Onmeda.de Logo

Spinaliom (Plattenepithel­karzinom)

Letzte Änderung:
Nächste Aktualisierung von Till von Bracht • Medizinredakteur
Dieser Artikel wurde nachNach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst.

Unsere Inhalte basieren auf fundierten wissenschaftlichen Quellen, die den derzeit anerkannten medizinischen Wissensstand widerspiegeln. Wir arbeiten eng mit medizinischen Experten zusammen.

Mehr erfahren

Das Spinaliom – auch Plattenepithelkarzinom oder Stachelzellkarzinom genannt – ist ein bösartiger Tumor der Haut.

Überblick

Ein Spinaliom entsteht durch chronische Hautschäden, vor allem bei älteren, hellhäutigen Menschen, die sich oft und lange dem Sonnenlicht aussetzen. Weil sich das Plattenepithelkarzinom oberflächlich auf der Haut befindet, kann man diesen Tumor früh bemerken. Der Übergang vom vorgeschädigten Hautbereich hin zum Krebs vollzieht sich jedoch häufig unbemerkt.

Neben der UV-Strahlung durch das Sonnenlicht gibt es noch weitere Risikofaktoren, welche die Entstehung von Spinaliomen begünstigen. Dazu gehören zum Beispiel:

Ein Spinaliom fällt dadurch auf, dass sich die Haut im betroffenen Bereich verändert und dabei recht unterschiedlich aussehen kann. Die Hautveränderungen reichen von geröteten, etwas erhabenen oder schuppigen Flecken bis hin zu leicht blutenden Knoten. Dennoch sind diese Anzeichen oft so typisch, dass ein Hautarzt schon mit bloßem Auge erkennt, dass ein bösartiger Hauttumor vorliegt. Um sicher festzustellen, dass es sich um ein Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) handelt, entnimmt der Arzt eine Probe aus der auffälligen Hautstelle (Biopsie). Ein Gewebespezialist kann mikroskopisch dann die Diagnose bestätigen.

Da ein Spinaliom Tochtergeschwulste (Metastasen) bilden kann, untersucht der Arzt nicht nur die Haut. Er tastet auch die benachbarten Lymphknoten ab oder untersucht sie mittels Ultraschall. Besteht der Verdacht, dass das Plattenepithelkarzinom bereits in entfernte Körperregionen gestreut hat, sind bildgebende Verfahren notwendig: Auf Röntgen- oder Computertomographie-Bildern kann der Arzt dann erkennen, ob zum Beispiel die Lunge bereits befallen ist.

© Okapia
Nahaufnahme eines Spinalioms (© Neufried/OKAPIA)

Wie bei vielen anderen Krebserkrankungen gilt auch beim Spinaliom: Je früher der Tumor erkannt und behandelt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Ein kleines Plattenepithelkarzinom hat meist noch nicht gestreut. Der Arzt versucht dann, den Tumor komplett aus der Haut zu schneiden. Sind benachbarte Lymphknoten befallen, entnimmt der Arzt sie ebenfalls. Neben solchen Operationen sind in manchen Fällen auch eine Bestrahlung oder eine Chemotherapie angebracht. Wichtig sind zudem engmaschige Nachsorge-Untersuchungen, damit der Arzt früh genug feststellen kann, wenn der Tumor nach einer abgeschlossenen Therapie zurückgekehrt ist (sog. Rezidiv).

Definition

Unter einem Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) versteht man einen bösartigen Tumor der Haut, der von den Zellen des Stratum spinosum abstammt. Das Stratum spinosum (Stachelzellschicht) ist, von innen nach außen betrachtet, die zweite der fünf Schichten der Oberhaut (Epidermis).

Die Oberhaut ist aus einem mehrschichtigen verhornenden Plattenepithel aufgebaut. Dementsprechend handelt es sich bei einem bösartigen Tumor dieses Plattenepithels um ein sogenanntes Plattenepithelkarzinom der Haut. Zu den Plattenepithelkarzinomen gehören zum Beispiel Krebserkrankungen der Haut von:

In neun von zehn Fällen tritt ein Plattenepithelkarzinom im Kopf- und Gesichtsbereich auf. Nach dem Basaliom (Basalzellkarzinom) ist das Plattenepithelkarzinom der zweithäufigste Hauttumor.

Ein Spinaliom tritt meist im höheren Lebensalter auf – betroffene Männer sind im Durchschnitt 76 Jahre alt, Frauen 79 Jahre. Das Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) kommt bei Männern häufiger als bei Frauen vor: Im Jahr 2010 erkrankten in Deutschland 22.000 Männer und 14.700 Frauen neu an einem Spinaliom. Besonders hellhäutige Menschen sind häufiger betroffen.

Ein Spinaliom bildet sich bevorzugt an:

Im Verlauf der Erkrankung kann das Plattenepithelkarzinom Tochtergeschwulste (Metastasen) in den Lymphknoten oder anderen Geweben bilden, zum Beispiel in Knorpel, Muskel und Knochen. Etwa 5 von 100 Patienten mit einem Spinaliom sind davon betroffen.

Ursachen

Vorschädigungen

Ein Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) entsteht durch Veränderungen des Erbguts (DNA) in den Hautzellen, die verschiedene Ursachen haben können. Hauptursache ist die langfristige Sonnenbestrahlung. Aber auch andere Faktoren können die Haut so vorschädigen, dass sich ein Spinaliom entwickelt. Zu den möglichen Ursachen gehören beispielsweise:

PlattenepithelkarzinomVorschädigung
Lippenkrebs chronische Entzündungen bei Pfeifenrauchern, Glasbläsern langjährige Sonnenbestrahlung, Leukoplakie
Hautkrebs des Gesichts Verbrennungsnarben langjährige Sonnenbestrahlung
Hautkrebs der Hände langjährige Sonnenbestrahlung, Kontakt mit krebsauslösenden Stoffen wie Arsen, Teer
Peniskrebs Phimose, also eine Verengung der Vorhaut, die eine Entfernung des Vorhaut-Talks erschwert und chronische Entzündungen begünstigt, chronische Schleimhautveränderungen im höheren Lebensalter (Leukoplakie oder Lichen sclerosus et atrophicans)
Vulvakrebs chronische Entzündungen der Geschlechtsorgane, chronische Schleimhautveränderungen im höheren Lebensalter (Leukoplakie oder Lichen sclerosus et atrophicans)

Immunschwäche

Menschen mit einer verminderten Immunabwehr haben ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Spinaliomen und einen meist ungünstigen Krankheitsverlauf. Dies gilt beispielsweise für Personen, deren Immunsystem durch eine Organtransplantation oder eine HIV-Infektion geschwächt ist.

Symptome

Beim Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) treten Symptome an der Haut auf, zum Beispiel an den Lippen, Händen oder im Gesicht. Da es sich um oberflächlich liegende Tumoren handelt, sind sie bereits mit bloßem Auge ohne Hilfsmittel gut erkennbar. Der Übergang aus der chronischen Vorschädigung hin zum Krebs verläuft meist unbemerkt.

Mögliche Hinweise auf ein Spinaliom beziehungsweise Plattenepithelkarzinom der Haut sind folgende Symptome der Haut:

Im weiteren Krankheitsverlauf bildet sich ein derber Knoten, der wenig bis gar keine Schmerzen verursacht, aber leicht bluten kann. Mit zunehmendem Wachstum zerstört das Plattenepithelkarzinom benachbartes Gewebe und breitet sich in Höhe und Tiefe weiter aus.

Diagnose

Schon anhand der typischen Hautveränderungen erkennt der Hautarzt ein Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) – um die Diagnose zu sichern, entnimmt er eine Gewebeprobe (Biopsie) des Tumors und lässt diese untersuchen.

Ein Spinaliom kann streuen – deshalb ist auch die Diagnose möglicher Tochtergeschwulste (Metastasen) wichtig. Der Hautarzt tastet dazu die Lymphknoten ab, die sich in der Nähe des Spinalioms befinden. Gegebenenfalls untersucht er sie auch mittels Ultraschall. Um Fernmetastasen, zum Beispiel in der Lunge, auszuschließen, können auch eine Röntgenuntersuchung oder eine Computertomographie (CT) der Lunge nötig sein. Bei etwa 5 von 100 Betroffenen mit einem Plattenepithelkarzinom bildet das Spinaliom Metastasen aus.

Therapie

Wie bei anderen Krebsarten ist beim Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) die Therapie besonders aussichtsreich, wenn sie in einem frühen Stadium der Erkrankung beginnt: Je eher der Arzt ein Plattenepithelkarzinom behandelt, desto besser sind die Heilungschancen. Die genaue Behandlung richtet sich unter anderem danach, wo das Spinaliom auftritt, wie groß es ist und ob es bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet hat.

Bei einem Plattenepithelkarzinom besteht die beste Therapie in einer operativen Entfernung des Tumors und verdächtiger Lymphknoten. Kann der Arzt das Spinaliom wegen seiner Lage und Ausbreitung nicht entfernen, erfolgt eine Strahlentherapie, mitunter in Kombination mit einer Chemotherapie oder einer sogenannten Chemo-Immuntherapie. Eine Strahlentherapie ist auch dann sinnvoll, wenn der Arzt das Plattenepithelkarzinom nur unvollständig entfernen konnte und/oder Lymphknoten vom Krebs befallen sind.

Sobald Fernmetastasen beim Spinaliom vorliegen, entscheiden die behandelnden Ärzte gemeinsam mit dem Patienten individuell, ob eher eine Operation oder Strahlentherapie als lebensverlängernde Maßnahme sinnvoll ist. Auch eine Chemotherapie eignet sich für fortgeschrittene Krankheitsstadien des Spinalioms.

Verlauf

Das Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) nimmt einen günstigeren Verlauf und hat eine bessere Prognose, wenn der Arzt den Tumor in einem frühen Stadium erkennt und entsprechend behandelt: Ein Plattenepithelkarzinom mit einem Durchmesser kleiner als zwei Zentimeter bildet selten Tochtergeschwulste (Metastasen) und hat daher die beste Prognose.

Ein Spinaliom bildet in der Regel zuerst Metastasen in den lokalen Lymphknoten und anschließend in der Lunge. Sobald Metastasen vorhanden sind, verschlechtert sich die Prognose wesentlich. Tritt ein Spinaliom bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem auf, wirkt sich dies ebenfalls ungünstig auf Verlauf und Prognose aus.

Wichtig beim Spinaliom ist die regelmäßige Nachuntersuchung beim Arzt, die je nach Metastasen- oder Rezidiv-Risiko (Wiederauftreten des Tumors) für die Dauer von fünf Jahren alle drei bis sechs Monate stattfindet.

Vorbeugen

Einem Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) können Sie am besten vorbeugen, indem Sie Risikofaktoren meiden, beispielsweise indem Sie:

Wichtig ist auch, dass Sie Ihre Haut regelmäßig selbst untersuchen, um ein Spinaliom frühzeitig zu entdecken. Außerdem empfiehlt es sich, die gesetzliche Hautkrebs-Vorsorge wahrzunehmen. Bei einer unklaren Hautveränderung sollten Sie unverzüglich zum Arzt gehen. Damit können Sie einem Spinaliom zwar nicht vorbeugen – frühzeitig erkannt kann man es aber meist gut behandeln und dadurch schwere Verläufe verhindern.

Weitere Informationen

Linktipps:

  • www.krebshilfe.de Deutsche Krebshilfe e.V.: Informationsmaterialien zu Krebs, Beratung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen bzw. Betroffenen.

Quellen:

Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. De Gruyter, Berlin 2014

Kurzleitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Deutschen Krebsgesellschaft: Plattenepithelkarzinom der Haut. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 032/022 (Stand: Dezember 2013)

Plattenepithelkarzinom (Spinaliom).Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft: www.krebsgesellschaft.de (Stand: 22.11.2013)

Robert Koch-Institut: Krebs in Deutschland 2009/2010. Berlin, 2013

Altmeyer, P.: Dermatologische Differenzialdiagnose. Springer, Heidelberg 2012

Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): Plattenepithelkarzinom der Haut, der Lippen und der Augenlider, Version 12 (Stand: 3.2.2005)

Letzte inhaltliche Prüfung: 09.12.2014
Letzte Änderung: 23.01.2015