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Bettnässen (Enuresis)

Veröffentlicht von Onmeda-Redaktion

Enuresis (bzw. Enuresis nocturna) ist ein regelmäßiges nächtliches Bettnässen bei über fünfjährigen Kindern, das nicht wegen organischer Veränderungen oder Grunderkrankungen auftritt. Bis zum fünften Lebensjahr ist es allerdings völlig normal, dass Kinder sich gelegentlich einnässen.

Überblick

Bettnässen bei Kindern vor dem fünften Lebensjahr ist also keine Enuresis, denn: Erst etwa ab dem zweiten Lebensjahr lernt ein Kind, seine Blase zu kontrollieren. Wie lange es dauert, bis das Kind endgültig trocken ist, schwankt individuell stark. Von einer Enuresis spricht man aber erst, wenn sich ein Kind nach seinem fünften Geburtstag über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten regelmäßig im Schlaf einnässt.

Wenn dabei die längste trockene Phase des Kindes nach seinem fünften Geburtstag keine sechs Monate dauerte, das Kind also nie dauerhaft trocken gewesen ist, hat es eine primäre Enuresis. Beginnt ein Kind hingegen erneut mit dem Bettnässen, nachdem es schon über sechs Monate trocken war, bezeichnet man dies als sekundäre Enuresis.

Bettnässen bei Kindern ist weit verbreitet: Etwa ein Drittel aller 5-Jährigen hat eine Enuresis.

Die Zahl der Bettnässer geht allerdings mit jedem weiteren Lebensjahr um 15 Prozent von selbst zurück, sodass sich nur noch etwa 10 Prozent der 7-Jährigen regelmäßig im Schlaf einnässen. Nur bei einem Teil der Kinder bleibt das Problem dauerhaft bestehen: Bettnässen findet sich noch bei etwa 1 Prozent der Erwachsenen (sog. adulte Enuresis).

Bettnässen kann verschiedene Ursachen haben. Die primäre nächtliche Enuresis gilt als eine unkomplizierte Entwicklungsverzögerung. Bei der sekundären Enuresis sind oft seelische Gründe zu finden, wobei das Einnässen möglicherweise ein Zeichen für eine unbewusste Verunsicherung des Kindes ist. Andere Gründe für den ungewollten Harnabgang sind vor allem dann zu suchen, wenn ein Kind (zusätzlich oder nur) tagsüber einnässt und/oder Symptome einer Blasenfunktionsstörung zeigt (z.B. plötzlichen starken Harndrang, häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen): In dem Fall liegt eine kindliche Harninkontinenz vor, die zum Beispiel mit Fehlbildungen des Harntrakts verbunden sein kann.

Obwohl eine Enuresis auch ohne Therapie mit der Zeit verschwinden kann, ist es ratsam, bei über 5-jährigen Bettnässern nicht einfach abzuwarten, sondern die Ursache für das Bettnässen von einem Arzt abklären zu lassen, denn:

Wie die Behandlungsmaßnahmen gegen das Bettnässen dann im Einzelnen aussehen, hängt von der Ursache der Störung ab. In den meisten Fällen gelingt es mithilfe einer ausführlichen Beratung, dem Einsatz eines Klingelgeräts, das beim Einnässen ein Signal abgibt (z.B. Klingelhose), oder auch durch Medikamente, die Enuresis erfolgreich zu behandeln.

Definition

Der Begriff Enuresis (auch Bettnässen bzw. Enuresis nocturna genannt: lat. nocturnus = nächtlich) bezeichnet per Definition die ungewollte, vollständige Blasenentleerung im Schlaf, wobei folgende Kriterien erfüllt sein müssen:

  • Das Kind ist älter als 5 Jahre.
  • Das Bettnässen tritt über einen Zeitraum von drei Monaten auf, und zwar:
    • bei Kindern unter 7 mindestens 2-mal im Monat bzw.
    • bei älteren Kindern 1-mal im Monat
  • Das Einnässen ist nicht auf organische Veränderungen oder Grunderkrankungen zurückzuführen.

Ein solches nächtliches Einnässen gilt als relativ harmlos, da es oft von selbst aufhört – vorausgesetzt, das Bettnässen ist das einzige Symptom (sog. monosymptomatische Enuresis).

Wenn das Kind auch tagsüber einnässt oder neben dem Bettnässen andere Anzeichen für eine Störung der Blasenfunktion zeigt, ist die Enuresis nicht monosymptomatisch: Diese Unterscheidung ist wichtig, um die Störung einschätzen und angemessen behandeln zu können.

Darüber hinaus ist es für die Beurteilung der Enuresis nötig, zwischen primärem und sekundärem Bettnässen zu unterscheiden:

Ein Bettnässen bei Kindern vor dem fünften Geburtstag ist gemäß Definition keine Enuresis: In den ersten fünf Lebensjahren ist es ganz normal, wenn sich Kinder hin- und wieder einnässen!

Etwa ab dem zweiten Lebensjahr beginnt ein Kind zu lernen, seine Blase zu kontrollieren. Das Zusammenspiel von Nierenfunktion, Blasenfüllung und Steuerung der Blasenmuskulatur ist ein komplexer Entwicklungsschritt für das heranwachsende Nervensystem des Kindes. Wie lange es dauert, bis diese Reifung abgeschlossen ist und die Tage und Nächte trocken sind, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Wenn eine körperliche Erkrankung als Ursache ausgeschlossen ist, brauchen Eltern sich bis etwa zum fünften Geburtstag über Bettnässen keine Sorgen zu machen. Geduld ist gefragt – meist löst sich das Problem von selbst.

© Jupiterimages/Stockbyte
Regelmäßiges Bettnässen nach dem 5. Lebensjahr sollte untersucht werden.

Wenn das Kind nach dem fünften Lebensjahr noch regelmäßig einnässt, besteht jedoch häufig eine ernste Störung, die ärztlich abzuklären ist. Außerdem ist Bettnässen mit einem hohen Leidensdruck verbunden: Das Kind schämt sich, kann nicht bei Freunden übernachten oder hat Angst vor Schulausflügen. Oft versuchen Bettnässer und deren Familien, die Probleme zu verheimlichen. Dabei besteht eine große Chance, das Bettnässen erfolgreich zu behandeln und damit das Leiden der Kinder zu beheben.

Häufigkeit

Enuresis (Bettnässen) ist bei Kindern weit verbreitet – die Häufigkeit des nächtlichen Einnässens sinkt jedoch auch ohne Behandlung mit jedem Lebensjahr um 15 Prozent: Während sich etwa ein Drittel aller 5-jährigen Kinder im Schlaf regelmäßig einnässen, haben nur noch etwa 10 Prozent der 7-Jährigen ihre Blase nachts nicht unter Kontrolle. Jungen sind doppelt so häufig Bettnässer wie Mädchen.

Nur selten bleibt die Enuresis über die Kindheit hinaus bestehen: Nächtliches Bettnässen tritt noch bei 1 bis 2 Prozent der Jugendlichen und bei 1 Prozent der Erwachsenen auf (sog. adulte Enuresis).

Ursachen

Enuresis (Bettnässen) kann viele verschiedene Ursachen haben: Die möglichen Gründe für das Einnässen reichen von erblicher Veranlagung über hormonelle Störungen bis hin zu körperlichen Auslösern. Entscheidend ist dabei vor allem,

Monosymptomatische Enuresis

Die monosymptomatische Enuresis hat wahrscheinlich erbliche Ursachen – zumindest dann, wenn das nächtliche Bettnässen ohne Unterbrechung durch eine längere trockene Phase besteht (sog. primäre Enuresis): Hierfür spricht, dass diese Form von Einnässen familiär gehäuft auftritt.

Als Ursache für die primäre monosymptomatische Enuresis kommt eine anlagebedingte Entwicklungsverzögerung der Blasenfunktion infrage. So kann das Bettnässen zum Beispiel dadurch bedingt sein,

Dabei kann auch die falsche Verteilung der Flüssigkeitszufuhr für die monosymptomatische Enuresis (mit)verantwortlich sein, denn:

  • Wenn Kinder regelmäßig genug Flüssigkeit zu sich nehmen, fördert dies die Erhöhung ihrer Blasenkapazität – und wirkt so dem Bettnässen entgegen.
  • Trinken Kinder jedoch tagsüber zu wenig und darum am Ende des Tages (wegen Durst) übermäßig viel, ist die Blase ausgerechnet zur Schlafenszeit überlastet.

Eine wichtige Rolle beim Bettnässen kann außerdem das Hormon Vasopressin spielen, das die Wasserausscheidung hemmt (d.h. antidiuretisch wirkt): Es steuert den Wasserhaushalt im Körper und wirkt so auf die Blasenfüllung. Normalerweise scheidet die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) Vasopressin in einem tageszeitlich abhängigen Rhythmus aus, der dafür sorgt, dass die Blase sich nachts weniger füllt. Diese hormonelle Regulation kann beim Bettnässen gestört sein. Auch ein noch unterentwickeltes Zusammenspiel zwischen Kontrolle der Blase und der Schlaftiefe kann die monosymptomatische Enuresis (mit)verursachen.

Neben der erblichen Veranlagung spielen für die primäre monosymptomatische Enuresis zumindest teilweise auch äußerliche Einflüsse und seelische Faktoren als Ursachen eine Rolle, denn: Der Erwerb der Blasenkontrolle ist ein Lernprozess, für den nicht nur körperliche, sondern auch seelische Vorgänge von Bedeutung sind. Wenn die natürliche Entwicklung durch äußere Faktoren (wie eine zu frühe oder strenge Reinlichkeitserziehung) beeinträchtigt ist, kann dies das Bettnässen fördern. Da umgekehrt nächtliches Einnässen selbst seelische Probleme verursachen kann, entsteht mitunter ein Teufelskreis.

Doch vor allem, wenn die monosymptomatische Enuresis erneut auftritt, nachdem das Kind schon mindestens sechs Monate trocken war (sog. sekundäre Enuresis), sind seelische Ursachen wahrscheinlich: Sekundäres Bettnässen kann ein unbewusstes Signal dafür sein, dass irgendetwas nicht stimmt. So finden sich im Leben eines Kindes, das plötzlich wieder einnässt, oft unerwartete Veränderungen, die es verunsichern oder beeinträchtigen: Das können etwa die Geburt eines Geschwisterchens, der Verlust eines Familienmitglieds, Streitigkeiten in der Familie, ein Trennungserlebnis oder ein Umzug sein.

Nicht-monosymptomatische Enuresis (Bettnässen)

Die nächtliche Enuresis (Bettnässen) als einziges Symptom hat andere Ursachen als die sogenannte nicht-monosymptomatische Enuresis, bei der es auch tagsüber zum Einnässen kommt und/oder andere Anzeichen für eine gestörte Blasenfunktion (z.B. häufiger plötzlicher Harndrang) auftreten.

Im Vergleich zum Bettnässen im Schlaf hat die nicht-monosymptomatische Enuresis öfter organische Ursachen: Denkbar ist zum Beispiel, dass die Steuerung der Blasenkontrolle bei dem Kind einfach noch nicht ausgereift und die Blase daher überaktiv ist.

Daneben können angeborene anatomische Fehlbildungen der Harnwege eine nicht-monosymptomatische Enuresis verursachen: Sowohl Fehlmündungen des Harnleiters als auch Fehlbildungen der Harnröhre, durch die ständig Urin herausträufelt, können für nächtliches Bettnässen und Einnässen am Tag verantwortlich sein. Auch wenn eine verengte Harnröhre dazu führt, dass die normale Blasenentleerung nicht richtig klappt, kann sich das Kind zwischendurch einnässen. Meistens steckt hinter einer solchen Blasenentleerungsstörung aber eine gestörte Blasenfunktion, die beispielsweise dadurch entstehen kann, dass die Beckenbodenmuskulatur übermäßig angespannt ist (z.B. weil sich das Kind nach einem Harnwegsinfekt mit Schmerzen beim Wasserlassen eine falsche Sitzhaltung angewöhnt hat oder infolge von zu frühem und strengem Toilettentraining).

Auch wenn ein Kind über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder den Gang zur Toilette hinauszögert, kann eine nicht-monosymptomatische Enuresis entstehen. Denn infolge der ständigen Überdehnung der Blase kommt es zu Veränderungen der Blasenwand: Dadurch macht sich mit der Zeit sogar eine übervolle Blase nicht mehr durch Harndrang bemerkbar, sodass sich die Kinder irgendwann ungewollt einnässen.

Allerdings kann die nicht-monosymptomatische Enuresis auch seelische Ursachen haben: Besonders das Einnässen tagsüber weist oft auf ein seelisches Problem hin. Unter Umständen bestehen neben dem Bettnässen auch weitere Störungen wie:

Symptome

Die nächtliche Enuresis (bzw. Enuresis nocturna oder Bettnässen) ohne zusätzliche Symptome einer Störung im Bereich der unteren Harnwege heißt auch monosymptomatische Enuresis. Diese Form von Einnässen kann:

Am häufigsten tritt nächtliches Bettnässen bei Kindern als primäre Enuresis nocturna auf. Bei dieser Form von Enuresis können folgende Symptome vorkommen:

Wenn ein Kind wieder mit dem Bettnässen beginnt, obwohl es schon über sechs Monate trocken war, kann das Einnässen seelisch bedingt sein. Entsprechend können bei einer sekundären Enuresis nocturna begleitend psychische Symptome auftreten.

Seltener sind neben nächtlichem Bettnässen auch am Tag ein Einnässen (früher Enuresis diurna et nocturna genannt) oder andere Symptome einer gestörten Blasenfunktion zu beobachten: In dem Fall liegt eine nicht-monosymptomatische Enuresis vor. Sehr selten nässen sich Kinder nur tagsüber ein (früher als Enuresis diurna bezeichnet) – auch dann bestehen oft Anzeichen einer Blasenfunktionsstörung. Beide Fälle fasst man häufig als kindliche Harninkontinenz zusammen. Je nach Ursache kann sich die gestörte Blasenfunktion unterschiedlich bemerkbar machen – zum Beispiel durch:

Diagnose

Bei Enuresis (Bettnässen) besteht der erste Schritt zur Diagnose darin, eine ausführliche Krankengeschichte zu erheben (sog. Anamnese). Dabei kann der Arzt folgende Fragen stellen:

Ein alleiniges nächtliches Bettnässen ohne weitere Beschwerden weist auf eine als harmlos geltende monosymptomatische Enuresis hin. Um bei der Diagnose mögliche organische Ursachen für das Bettnässen zu erkennen, sind trotzdem eine körperliche Untersuchung und eine Urinuntersuchung (sog. Urinstatus) nötig. Außerdem ist eine Ultraschalluntersuchung (sog. Sonographie) der Nieren und Harnwege sinnvoll, um körperliche Fehlbildungen als Auslöser für das unbeabsichtigte Einnässen sicher auszuschließen.

Zur allgemeinen Abklärung kann es bei einer Enuresis außerdem sinnvoll sein, das Kind für psychologische Zusatzuntersuchungen und Verlaufsbeobachtungen stationär aufzunehmen: Hier kann man die Häufigkeit des Wasserlassens und die Urinmenge in einem 24-Stunden-Miktionsprotokoll erfassen.

Ergibt diese Enuresis-Basisdiagnostik Hinweise auf eine organische Störung, können zusätzliche Untersuchungen nötig sein (wie Miktionscystourographie, Beckenboden-EMG, Uroflowmetrie). Beim Bettnässen eine organische Erkrankung auszuschließen ist deshalb wichtig, weil sich Entzündungen oder Fehlbildungen der Harnwege hinter dem Symptom verbergen können: Eine angeborene Missbildung des Harntrakts oder chronische Entzündungszustände können unerkannt über Jahre zu einer Zerstörung der lebenswichtigen Nieren führen.

Des Weiteren ist es bei der Diagnose einer Enuresis wichtig, Erkrankungen (wie Diabetes mellitus oder Epilepsie) oder eine Medikamenteneinnahme (etwa Diuretika zur Wasserabgabe des Körpers) als Ursache für das Bettnässen auszuschließen.

Therapie

Eine Enuresis (Bettnässen) kann auch ohne Therapie mit der Zeit verschwinden: Die Zahl der Bettnässer nimmt nach dem fünften Lebensjahr jährlich von selbst um 15 Prozent ab. Allerdings verursacht das unbeabsichtigte Einnässen bei den Betroffenen einen hohen Leidensdruck, wodurch sich Verhaltensprobleme ergeben können.

Wenn Ihr Kind nach dem fünften Lebensjahr noch regelmäßig einnässt, gilt daher die Empfehlung:
Warten Sie nicht einfach ab, bis sich das Bettnässen von selbst zurückbildet, sondern lassen Sie die Ursache von einem Arzt abklären!
Welche Behandlung dann erfolgt, hängt von der Art der Störung ab.

Beratung

Die Enuresis-Therapie beginnt meistens mit einer Beratung der Familie und des Kindes: Ihr Zweck besteht vor allem darin, über das Bettnässen zu informieren, um die Familie zu beruhigen und zu entlasten. Thema der Beratung kann auch sein, welche seelischen Belastungen mit dem Einnässen einhergehen können. Um das Bettnässen in den Griff zu bekommen, ist vor allem eins wichtig: eine entspannte Situation zu schaffen. Hierzu sind folgende Ratschläge hilfreich:

Bei etwa jedem sechsten Kind sind diese Maßnahmen bereits ausreichend, um die Enuresis erfolgreich zu behandeln.

Verhaltenstherapie

Reichen bei einer Enuresis (Bettnässen) zur Therapie einfache Maßnahmen nicht aus, bietet sich eine sogenannte apparative Verhaltenstherapie mit einem Klingelgerät an (d.h. mit einer Klingelmatte oder auch einer Klingelhose), das beim Einnässen ein Signal abgibt und so das Kind weckt. Dies soll bewirken, dass das Kind lernt, entweder trocken durchzuschlafen oder aufzuwachen, wenn die Blase gefüllt ist. Das Gerät kommt über mehrere Wochen zum Einsatz. Häufig ist diese Klingeltherapie nur sinnvoll, wenn sich auch die Eltern wecken lassen, sodass sie mit dem Kind zur Toilette gehen können, da Kinder die Klingel häufig überhören.

Mit einem Klingelgerät gegen die Enuresis anzugehen ist sowohl für Ihr Kind als auch für Sie selbst sehr aufwändig. Es ist ratsam, dass die ganze Familie ausführlich über die Anwendung des Klingelgeräts informiert ist. Wichtig ist dabei, Ihr Kind zu motivieren und ihm eine dem Alter angemessene Verantwortung für die Behandlung zu übergeben. Richtig angewendet hat die apparative Verhaltenstherapie eine Erfolgsquote von etwa 70 Prozent. Die Klingeltherapie ist besonders für Kinder mit nächtlichem Bettnässen geeignet, die bisher noch nie über längeren Zeitraum trocken waren (sog. primäre Enuresis nocturna).

Neben dem Klingelgerät bietet die Verhaltenstherapie weitere Methoden zur Behandlung der Enuresis an – zum Beispiel das sogenannte Blasentraining: Dieser Therapie liegt der Ansatz zugrunde, dass die Kinder die Blasenkontrolle noch nicht ausreichend erlernt haben. Dies sollen sie nun mithilfe von Übungen nachholen. Häufig kombiniert man das Blasentraining gegen Bettnässen langfristig mit einer Belohnung trockener Nächte (Lernen am Erfolg, operante Konditionierung).

Medikamente

Oft hilft gegen Enuresis (Bettnässen) auch eine Therapie durch Medikamente. Eine medikamentöse Behandlung ist beispielsweis in folgenden Fällen empfehlenswert:

Der vorwiegend gegen Bettnässen eingesetzte Wirkstoff Desmopressin ähnelt dem körpereigenen Hormon Vasopressin, das antidiuretische Eigenschaften hat (also die Wasserausscheidung des Körpers hemmt) und die Blasenfüllung verringert. Das Medikament ist in Tablettenform erhältlich. Es hat wenige Nebenwirkungen und ist bei korrekter Anwendung gut verträglich. Mit 70 Prozent zeigt die medikamentöse Enuresis-Therapie zunächst hohe Erfolgsquoten.

Geht das Bettnässen bei Ihrem Kind durch die Medikamente zurück, können Sie nach etwa zwölf Wochen versuchen, diese abzusetzen. Um hierbei das Risiko für Rückfälle zu verringern, ist es ratsam, die Therapie nicht plötzlich zu beenden, sondern die Dosis langsam zu verringern.

Wenn eine zu geringe Blasenkapazität das Bettnässen verursacht, bieten sich zur Therapie andere Medikamente an: sogenannte Anticholinergika, wie beispielsweise Oxybutynin oder Propiverin. Der Einsatz dieser Mittel zielt darauf ab, die Kapazität der Blase zu erhöhen und so die Enuresis zu beseitigen.

Stationäre Behandlung

Unter bestimmten Umständen kann bei Enuresis (Bettnässen) eine Therapie im Krankenhaus notwendig sein. Für eine stationäre Behandlung sprechen folgende Faktoren:

Verlauf

Enuresis (Bettnässen) kann im weiteren Verlauf von ganz alleine verschwinden: Während zum Beispiel etwa 33 Prozent aller 5-Jährigen nachts noch regelmäßig unwillkürlich die Blase entleeren, sind es bei den 7-Jährigen nur noch etwa 10 Prozent. Daher gilt Bettnässen als gutartige Störung. Allerdings bleibt das Einnässen in seltenen Fällen auch über die Kindheit und Jugend hinaus bestehen: Bettnässen findet sich noch bei etwa 1 Prozent der Erwachsenen (sog. adulte Enuresis).

Wenn ein Kind nach dem fünften Lebensjahr noch regelmäßig einnässt, ist es also wichtig, die Ursache hierfür von einem Arzt abklären zu lassen. Außerdem erzeugt das Bettnässen bei den betroffenen Kindern einen hohen Leidensdruck. Verläuft die Enuresis hartnäckig, können daher psychische Probleme entstehen. Dabei reichen oft einfache Maßnahmen aus, um die Enuresis erfolgreich zu behandeln und damit das Leiden der Kinder zu beenden.

Vorbeugen

Einer Enuresis (Bettnässen) bei Ihren Kindern können Sie nur bedingt vorbeugen, da das unwillkürliche Einnässen aus den unterschiedlichsten Gründen auftreten kann. Bis zu einem gewissen Alter ist es aber völlig normal, dass Kinder sich immer wieder einmal einnässen. Es ist auch nicht möglich, die Entwicklung der selbstständigen Blasenkontrolle zu beschleunigen. Bis zum sechsten Lebensjahr ist es daher nicht nötig, etwas gegen das Einnässen zu unternehmen.

Wenn Sie einer Enuresis vorbeugen möchten, ist vor allem eins wichtig: dass Sie keinen Druck aufbauen! Denn Druck kann psychisch bedingtes Bettnässen fördern. Ein zu frühes und strenges Toilettentraining ist daher unbedingt zu vermeiden.

Einem Bettnässen durch falsche Trinkgewohnheiten können Sie zumeist erfolgreich vorbeugen: Achten Sie hierzu darauf, dass Ihr Kind auf den ganzen Tag verteilt ausreichend Flüssigkeit erhält, damit es nicht in den letzten zwei Stunden vor dem Schlafengehen so starken Durst hat, dass es dann übermäßig viel trinkt.

Darüber hinaus können zum Beispiel eine Stressbelastung des Kindes in der Zeit der Sauberkeitserziehung oder körperliche Ursachen (wie z.B. ein chronischer Harnwegsinfekt) zu einer Enuresis führen. Achten Sie daher auf entsprechende Anzeichen, um dem Bettnässen früh genug gegensteuern zu können.

Weitere Informationen

Linktipps:

Quellen:

Online-Informationen des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V. (Hrsg.): www.kinderaerzte-im-netz.de (Stand: 25.9.2014)

Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V.: Einnässen beim Kind. Online-Informationen der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V.: www.kontinenz-gesellschaft.de (Stand: 2014)

Tekgül, S., et al.: Guidelines on Paediatric Urology. Online-Informationen der European Association of Urology: www.uroweb.org (Stand: März 2013)

Schultz-Lampel, D., Steuber, C., Hoyer, P.F., Bachmann, C.J., Marschall-Kehrel, D., Bachmann, H.: Urinary incontinence in children. Deutsches Ärzteblatt International 2011; 108(37): 613-20

Kerbl, R., Kurz, R., Roos, R., Wessel, L.: Checkliste Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2011

Remschmidt, H.: Kinder- und Jugendpsychiatrie. Thieme, Stuttgart 2011

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie: Enuresis und funktionelle Harninkontinenz. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 028/026 (Stand: November 2006)

Zahariou, A., Karagiannis, G., et al.: The use of desmopressin in the management of nocturnal enuresis in patients with spinal cord injury. Europe medicophysica, ahead of print (3.10.2006)

Stand: 17. Dezember 2014