchen in die Lungenbläschen (Alveolen) vordringen und sich dort ablagern.

Beim Einatmen gelangen daher nur kleinste Teilchen oder Erreger mit einer Größe von 0,3 bis 5 Mikrometern bis in die Lungenbläschen. Dort verrichtet jedoch ein weiterer Teil der körpereigenen Abwehr seine Arbeit: Im Normalfall beseitigen Fresszellen (Makrophagen) des Immunsystems die Eindringlinge.

Funktionieren diese Abwehrmechanismen nicht richtig, kann das eine Rolle dabei spielen, ob eine Lungenentzündung entsteht. Ein gestörtes Abwehrsystem der Lunge kann etwa durch Lungenerkrankungen hervorgerufen werden, wie zum Beispiel Asthma bronchiale oder eine chronische Bronchitis. Solche Erkrankungen können die Zilien schädigen und die Abwehr der Lunge schwächen.

Die Folge: Größere Fremdkörper können nun bis in die Lungenbläschen gelangen, sich dort einlagern und das Gewebe angreifen. Auch das sind mögliche Ursachen für eine Pneumonie.

Ist zudem noch das Immunsystem geschwächt, kann sich die Entzündung in der Lunge weiter ausbreiten. Auch Rauchen schädigt die Funktion der Zilien rasch.

Mögliche Risikofaktoren

Bestimmte Risikofaktoren spielen bei der Entstehung einer Lungenentzündung eine wichtige Rolle. Manche Personengruppen haben beispielsweise ein höheres Erkrankungsrisiko, weil ihr Immunsystem Krankheitserreger weniger gut abwehren kann. Zu diesen Personengruppen zählen:

Außerdem können bereits bestehende chronische und schwere Erkrankungen mit einem geschwächten Immunsystem einhergehen, darunter zum Beispiel:

Bei Menschen mit einem oder mehreren dieser Risikofaktoren können ungewöhnliche Erreger eine sogenannte atypische Lungenentzündung auslösen, wie etwa:

Daneben gibt es andere Erkrankungen beziehungsweise Risikofaktoren, die eine Lungenentzündung wahrscheinlicher machen. Zu den Ursachen für ein erhöhtes Pneumonie-Risiko zählen auch:

Diagnose & Einteilung

Bei Verdacht auf eine Lungenentzündung (Pneumonie) kommen verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz. Meist geben die vorliegenden Beschwerden bereits erste Hinweise auf die Erkrankung. 

Körperliche Untersuchung

Bei einer körperlichen Untersuchung hört der Arzt oder die Ärztin in der Regel zuerst die Lunge ab, da bestimmte Lungengeräusche auf eine Lungenentzündung hindeuten.

Röntgenuntersuchung

Bei Hinweisen auf eine Lungenentzündung lässt der Arzt oder die Ärztin die Lunge röntgen. Auf dem Röntgenbild sind mögliche Entzündungszeichen als "Verschattungen" – also Weißfärbungen auf dem Röntgenbild – zu sehen, die auf den Entstehungsort und mögliche Ursachen der Pneumonie hindeuten können.

Das Röntgen der Lunge ist die aussagekräftigste aller Untersuchungen, wenn der Verdacht auf eine Lungenentzündung vorliegt.

Laboruntersuchungen

Mithilfe von speziellen Laboruntersuchungen lassen sich bei Verdacht auf eine Lungenentzündung Krankheitserreger in Blut und Speichel nachweisen. 

Blutbild

Ein Blutbild kann zeigen, ob eine Entzündung im Körper vorliegt. Außerdem lassen sich anhand bestimmter Blutwerte Rückschlüsse auf die Art der Erreger ziehen.

Lösen beispielsweise Bakterien eine Lungenentzündung aus, ist in der Regel der CRP-Wert und die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) auffällig erhöht. Bei einer Infektion mit Viren hingegen steigt die Konzentration der Leukozyten meist nicht an, sondern fällt eventuell sogar etwas ab.

CRB-65-Score

Um abschätzen zu können, ab wann eine Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt werden muss, nutzen Ärztinnen und Ärzte den sogenannten CRB-65-Score (auch CRB-65-Index genannt). Mit diesem Punktesystem lässt sich das Risiko für einen lebensbedrohlichen Erkrankungsverlauf einschätzen.

Für die Einschätzung benötigt man nur vier Kriterien:

Pro Kriterium vergibt der Arzt oder die Ärztin einen Punkt, sodass 0 bis maximal 4 Punkte erreicht werden können. Ab 1 bis 2 Punkten ist ein Krankenhausaufenthalt ratsam. Ab 3 bis 4 Punkten wird eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich.

Lungenentzündung: Einteilung

Wie eine Lungenentzündung verläuft beziehungsweise ihre Behandlung aussieht, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise vom Auslöser oder welcher Teil der Lunge genau entzündet ist. Eine Lungenentzündung lässt sich daher nach unterschiedlichen Gesichtspunkten einteilen.

Wo sitzt die Entzündung?

Je nachdem, welche Teile des Lungengewebes betroffen sind, unterscheiden Mediziner zwei Formen der Lungenentzündung: interstitielle Pneumonie und alveoläre Pneumonie.

Bei einer interstitiellen Pneumonie ist vor allem das Gewebe entzündet, das die Lungenbläschen (Alveolen) umgibt. Bei einer alveolären Pneumonie sind überwiegend die Lungenbläschen (Alveolen) selbst von der Entzündung betroffen.

© LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese
Lungenbläschen (Alveolen) und Bronchioli

Auf welche Bereiche hat sich die Lungenentzündung ausgedehnt?

Eine Lungenentzündung lässt sich auch entsprechend ihrer Ausdehnung einteilen. Je nachdem, auf welche Teile der Lunge sich die Pneumonie ausbreitet, unterscheidet man lobäre und lobuläre Pneumonie.

Bei einer lobären Pneumonie ist ein ganzer Lungenlappen betroffen. Bei einer lobulären Pneumonie breitet sich Lungenentzündung innerhalb eines Lungenläppchens aus. In diesem Fall gibt es einen oder mehrere Entzündungsherde, weshalb man diese Form auch als Herdpneumonie bezeichnet.

Was ist der Auslöser der Lungenentzündung?

Je nach Auslöser lässt sich eine Lungenentzündung in klassische Pneumonie (Pneumokokken-Pneumonie) und atypische Pneumonie (Viren und seltenere Bakterienarten) einteilen.

Wo hat man sich die Lungenentzündung geholt?

Die Lungenentzündung kann man auch danach einteilen, wo man sich angesteckt hat.

Die Einteilung der Pneumonie nach dem Ort der Ansteckung ist vor allem für die Behandlung von Bedeutung. Denn Erreger in Krankenhäusern sind oftmals resistent gegen übliche antibakteriell wirksame Medikamente (Antibiotika), sodass diese nicht helfen.

Erfolgt die Ansteckung in einem Krankenhaus, liegt eine sogenannte nosokomiale Pneumonie vor.

Bei einer ambulant erworbenen Lungenentzündung hat man sich hingegen nicht in einem Krankenhaus, sondern woanders infiziert.

Behandlung

Was der Arzt tun kann

Bei einer Lungenentzündung ist für eine erfolgreiche Therapie einiges nötig, was nur der Arzt tun kann. Manchmal ist auch ein Krankenhausaufenthalt erforderlich.

In der Regel kommen verschreibungspflichtige Medikamente zum Einsatz. Je nachdem, welcher Krankheitserreger für die Lungenentzündung verantwortlich ist, setzt der Arzt folgende Medikamente ein:

Sind Viren für die Lungenentzündung verantwortlich, können Medikamente den Verlauf der Erkrankung nicht wirklich beeinflussen. Der Körper muss die Erkrankung in diesem Fall allein in den Griff bekommen. Die Behandlung zielt dann darauf ab, Symptome zu lindern und mögliche Komplikationen zu vermeiden.

Meist entsteht eine Lungenentzündung jedoch durch Bakterien. Bei einer typischen Pneumokokken-Pneumonie verspricht eine Antibiotika-Behandlung mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Penicilline gute Ergebnisse (z. B. mit Amoxicillin).

Ist eine Lungenentzündung auf andere bakterielle Erreger wie Mykoplasmen, Legionellen oder Chlamydien zurückzuführen, kommen zur Behandlung beispielsweise Makrolid-Antibiotika, Fluorchinolone oder Cephalosporine zum Einsatz.

Falls sich die Lungenentzündung während eines Krankenhausaufenthalts entwickelt hat (sog. nosokomiale Pneumonie), kombiniert man meist zwei bis drei unterschiedliche Antibiotika, da Erreger in stationären Einrichtungen häufiger resistent sind.

Oft ist es bei einer Pneumonie notwendig, die Therapie zu beginnen, noch ehe man den Erreger kennt. Das soll mögliche Komplikationen vermeiden. In diesem Fall erhalten Betroffene zunächst ein Breitband-Antibiotikum, das gegen viele verschiedene Keime wirkt. Sobald der Erreger der Lungenentzündung feststeht, stellt man die Behandlung auf ein gezielt wirkendes Medikament um.

In einigen Fällen kann es bei einer Lungenentzündung zu schwerer Atemnot kommen, die eine Sauerstoffgabe erforderlich macht. Führt die Pneumonie zu akutem Lungenversagen, kann eine künstliche Beatmung notwendig sein.

Was Sie selbst tun können

Wer eine Lungenentzündung hat, kann neben der ärztlichen Behandlung auch einiges selbst tun.

Ratsam ist es vor allem, sich zu körperlich schonen. Bei Fieber kann auch Bettruhe sinnvoll sein.

Außerdem ist es bei einer Lungenentzündung wichtig, ausreichend zu trinken – am besten Wasser, Fruchtschorle oder Kräutertee. Ausreichend bedeutet dabei etwa anderthalb bis zwei Liter pro Tag.

Zudem können bei einer Lungenentzündung spezielle Atemübungen helfen, das Ein- und Ausatmen zu erleichtern. Diese kann man unterstützend zur Behandlung regelmäßig selbst durchführen. Sprechen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin darauf an.

Dauer

Eine Lungenentzündung (Pneumonie) kann nach einer akuten Phase abklingen und ausheilen oder im weiteren Verlauf in eine langwierige (chronische) Lungenentzündung übergehen.

Wie lange eine Lungenentzündung dauert und wie diese verläuft, hängt von verschiedenen Faktoren ab und lässt sich nicht pauschal sagen. Mit welcher Prognose bei einer Lungenentzündung zu rechnen ist, bestimmen unter anderem die verantwortlichen Erreger, die Fitness der Abwehrkräfte und die eingesetzte Therapie.

Bei jungen und gesunden Menschen heilt eine Lungenentzündung in der Regel ohne Komplikationen nach etwa 6 Wochen aus. Ein höheres Lebensalter sowie gesundheitliche Einschränkungen, beispielsweise an Herz oder Lungen, können den Verlauf der Infektion hingegen erschweren und die Dauer der Erkrankung verlängern.

Bei einer Lungenentzündung, die während eines Krankenhausaufenthalts entsteht (sog. nosokomiale Pneumonie), ist grundsätzlich mit einer schlechteren Prognose zu rechnen. Denn zum einen sind Betroffene zu diesem Zeitpunkt durch den eigentlichen Grund des Krankenhausaufenthalts in der Regel ohnehin geschwächt und zum anderen sind die Krankenhauskeime möglicherweise resistent gegen die verfügbaren Medikamente.

Komplikationen

Komplikationen in Zusammenhang mit der Lunge

Bei einer Lungenentzündung können im Verlauf verschiedenen Komplikationen auftreten, die mit der Lunge zusammenhängen. Im Folgenden wird auf einige Beispiele näher eingegangen.

Sauerstoffmangel

Die Lungenentzündung kann das Atmen derart behindern, dass Betroffene nicht mehr genügend Sauerstoff aufnehmen und Kohlendioxid abatmen können. Dann ist ein schwerer Sauerstoffmangel möglich (sog. respiratorische Insuffizienz).

Blutvergiftung

Die für die Lungenentzündung verantwortlichen Bakterien können sich über das Blut im ganzen Körper verteilen und zu einem Versagen verschiedener Organe (z. B. Herz, Nieren) führen. Solch eine Blutvergiftung (Sepsis) ist ein lebensbedrohlicher Zustand.

Pleuraerguss

Eine schwere Lungenentzündung kann dazu führen, dass sich Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustkorb ansammelt (sog. Pleuraerguss). Wenn der Pleuraerguss die Atmung sehr stark behindert, lässt sich die Flüssigkeit mithilfe einer Nadel entfernen (sog. Pleurapunktion).

Pleuraempyem

Im Pleuraspalt kann sich Eiter ansammeln (sog. Pleuraempyem). Der Pleuraspalt ist der Raum zwischen dem Lungenfell, das die Lungen überzieht, und dem Rippenfell. Verklebungen zwischen Lungenfell und Rippenfell können die Folge sein. In der Lunge kann sich außerdem eine abgegrenzte Eiterhöhle bilden (sog. Lungenabszess).

Bronchiektasen

Verläuft eine Lungenentzündung langwierig (chronisch), können sich die Bronchien mit der Zeit erweitern (sog. Bronchiektasen). Unter Umständen treten dann weitere Komplikationen auf. So kann es beispielsweise zu Blutungen in der Lunge oder zu wiederkehrenden Entzündungen kommen.

Das Problem bei häufigen Entzündungen ist, dass sie zu einer Vernarbung des Lungengewebes führen (sog. Lungenfibrose). Ist das Lungengewebe vernarbt, kann es sich schlechter ausdehnen und das Atmen ist eingeschränkt. Die Vernarbung der Lunge bleibt ein Leben lang bestehen.

Komplikationen außerhalb der Lunge

Verteilen sich die Erreger der Lungenentzündung im weiteren Verlauf im Körper, kann es zu Komplikationen durch Infektionen außerhalb der Lunge kommen.

Zu den möglichen Infektionen in anderen Organen zählen zum Beispiel:

Gefäßverschluss (Embolie)

Bei einer Lungenentzündung mit langwierigem Verlauf können sich infolge zu langer Bettruhe Blutgerinnsel bilden. Problematisch wird es, wenn Gerinnsel sich lösen und mit dem Blutstrom ins Gehirn oder in die Lunge gelangen und dort plötzlich Blutgefäße verschließen (sog. Embolie).

Damit das nicht passiert, erhalten bettlägerige Patienten und Patientinnen im Krankenhaus und auch zu Hause blutverdünnende Medikamente.

Bei ansonsten gesunden Menschen kann man solchen Vorfällen meist bereits mit wenig belastenden Übungen oder Bewegungen entgegenwirken – Medikamente sind dazu nur selten nötig.

Vorbeugen

Einer Lungenentzündung (Pneumonie) lässt sich sowohl indirekt als auch direkt vorbeugen.

Beispielsweise lässt sich das Ansteckungsrisiko senken, indem man den Kontakt zu Menschen meidet, die gerade eine akute Lungenentzündung haben.

Raucher können ihr Erkrankungsrisiko senken, indem sie sich das Rauchen abgewöhnen.

Da Pneumokokken die häufigste Ursache von Lungenentzündungen sind, kann man sich jedoch am wirksamsten mit einer Pneumokokken-Impfung schützen.

Impfung gegen Lungenentzündung

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO) empfiehlt eine Pneumokokken-Impfung als Schutz gegen Lungenentzündung für folgende Personengruppen:

Die STIKO empfiehlt für Risikogruppen außerdem eine jährliche Grippeimpfung, da eine Grippe Lungenentzündungen begünstigen kann.

Gehören Sie zu einer der Personengruppen, die ein erhöhtes Risiko für eine Pneumokokken-Infektion oder Lungenentzündung haben? Dann sprechen Sie am besten Ihren Arzt oder Ihre Ärztin darauf an, ob eine Pneumokokken-Impfung für Sie ratsam ist. Er oder sie kann Sie individuell beraten und Nutzen und Risiken mit Ihnen zusammen abwägen.

Quellen

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Pneumonia. Online-Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO): www.who.int (Abrufdatum: 10.9.2020)

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Lungenentzündung. Online-Informationen der Lungenärzte im Netz: www.lungenaerzte-im-netz.de (Abrufdatum: 10.9.2020)

Epidemiologisches Bulletin Nr. 34/2020: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2020/2021 (PDF). Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 20.8.2020)

Pneumonie. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: Februar 2020)

Pneumokokken-Impfung. Online-Informationen des Helmholtz Zentrum München: www.lungeninformationsdienst.de (Stand: 13.10.2018)

Nosokomiale Pneumonie. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: März 2018)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin: Epidemiologie, Diagnostik und Therapie erwachsener Patienten mit nosokomialer Pneumonie (PDF). AWMF-Reg.-Nr. 020/013 (Stand: 11.9.2017)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin: Pneumonie, ambulant erworben, Behandlung und Prävention von erwachsenen Patienten (PDF). AWMF-Reg.-Nr. 020/020 (Stand: 25.2.2016)

Arastéh, K., et al.: Duale Reihe Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Lungenentzündung: Pneumonie ist nicht gleich Pneumonie. Pharmazeutische Zeitung online, Ausgabe 23/2013 www.pharmazeutische-zeitung.de (Juni 2013)

Baenkler, H.-W., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme Verlag, Stuttgart 2010

Bücheler, E., et al.: Einführung in die Radiologie: Diagnostik und Interventionen. Thieme, Stuttgart 2006

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Lungenentzündung (Pneumonie)":

Letzte inhaltliche Prüfung: 10.09.2020
Letzte Änderung: 10.03.2021