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Harnröhrenentzündung (Urethritis)

Veröffentlicht von Onmeda-Redaktion

Bei einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) sind die Schleimhäute des letzten Abschnitts der harnableitenden Wege entzündet – dieser Teil wird auch Harnröhre genannt. Die Harnröhre beginnt am Blasenausgang und mündet an der äußeren Harnröhrenöffnung.

Überblick

Normalerweise leitet die Harnblase den Harn nach außen ab – in manchen Fällen können aber auch Erreger über die Harnröhre in den Körper gelangen und beispielsweise eine Harnröhrenentzündung verursachen. 

Eine Harnröhrenentzündung kann bei Mann und Frau dieselben Symptome auslösen:

Bedingt durch die kürzere Harnröhre sind Frauen insgesamt häufiger von einer Harnröhrenentzündung betroffen als Männer.

Der durch eine Harnröhrenentzündung bedingte Ausfluss (sog. Urethralfluor) ist typischerweise weißlich bis grünlich. Er kann aber – ebenso wie das Jucken und Brennen in der Harnröhre – auch fehlen: Bei manchen Frauen verläuft die Urethritis auch ohne Beschwerden oder verursacht nur ein unangenehmes Gefühl beim Wasserlassen. Dadurch bleibt die Harnröhrenentzündung bei Frauen in einigen Fällen zunächst unentdeckt.

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Bei Frauen ist die Harnröhre aus anatomischen Gründen wesentlich kürzer als bei Männern. Deshalb erkranken Frauen insgesamt häufiger an einer Harnröhrenentzündung als Männer.

Wissenswertes
Der medizinische Fachbegriff für Harnröhrenentzündung lautet Urethritis und setzt sich aus den Begriffen Urethra (Harnröhre) und -itis (Entzündung) zusammen.

Eine Harnröhrenentzündung kann verschiedene Ursachen haben. Je nachdem, welche das sind, unterteilt man Harnröhrenentzündungen in zwei Formen:

Die deutlich häufigere Form der Urethritis ist die spezifische Urethritis: Für sie sind meist sexuell übertragbare Bakterien verantwortlich, die zur Geschlechtskrankheit namens Tripper (Gonorrhoe) führen – die sogenannten Gonokokken.

Die unspezifische Harnröhrenentzündung kann ebenfalls durch Infektionen mit bestimmten Erregern entstehen (sog. nicht-gonorrhoische Urethritis): Meistens steckt eine bakterielle Infektion mit den ebenfalls sexuell übertragbaren Chlamydien hinter einer unspezifischen Urethritis. Aber auch durch nicht-infektiöse allergische oder mechanische Reizungen kann sich die Harnröhre entzünden.

Zur Diagnose der Harnröhrenentzündung gehört – neben einer körperlichen Untersuchung – auch der Erregernachweis. Dazu ist ein Abstrich aus der entzündeten Harnröhre notwendig.

Die gegen eine Harnröhrenentzündung eingesetzte Behandlung richtet sich nach der auslösenden Ursache: Bei einer infektiösen Urethritis – also wenn Bakterien oder Pilze hinter der Harnröhrenentzündung stecken – kommen zur Therapie Medikamente (Antibiotika oder Antipilzmittel) zum Einsatz.

Allgemein ist es bei einer Harnröhrenentzündung ratsam, viel zu trinken und häufig zur Toilette zu gehen. Frühzeitig erkannt und hinreichend behandelt hat die Urethritis eine gute Prognose.

Eine zu spät behandelte Harnröhrenentzündung kann allerdings schwere Komplikationen nach sich ziehen. Ein Gonokokken-Befall der Scheide kann während der Schwangerschaft zu einer eitrigen Bindehautentzündung beim ungeborenen Kind führen, in dessen Folge es erblinden kann. Um diese Komplikation zu verhindern, kann der Säugling nach der Geburt erregerabtötende Augentropfen bekommen (sog. Credé-Prophylaxe). Diese silbernitrathaltigen Augentropfen kommen heute nur noch selten zum Einsatz, stattdessen werden überwiegend antibiotische Augentropfen angewendet. 

Definition

Je nach Auslöser teilt man die Harnröhrenentzündung in zwei Formen ein:

Die infektiöse Harnröhrenentzündung ist häufig eine Erscheinungsform von Geschlechtskrankheiten.

Bei einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) ist die Schleimhaut der Harnröhre (Urethra) akut entzündet. Die Entzündung der Harnröhre ist ebenso wie die Blasenentzündung ein sogenannter unterer Harnwegsinfekt.

Ursachen

Eine Harnröhrenentzündung (Urethritis) hat ihre Ursachen meist in einer Infektion mit Bakterien. Aber auch andere Erreger, zum Beispiel

können für eine Entzündung der Harnröhre verantwortlich sein.

Die meisten infektiösen Harnröhrenentzündungen entstehen durch sexuelle Übertragung der Erreger beim Geschlechtsverkehr. Daneben ist in vielen Fällen (z.B. im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts) ein Harnkatheter der Grund dafür, dass Erreger in die Harnröhre gelangen. Schätzungsweise 90 Prozent der Infektionen mit Krankenhauskeimen erfolgen über einen Harnblasenkatheter.Wenn die Harnröhre entzündet ist, kann dies aber auch nicht-infektiöse Gründe, etwa mechanische Reizung, haben.

Je nachdem, worin eine Harnröhrenentzündung ihre Ursachen hat, unterscheidet man zwei Formen: spezifische und unspezifische Urethritis.

Spezifische Harnröhrenentzündung

Die spezifische Harnröhrenentzündung (Urethritis) hat ihre Ursachen in einer Infektion mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoea (Gonokokken). Daher bezeichnen Mediziner die spezifische Harnröhrenentzündung auch als gonorrhoische Urethritis. Die Infektion mit Neisseria gonorrhoea ist unter der Bezeichnung Tripper (Gonorrhoe) bekannt. Sie gehört zu den sexuell übertragbaren Krankheiten.

Unspezifische Harnröhrenentzündung

Als unspezifische Harnröhrenentzündung bezeichnen Ärzte jede Urethritis, die nicht durch Neisseria gonorrhoea verursacht wird. Sind andere Erreger die Ursachen für die unspezifische Harnröhrenentzündung, sprechen Mediziner auch von nicht-gonorrhoischer Urethritis. Der häufigste Auslöser für diese Form der Harnröhrenentzündung ist das Bakterium Chlamydia trachomatis, das ebenfalls durch sexuellen Kontakt übertragbar ist. Chlamydia trachomatis ist ein Bakterium mit parasitärer Lebensweise, das ausschließlich Menschen befällt.

Neben Chlamydien können für eine nicht-gonorrhoische Urethritis weitere sexuell übertragbare Erreger verantwortlich sein: So können zum Beispiel bestimmte parasitäre Einzeller (Trichomonaden) oder andere Bakterien (Mykoplasmen, Klebsiellen oder Darmbakterien wie Escherichia coli) eine unspezifische Harnröhrenentzündung auslösen.

Seltene Ursachen für eine unspezifische Urethritis sind Herpesviren oder Pilze. Pilzinfektionen finden sich meist bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.

Es gibt aber auch unspezifische Harnröhrenentzündungen, die ihre Ursache nicht einer Infektion mit Bakterien oder Pilzen haben: So ist eine unspezifische Harnröhrenentzündung manchmal die Folge von mechanischen Reizungen – mögliche Gründe hierfür sind

Auch eine allergisch bedingte Harnröhrenentzündung ist möglich. Hat sich die Harnröhre nicht durch Erreger entzündet, ist die Urethritis nicht ansteckend.

Symptome

Bei einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) sind die Symptome in manchen Fällen nur schwach ausgeprägt.

Häufig macht sich eine Harnröhrenentzündung sowohl beim Mann als auch bei der Frau durch einen weißlichen bis grünlichen Ausfluss aus der Harnröhre (sog. Urethralfluor) bemerkbar. Hinzu kommt, dass die Harnröhre ständig juckt und brennt.

Weitere typische Symptome für eine Harnröhrenentzündung sind

In einigen Fällen verursacht eine Harnröhrenentzündung keine spürbaren Symptome. Besonders die Harnröhrenentzündung bei der Frau verläuft manchmal ohne Beschwerden. Eine Infektion des Harn- und Geschlechtstrakts mit Chlamydien bleibt bei etwa der Hälfte der betroffenen Männer und bis zu 80 Prozent der infizierten Frauen unbemerkt.

Dass die Harnröhre entzündet ist, macht sich dann manchmal nur durch ein leicht unangenehmes Gefühl beim Wasserlassen bemerkbar, das die Betroffenen nicht als Anzeichen einer Infektion werten.

Diagnose

Zur Diagnose einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) erfolgt zunächst eine körperliche Untersuchung: Im Fall einer Urethritis ist die Harnröhrenöffnung häufig gerötet. Klagt der Betroffene zusätzlich über weißlichen bis grünlichen Ausfluss aus der Harnröhre (sog. Urethralfluor) sowie Schmerzen beim Wasserlassen, erhärtet sich der Verdacht auf eine Harnröhrenentzündung.

Um zu bestimmen, ob und welcher Erreger für die Harnröhrenentzündung verantwortlich ist, entnimmt der Arzt im nächsten Schritt einen Abstrich aus der Harnröhre. Der Abstrich erfolgt in der Regel mithilfe eines kleinen Drahtbügels, der sich am Ende eines bleistiftartigen Röhrchens befindet. Diesen Drahtbügel führt der Arzt ein kleines Stück in die entzündete Harnröhre ein. Anschließend kann er das Abstrichmaterial unter dem Mikroskop beurteilen und so gegebenenfalls erste Hinweise auf den Auslöser der Harnröhrenentzündung feststellen: Dünnflüssiges, glasiges Sekret weist auf Mykoplasmen, eitriges eher auf Gonokokken, Chlamydien oder Trichomonaden als Urethritis-Ursachen hin.

Um bei der Harnröhrenentzündung eine sichere Diagnose stellen zu können, ist es notwendig, im Labor die Erreger aus dem Sekret auf Nährböden anzuzüchten. Mithilfe spezieller Laborverfahren lässt sich die genaue Erregerart bestimmen.

Therapie

Bei einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) hängt die Therapie in erster Linie von der jeweiligen Ursache ab: Haben Bakterien oder Pilze die Urethritis hervorgerufen, helfen entsprechende Medikamente Antibiotika oder gegebenenfalls Antipilzmittel (Antimykotika).

Neben der medikamentösen Urethritis-Therapie ist es allgemein wichtig, dass Sie viel trinken und – auch wenn Sie wegen der Harnröhrenentzündung Schmerzen beim Wasserlassen haben – möglichst oft zur Toilette gehen. Dadurch wird die Harnröhre regelmäßig gespült und Keime können weniger leicht in Blase oder Harnleiter aufsteigen.

Weitere unterstützende Maßnahmen bei einer Harnröhrenentzündung sind:

Verlauf

Bei einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) hängt der Verlauf unter anderem von der jeweiligen Ursache ab. In manchen Fällen – besonders bei Frauen – verläuft die Harnröhrenentzündung milde oder ganz ohne Beschwerden.

Kommt es zu einer Infektion der Harnröhre mit einem Erreger, dauert es einige Tage oder sogar Wochen, bis die Harnröhrenentzündung ausbricht. Bei frühzeitiger und angemessener Behandlung hat die Harnröhrenentzündung eine gute Prognose und heilt ohne Folgeschäden aus. Da die Harnröhrenentzündung manchmal keine Beschwerden verursacht, bleibt sie häufig lange unentdeckt. Dies führt vor allem bei sexuell übertragbaren Erregern dazu, dass sich Partner von Betroffenen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr anstecken. Außerdem steigt bei einer unbehandelten Harnröhrenentzündung das Risiko für Komplikationen.

Komplikationen

Eine Harnröhrenentzündung (Urethritis) kann in ihrem Verlauf zu verschiedenen Komplikationen führen. Bleibt die Entzündung der Harnröhre unbehandelt, kann sie sich je nach Erreger auf weitere Organe ausbreiten. Dabei kann die Harnröhrenentzündung bei Mann und Frau verschiedene Folgen haben:

Vor allem die durch Chlamydien verursachte Urethritis kann beim Mann im weiteren Verlauf zu einer akuten Entzündung der Prostata (sog. Prostatitis) und der Nebenhoden (sog. Epididymitis) führen: Jeder vierte Mann mit Harnröhrenentzündung infolge einer Chlamydieninfektion entwickelt diese Komplikationen. Die Entzündungen sind meist sehr schmerzhaft und mit Fieber und Schüttelfrost verbunden.

Die Erreger der Harnröhrenentzündung können bei der Frau über die Scheide und Gebärmutter aufsteigen und schließlich eine akute Entzündung der Eileiter und Eierstöcke (sog. Adnexitis) bewirken. Diese äußert sich dann durch Fieber, Unterbauchschmerzen und einem starken Krankheitsgefühl. Als Komplikation einer Eileiter- und Eierstockentzündung können die Eileiter verkleben. Dies kann zu einer Unfruchtbarkeit (Sterilität) führen. Darüber hinaus steigern verklebte Eileiter das Risiko einer Bauchhöhlenschwangerschaft. beziehungsweise Eileiterschwangerschaft.

Steigen die Erreger der Harnröhrenentzündung über die Blase und die Harnleiter bis zu den Nieren auf, kann es zu einer Nierenentzündung kommen. Gelangen die Bakterien von hier aus ins Blut, ensteht eine sogenannte Urosepsis. Dabei handelt es sich um eine ernste Komplikation, die neben hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl, zu einem lebensbedrohlichen Organversagen führen kann.

Wenn Erreger der Harnröhrenentzündung (wie Chlamydien oder Gonokokken) im Verlauf einer Schwangerschaft oder während der Geburt die Scheide besiedeln, können sich daraus außerdem Komplikationen für das Kind ergeben: Überträgt die Mutter die Erreger während der Geburt auf das Kind, entwickelt sich beim Baby eine eitrige Bindehautentzündung (Konjunktivitis), die in einigen Fällen zur Erblindung führen kann.

Nicht alle durch eine Harnröhrenentzündung verursachten Komplikationen sind geschlechtsspezifisch: Eine bei beiden Geschlechtern mögliche Folge der Infektion ist die sogenannte reaktive Entzündung der Gelenke (Arthritis). Mitunter ist diese von einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) begleitet. Bei einem gleichzeitigen Verlauf aller drei Beschwerdebilder liegt die als Reiter-Syndrom bezeichnete Autoimmunerkrankung vor.

Vorbeugen

Einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) können Sie durch einfache Maßnahmen wirksam vorbeugen: Da die Harnröhrenentzündung in den meisten Fällen durch sexuell übertragbare Erreger entsteht, verhindern Sie eine Infektion, indem Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome verwenden.

Um Neugeborene vor einer Infektion der Augen mit den Erregern der spezifischen Harnröhrenentzündung (Gonokokken) zu schützen, setzten Ärzte früher die sogenannte Credé-Prophylaxe ein: Hierbei bekam der Säugling nach der Geburt silbernitrathaltige Augentropfen in die Augen geträufelt, die die Erreger abtöten. Heute verwenden die meisten Kliniken zu diesem Zweck antibiotische Augentropfen. Diese reizen die Augen weniger und wirken zudem auch gegen Chlamydien.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Harnröhrenentzündung (Urethritis)”:

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2015

Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014

Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011

Hautmann, R. (Hrsg.): Urologie. Springer, Berlin 2010

Finke, F., Piechota, H., Schaefer, R.M., Sökeland, J., Stephan-Odenthal, M., Linden, P.: Die urologische Praxis. Uni-Med, Bremen 2007

Reynard, J., Brewster, S., Biers, S.: Oxford handbook of urology. Oxford university press, Oxford 2006

Sökeland, J., Schulze, H., Rübben, H.: Urologie. Thieme, Stuttgart 2004

Stand: 15. April 2015