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Endometriose

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Zuletzt bearbeitet von Lydia Klöckner • Medizinredakteurin

Endometriose ist eine der häufigsten Erkrankungen bei Frauen. Viele Betroffene halten ihre Symptome aber jahrelang für gewöhnliche Regelschmerzen. Auch deshalb wird die Erkrankung oftmals erst spät festgestellt. Hier erfahren Sie, wie sich Endometriose-Symptome von Menstruationsbeschwerden unterscheiden und welche Behandlung hilft.

Was ist das?

Endometriose ist eine recht verbreitete Krankheit: 5 bis 10 von 100 Frauen in der Bevölkerung sind davon betroffen. Viele von ihnen haben mit heftigen Schmerzen zu kämpfen, vor allem während der Regelblutung.

Die Schmerzen entstehen durch Gewebe, das an der falschen Stelle wächst. Bei dem Gewebe handelt es sich um Schleimhaut, die wie die Schleimhaut in der Gebärmutter beschaffen ist. Daher der Name Endometriose: Der Fachbegriff für die Schleimhaut der Gebärmutter lautet Endometrium.

Bei der Endometriose siedelt sich Endometrium außerhalb der Gebärmutterhöhle an. "Endometriose-Herde" nennt man diese Ansiedlungen. Bei vielen Betroffenen entstehen sie

Prinzipiell können sich aber in jedem Organ Endometriose-Herde entwickeln.

Symptome

Endometriose kann verschiedenste Beschwerden verursachen – je nachdem, in welchem Organ die Endometriose-Herde wachsen und/oder auf welche Nervenbahnen sie drücken. Mögliche Endometriose-Symptome sind:

Endometriose-Schmerzen sind meist intensiv und sehr belastend. Ohne Schmerzmittel lassen sie sich häufig kaum ertragen. Dennoch dauert es mitunter Jahre, bis die Betroffenen zur Ärztin oder zum Arzt gehen. Viele halten ihre Beschwerden für gewöhnliche Regelschmerzen.

Auch Ärztinnen und Ärzte denken oft nicht an Endometriose, wenn Patientinnen ihnen von ihren Beschwerden berichten. Das gilt vor allem, wenn es um Symptome wie Verdauungsprobleme oder Übelkeit geht, die scheinbar nichts mit der Gebärmutter zu tun haben. Hinter solchen Beschwerden vermuten viele Ärztinnen und Ärzte zunächst eine andere Ursache wie zum Beispiel eine Darmerkrankung. 

Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen führt Endometriose aber vor allem vor und während der Menstruation zu Beschwerden. Das ist der wichtigste Hinweis auf die Endometriose: Die Beschwerden treten zum Zeitpunkt der Periode auf, also zyklusabhängig. Das gilt sowohl für die Regelschmerzen als auch für andere Symptome wie die Verdauungsbeschwerden. 

Der Grund ist, dass die Endometriose-Herde während der Menstruation bluten – genau wie die normale Gebärmutterschleimhaut. Diese Blutungen können schmerzhafte Entzündungen und Verwachsungen nach sich ziehen. 

Nur ein Teil der Betroffenen hat dauerhaft mit Schmerzen zu kämpfen. Das kann etwa der Fall sein, wenn Endometriose-Herde in das Gewebe des betroffenen Organs hineinwachsen oder zu schmerzhaften Verwachsungen führen.

Endometriose: Was passiert in den Wechseljahren?

Normalerweise lassen Endometriose-Symptome in den Wechseljahren nach. Der Körper hört dann auf, die Hormone zu bilden, die den Menstruationszyklus steuern. Diese Hormone bewirken auch, dass die Endometriose-Herde jeden Monat bluten und Schmerzen verursachen. Versiegt die Hormonproduktion, bleiben die Blutungen aus – somit haben die Frauen dann meist auch keine Beschwerden mehr.

Endometriosezyste

Bei Endometriose können sich Zysten im Bereich der Eierstöcke, des Eileiters und des kleinen Beckens bilden. Sie entstehen, wenn sich während der Menstruation Blut und Sekret in Endometriose-Herden sammelt. Wegen ihrer bräunlichen Farbe spricht man auch von Schokoladenzysten. 

Manche Betroffene spüren nichts davon. Bei anderen bilden sich im Bereich um die Zyste schmerzhafte Verwachsungen und Gewebeschäden. Ob es dazu kommt oder nicht, hängt nicht von der Größe der Zyste ab. Das heißt: Auch große Endometriosezysten können unbemerkt bleiben und kleine Endometriosezysten können starke Schmerzen verursachen.

Endometriosezysten werden normalerweise im Rahmen einer Bauchspiegelung entfernt. Wie dieser Eingriff abläuft, erfahren Sie im Artikel Endometriose-Behandlung im Kapitel OP bei Endometriose.

Endometriose im Darm

Bei den meisten Erkrankten beschränkt sich die Endometriose auf die Organe, die im kleinen Becken liegen, vor allem auf Gebärmutter und Eierstöcke. Nur bei etwa 10 bis 15 von 100 Betroffenen finden sich auch in anderen Organen im Bauchraum Endometriose-Herde – etwa im Darm. Ist der Darm betroffen, dann meist der letzte Abschnitt des Dickdarms und/oder der Blinddarm.

Bei der Darmendometriose bildet sich meist ein einzelner Endometriose-Herd. Dieser hat typischerweise die Form eines Knotens, der einen bis wenige Zentimeter dick ist. Der Endometriose-Knoten liegt dem Darm nicht oberflächlich auf, sondern er wächst in die Darmmuskulatur und das umliegende Gewebe ein. Das Gewebe kann sich dadurch entzünden. Diese Entzündungen machen sich unter Umständen durch verschiedene Beschwerden bemerkbar. 

Zum einen durch typische Endometriose-Symptome, also vor allem durch starke Regelschmerzen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Zum anderen haben die erkrankten Frauen häufig mit Verdauungsproblemen wie Durchfall und Verstopfung zu kämpfen. Seltener kommt es zum Darmverschluss oder einer Vorstufe davon. Wenn ein Endometriose-Herd die Darmwand durchwächst, können auch Darmblutungen auftreten.

Wenn eine Frau mit Darmbeschwerden zur Ärztin oder zum Arzt geht, wird diese oder dieser jedoch meist nicht zuerst an Endometriose denken, sondern an einen Infekt oder eine Darmerkrankung. Der Gedanke an Endometriose kommt bei Ärztinnen und Ärzten häufig erst auf, wenn die Betroffene erwähnt, dass die Symptome nur oder verstärkt während der Regel auftreten. 

Behandlung bei Endometriose im Darm

Gegen einige der Beschwerden helfen Medikamente. Die Schmerzen während der Menstruation und beim Sex lassen häufig nach, wenn die Betroffenen Hormonpräparate (z.B. die Antibabypille) einnehmen. Die Verdauungsprobleme lassen sich durch diese Mittel aber nicht in den Griff bekommen. Zudem eignen sie sich nicht für Frauen, die schwanger werden möchten.

Darum kann bei einer Endometriose im Darm auch eine OP notwendig sein. Wie genau diese abläuft, hängt von der Größe und der Lage des Endometriose-Herdes ab. Meist ist es möglich, diesen im Rahmen einer Bauchspiegelung zu entfernen.

Ursachen

Die Ursache der Endometriose ist noch nicht geklärt. Man weiß aber, wie die Beschwerden entstehen. Um das zu verstehen, muss man ungefähr wissen, wie der normale Menstruationszyklus abläuft: Die Gebärmutterschleimhaut erneuert sich jeden Monat. Wenn sich keine befruchtete Eizelle in ihr einnistet, sorgen bestimmte Hormone dafür, dass die Gebärmutter die Schleimhaut abstößt. Diese löst sich dann und fließt über die Scheide ab – so kommt es zur Monatsblutung.

Während der Periode bluten auch die Endometriose-Herde. Sie reagieren genau wie die Gebärmutterschleimhaut auf die Hormone, die die Regelblutung in Gang setzen. Anders als die Gebärmutterschleimhaut können die Endometriose-Herde aber nicht einfach über die Scheide abfließen. Sie befinden sich ja nicht in der Gebärmutterhöhle, sondern in anderen Organen.

Die blutenden Endometriose-Herde bleiben also im Körper. Das führt zu Entzündungen und Verwachsungen im Bauchraum – und somit zu Schmerzen. 

Es gibt verschiedene Theorien dazu, warum sich die Gebärmutterschleimhaut bei der Endometriose außerhalb der Gebärmutterhöhle ansiedelt. Eine besagt, dass die Erkrankung durch "umgekehrte Menstruation" entsteht: Gebärmutterschleimhaut fließt nicht über die Scheide ab, sondern rückwärts durch die Eileiter in die Bauchhöhle. 

Einer anderen Theorie zufolge entsteht Endometriose durch verstärkte und unkoordinierte Bewegungen der Gebärmuttermuskeln. Durch diese Bewegungen kommt es zu kleinen Verletzungen in den tiefen Schichten der Gebärmutterschleimhaut. Die Zellen, die sich dabei aus den geschädigten Stellen lösen, wandern über den Eileiter in den Bauchraum oder wachsen in die Muskelschicht der Gebärmutter ein. Dann beginnen sie, sich zu vermehren und wachsen somit zu Endometriose-Herden heran.

Fest steht, dass häufig mehrere Frauen in einer Familie an Endometriose erkranken. Das spricht dafür, dass die Erkrankung zumindest zum Teil erblich bedingt ist.

Diagnose

Der erste Hinweis auf eine Endometriose sind die für die Erkrankung typischen Symptome – vor allem die starken Regelschmerzen. Leider glauben viele Frauen, ihre Beschwerden wären normal und erzählen ihrer Ärztin oder ihrem Arzt nicht oder erst nach Jahren davon. Auch deshalb wird Endometriose häufig erst spät entdeckt.

Für Ärztinnen und Ärzte ist die Erkrankung oftmals auch nicht einfach festzustellen. Endometriose-Herde sind in vielen Fällen zu klein, um sie zu ertasten. Auch im Ultraschall sind Endometriose-Herde oder -zysten erst ab einer gewissen Größe zu sehen.

Der einzige Weg, um eine Endometriose sicher festzustellen, ist eine Bauchspiegelung. Das ist ein kleiner operativer Eingriff, für den die Frau eine Vollnarkose erhält. Die Ärztin oder der Arzt platziert dann drei kleine Schnitte in die Bauchdecke. Durch die Öffnungen führt sie oder er eine Kamera und feine Operationsinstrumente ein. Mit der Kamera sucht sie oder er die Bauchhöhle auf Endometriose-Herde und Verwachsungen ab. 

Entdeckt die Ärztin oder der Arzt verdächtige Stellen, kann sie oder er mittels der Instrumente Proben daraus entnehmen. Das entnommene Gewebe wird hinterher an ein Labor geschickt und dort unter dem Mikroskop untersucht. Dabei stellt sich heraus, ob es sich tatsächlich um Endometriose-Gewebe handelt oder nicht.

Behandlung

Heilbar ist Endometriose bislang leider nicht. Die Behandlung kann aber bewirken, dass Schmerzen, Krämpfe und andere Beschwerden nachlassen. Helfen können etwa

Welche Form der Therapie infrage kommt, hängt unter anderem davon ab, wo genau im Körper die Endometriose-Herde wachsen, welche Probleme sie verursachen und ob die erkrankte Frau schwanger werden möchte.

OP bei Endometriose

Eine OP kann sinnvoll sein, wenn die Endometriose 

Für den Eingriff ist meist kein großer Bauchschnitt nötig. Fast immer lassen sich die Endometriose-Herde im Rahmen einer Bauchspiegelung entfernen. Dazu sind nur drei sehr kleine Schnitte nötig.

Schwangerschaft & Kinderwunsch

Endometriose kann einer Schwangerschaft im Wege stehen – etwa, wenn Endometriose-Herde die Eierstöcke oder den Eileiter der Frau beeinträchtigen und deren Form verändern. Die Spermien haben dann unter Umständen Schwierigkeiten, den Weg zur Eizelle "zu finden". 

Eine Endometriose kann sich aber auch aus anderen Gründen auf die Fruchtbarkeit einer Frau auswirken. Zum Beispiel kann sie dazu führen, dass sich der Embryo nicht in der Gebärmutter einnisten kann. Die genaue Ursache lässt sich nicht immer sicher feststellen. Bei einigen Erkrankten hängt die Unfruchtbarkeit auch gar nicht mit der Endometriose zusammen.

Quellen

Online-Informationen von Deximed: www.deximed.de (Abrufdatum: 25.8.2020)

Endometriosis. Online-Informationen vom Office on Women's Health in the Office of the Assistant Secretary for Health at the U.S. Department of Health and Human Services: www.womenshealth.gov (Abrufdatum: 25.8.2020)

Endometriose. Online-Informationen von Amboss: www.amboss.com (Stand: 25.6.2020)

Habib, N., et al.: Bowel Endometriosis: Current Perspectives on Diagnosis and Treatment. International Journal of Women's Health, Vol. 12, pp. 35-47 (Januar 2020)

Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 4.10.2017)

Endometriose. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: April 2016)

Arbeitsgruppe "Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose" der Deutschen, Österreichischen, Schweizerischen und Tschechischen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe unter Mitarbeit der Stiftung Endometrioseforschung und der Europäischen Endometriose Liga: Interdisziplinäre S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 015/045 (Stand: August 2013)

Weyerstahl, T.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Letzte inhaltliche Prüfung: 25.08.2020
Letzte Änderung: 04.11.2020