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Läuse

Letzte Änderung:
Zuletzt bearbeitet von Wiebke Posmyk • Medizinredakteurin

Läuse sind weit verbreitet, allen voran die Kopfläuse. Typisch sind starker, oft nachts auftretender Juckreiz und Hautveränderungen. Bei genauerem Hinsehen kann man die Läuse und ihre Eier (Nissen) erkennen. Zur Behandlung von Kopfläusen haben sich neben dem Läusekamm spezielle Läusemittel bewährt, zum Beispiel als Shampoo.

Überblick

Gerade in Schulen und Kindergärten verbreiten sich Läuse rasch: Kinder stecken die Köpfe zusammen – und schon haben die Parasiten den "Besitzer" gewechselt und ernähren sich von dessen Blut. Im Unterschied zu Flöhen können Läuse nicht springen, dafür krabbeln sie recht schnell. 

Was sind (Kopf-)Läuse?

Ärzte sprechen bei einem Lausbefall von einer Pedikulose oder Pediculosis. Bestimmte Lausarten nisten sich in behaarten Körperregionen oder in der Kleidung ein. Wenn von Läusen beim Menschen die Rede ist, sind meist die Kopfläuse (Pediculus humanus capitis) gemeint, denn sie kommen besonders oft vor. Kopflausbefall bezeichnen Ärzte als Pediculosis capitis.

Läuse wandern in der Regel von Mensch zu Mensch, seltener kommt es vor, dass sie durch gemeinsam benutzte Kämme, Matratzen, Kleidungsstücke oder Ähnliches auf einen anderen Menschen gelangen. Auf dem Menschen angekommen, legen Läuse Eier – sogenannte Nissen. Die Eier haften durch eine klebrige Substanz am Haarschaft. Die neue Lausgeneration schlüpft in der Regel innerhalb einer Woche und sorgt somit für "Nachschub".

Kopf-, Filz- und Kleiderläuse

Neben den Kopfläusen gibt es zwei weitere Lausarten, die den Menschen befallen können: die Kleiderlaus (auch: Körperlaus) und die Filzlaus (auch Schamlaus). Weitere Informationen zu diesen Lausarten erhalten Sie hier:

Symptome

Egal, ob es sich um Kopf-, Kleider-, oder Filzläuse handelt: Läuse erkennen Sie an

Meist entstehen hochrote Knötchen (Papeln) und Quaddeln an den betroffenen Bereichen. Teilweise bilden sich durch das Kratzen Ekzeme. Der Juckreiz und die Hautrötung entstehen durch den Speichel, den die Läuse bei jedem Stich abgeben.

Einen Befall mit Kopfläusen erkennen Sie an

  • Juckreiz auf der Kopfhaut,
  • kleinen, stark juckenden und roten Papeln auf der Kopfhaut und ggf.
  • vergrößerten Lymphknoten im betroffenen Hautbereich.

Die Symptome treten häufig am Hinterkopf auf, aber auch an 

  • den Ohren, 
  • im Nacken oder
  • an den Schläfen. 
© Okapia
Läuse leben bevorzugt auf der Kopfhaut. © Alastair MacEwen/OSF/OKAPIA

Ursachen

Läuse verbreiten sich von Mensch zu Mensch oder über gemeinsam benutzte Gegenstände wie Matratzen oder Kämme. Solange sich im Haar beziehungsweise am Körper einer Person noch bewegungsfähige Läuse befinden, gilt diese als ansteckend.

Läuse brauchen den Menschen zum Überleben

Läuse sind blutsaugende Parasiten. Sie benötigen mehrmals am Tag Blut, um zu überleben. Dazu sind sie mit stechend-saugenden Mundwerkzeugen ausgestattet. Mit ihren kräftigen Klammerfüßen halten sie sich an den Haaren des Betroffenen fest.

Läuse legen ihre gräulich-bräunlichen Eier an Haarschäften oder Stofffasern ab. Aus den tropfenähnlichen Gebilden schlüpfen nach etwa einer Woche die noch nicht geschlechtsreifen Larven. Bis auf ihre Größe gleichen sie schon den erwachsenen Tieren. Neun bis elf Tage nach der Eiablage sind die Larven ausgewachsen und geschlechtsreif. Ausgewachsene weibliche Läuse beginnen bereits kurz nach der Befruchtung damit, Eier zu legen. Innerhalb von vier Wochen produziert jedes Weibchen etwa 90 bis 140 Eier. Getrennt vom Menschen überleben Läuse nur wenige Tage, da ihnen das Blut als Nahrungsquelle fehlt.

Übertragungsweg: So bekommt man Kopfläuse

Kopfläuse bekommt man – anders als die Kleiderläuse – nicht durch mangelnde Hygiene. Prinzipiell kann jeder Kopfläuse bekommen.

Kopfläuse wandern in der Regel direkt von Haar zu Haar, vollkommen unabhängig davon, wie gepflegt die Haare sind. Wenn spielende Kinder zum Beispiel zusammen toben und dabei engen Körperkontakt haben, können sie sich leicht gegenseitig anstecken. Selten gelangen Läuse auch über Kämme, Mützen, Handtücher und andere gemeinsam benutzte Gegenstände auf den nächsten Kopf. Haustiere übertragen Kopfläuse nicht.

Übrigens: Im Gegensatz zu Kopfläusen verbreiten sich Filzläuse meist beim Geschlechtsverkehr. Kleiderlausbefall kommt vor allem dort vor, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben.

© Jupiterimages/iStockphoto
Beim Spielen stecken Kinder gern die Köpfe zusammen. Kopfläuse können so leicht von einem Kopf zum anderen krabbeln.

Diagnose

Wer den Verdacht hat, von Läusen befallen zu sein, muss nicht zwangsläufig zum Arzt. Juckreiz oder Kratzspuren allein sind allerdings kein Beweis für einen Lausbefall. Spätestens, wenn man eine lebende Laus findet, kann man jedoch sicher sein: Eine Läusebehandlung ist nötig.

Bei Verdacht auf Kopflausbefall kann ein spezieller Läusekamm oder eine Lupe das Auffinden von Läusen oder ihren Eiern (den Nissen) erleichtern. Am besten eignet sich die Untersuchung mit einem Läusekamm, wenn die Haare feucht sind. Im Gegensatz zu Schuppen fallen Läuse beim Schütteln nicht aus dem Haar.

Behandlung

Was tun, wenn die Läuse zugeschlagen haben? Wenn Sie bei sich Läuse entdecken, sollten Sie möglichst noch am selben Tag mit der Behandlung beginnen. Egal, ob es sich um Kopf-, Kleider- oder Filzläuse handelt: In jedem Fall empfiehlt es sich, mit einem entsprechenden Mittel zu behandeln, welches die Läuse abtötet.

Behandlung von Kopfläusen

Als besonders effektive Behandlung hat sich eine Kombination aus

erwiesen. Das Auskämmen allein ist häufig nicht ausreichend, um Kopfläuse loszuwerden.

Bei Kopfläusen ist es nicht notwendig, die Haare zu schneiden oder den Kopf kahlzuscheren.

Läusemittel gegen Kopfläuse

Es gibt verschiedene Läusemittel. Sie erhalten diese rezeptfrei in der Apotheke, zum Beispiel als Läusehampoo. Zum Einsatz kommen vor allem

Ob Läuseshampoo oder Präparate zum Einreiben: Läusemittel gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen. Behandeln Sie Haare und Kopfhaut so, wie auf der Packungsbeilage angegeben und kämmen Sie das Haar anschließend nass aus.

Insektizide mit Wirkstoffen wie Permethrin oder Allethrin bekämpfen (Kopf)-Läuse in der Regel sehr zuverlässig. Es kann jedoch vorkommen, dass sie in Einzelfällen nicht wirken. Der Grund: Die Läuse werden im Laufe der Zeit gegen manche Wirkstoffe unempfindlich, das heißt, es hat sich eine Resistenz entwickelt. Schwangere und Stillende sollten auf eine Kopflausbehandlung mit Insektiziden verzichten.

Eine Alternative zu Insektiziden sind Mittel mit Dimeticon, einem Silikonöl. Durch die Anwendung werden Läuse und Eier mit einer Ölschicht bedeckt und somit abgetötet. Wie gut pflanzliche Präparate wirken, ist noch nicht gut untersucht.

Da die Läuse-Eier (Nissen) sehr widerstandsfähig sind, müssen Sie die Therapie mit dem Läusemittel in der Regel nach einigen Tagen wiederholen, um auch alle eventuell nachschlüpfenden Larven abzutöten.

Um die Behandlungsaussichten zu verbessern, sollten Sie folgende Punkte berücksichtigen:

Auskämmen mit dem Läusekamm

Zusätzlich zur Behandlung mit speziellen Läusemitteln sollten Sie Kopfläuse und ihre Eier (Nissen) mithilfe eines Läusekamms und einer handelsüblichen Haarpflegespülung auskämmen. Ein Läusekamm hat sehr enge und starre Zinken, die Läuse und deren Nissen ganz gut erfassen.

Feuchten Sie vor dem Auskämmen die Haare mit Wasser und einer Haarspülung an. Kämmen Sie anschließend das Haar strähnenweise durch und führen Sie dabei den Läusekamm sorgfältig von der Kopfhaut bis zu den Haarspitzen. Streifen Sie den Kamm nach jedem Kämmen auf einem hellen Handtuch oder Küchenpapier ab, so können Sie sehen, ob noch ein Läusebefall vorliegt. Finden Sie ausgewachsene Läuse oder Larven, so kämmen Sie dieselbe Strähne erneut durch.

Sofern Sie bei Medikamente mit dem Läusekamm kombinieren, ist folgender Rhythmus zu empfehlen:

Falls Sie Läuse ohne Läusemittel und ausschließlich mithilfe des Läusekamms bekämpfen (z.B. wegen Schwangerschaft oder Stillzeit), sollten Sie die Haare alle vier Tage, also an den Tagen 1, 5, 9, 13 und 17, auskämmen. Gehen Sie hierbei dann besonders sorgfältig vor.

© Okapia
Ein Läusekamm hat sehr enge Zinken, die Läuse und deren Nissen gut erfassen. © Okapia/imagebroker/Jiri Hubatka

Kleidung & Co. bei Läusebefall mitbehandeln

Hausmittel

Es gibt zahlreiche Tipps, wie man Läuse alternativ mit Hausmitteln loswerden kann. Die wirksamste Therapie-Methode ist jedoch die Kombination aus einem zugelassenen Mittel zur Läusebehandlung aus der Apotheke mit dem Auskämmen mithilfe des Läusekamms.

Andere Methoden können zwar vereinzelt erfolgreich sein – das Risiko, dass man die Läuse nicht richtig los wird, ist jedoch relativ hoch. So sollten Sie zum Beispiel auf eine Behandlung des Kopflausbefalls mit Haushaltsölen oder Ähnlichem verzichten.

Verlauf

In den meisten Fällen ist die Behandlung mit entsprechenden Läusemitteln zuverlässig und die Läuse werden beseitigt. Wichtig ist, die Behandlung nach einigen Tagen zu wiederholen, um alle Larven zu erwischen, die nach rund einer Woche aus den im Haar verbliebenen Läuse-Eiern (Nissen) nachschlüpfen.

Laut Infektionsschutzgesetz sind Eltern verpflichtet, Schule oder Kindergarten über einen Kopflausbefall zu informieren, um eine Ausbreitung der Läuse zu verhindern.

Vorbeugen

Wer Läusen vorbeugen möchte, sollte vor allem aufmerksam sein: Gerade in Schulen und Kindergärten kommt es immer wieder zu Läuseausbrüchen. Sollte ein Kind erkrankt sein, das mit Ihrem Kind in Kontakt gekommen sein könnte, empfiehlt es sich, besonders genau hinzuschauen.

Wenn Sie einen Kopflausbefall bemerken, sollten Sie noch am ersten Tag mit einer Behandlung beginnen. Informieren Sie alle Personen, die engeren Kontakt zum Betroffenen hatten, wie zum Beispiel Familienmitglieder, Freunde, Schulklasse oder Kindergartengruppe. Unmittelbar nach der ersten Behandlung mit einem zugelassenen Läusemittel können Kinder in der Regel wieder in die Schule oder den Kindergarten gehen.

Quellen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Läuse":


Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

Quellen:

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.gib-aids-keine-chance.de (Abrufdatum: 18.07.2017)

Online-Informationen der Deutschen Pediculosis Gesellschaft e.V.: www.pediculosis-gesellschaft.de (Abrufdatum: 18.07.2017)

Pediculosis capitis. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 26.5.2017)

Pediculosis pubis. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 12.4.2017)

Kopfläuse. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 18.11.2015)

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Kopfläuse – was tun? Köln, Oktober 2014

Kayser, F.H. et al.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

Hof, H., Dörries, R.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

Groß, U.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Thieme, Stuttgart 2013

Sterry, W., Paus, R.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Hahn, H.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Springer-Medizin-Verlag, Heidelberg 2009

Kopflausbefall (Pediculosis capitis). Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 17.11.2008)

Letzte inhaltliche Prüfung: 19.07.2017
Letzte Änderung: 21.09.2020