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Plattfuß

Letzte Änderung:
Zuletzt bearbeitet von Till von Bracht • Medizinredakteur

Plattfüße sind deutlich zu erkennen: Das Fußgewölbe ist durchgetreten, sodass der Plattfuß stark (sog. Senkfuß) oder sogar vollständig am Boden aufliegt. Zwar haben relativ viele Menschen Plattfüße – aber in nur wenigen Fällen verursachen sie Schmerzen und müssen behandelt werden. 

Überblick

Was ist ein Plattfuß?

Der Begriff Plattfuß (Pes planus) bezeichnet eine spezielle Fußfehlstellung. Dabei fehlt die Längswölbung des Fußes – das heißt, der Fußinnenrand liegt auf dem Untergrund auf. Im Gegensatz zum Knick-Senkfuß, bei dem ein ähnliches Fußbild vorliegt, ist der Plattfuß dauerhaft in seiner Form verändert und richtet sich auch im unbelasteten Zustand nicht wieder auf.

Es gibt verschiedene Formen von Plattfüßen:

  • Angeborener Plattfuß: Diese auch als Tintenlöscherfuß oder Schaukelfuß bezeichnete Fußfehlbildung besteht von Geburt an und kann unbehandelt die spätere Gehfähigkeit beeinträchtigen.
  • Erworbener Plattfuß: Diese Form der Fußfehlstellung entsteht erst im Laufe des Lebens und kann, je nach Ausprägung, häufig unbehandelt bleiben.
© iStock
Fußabdruck und Profil können Hinweise darauf geben, ob eine Fußfehlstellung vorliegt.

Der erworbene Plattfuß erscheint meistens am Knöchel nach außen abgeknickt (Knickfuß), was den normalen Gang gewöhnlich aber nicht beeinträchtigt.

Plattfüße bei Kindern

Kinder haben häufig einen sogenannten kindlichen Plattfuß beziehungsweise Knick-Senkfuß. Dieser wird auch physiologischer Plattfuß genannt und ist normal in der Wachstumsphase. Diese Art der Plattfüße entsteht durch das bei Kindern noch nicht vollständig entwickelte Skelett. Der kindliche Knick-Senkfuß hat Ähnlichkeit mit dem Plattfuß des Erwachsenen, bildet sich aber gewöhnlich von selbst zurück. In einigen Fällen kann er jedoch in einen erworbenen Plattfuß übergehen.

Ursachen

Ursache für Plattfüße sind Fehlentwicklungen des Fußskeletts: Der gesunde Fuß ist im Gegensatz zum Plattfuß am Innenrand in Längsrichtung gewölbt. Diese Längswölbung führt dazu, dass der gesunde Fuß etwa einen Finger breit vom Boden abgehoben ist. An dieser Wölbung sind Muskeln und Bänder beteiligt. Durch das verformte Fußskelett senkt sich der Plattfuß ab und die Ferse steht höher (Fersenhochstand).

Je nachdem, ob der Plattfuß angeboren oder erworben ist, kommen verschiedene Ursachen für diese Fehlentwicklung infrage.

Angeborener Plattfuß

Der angeborene Plattfuß tritt teilweise familiär gehäuft auf, weshalb erbliche Ursachen infrage kommen. Außerdem tritt diese Verformung oft zusammen mit anderen Fehlbildungen auf, wie der Spina bifida (offener Rücken) oder Missbildungen am Skelett (Hüftverrenkungen, Klumpfuß der gegenüberliegenden Seite).

Erworbener Plattfuß

Der erworbene Plattfuß beziehungsweise Senkfuß entsteht, wenn der Halteapparat des Fußes überlastet ist. Eine angeborene Bindegewebsschwäche kann das verstärken: Die Bänder und Muskeln, die das Längsgewölbe aufrechthalten, sind nicht effizient genug und können das Gewölbe nicht stützen. Das Fußskelett gibt schließlich der Körperlast nach. Oft besteht zunächst ein (im Rahmen der normalen Entwicklung auftretender) kindlicher Plattfuß beziehungsweise Knick-Senkfuß, aus dem sich dann im weiteren Verlauf ein erworbener Plattfuß entwickelt.

Übergewicht begünstigt die Entwicklung von Plattfüßen.

Ein erworbener Plattfuß kann auch durch andere Faktoren entstehen: So kann falsches Schuhwerk für Plattfüße mitverantwortlich sein, wenn Füße und Zehen in den Schuhen nicht ausreichend Bewegungsfreiheit haben. Außerdem halten Schuhe Reize vom Fuß fern, die sonst die Muskulatur aktivieren und trainieren.

Weitere Ursachen können sein:

Bei älteren Menschen entstehen Plattfüße beziehungsweise Senkfüße häufig auch durch eine krankhaft veränderte Unterschenkelsehne (Tibialis-posterior-Sehne): Ist die Sehne lebenslang mechanisch stark beansprucht, bildet sie sich häufig zurück, was bei stärkerer Ausprägung zu den für einen Plattfuß typischen Symptomen führen kann.

Symptome

Plattfüße sind gekennzeichnet durch eine veränderte Fußstellung, die schon äußerlich sichtbar ist: Der Plattfuß liegt stärker als ein normaler Fuß (Senkfuß) oder vollständig am Boden auf.

In der Mehrzahl der Fälle bereitet ein Plattfuß keine Beschwerden, sodass auch die Gehfähigkeit in der Regel nicht eingeschränkt ist. Kommt es beim Plattfuß doch zu Beschwerden, hängen diese allerdings nicht von der Schwere der Fehlstellung (Senkfuß, zusätzlicher Knickfuß) ab.

© Wikimedia Commons
Ein Plattfuß ist von außen meist gut zu erkennen: Das Fußgewölbe ist so stark durchgetreten, dass der Fuß gänzlich am Boden aufliegt. Beschwerden verursacht ein Plattfuß eher selten.

Mögliche Symptome können Schmerzen am Fuß sein: Diese treten an den Stellen auf, an denen die Fußknochen Kontakt mit dem Boden haben. Sind bestimmte Fußteile vermehrt belastet, können weitere Beschwerden auftreten: An diesen Stellen können mit der Zeit Druckgeschwüre entstehen, die dazu führen, dass die Betroffenen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr gehen können.

Diagnose

Ein Plattfuß ist anhand der äußerlich erkennbaren Fußfehlbildung gut zu erkennen: Plattfüße liegen stärker als gesunde Füße oder sogar vollständig am Boden auf. Da die Füße von Babys noch nicht vollständig ausgebildet sind, ist ein angeborener Plattfuß bei Säuglingen schwerer zu erkennen.

Wenn – vor allem beim angeborenen Plattfuß – das Erscheinungsbild keine eindeutige Diagnose zulässt, kann eine Röntgenuntersuchung des Fußes weiterhelfen: Bestimmte knöcherne Veränderungen weisen deutlich auf einen angeborenen Plattfuß hin, da die Fußknochen in einem anderen Winkel zueinander stehen als beim gesunden Fuß.

Um festzulegen, ob und wie der Plattfuß behandelt werden sollte, bestimmt der Arzt außerdem den Schweregrad der Fußfehlbildung:

© Okapia
Ein Plattfuß im Röntgenbild

Therapie

Erworbener Plattfuß

Solange keine Beschwerden bestehen, muss ein erworbener Plattfuß nicht behandelt werden. Kommt es aber zu Schmerzen, ist eine Therapie sinnvoll. Dabei ist es wichtig, das Fußgewölbe besser zu stützen und die Belastung zu verteilen.

Hilfreich sind krankengymnastische Übungen, um die Unterschenkel- und Fußmuskulatur zu stärken. Außerdem gibt es speziell gefertigte Einlagen für Plattfüße. In schwereren Fällen können spezielle maßangefertigte Schuhe nötig sein.

© iStock
Krankengymnastik kann bei Plattfüßen helfen.

Ein erworbener Plattfuß kann auch operiert werden, das ist nur dann nötig, wenn die Beschwerden durch eine konservative (d.h. nicht-operative) Behandlung nicht behoben werden können, zum Beispiel wenn sich eine Arthrose im Fuß gebildet hat. Ziel der operativen Therapie ist es, das untere Sprunggelenk zu entlasten (subtalare Arthrodese).

Steckt hinter dem erworbenen Plattfuß eine andere Ursache (z.B. Arthritis), sollte die Grunderkrankung mitbehandelt werden. Ist beispielsweise die Tibialis-Sehne entzündet, werden örtlich entzündungshemmende Salben oder andere Medikamente eingesetzt.

Angeborener Plattfuß

Wenn ein Plattfuß schon bei der Geburt vorliegt, sollte dieser möglichst schnell operiert werden. Bleibt ein angeborener Plattfuß zunächst unbehandelt, kann später eine langwierige Nachbehandlung mit Gipsverband, Nachlagerungsschalen, Innenschuhen und Einlagen nötig werden. Ist das Wachstum abgeschlossen, die Füße aber immer noch fehlgestellt, ist es möglich, dies durch eine weitere Operation zu korrigieren. Dabei werden bestimmte Fußanteile versteift (sog. Arthrodese).

Verlauf

Ein angeborener Plattfuß kann zwar unbehandelt die spätere Gehfähigkeit beeinträchtigen, kann aber durch eine Operation gut korrigiert werden. Ein erworbener Plattfuß bereitet auch im weiteren Verlauf meist keine Beschwerden und schränkt nicht ein. Sollte es doch zu Beschwerden kommen, ist ein Plattfuß meist einfach und erfolgreich therapierbar.

Vorbeugen

Plattfüßen können Sie nicht direkt vorbeugen. Sie können jedoch das Risiko für Plattfüße gering halten, indem Sie Faktoren wie Übergewicht oder zu enge Schuhe vermeiden. Außerdem sollten Sie dafür sorgen, dass Ihre Kinder von Anfang an gute Schuhe tragen – dies beugt nicht nur Plattfüßen vor, sondern auch anderen Fußfehlstellungen. 

Quellen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Plattfuß":


Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: Mai 2017)

Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D.: Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013

Wülker, N.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

Niethard, F.U. (Hrsg.): Kinderorthopädie. Thieme, Stuttgart 2009

Niethard, F.U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2009

Krämer, G.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Berlin 2007

Letzte inhaltliche Prüfung: 15.10.2018
Letzte Änderung: 18.04.2019