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Azoospermie

Letzte Änderung:

Bei einer Azoospermie finden sich im Ejakulat keine reifen männlichen Samenzellen. Männer mit Azoospermie sind unfruchtbar – es handelt sich somit um eine Fruchtbarkeitsstörung.

Überblick

Als Ursachen für eine Azoospermie kommen zum Beispiel Entwicklungsstörungen der Spermien, Verengungen und Unterbrechungen im Bereich der ableitenden Samenwege, aber auch genetische Defekte infrage. Auch Erkrankungen wie Mumps nach der Pubertät oder verschiedene Geschlechtskrankheiten können dazu führen, dass das Sperma keine reifen Samenzellen enthält.

Eine Azoospermie bereitet keine Beschwerden und wird daher von den betroffenen Männern häufig erst wahrgenommen, wenn ein unerfüllter Kinderwunsch besteht. Eine wichtige Rolle bei der Diagnose spielt dann eine Spermauntersuchung, bei der ein sogenanntes Spermiogramm erstellt wird. Anhand des Spermiogramms kann der Arzt erkennen, wie das Sperma zusammengesetzt ist, zum Beispiel ob es ausreichend Spermien enthält. Um die Ursache der Azoospermie zu klären, ist eine weiterführende Diagnostik notwendig, die von hormonellen über bildgebende Verfahren bis hin zu genetischen Tests reichen kann.

Die Behandlung der Azoospermie richtet sich nach den zugrunde liegenden Ursachen. In einigen Fällen ist eine erfolgreiche Therapie jedoch nicht möglich.

Für Männer beziehungsweise Paare mit Kinderwunsch kann eine Azoospermie eine starke Belastung darstellen. Lässt sich die Azoospermie nicht behandeln, kann es sinnvoll sein, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Manchmal besteht die Möglichkeit, den Kinderwunsch durch eine künstliche Befruchtung oder eine Adoption zu erfüllen.

Nicht immer ist es möglich, einer Azoospermie vorzubeugen, zum Beispiel bei genetischen Veränderungen, welche die Entwicklung oder Reifung der Spermien beeinträchtigen. Sind bestimmte Krankheitserreger die Ursache, können Sie einige vorbeugende Maßnahmen treffen, um sich nicht zu infizieren: Vor Mumps kann eine entsprechende Impfung schützen. Kondome verhindern zudem, dass Sie sich mit Geschlechtskrankheiten anstecken, die zur Azoospermie führen können.

Wenn der Kinderwunsch über einen längeren Zeitraum unerfüllt bleibt, sollten Paare auch an eine Azoospermie denken und dies von einem Urologen medizinisch abklären lassen!

Definition

Mediziner sprechen von einer Azoospermie, wenn das Ejakulat keine Spermien enthält. Spermien sind die reifen männlichen Samenzellen, die in den Hoden gebildet werden.

Die Azoospermie gehört zu den Fruchtbarkeitsstörungen (Fertilitätsstörungen) beim Mann. Eine Fruchtbarkeitsstörung liegt vor, wenn trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehr ohne Schwangerschaftsverhütung nach einem Jahr keine Befruchtung stattgefunden hat. Bei ungewollter Kinderlosigkeit liegen die Ursachen zu etwa einem Drittel beim Mann. Die Azoospermie gilt dabei als eine von vielen Ursachen und ist in etwa 5 von 100 Fällen für einen unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich.

Spermien

Im Hoden befinden sich als Ursamenzellen die sogenannten Spermatogonien. Zusätzlich sind Stützzellen (Sertoli-Zellen) vorhanden. Die Stützzellen ernähren die Samenzellen. Sie bilden ein schwammartiges Netzwerk, welches die Entwicklung von Spermatogonien bis hin zu reifen Samenzellen fördert.

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Bei einer Azoospermie enthält das Ejakulat keine Spermien.

Wenn sich eine Spermatogonie teilt, entstehen zwei Zellen. Eine dieser Zellen nimmt den Platz der ursprünglichen Spermatogonie ein und bleibt somit eine Ursamenzelle, die sich später erneut teilen kann. Die zweite bei der Teilung entstandene Zelle entwickelt sich zu einem sogenannten Spermatozyt. Aus den Spermatozyten entstehen nach Reifeteilungen die Spermatiden, die mit 23 Chromosomen bereits nur noch den halben Chromosomensatz besitzen. Aus den Spermatiden entwickeln sich schließlich die reifen Samenzellen (Spermien). Der Prozess der Entwicklung eines reifen Spermiums aus der Spermatogonie wird als Spermatogenese bezeichnet und dauert beim Menschen etwa 90 Tage.

Spermien bestehen aus Kopf, Hals, Mittelstück und Schwanz. Der Kopf des Spermiums enthält den Zellkern mit dem darin befindlichen Erbgut und das wie eine Kappe auf dem Zellkern sitzende sogenannte Akrosom. Das Akrosom enthält Enzyme, welche die Schutzhülle der Eizelle auflösen und es den Spermien so ermöglichen, in die Eizelle einzudringen. Die Spermien bilden zusammen mit dem Sekret der Nebenhoden, der Samenbläschen, der Prostata und einiger weiterer kleinerer Drüsen das Sperma beziehungsweise Ejakulat.

Das Sperma wird umgangssprachlich als Samenflüssigkeit oder kurz als Samen bezeichnet. Es handelt sich um eine weißlich trübe, klebrige, fadenziehende Flüssigkeit mit einem charakteristischen Geruch. Im Allgemeinen werden bei einer Ejakulation etwa zwei bis sechs Milliliter Sperma abgegeben.

Im Regelfall sind pro Milliliter Sperma mehrere Millionen Spermien vorhanden. Bei der Azoospermie dagegen fehlen die Spermien und der Mann ist unfruchtbar. Von normalem Sperma (Normospermie) spricht man, wenn mehr als 20 Millionen Spermien pro Milliliter Sperma vorhanden sind und mehr als 50 Prozent aller Spermien ein normales Aussehen und eine normale Beweglichkeit aufweisen.

Ursachen

Die Azoospermie kann verschiedene Ursachen haben. Sie kann angeboren oder erworben sein (z.B. nach einer Chemotherapie), aber auch ohne erkennbare Ursache (idiopathisch) auftreten. In den meisten Fällen entsteht sie, weil Spermienproduktion und -entwicklung gestört sind. Aber auch Störungen des Spermientransports führen häufig zu einer Azoospermie. Seltenere Ursachen sind hormonelle Störungen des Gehirns.

Die Azoospermie kann zudem genetische Ursachen haben und somit angeboren sein. In etwa der Hälfte der Fälle finden die Ärzte jedoch keine Ursache für die Störung.

Gestörte Spermienentwicklung und Störung der ableitenden Samenwege

Entwickeln sich die Spermien nicht richtig oder sind die ableitenden Samenwege versperrt, kann ebenfalls eine Azoospermie auftreten. Mediziner unterscheiden zwischen einer vorübergehenden und einer bleibenden Azoospermie. Zu den möglichen Ursachen gehören:

Im Rahmen einer Virusinfektion können sich die Hoden entzünden (Orchitis), wodurch die Spermienentwicklung vorübergehend oder dauerhaft beeinträchtigt ist. Eine bleibende Störung mit Azoospermie kommt mitunter bei Mumps vor, wenn die Erkrankung nach der Pubertät auftritt. Entzündungen im Bereich der Nebenhoden, beispielsweise infolge von sexuell übertragbaren Krankheiten wie der Gonorrhö, können dazu führen, dass die Samenleiter verkleben und somit den Weg der Spermien aus den Hoden in die Harnröhre dauerhaft versperren. Das Resultat ist eine bleibende Azoospermie.

Wenn die Samenleiter bei einer Operation durchtrennt werden, kann es ebenfalls zu einer Azoospermie kommen. Eine solche Operation kann aber auch geplant und gewünscht sein, etwa wenn der Mann keine Kinder zeugen möchte – Ärzte wenden dieses Verfahren zur Sterilisation an. Die Samenleiter können aber auch versehentlich durchtrennt werden, zum Beispiel bei der Operation eines Leistenbruchs im Kindesalter.

Zur Therapie von bösartigen Tumorerkrankungen sind häufig Chemotherapien notwendig. Je nachdem, welche Medikamente eingesetzt werden, kann eine vorübergehende oder eine bleibende Azoospermie auftreten. Auch eine Strahlentherapie zählt bei einer Azoospermie zu den möglichen Ursachen. Männer mit Kinderwunsch können vor Beginn einer Chemo- oder Strahlentherapie eine Samenspende einfrieren lassen.

Hormonelle Störungen des Gehirns

Die Produktion des männlichen Geschlechtshormons Testosteron wird durch bestimmte Hormone aus dem Gehirn angeregt. Kommt es zu einer Störung dieser Hormone, ist die Produktion der Samenzellen beeinträchtigt oder verhindert. Solche hormonellen Störungen sind im Gegensatz zu den anderen Ursachen der Azoospermie selten und können sowohl erworben als auch angeboren sein.

Genetische Faktoren

Eine Azoospermie kann mit genetischen Veränderungen zusammenhängen und somit angeboren sein. Es handelt sich dann vorwiegend um Abweichungen in der Anzahl der Geschlechtschromosomen XY. Beispiele für genetische Defekte als Ursache der Azoospermie sind das Klinefelter- oder das Prader-Willi-Syndrom.

Symptome

Eine Azoospermie ruft neben der gestörten Fruchtbarkeit des Mannes (Fertilitätsstörung) keine weiteren Symptome hervor. Bleibt ein Paar trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs ohne Verhütungsmaßnahmen über ein Jahr lang kinderlos, liegt nach medizinischen Gesichtspunkten bei einem oder beiden Partnern eine Fertilitätsstörung vor. Da bei einer Azoospermie keine weiteren Symptome auftreten, wird sie häufig erst entdeckt, wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt.

Diagnose

Bei einer Azoospermie beginnt die Diagnose mit einem ausführlichen Gespräch (Anamnese). Der Arzt fragt unter anderem nach relevanten Ereignissen und Umständen wie:

Bei der körperlichen Untersuchung berücksichtigt der Arzt meist nicht nur die Genitalien, sondern den gesamten Körper. Dabei sucht er zum Beispiel nach körperlichen Anzeichen, die darauf hindeuten, dass zu wenig männliche Geschlechtshormone gebildet werden. Er achtet dabei vor allem auf die sekundären Geschlechtsmerkmale (Behaarung, Stimmlage, Fettverteilung etc.) und Zeichen der Feminisierung ("Verweiblichung"), zum Beispiel die Brustentwicklung. Darüber hinaus untersucht der Arzt Penis und Hoden auf Auffälligkeiten.

Die sichere Diagnose kann nur durch eine Analyse des Spermas (Spermiogramm) gestellt werden. Dazu sollte der Mann drei bis fünf Tage auf Geschlechtsverkehr verzichten. Anschließend gibt er eine Probe seines Ejakulats ab, das dann im Labor untersucht wird. Damit eine Azoospermie sicher diagnostiziert werden kann, ist es ratsam, mindestens zwei bis drei Spermaproben zu untersuchen. Ein Spermiogramm sollte zudem nach drei Monaten wiederholt werden.

Bei der Spermauntersuchung werden unterschiedliche Eigenschaften des Spermas überprüft:

Unter dem Mikroskop können die Beweglichkeit, die Anzahl und das Aussehen der Spermien beurteilt werden. Bei der Azoospermie sind im Ejakulat keine Spermien vorhanden.

Da eine Azoospermie sowohl durch eine gestörte Entwicklung der Spermien als auch durch eine Störung im Bereich der ableitenden Samenwege oder durch genetische Faktoren verursacht werden kann, sind vielfältige weitere Untersuchungen notwendig, um die genaue Ursache abzuklären. Dazu gehören unter anderem:

Therapie

Je nach Ursache ist es in einigen Fällen nicht möglich, eine Azoospermie zu behandeln.

Eine gestörte Spermienentwicklung lässt sich manchmal verbessern, indem der Betroffene bestimmte Medikamente (nach Absprache mit dem behandelnden Arzt) vermeidet, den Alkoholkonsum einschränkt und auf Drogen und Nikotin verzichtet.

Hat die Azoospermie hormonelle Ursachen, können oft Hormonpräparate helfen. Liegt bei der Azoospermie eine bakterielle Infektion aufgrund einer sexuell übertragbaren Krankheit vor, verschreibt der Arzt zur Therapie Antibiotika.

Ist eine Überwärmung der Hoden für die Azoospermie verantwortlich, ist in der Regel keine Therapie nötig. Nach einer Weile bilden die Hoden wieder neue Spermien.

In manchen Fällen ist bei einer Azoospermie auch eine Operation notwendig, zum Beispiel wenn die Samenleiter versperrt sind. Ist dies nicht möglich, können Ärzte bei manchen Arten der Azoospermie durch eine Gewebeprobe (Biopsie) aus den Hoden gesunde Spermien entnehmen. Diese können zum Beispiel für eine künstliche Befruchtung eingesetzt werden.

Verlauf & Vorbeugen

Bei einer Azoospermie ist der Verlauf stark von der Ursache abhängig. Bei Störungen, die sich mit Medikamenten oder gegebenenfalls einer Operation beheben lassen, kann die Azoospermie einen guten Verlauf nehmen. Bei einigen Erkrankungen, zum Beispiel genetischen Defekten, ist sie jedoch nicht heilbar.

Eine Azoospermie kann für Männer beziehungsweise Paare mit Kinderwunsch äußerst belastend sein. Daher ist es im weiteren Verlauf ratsam, sich psychologische Unterstützung zu suchen und gegebenenfalls andere Möglichkeiten zu erwägen, ein Kind zu bekommen (z.B. Adoption).

Vorbeugen

Einigen Ursachen der Azoospermie kann man vorbeugen. Die Qualität der Spermien lässt sich durch eine gesunde Lebensweise verbessern. Vermeiden Sie deshalb Alkohol, Zigaretten, Drogen und Strahlung. Ist aufgrund einer Krebserkrankung eine Chemotherapie oder Strahlentherapie erforderlich oder müssen länger Medikamente eingenommen werden, die die Spermienqualität beeinträchtigen können, gibt es die Möglichkeit, Sperma einzufrieren und für einen späteren Kinderwunsch an dafür zuständigen Stellen aufzubewahren.

Einer Azoospermie infolge von sexuell übertragbaren Krankheiten können Sie vorbeugen, indem Sie sich mit Kondomen vor Geschlechtskrankheiten schützen.

Auch Mumps nach der Pubertät kann zu einer Azoospermie führen. Dem können Sie durch eine von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Impfung vorbeugen.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Azoospermie":


Linktipps:

  • www.wunschkinder.net
    Informationen zu unerfülltem Kinderwunsch, Buchtipps, Selbsthilfegruppen und Austauschmöglichkeiten für Betroffene

Quellen:

Leitlinie der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH): Beeinträchtigung der Gonadenfunktion nach Chemo- und Strahlentherapie im Kindes- und Jugendalter: Risiken, Diagnostik, Prophylaxe- und Behandlungsmöglichkeiten. AWMF-Leitlinien Register Nr. 025/034 (Stand: März 2015)

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Hautmann, R., Huland, H.: Urologie. Springer, Heidelberg 2010

Letzte inhaltliche Prüfung: 30.07.2015
Letzte Änderung: 30.07.2015