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Harnröhrenentzündung (Urethritis)

Veröffentlicht am
von Onmeda-Redaktion
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Wenn Bakterien, Viren oder Pilze die Harnröhre befallen, kann diese sich entzünden. Meist lässt sich eine Harnröhrenentzündung gut behandeln. Allerdings bleibt die Infektion häufig unbemerkt – etwa, wenn Chlamydien die Infektion verursacht haben.

Überblick

Was ist eine Harnröhrenentzündung (Urethritis)?
Von einer Harnröhrenentzündung spricht man, wenn Krankheitserreger in die Harnröhre eindringen und diese von innen angreifen. Der Fachbegriff Urethritis setzt sich aus den Begriffen Urethra (Harnröhre) und -itis (Entzündung) zusammen. Ist auch die Blase entzündet, bezeichnet man die Erkrankung als Harnwegsinfekt

Die Harnröhre liegt unter der Blase. Wenn die Blase voll ist, leitet die Harnröhre den Urin nach außen. Von innen ist die Harnröhre mit einer Schleimhaut ausgekleidet, die den Körper vor Eindringlingen schützt. Unter bestimmten Umständen kann es jedoch passieren, dass Keime über die Scheide oder die Penisöffnung in die Harnröhre gelangen und sich in der Schleimhaut vermehren. Dann entzündet sich die Harnröhre.

Die Harnröhrenentzündung zählt zu den sexuell übertragbaren Krankheiten (STD). Meist erkranken daran Menschen, die zuvor ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten. Eine Urethritis kann beispielsweise als Folge einer Infektion mit Gonokokken (Tripper) auftreten. In diesem Fall sprechen Ärzte auch von einer spezifischen Urethritis.

Häufiger kommt jedoch die sogenannte unspezifische oder nicht-gonorrhoische Urethritis (NGU) vor, die zum Beispiel durch Chlamydien hervorgerufen werden kann.

© iStock
Bei Frauen ist die Harnröhre aus anatomischen Gründen wesentlich kürzer als bei Männern. Deshalb erkranken Frauen insgesamt häufiger an einer Harnröhrenentzündung als Männer.

Ursachen

Die Ursache einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) ist fast immer eine Infektion mit Bakterien. Die häufigsten Erreger sind

Seltener verursachen Viren (etwa Herpesviren) oder andere Mikroorganismen (z.B. Trichomonas vaginalis) Harnröhrenentzündungen.

Wie gelangen die Erreger in die Harnröhre?

Meist infizieren sich die Betroffenen beim ungeschützten Geschlechtsverkehr. Doch es gibt auch andere Übertragungswege. Etwa kann ein Blasenkatheter eine Harnröhrenentzündung hervorrufen: Zum einen reizt er die Harnröhre, zum anderen können über ihn Keime in die Harnröhre gelangen.

Darüber hinaus besteht vor allem bei Frauen das Risiko einer sogenannten Selbstinfektion: Da sich die Harnwege bei Frauen nahe am After befinden, können Darmbakterien leicht vom Anus in die Harnröhre gelangen.

Symptome

Häufig macht sich eine Harnröhrenentzündung sowohl beim Mann als auch bei der Frau durch Juckreiz und/oder Schmerzen beim Wasserlassen bemerkbar. Bei Frauen kann der Schmerz in den gesamten Unterbauch ausstrahlen.

Ein weiteres typisches Symptom ist weißlicher bis grünlicher Ausfluss aus der Harnröhre. Männer werden häufig durch den sogenannten Bonjour-Tropfen auf die Infektion aufmerksam. So nennen Ärzte den Eiter-Tropfen, der vor allem morgens vor dem Urinieren aus der entzündeten Harnröhre austritt.

Manche Betroffenen verspüren keinerlei Symptome. Ist eine Infektion mit Chlamydien die Ursache der Harnröhrenentzündung, bleibt diese bei etwa der Hälfte der betroffenen Männer und bis zu 80 Prozent der Frauen unbemerkt.

Diagnose

Der wichtigste Schritt zur Diagnose ist die Urinuntersuchung. Der Arzt bittet den Patienten, die erste Portion seines Urinstrahls mit einem Becher abzufangen. Der Arzt untersucht den Urin dann auf Keime und Anzeichen einer Entzündung. Enthält der Urin zum Beispiel eine große Zahl weißer Blutkörperchen, spricht dies für einen Infekt.

Welche Erreger für die Harnröhrenentzündung verantwortlich sind, kann der Arzt ermitteln, indem er einen Abstrich aus der Harnröhre entnimmt. Dabei führt der Arzt ein spezielles, dünnes Wattestäbchen in die entzündete Harnröhre ein und dreht es vorsichtig. Das entnommene Gewebe untersucht der Arzt unter dem Mikroskop auf Chlamydien, Gonokokken und andere Erreger.

Behandlung

Haben Bakterien die Urethritis ausgelöst, verordnet der Arzt in der Regel Antibiotika. Diese töten die Keime ab und sorgen somit dafür, dass die Entzündung abklingt. Welches Antibiotikum zum Einsatz kommt und wie lange der Patient das Medikament einnehmen sollte, hängt von der Bakterienart ab.

Sind nicht Bakterien, sondern sogenannte Trichomonaden Ursache der Infektion, kann der Arzt zum Beispiel Mittel mit dem Wirkstoff Metronidazol verschreiben.

Darüber hinaus kann der Erkrankte selbst dazu beitragen, dass die Entzündung rasch wieder abklingt: Er sollte viel trinken und häufig zur Toilette gehen, damit die Harnröhre regelmäßig gespült wird.

Um eine Wiederansteckung zu vermeiden, sollte sich auch der Sexualpartner untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen. Beide sollten bis zum Ende der Behandlung auf Geschlechtsverkehr verzichten.

Verlauf

Bei frühzeitiger und angemessener Behandlung heilt die Harnröhrenentzündung meist schnell aus. Der Verlauf hängt jedoch auch von den Erregern ab, die den Infekt verursacht haben. 

Zum Beispiel erfolgt die Behandlung bei einer Chlamydien-Infektion häufig erst recht spät, weil die Betroffenen zu Beginn meist keine Beschwerden verspüren. Dadurch steigt das Risiko für Komplikationen. Zudem besteht die Gefahr, dass die Betroffenen ihre Partner durch ungeschützten Geschlechtsverkehr anstecken.

Komplikationen

Bleibt die Entzündung der Harnröhre unbehandelt, kann sie sich je nach Erreger auf weitere Organe ausbreiten. Die möglichen Folgen sind bei Mann und Frau unterschiedlich:

Eine bei beiden Geschlechtern mögliche Folge der Infektion ist die sogenannte reaktive Entzündung der Gelenke (Arthritis). Mitunter ist diese von einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) begleitet. Bei einem gleichzeitigen Verlauf aller drei Beschwerdebilder liegt die als Reiter-Syndrom bezeichnete Autoimmunerkrankung vor.

Vorbeugen

Einer Harnröhrenentzündung lässt sich vor allem dadurch vorbeugen, dass man beim Geschlechtsverkehr Kondome verwendet. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Maßnahmen und Hausmittel, die im Alltag zur Vorbeugung einer Harnröhrenentzündung beitragen:

Quellen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Harnröhrenentzündung (Urethritis)":


Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2019

Nieren- und Harnwegsinfektionen. Online-Informationen des Berufsverbands der Deutschen Urologen e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.: www.urologenportal.de (Stand: 21.5.2018)

Urethritis. Online-Informationen des medizinischen Nachschlagewerks AMBOSS: www.amboss.miamed.de (Stand: 7.5.2018)

Hof, H., Dörries, R.: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2017

Urintests verstehen. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 27.12.2016)

Urethritis. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: April 2016)

Aktualisiert am: 16. Oktober 2018